Lyrik im Museum
Ein interkultureller Austausch im Historischen und Völkerkundemuseum

Der Ort für die Veranstaltung ist gut gewählt: Wo Völkerkundliches hauptsächlich hinter Vitrinen und an Wänden gezeigt wird, begegnen sich morgen zwei lebendige Kulturen und ihre Kunst- und Kulturschaffenden.

Schon längere Zeit habe er sich darüber Gedanken gemacht, wie und wo man schweizerische und albanische Kultur, insbesondere Lyrik, miteinander in Verbindung bringen könnte, sagte der Initiant der Veranstaltung, der seit acht Jahren in St. Gallen lebende Kudret Isai. 1996 war der Politikwissenschafter und Soziologe als politischer Flüchtling in die Schweiz gekommen. In der Folge baute der früher in Tirana als Chefredaktor einer wissenschaftlichen Zeitschrift, als Publizist und Lyriker Tätige zahlreiche Kontakte auf, sowohl zu in der Schweiz lebenden albanischen, als auch zu Schweizer Autorinnen und Autoren. Unter ihnen Ivo Ledergerber und Fred Kurer; die beiden St. Galler Autoren hatten vor einem Jahr einen Sammelband («Kuartet Poetik») mit deutschsprachiger und albanischer Literatur veröffentlicht.
In die Öffentlichkeit

Alle sechs am Anlass teilnehmenden albanischen Lyriker sind in der Ostschweiz wohnhaft, drei leben in der Stadt St. Gallen. Zwar fehle es nicht an Anlässen, welche den interkulturellen Austausch pflegen und fördern, doch würden diese oftmals im halböffentlichen Raum, wie etwa in Vereinslokalen abgehalten, meint Kudret Isai. Er suchte Kontakt zur Kuratorin des Mueseums, die ihr Interesse am Anlass bekundete. Solche Veranstaltungen könnten dazu beitragen, festgefahrene, oft negative Vorurteile der albanischen Bevölkerung gegenüber (in der Ostschweiz leben 25 000 Albaner) abzubauen, sagt Sabine August. Man tue gut daran, ihre durch Kriege und ethnische Auseinandersetzungen überschattete Identität und traditionsreiche Kultur in ein anderes Licht zu rücken.
Vielfältige Blickwinkel

Der poetische Blick auf diese Kultur wird von den albanischen Lyrikern Isuf Sherifi, Mahir Mustafa, Kudret Isai, Brahim Avdyli, Gezim Ajgeraj, Shqipton Rexha und Nidue Nikolla aufgezeigt. Fred Kurer, Ivo Ledergerber, Inga und Wolf Buchinger, René Oberholzer, Eva Philipp und Clemens Umbricht werden ihnen deutschsprachige Lyrik gegenüberstellen. Die im Theater St. Gallen engagierte albanische Sängerin Fiqerete Ymeraj sowie die albanische Volksmusikinterpretin Mimoza Selimi werden, begleitet von der Pianistin Eun Yang Yoon, musikalisch durch den Abend begleiten. Zudem wird der an Festivals in Berlin und Bordeaux ausgezeichnete Dokumentarfilm «Butrinti» über die Ausgrabungen einer antiken Stadt gezeigt. Der Regisseur Vladimir Prifti wird anwesend sein. Als weiterer Einblick in die albanische Kultur zeigen der in St. Gallen lebende bildende Künstler Ali Sinani und der aus Albanien stammende Zef Shoshi einige ihrer Werke. (bsg)

Morgen Sa, Historisches und Völkerkundemuseum, 17 Uhr

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