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Alt 20.08.2008, 14:52
Popeye
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[top]Kaukasus-Albaner


Allianz gegen Moskau steht


Von Werner Pirker Der Westentaschen-Napoleon in Paris droht mit der Einberufung eines EU-Sondergipfels, sollten sich die russischen Truppen nicht schnellstens aus Georgien zurückziehen. Rußlands Führung dürfte Sarkozy damit wohl kaum in Panik versetzt haben. In Washington aber wird es mit Genugtuung zur Kenntnis genommen worden sein, daß die anfangs etwas aggressionsgehemmten europäischen Verbündeten nun nach und nach auf einen entschieden antirussischen Kurs einschwenken. Das läßt sich von Paris ebenso behaupten wie von Berlin.

Dabei schien in deutschen Regierungskreisen bei Ausbruch des kriegerischen Konflikts sogar die Kritik an Georgiens Überfall auf Südossetien das bestimmende Moment bei der Krisenbeurteilung gewesen zu sein. Zudem fühlte sich Berlin in seiner Entscheidung, gegen eine sofortige Aufnahme der Ukraine und Georgiens in die NATO aufzutreten, durch die Zuspitzung der Situation um die ehemals georgische Provinz eher bestätigt als widerlegt. Das sieht nun die deutschen Kanzlerin völlig anders. »Georgien wird«, brachte sie es bei ihrer Ankunft in Tbilissi etwas umständlich auf den Punkt, »wenn es das will, und das will es ja, Mitglied der NATO sein«. Die ehemalige Sowjetrepublik soll somit, wohl als Auszeichnung für die versuchte Eroberung eines Landes, dessen Existenz außerhalb Georgiens einer internationalen Regelung unterliegt, in den Stand eines NATO-Mitglieds erhoben werden. Was früher gegen eine sofortige Aufnahme des Kaukasusstaates sprach, seine ungelösten Territorialfragen, soll nun auf einmal für eine Mitgliedschaft sprechen. Wäre Georgien NATO-Mitglied gewesen, wird argumentiert, dann hätte das russische Eingreifen in den Südossetien-Konflikt den Beistandsfall ausgelöst. Das heißt aber auch: Wäre Georgien zum Zeitpunkt seines brutalen Angriffes auf Tschinwali bereits in der NATO gewesen, dann wäre die nordatlantische Wertegemeinschaft zur Kriegspartei im Kaukasus geworden. Dann wäre es an der NATO, Georgiens ungelöste Territorialfragen zu lösen, die losgetrennten Autonomiegebiete mit Gewalt zu annektieren und dabei einen Krieg mit Rußland zu riskieren. Wofür Frau Merkel eintritt, ist die ultimative Provokation. Dafür eignet sich der Provokateur von Tbilissi als Verbündeter bestens.

Als prowestliche Provokateure und Nutznießer sind die großgeorgischen Chauvinisten die Kosovo-Albaner des Kaukasus. Nur daß sich die Frage der territorialen Integrität umgekehrt stellt. Angela Merkels Insistieren auf die territoriale Unversehrtheit der Kaukasusrepublik hört sich angesichts der Kosovo-Sezession wie blanker Hohn an. Auch weil Südossetien nie integraler Bestandteil eines georgischen Staatswesens war, da es Georgien bereits vor dessen Unabhängigkeitserklärung verlassen hatte. Wo immer der Westen um die Lösung einer nationalen Frage bemüht ist, ist Kriegsgefahr in Verzug

19.08.2008: Kaukasus-Albaner (Tageszeitung junge Welt)
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