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100 Jahre Domowina - Die Lausitzer Sorben

Erstellt von Lilith, 10.10.2012, 17:17 Uhr · 6 Antworten · 669 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Lilith

    Registriert seit
    15.04.2010
    Beiträge
    19.295

    100 Jahre Domowina - Die Lausitzer Sorben

    Ein Volk zwischen Selbstbehauptung und Anpassung in Deutschland. Eine interessante kleine Doku anlässlich des 100jährigen Bestehens der sorbischen Domowina. Auf weitere 100 Jahre Leider krieg ich das gerade irgendwie nicht eingebettet.)

    http://mediathek.rbb-online.de/rbb-f...entId=12041552


    Bei Interesse auch mal ein kleiner tabellarisch-historischer Überblick über die Hintergründe/Geschichte der Sorben/Wenden

    Quelle: Geschichte der Sorben - Überblick 1. Teil


    Stawizny Serbow - Zur Geschichte der Sorben
    I. Teil
    1. Teil (bis 1843)
    2. Teil (1843 - Gegenwart)
    600 Slawische Stämme besiedeln das Gebiet zwischen Elbe/Saale und Oder/Queiß
    631 Erste urkundliche Erwähnung der Sorben in der Chronik des Fredegar
    990 Mit den Milzenern in der Oberlausitz verliert der letzte sorbische Stamm seine politische Unahhängigkeit.
    Militärische Eroberungspolitik durch den deutschen Staat ging mit der Christianisierung der slawischen Gebiete einher
    1000 - 1100 Innerer Landesausbau durch sorbische Bauern
    1104 Beginn der fränkischen Ansiedlung durch Wiprecht von Groitzsch
    1150 -1300 Einwanderung fränkischer, flämischer, thüringischer und sächsischer Bauern
    1264 Gründung des Klosters Marienstern in der Oberlausitz.
    Sorbische Bevölkerung bildet zu Beginn des 13.Jahrhunderts über 90% der Bewohner zwischen Saale und Bober/Queis

    - Herrschende Schicht (Markgrafen, Bischöfe, Äbte, Ritter und Vasallen) rekrutiert sich ausschließlich aus deutschen Eroberern

