Albanien zwischen Tradition und Moderne

Die Gewissheit, dass Gebirgszüge natürliche Trennlinien von unterschiedlich entwickelten Landesräumen sein können – oft trennen sie Gegenwart von Vergangenheit –, findet in Albanien eine ausgeprägte Bestätigung.


Der Blickfang in Tiranas Nationalmuseum gehört einer Megastatue Mutter Teresas, der Friedensnobelpreisträgerin, der wohl bekanntesten Frau Albaniens. Ich hätte mir allerdings eher Skanderberg hoch zu Ross erwartet, den Nationalhelden und Vereiner der zahlreichen Stämme des einstigen Albanien.
Auf dem Weg zur Schatzkammer, der Abteilung, die für Onufri, den meistverehrten Ikonenmaler des Landes, reserviert ist, wird man immer wieder mit der desolaten Verfassung dieses Hauses konfrontiert, die den Gesamteindruck des Museums trotz beachtenswerter Ausstellungsstücke deutlich schmälert.
Erwarten Sie sich nicht zu viel von Tirana! Im städtischen Grundriss wie auch in der Architektur fanden allerlei Strömungen einstiger Besatzer und Machthaber ihren Niederschlag. Dieses Konglomerat von Stilrichtungen tritt um den Skanderbergplatz, dem eigentlichen Stadtzentrum, am auffälligsten in Erscheinung.
Der Name Hoxha erwirkt bei den Albanern ähnliche Emotionen wie ein rotes Tuch für einen Kampfstier. Kaum einer wird von sich aus diesen Namen erwähnen, meist spricht man vom Diktator oder von der „Drecksau“. Ca. 700.000 Betonbunker – Relikte aus der Hoxha-Ära – verunzieren heute noch weite Teile des Landes. Nach der Loslösung vom Warschauer Pakt wurden diese Verteidigungsanlagen errichtet. Sie sollten der Strategie eines Partisanenkampfes gerecht werden.
Die Küstenabschnitte zwischen Durres und Vlore gleichen einer einzigen Baustelle. Ausländische Investoren, aber auch unzählige Einheimische, die durch Tätigkeiten im Ausland ein recht erbauliches Grundkapital anhäufen konnten, setzen auf den von Jahr zu Jahr immer mehr Beachtung findenden Tourismus. Fünf- bis sechsstöckige Appartementblöcke schießen wie Pilze aus dem Küstenboden. Die Verbetonierung der albanischen Adriastrände hat bereits begonnen! Wird bis 2015, dem geplanten EU-Beitritt, Albanien bereits unter den Topreiseländern Südeuropas rangieren? [h3]Bemerkenswerte Ausgrabungsstätte [/h3]
Südlich von Sarande erreicht man nach kurzer Fahrt am Ende der Halbinsel Ksamil Butrint, die größte Ausgrabungsstätte Albaniens, die im Jahre 1992 in die Liste der erhaltenswürdigen Kulturdenkmäler der UNESCO aufgenommen wurde. Wie ein schützender Arm legt sich die Halbinsel um die Lagune, wobei der Vivar Kanal einen schmalen Zugang zum Ionischen Meer offen lässt.
Butrint, dessen Wurzeln bis ins 8. Jahrhundert v. Chr. verfolgbar sind, verzeichnete im 10. Jahrhundert seine wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Mehrere Ausgrabungen und Rekonstruktionen wie etwa das Theater, das Baptisterium, das Nymphäum oder die Basilika lassen einiges von der einstigen Größe und Baukunst erahnen.
Im Gebirgsland des Ostens scheinen die Uhren nicht nur langsamer zu gehen, oftmals sogar stehen geblieben zu sein. So hat es beispielsweise Ismael Kadare, der große Sohn aus Gjirokaster, in vielen seiner literarischen Werke transportiert. Vieles davon kann, verbunden mit großem Staunen der Reisenden, durchaus bestätigt werden.
Wenn auch die Blutrache nur mehr als eine Eigenwilligkeit der Rechtsprechung des Nordostens angesehen werden kann, so können Kadares Schilderungen über seine Heimatstadt als durchaus authentisch betrachtet werden.
Ein grandioser Blick eröffnet sich auf diese besondere Altstadt von der Burg aus, wo sich durch die Steilheit der Berghänge das Fundament des einen Hauses auf der Höhe des Daches eines anderen befindt, wie es Kandare in seinem Buch „Chronik in Stein“ zum Ausdruck bringt.
Die Stadt Berat, am Unterlauf des Osum gelegen, hat allerdings bei mir einen stärkeren Eindruck hinterlassen. Ganz besonders hat es mir der Stadtteil Mangalem angetan, der vom Fluss die steilen Hänge fast bis zur Burg einnimmt. Ein altes albanisches Sprichwort lautet: „Wer Berat nicht gesehen hat, hat Albanien nicht gesehen!“[h3]Stadt der tausend Fenster mit Flair [/h3]
Eine durchaus treffende Aussage, denn nirgendwo sonst im Lande konnte ich auf eine so geschlossene Siedlung mit einer stilistisch so einheitlichen Ausgestaltung treffen. Die Stadt hat einfach Flair! Weiß getünchte Häuser, die mit verhältnismäßig großen Fenstern ausgestattet sind, gaben der Stadt den Beinamen „Stadt der tausend Fenster“. Eng aneinander gepfercht lehnen sich die meist zweistöckigen Häuser an den Hang, deren weit überstehende Dächer ein eindeutiger Hinweis für eine einst ausgeprägte Türkenherrschaft sind.

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