BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Erweiterte Suche
Kontakt
BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Benutzerliste

Willkommen bei BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen.
Seite 1 von 26 1234511 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 257

Aus eins mach vier: Die Aufsplittung einer Sprache

Erstellt von Emir, 17.04.2010, 20:47 Uhr · 256 Antworten · 18.039 Aufrufe

  1. #1
    Emir

    Aus eins mach vier: Die Aufsplittung einer Sprache

    17.04.2010 | 19:53 | Petra Paumkirchner und Martin Walpots (Die Presse)
    Mit dem Niedergang Jugoslawiens wurde auch das Serbokroatische dem Zerfall preisgegeben. Das Resultat: vier neue slawische Sprachen.



    Nach dem Zerfall Jugoslawiens haben sich nicht nur die Staatsgrenzen im Südosten Europas verschoben, auch die sprachliche Kommunikation der neu entstandenen Staaten ist in Aufruhr geraten. Schließlich wollten sich die einzelnen, einst unter dem Dach von Jugoslawien vereinten Nationen auch nicht mehr länger mit ein und derselben Sprache verständigen. Sie bemühten sich Anfang der 1990er- Jahre um eine eigenständige kulturelle Identität, die sich auch in einer eigenen Sprache widerspiegeln sollte. Und so splittete sich die bis etwa 1990 offizielle Sprache, das Serbokroatische bzw. Kroatoserbische, in mittlerweile vier neue, offiziell anerkannte Sprachen auf: das Bosnische oder Bosniakische, das Kroatische, das Serbische und seit 2007 das Montenegrinische.

    Bosnisch oder Bosniakisch ist das Gleiche, es kommt nur auf die Sichtweise an: Die Bosniaken, die überwiegend in Bosnien und Herzegowina lebende muslimische Bevölkerung, bezeichnen ihre Sprache als Bosnisch – wohingegen ein großer Teil der Kroaten und Serben die Meinung vertritt, dass ein ethnisch bedingter Sprachname (d. h. Bosniakisch bzw. bošnjački) angebrachter wäre als eine Bezeichnung, die territorial markiert ist (Bosnien, daher Bosnisch/bosanski).

    Im Rahmen eines vom FWF geförderten vierjährigen Projekts beschäftigten sich Linguisten vom Institut für Slawistik der Universität Graz in Kooperation mit einer Reihe von anderen Instituten der Uni Graz sowie anderen Hochschulen im In- und Ausland seit drei Jahren mit den Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten und den Unterschieden dieser Sprachen. Dabei wurde nicht nur das Sprachbild, sondern auch die gesprochene Sprache unter die Forscherlupe genommen. Die Sprachen wurden phonetisch-phonologisch, orthografisch, lexikalisch, phraseologisch, morphologisch und syntaktisch untersucht.

    „Derzeit ist die Verständlichkeit unter den vier Sprachen noch sehr hoch“, erklärt Branko Tošović, Leiter des Projekts. Die Unterschiede bestehen zur Zeit vorwiegend im Wortschatz. Dieser hat eine lange Geschichte: In den Teilen, die über Jahrhunderte zum Osmanischen Reich gehört haben, sind – vor allem im Bosnischen – zahlreiche türkische oder arabische Lehnwörter in den Sprachbestand eingegangen. In Kroatien, das lange Zeit zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehört hat, gibt es dagegen viele Wörter deutscher Provenienz – und zwar in der österreichischen Variante: von „šnicla“ bis zum „špricer“.

    Die historisch erklärbaren Unterschiede verstärken sich seit dem Zerfall Jugoslawiens. In Kroatien wurden bewusst Fremdwörter durch Wortneubildungen oder durch alte, de facto ausgestorbene Wörter ersetzt. So war es in Jugoslawien allgemein üblich, Flugzeuge als „avion“ zu bezeichnen, in Kroatien heißen sie dagegen heute (wieder) „zrakoplov“. Die Serben sind nicht so fremdwörteravers: Zu Computer sagen sie „kompjuter“, Fußball heißt „futbol“, die Kroaten sagen dagegen „računalo“ und „nogomet“. Die Schulen in den verschiedenen Ländern haben jeweils eigene Lehrbücher, was zur Unübersichtlichkeit nur noch mehr beiträgt.
    Tošović: „In Zukunft könnten sich die Sprachen weiter auseinanderentwickeln.“

    Der weitaus größte Teil, vor allem in der Grammatik, gleicht sich, immerhin ist Sprachentwicklung ein langwieriger Prozess. So lassen sich zum Beispiel neue Pronomina (Fürwörter), neue Fälle und Zeitformen nicht einfach so aus dem Boden stampfen. 20 Jahre sind dafür ein viel zu kurzer Zeitraum, obwohl einige vieles daransetzen, die Unterschiede zu potenzieren. „In Kroatien werden manche Filme sogar mit Untertiteln gezeigt“, weiß Tošović – obwohl die Verständlichkeit zwischen den Sprachen wie gesagt noch hoch ist.