    - Erobertes sorbisches Gebiet wird in Markgrafschaften eingeteilt
    1293 /
    1327
    Verbot der sorbischen Sprache in Bernburg/S., Altenburg. Zwickau und Leipzig
    um 1500 Sorbischer Bürgereid aus Bautzen/Budysin, das älteste bekannte sorbische Schriftdenkmal
    1543 Übersetzung der "Wendischcn Taufagende", ältestes Zeugnis sorbischer Kirchenliteratur
    1548 Erste Übersetzung des Neuen Testamentes in die sorbische Sprache durch Miklaws Jakubica
    1574 Erstes gedrucktes sorbisches Buch - ein Gesangbuch mit Katechismuis von Albin Moller in niedersorbischer Sprache
    1597 Erstes gedrucktes Buch in obersorbischer Sprache
    1618 - 1648 Verlust von nahezu der Hälfte der sorbischen Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg;
    Schrumpfung des sorbischen Sprachgebietes
    1706 / 1709 Übersetzung des Neuen Testamentes durch Michal Frencel ins Obersorbische und durch Bogumil Fabricius ins Niedersorbische; Entstehung der sorbischen Schriftsprache
    1716 Gründung der Wendischen Predigergesellschaft "Sorabia". heute Deutschlands älteste noch bestehende Studentenvereinigung
    nach 1750 Anfänge eines bürgerlichen sorbischen nationalen Bewußtseins unter vielfältiger Unterstützung durch die slawischen Nachbarn; deutsche und sorbischeAufklärer beschäftigen sich wissenschaftlich mit der sorbischen Sprache und Kultur
    1767 Mit der Übersetzung des Kloppstockschen "Messias" ins Sorbische durch Jurij Mjen wird die weltliche sorbische Kunstdichtung begründet
    1790 Herausgabe der Zeitung "Mesacne pismo k rozwucenju a k wokrewjenju" Monatszeitschrift zur Belehrung und Erbauung durch zwei sorbische Studenten; (nach der ersten Nurnmer verboten)
    1790 -1794 Bauernunruhen in der Lausitz unter dem Einfluß der Französischen Revolution
    1809 -1812 Herausgabe der Zeitung "Serbski powedar a kurer" (Sorbischer Erzähler und Kurier) in Bautzen/Budysin durch den Zimmermann Jan Bohuchwal Dejka
    1815 Territoriale Neugliederung des sorbischen Siedlungsgebietes durch den Wiener Kongreß; administrative Teilung drängt die sorbische Bevölkerung in fast allen Kreiscn in die Minderheit
    1818 In Preußen wird zum weiteren Einschränken der sorbischen Sprache eine Verordnung erlassen
    1841 /
    1843
    Jan Amost Smoler und Leopold Haupt geben die zweibändigen Volkslieder der Wenden in der Ober- und Niederlausitz" heraus, weitereVolksliedsammlungen folgen
    Stawizny Serbow - Zur Geschichte der Sorben
    II. Teil
    1. Teil (bis 1843)
    2. Teil (1843 - Gegenwart)
    1842 Handrij Zejler und Jan Arnost Smoler gründen die Zeitung "Tydzenska Nowina"; Vorläuferin der
    heute erscheinenden "Serbske Nowiny"
    1845 Erstes sorbisches Gesangsfest in der Lausitz unter Leitung von Korla August Kocor - Entwicklung der sorbischen bürgerlichen Musikkultur
    1847 Wissenschaftliche Gesellschaft "Macica Serbska" wird gegründet
    1848 "Bramborski serbski Casnik" erscheint als erste Zeitung in niedersorbischer Sprache, Vorläufer des heutigen "Nowy Casnik"
    1848 /1849 Sorbische Bauernvereine in der Oberlausitz entstehen; unter anderem fordern sie soziale und nationale Rechte ein ("Sorbische Bauernpetition"); Intelligenz fordert die Gleichberechtigung der sorbischen Sprache und Kultur in Schule, Kirche und vor Gericht ("Große Petition der Sorben" unterzeichnet von 5000 Haushaltsvorständen)
    1851 Schulpolitische Zugeständnisse durch die sächsische Regierung
    1854 Erste große Auswanderungswelle von Sorben nach Texas und Australien, dort werden sorbische Siedlungen gegründet
    1862 Erste sorbische Theateraufführung in Bautzen
    1875 Generelles Verbot der sorbischen Sprache in den Schulen der preußischen Oberlausitz
    um 1875 - nationale Unterdrückung der Sorben im Deutschen Reich wird forciert, als Gegenreaktion entfalten sich stärker sorbische Kulturbestrebungen, die "Jungsorbische Bewegung" unter Führung von Arnost Muka und Jakub Bart-Cisinki formiert sich
    1877 Höhepunkt der klassischen sorbischen Dichtung im 19. Jahrhundert ist das Nationalepos
    "Nawozenja" ("Der Bräutigam") von Jakub Bart-Cisinski
    1904 Wendisches Haus in Bautzen wird eröffnet
    1912 - 1931 sorbische Vereine beteiligen sich in HoyerswerdalWojerecy an der Gründungsversammlung der "Domowina" als Dachverband sorbischer Vereine
    1919 - 1932 Die Verfassung von Weimar ermöglicht einerseits ein regeres kulturelles und politisches Leben, andererseits wird die sorbische Volksbewegung durch die "Wendenabteilung" überwacht
    nach 1933 Nalionalsozialistische Diktatur/Versuche zur physischen und psychischen Ausrottung des sorbischen Volkes; Ausweisung sorbischer Lehrer und Pfarrer aus der Lausitz; sorbische Antifaschisten, u. a. Alojs Andricki (1943) und Marja Grolmusec (1944), werden ermordet
    1937 Verbot der Domowina (nachdem diese die nazistische Gleichschaltung ablehnte) und jeglichen öffentlichen sorbischen Lebens;
    1937 Konfiszierung des Wendischen Hauses durch die Faschisten, 1944 durch die SS niedergebrannt
    1939 Mit dem Verbot des "Katolski Posol" wird die letzte sorbischsprachige Publikation liquidiert
    1941 Verbot der letzten sorbischen Gottesdienste durch das Brandenburger Konsistorium
    1945 10.Mai Neugründung der Domowina als erste demokratische Organisation in Deutschland nach dem Krieg
    1947 Herausgabe der obersorbischen Tageszeitung "Nowa doba", heute "Serbske nowiny"
    1947 Gründung der sorbischen Oberschule (später sorbische erweiterte Oberschule Kleinwelka, heute Sorbisches Gymnasium Bautzen)
    1948 Sächsischer Landtag beschließt "Gesetz zur Wahrung der Rechte der sorbischen Bevölkerung
    1949 Späte Zulassung der Domowina in der Niederlausitz (Brandenburg)
    bis 1958 Zahlreiche sorbische staatliche Institutionen zur Förderung des national-kulturellen Lebens werden gegründet:

