Blutbeutel in Plastiktüten
Dopingfunde bei der Leichtathletik-EM

Heinz Peter Kreuzer

KÖLN. Nach Abschluss der Leichtathletik-Europameisterschaften in Göteborg droht noch ein Dopingskandal, obwohl bisher kein Sportler positiv getestet wurde. Nach ihrer Dominanz bei der EM mit 12 Titeln und insgesamt 34 Medaillen rücken Russlands Leichtathleten immer stärker ins Zentrum des Doping-Verdachts. In der Nähe ihres Mannschaftshotels wurden zwei Plastiktüten mit Blutbeuteln, Medikamentenverpackungen, Spritzen und Kanülen gefunden. Die Verpackungen waren in russischer Sprache beschriftet. In dem Hotel wohnten neben Russland auch die Mannschaften aus Polen, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Gibraltar und Malta.

Am Montagmorgen hatte ein Passant eine der Plastiktüten gefunden und bei der Polizei abgegeben. Später fanden Polizeibeamte eine zweite Tüte. "Wir glauben, dass es sich hier um Präparate und Technik zum Zweck des Dopings handelt", sagte ein Polizeisprecher. "Die Fundsachen werden jetzt in Dopingkontrolllabors untersucht, um die Substanzen zu bestimmen", erklärte Professor Arne Ljungqvist, Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF.

Neben den Funktionären des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Präsident Clemens Prokop und Generalsekretär Frank Hensel, vermutet auch das spanische Mitglied des IAAF-Councils, José Maria Odriozola, Doping im russischen Team. Er kündigte in der Zeitung "ElMundo Deportivo" an, er werde die Informationen über die Funde kommende Woche in Peking den Kollegen vom IAAF-Council vorlegen. Gegen die Beschuldigungen wehrt sich der russische Cheftrainer Waleri Kultschenko: "Unser Doping-Kontrollsystem wurde getestet und zugelassen von der IAAF. Alle unsere Athleten sind unter ständiger und kompletter Kontrolle."