    Was die vier Sprachen auf einen Blick voneinander unterscheidet, ist ihr Alphabet: Serbisch und Montenegrinisch verwenden sowohl kyrillische als auch lateinische Buchstaben, Kroatisch und Bosnisch dagegen ausschließlich das lateinische Alphabet.
    s-6;0In Bosnien und Herzegowina sind bis auf das Montenegrinische alle aus dem Serbokroatischen entstandenen Sprachen und somit auch zwei verschiedene Alphabete offiziell zugelassen. In den Schulen müssen sich die Schüler bzw. deren Eltern entscheiden, welcher der drei Sprachnamen im Zeugnis und in anderen Dokumenten aufscheinen soll. Je nach Bevölkerungsmehrheit sind die Sprachen auf die einzelnen Gebiete des Staates verteilt. Dort, wo Bosniaken in der Überzahl sind, ist das Bosnische vorherrschend, wo Kroaten zahlenmäßig dominieren, das Kroatische, und in jenen Landesteilen, in denen Serben die Bevölkerungsmehrheit stellen, das Serbische.

    Suche nach Wortstämmen. Unterstützung für ihre Untersuchungen fanden die Slawisten der Universität Graz in einer gemeinsam mit Hubert Stigler und seinem Team vom Zentrum für Informationsmodellierung in den Geisteswissenschaften entwickelten riesigen Suchmaschine für das Bosni(aki)sche, das Kroatische und das Serbische. Die Datenbank und die Serviceleistungen dieser eigens für das FWF-Projekt generierten Suchmaschine stehen jedoch nicht nur den Linguisten zur Verfügung, sondern sind über das linguistische Slawistikportal der Karl-Franzens-Universität Graz – genannt „Gralis“ (Grazer Linguistische Slawistik) – auch öffentlich für Studenten und Interessierte frei zugänglich.
    Gralis verfügt über einige spannende Features wie etwa den MorphoGenerator, bei dem für jedes Wort in allen eingespeicherten Sprachen die Abwandlungen in den einzelnen Fällen beziehungsweise Personen und Zeiten angeführt werden. Ein Service, das derzeit kein Wörterbuch bieten kann.

    Das Wissenschaftlerteam kann bei seinen Aktivitäten auf rund drei Millionen Einträge wie Text-, Audio- und Videodateien zugreifen. „Neben bosni(aki)schen, kroatischen und serbischen Texten sind auch Texte in elf weiteren slawischen Sprachen sowie auf Deutsch vorhanden, die miteinander verbunden sind und direkt verglichen werden können“ , so der Projektkoordinator Arno Wonisch.

    Darunter befinden sind auch die Werke bekannter Schriftsteller wie von Ivo Andrić (Literaturnobelpreis 1971) oder Branko ?opić. Es lässt sich sowohl nach Wörtern oder Wortstämmen suchen, aber man kann auch die Verwendung bestimmter Begriffe im Kontext sowie die Häufigkeit von Ausdrücken und damit die sprachliche Relevanz ermitteln.

    ("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2010)

    Aus eins mach vier: Die Aufsplittung einer Sprache DiePresse.com

    eeee budale ^^

  2. #2
    Avatar von DZEKO

    Registriert seit
    09.08.2009
    Beiträge
    57.137
    Ja snam pricati srpski pederu jedane