    1. Sorbisches Institut für Lehrerbildung 1946
      Institut für sorbische Volksforschung (Akademie der Wissenschaften der DDR) 1951
    2. Institut für Sorabistik an der Universität in Leipzig 1952
    3. Sorbisches Volkskunstensemble 1952
    4. Sorbische Oberschule 1952 in Cottbus/Chosebuz (heute Niedersorbisches Gymnasium)
    5. Rundfunk der DDR/Sorbische Redaktion 1953
    6. Haus für sorbische Volkskunst 1956
    7. Sorbisches Museum 1957 (entstand aus dem 1904 errichteten und 1941 von den Faschisten konfiszierten "Wendischen Museum")
    8. Domowina-Verlag 1958
    1956 Einweihung des seit 1947 neu erbauten Hauses der Sorben
    Sorbische Intelektuelle und Bauern protestieren gegen die zunehmende Industrialisierung der Lausitz und für den Erhalt des landschaftlich und kulturell einmaligen Siedlungsraumes der Sorben, extensiver Baunkohlenabbau zerstört sorbische Dörfer und ihr Umfeld
    1964 Neuregelung des sorbischen Schulunterrichtes führt zum drastischen Rückgang der Teilnehmer am sorbischen Sprachunterricht
    1966 - 1989 Sieben Festivals sorbischer Kultur· waren einerseits Faktor zur Entwicklung der sorbischen professionellen und Volkskultur, andererseits nutzte die SED diese Festivals zur Demonstration ihrer "erfolgreichen Nationalitätenpolitik" und dem Bekenntnis der Sorben zur DDR, sie versuchte damit über den Rückgang des Sorbentums hinwegzutäuschen
    1989,
    11. November
    die in Opposition zur "sozialistischen" Domowina stehende "Sorbische Volksversammlung" ruft zum nationalen Dialog auf und fordert von der Domowina eine grundsätzliche Wende Sorbischer Runder Tisch erarbeitet Positionen der Interessenvertreter der Sorben und bereitet den Erneuerungsprozeß der Domowina vor
    1990,
    17. März
    außerordentlicher Bundeskongreß der Domowina, Delegierte wählen eine neue Führung der Organisation und bekennen sich in einer Resolution zur Herstellung der deutschen Einheit - Protokollnotiz zum Einigungsvertrag schreibt Schutz und Förderung der sorbischen Sprache und Kultur fest
    1990 Das Wendische Haus in Cottbus/Chosebuz wird eröffnet
    1991 Neukonstituierung der Domowina als Dachverband sorbischer Vereine - Gründung der Stiftung für das sorbische Volk zur Unterstützung der nationalen und kulturellen Entwicklung der Sorben
    1992,
    19. April
    erste sorbische Fernsehsendung beim ORB, als monatliches Halbstundenmagazin in niedersorbischer Sprache konzipiert

  2. #2
    Avatar von Karoliner

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    Solange sie nicht behaupten Armin wäre Sorbe gewesen und sich Germania nennen ist alles safe. Wenn doch muss ich allerdings ein Endlos-Thread mit denen aufmachen!

