Vor einem Jahr kickte Robert Pervan noch in der Bezirksliga Nord, am Rücken die Nummer zehn, an seiner Seite der ältere Bruder Marin. "Er hat mehr Talent als ich, ist aber nicht so ehrgeizig", sagt Robert. Marin streift auch in dieser Saison das grün-schwarze Trikot des ASKÖ Doppl-Hart über, Robert nicht. Der Fußball hat den 18-Jährigen schon vor einem halben Jahr in die Schweiz geführt, "eine Zeit über die ich nicht so gerne spreche", jetzt ist Robert in England gelandet, darüber spricht er umso lieber. Es ging schnell, Probetraining, Probespiel, Vertragsunterzeichnung. In den kommenden zwei Jahren kommen Roberts Gegner nicht aus Eidenberg/Geng und Puchenau, er darf sich nun mit englischen Traditionsvereinen wie Nottingham Forest, Leeds United und dem FC Middlesbrough messen. Robert spielt nun beim Peterborough United Football Club, in der Football League Championship, der zweithöchsten Spielklasse Englands. Sein Trainer heißt Ferguson.


Ferguson war sofort angetan

Es ist zwar nur der kleine Ferguson - Peterboroughs Coach Darren Ferguson ist der Sohn vom großen Sir Alex - der 40-Jährige war allerdings umso mehr vom Talent des jungen Österreichers angetan. "Ich habe nur zwei Probetrainings und ein Testspiel absolviert, Trainer Ferguson konnte nicht glauben, dass ich nicht schon vorher bei einem Profiverein untergekommen war. Nach dem Spiel hat er dann zu mir gemeint, dass er mich unbedingt verpflichten möchte,
war vor allem von meiner Technik und meiner Spielübersicht angetan", kann Pervan eigentlich noch nicht fassen, was da nun rundum ihn geschieht, ist aber überzeugt, dass solch ein Schritt nur eine Frage der Zeit war. "Das alles klingt jetzt zwar unglaublich, doch ich wusste immer, dass ich das Zeug dazu habe. Das Problem war nur, hierher zu kommen. Das habe ich wiederum meinem Manager zu verdanken, er hat das in die Wege geleitet.""Ich habe alles meinem Vater zu verdanken"

Dankbar ist Robert aber vor allem seinem Vater, der mit ihm, Bruder Marin und Schwester Marija im Jahr 1995 allein geblieben war. "Meine Mutter ist in diesem Jahr an Krebs verstorben, das war ein großer Schock und die schwerste Zeit im Leben meines Vaters, immerhin blieb er mit drei Kleinkindern alleine. Ich ziehe meinen Hut vor ihm, denn er hat daraufin hart gearbeitet und uns eine vollkommen normale Kindheit ermöglicht. Ich habe alles meinem Vater zu verdanken, möchte es vor allem wegen ihm schaffen", ist Robert fest entschlossen. Vorerst muss er aber ohne seine Familie auskommen, denn diese wird nicht mit nach Peterborough ziehen. "Sie bleiben in Österreich, wo ich hier wohnen werde, weiß ich noch nicht. Ferguson möchte nicht, dass ich alleine bleibe, deshalb werde ich wohl mit
einigen Mannschaftskameraden in eine WG, oder aber zu einer Gastfamilie ziehen. Es ging ja alles sehr schnell, ich muss erst noch meine ganzen Sachen aus Österreich holen. Das werde ich dann während der bevorstehenden Länderspielpause erledigen."Gegen Manchester United vor 15.000 Fans

Sonst hat Robert aber schon einen geregelten Tagesablauf, in England wird nichts dem Zufall überlassen, "eine andere Welt", wie der Youngster zu sagen pflegt. Um acht wird aufgestanden, um neun mit der Mannschaft gefrühstückt. Bevor es ins Training geht, wird noch schnell eine 20-minütige Kraftkammer-Einheit eingeschoben, nach dem Training gibt es wieder ein gemeinsames Mittagessen. "Die Abläufe sind sehr unterschiedlich, denn der Spielrhythmus ist Dienstag-Samstag, somit ist das Training oft nur Regeneration. Der größte Unterschied zu Österreich ist, dass hier jede Übung mit dem Ball absolviert wird, der ist wirklich immer dabei", ist Pervan begeistert. Das bisherige Highlight für den geborenen Linzer war jedoch das Probespiel gegen Manchester United, nach dem er ja auch direkt verpflichtet wurde. "Ich bin in den letzten 25 Minuten zum Einsatz gekommen, wir haben in unserem Stadion vor 15.000 Zuschauern gespielt, ein unbeschreibliches Gefühl."
Zweiter Österreicher steht Pervan zur Seite

Ein Gefühl, das Pervan mit einem anderen Österreicher teilt, der neue Peterborough-Tormann heißt Robert Olejnik. Den 25-jährigen Wiener hat es schon
2003 von Austria Wien zu Aston Villa verschlagen. Nach mehreren Stationen auf der Insel ist Olejnik in diesem Sommer bei "The Posh" - bei den Feinen - gelandet. "Er erklärt mir sehr viel, hilft mir immer, wenn ich etwas brauche. Auch die anderen Mitspieler sind sehr hilfsbereit, Grant McCann, einer der 40 Länderspiele für Nordirland absolviert hat, ist mit mir einfach durch die Stadt gezogen und hat mir alles gezeigt, als ich einmal viel zu früh beim Training war", hat der 18-Jährige unter anderem die Kathedrale von Peterborough, das Wahrzeichen der 160.000-Einwohner-Stadt, zu Gesicht bekommen. Peterborough liegt etwa 150 Kilometer nördlich von London, "es regnet hier immerzu, aber sonst ist es schön."Durchbruch nach einige Rückschlägen

Dunkle Wolken sind zwischenzeitlich auch über Pervans Karriere aufgezogen, hatte er bei seiner letzten Station in der Schweiz beim unterklassigen FC Möhlin-Riburg weniger Erfolg. "Das war eher ungklücklich, ich habe mich dort nicht wohl gefühlt, möchte darüber auch nicht sprechen." Verschlossen zeigt sich der nunmehrige Profikicker - Pervan erhielt einen Profivertrag über zwei Jahre plus Option auf ein weiteres - auch, wenn es um die kroatische Jugendnationalmannschaft geht, in die er zwei Mal einberufen wurde. "Auch von ihnen bin ich nicht so behandelt worden, wie sich das gehört, ein Kapitel, das ich abgeschlossen habe", würde sich Pervan nun über eine Einberufung ins österreichische Team freuen. Frühzeitig verlassen musste er auch den LASK, bei dem er fünf Jahre verbrachte. "Das war eine tolle Zeit. Leider ging sie zu Ende, als unsere U18 aufgelöst wurde. Ich habe daraufhin unter Toni Polster bei den Amateuren trainiert, als ich zurück von der kroatischen Nationalmannschaft kam, hieß es aufeinmal, dass ich für die JKU in der 2. Klasse spielen sollte. Weil es nur drei Tage bis zum Ende der Übertrittszeit waren, bin ich zurück zu meinem Stammverein ASKÖ Doppl-Hart gegangen. Ich gebe den Verantwortlichen des LASK aber keine Schuld, sie hatten damals größere Probleme", sagt Pervan. Er war also wieder in Doppl-Hart gelandet, an der Seite seines Bruders Marin. Der spielt noch immer dort, nach dem Abstieg in die 1. Klasse gegen Gegner wie Eidenberg/Geng, Robert nicht, er hat es nun unter anderem mit Nottingham Forest zu tun, "ich lebe meinen Traum".


Milan Vidovic
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