  3. #3
    Emir
    Die historisch erklärbaren Unterschiede verstärken sich seit dem Zerfall Jugoslawiens. In Kroatien wurden bewusst Fremdwörter durch Wortneubildungen oder durch alte, de facto ausgestorbene Wörter ersetzt. So war es in Jugoslawien allgemein üblich, Flugzeuge als „avion“ zu bezeichnen, in Kroatien heißen sie dagegen heute (wieder) „zrakoplov“. Die Serben sind nicht so fremdwörteravers: Zu Computer sagen sie „kompjuter“, Fußball heißt „futbol“, die Kroaten sagen dagegen „računalo“ und „nogomet“. Die Schulen in den verschiedenen Ländern haben jeweils eigene Lehrbücher, was zur Unübersichtlichkeit nur noch mehr beiträgt.
    Tošović: „In Zukunft könnten sich die Sprachen weiter auseinanderentwickeln.“
    Ich sage weiterhin Avion, dieses eine Wort da zrakoplov--> LOL

    Zu Fußball "fotbol" ??? fudbal?
    PC-> kompjuter ili racunar

  4. #4
    Emir
    Ahja, Licna Karta ist denke ich mal das richtige Wort für Perso, doch in HR heist das wieder anders :s

  5. #5

    Registriert seit
    27.03.2009
    Beiträge
    8.286
    Vazduhoplov

  6. #6
    Avatar von Ravna_Posavina

    Registriert seit
    29.10.2009
    Beiträge
    7.028
    zrakoplov?? racunalo?? WTF??

  7. #7
    Beogradjanin
    Zitat Zitat von Emir88 Beitrag anzeigen
    Ahja, Licna Karta ist denke ich mal das richtige Wort für Perso, doch in HR heist das wieder anders :s
    Es gibt einie Paralellen zwischen dem Versuch der Kroaten ihre Sprache komplett dem serbischen (serbokroatischen) zu entfremden wie es auch in der Nazi Zeit war, als man neue Worter erfand. Das finde ich traurig denn unsere Kultur ist die selbe jeder mit seinen speziellen Eigenheiten. Diese Vielfalt macht es aus.

    Krampfhaft etwas zu ändern das so lange währte ist fragwürdig und man sieht wie verblendet die nationalistischen Kräfte in Kroatien waren und sind.

    Österreicher sprechen auch deutsch die Schweizer ebenso nur im Balkan müssen wir das natürlich anders handhaben

  8. #8
    Avatar von Ravna_Posavina

    Registriert seit
    29.10.2009
    Beiträge
    7.028
    Zitat Zitat von DZEKO Beitrag anzeigen
    Ja snam pricati srpski pederu jedane

  9. #9
    Emir
    Zitat Zitat von Zmaj Beitrag anzeigen
    Vazduhoplov


    Zitat Zitat von Ravna_Posavina Beitrag anzeigen
    zrakoplov?? racunalo?? WTF??
    Wie sagen die in Kroatien Personalausweis?

    Zitat Zitat von Beogradjanin Beitrag anzeigen
    Es gibt einie Paralellen zwischen dem Versuch der Kroaten ihre Sprache komplett dem serbischen (serbokroatischen) zu entfremden wie es auch in der Nazi Zeit war, als man neue Worter erfand. Das finde ich traurig denn unsere Kultur ist die selbe jeder mit seinen speziellen Eigenheiten. Diese Vielfalt macht es aus.

    Krampfhaft etwas zu ändern das so lange währte ist fragwürdig und man sieht wie verblendet die nationalistischen Kräfte in Kroatien waren und sind.

    Österreicher sprechen auch deutsch die Schweizer ebenso nur im Balkan müssen wir das natürlich anders handhaben
    Naja, die sollen sagen was die wollen, find es aber kake die Wörter zu ändern ...

  10. #10

    Registriert seit
    19.05.2009
    Beiträge
    624
    am schlimmsten finde ich die monatsnamen im kroatischen .. januar februar märz und so is einfach internationaler finde ich :>

Seite 1 von 26 1234511 ... LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 1023
    Letzter Beitrag: 21.01.2019, 16:40
  2. (ALT-)ALBANISCH: Lebendiger Einfluss einer toten Sprache?
    Von FREEAGLE im Forum Geschichte und Kultur
    Antworten: 71
    Letzter Beitrag: 21.02.2016, 07:16
  3. Die Entstehung einer neuen Sprache..;.)
    Von samira72 im Forum Humor - Vicevi
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 12.11.2008, 12:53
  4. Moskau: Vier Rassismus-Morde in einer Woche
    Von Popeye im Forum Kriminalität und Militär
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 21.02.2008, 15:03
  5. Aus eins mach fünf
    Von Krajisnik im Forum Balkan im TV
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 11.03.2005, 16:48