    Die werden die wirtschaftlichen Verwerfungen der Einheit und die Mobilität und Internet nicht überleben, dafür sind es einfach zu wenige und das Siedlungsgebiet zu klein und wirtschaftsschwach. Insofern sehe ich schwarz für die nächsten 100 Jahre. Ich weiß das ist ein Stich in dein panslawisches Herz ^^

  3. #3
    clk
    Avatar von clk

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    Zitat Zitat von Karoliner Beitrag anzeigen
    Solange sie nicht behaupten Armin wäre Sorbe gewesen und sich Germania nennen ist alles safe. Wenn doch muss ich allerdings ein Endlos-Thread mit denen aufmachen!

    Die werden die wirtschaftlichen Verwerfungen der Einheit und die Mobilität und Internet nicht überleben, dafür sind es einfach zu wenige und das Siedlungsgebiet zu klein und wirtschaftsschwach. Insofern sehe ich schwarz für die nächsten 100 Jahre. Ich weiß das ist ein Stich in dein panslawisches Herz ^^
    Lang leben die Slawen

  4. #4
    Avatar von Karoliner

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    Zitat Zitat von clk Beitrag anzeigen
    Lang leben die Slawen
    sie werden ja nicht sterben, sie werden nur deutsch im Sinne von Nationalität ... Schimanski der Lausitz ...

  5. #5
    Avatar von Lilith

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    Zitat Zitat von Karoliner Beitrag anzeigen
    Solange sie nicht behaupten Armin wäre Sorbe gewesen und sich Germania nennen ist alles safe. Wenn doch muss ich allerdings ein Endlos-Thread mit denen aufmachen!

    Die werden die wirtschaftlichen Verwerfungen der Einheit und die Mobilität und Internet nicht überleben, dafür sind es einfach zu wenige und das Siedlungsgebiet zu klein und wirtschaftsschwach. Insofern sehe ich schwarz für die nächsten 100 Jahre. Ich weiß das ist ein Stich in dein panslawisches Herz ^^
    Guck ruhig daheim oder was mal in Ruhe das 30 Minuten Video. Natürlich werden auch all die Probleme dort thematisiert. Das Katholisch-Obersorbische in Sachsen scheint doch ganz lebendig zu sein. Das evangelisch Niedersorbisch-Wendische in Brandenburg ist tatsächlich vom Aussterben bedroht. Als Sprache. Auch wenn ein junger Sorbe selbst es kritisch sieht, vielleicht trägt das Witaj-Projekt Früchte. Man kann und muss es versuchen. Im gewissen Sinn hat es ja auch von der Bretagne bis Wales Wiederbelebungsversuche (fast) totgeglaubter Sprachen gegeben. Teilweise wohl durchaus mit etwas Erfolg, wo die jungen Generationen eilweise besser sprechen als Eltern und selbst Großeltern. Man wird sehen. Das Brauchtum scheint generell sehr lebendig.

  6. #6
    Avatar von Karoliner

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    Werd ich machen.

    aber die jungen Leute, die Daten doch alle auf Facebook und Co und ziehen für einen Job nach Bayern, das werden die nicht überleben. Am Ende wird es wie in den USA sein, Indianerdorf als Museum nur eben ohne Indianer.

  7. #7
    Avatar von Ibrišimović

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    "Domowina" kommt übrigens aus dem pelasgischen-makedonisch und ist somit ein proto-slawisches Wort, das in allen slawischen Sprachen "Heimat" bedeutet. Auch sind die Slawen nicht von Osten her in die Lausitz eingewandert, sondern kommen aus Proto-Slawien besser international bekannt als FYROM.

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