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Angriff auf Bosnien Herzegowina.

Erstellt von Memedo, 01.12.2005, 12:20 Uhr · 13 Antworten · 1.184 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    06.09.2004
    Beiträge
    578

    Angriff auf Bosnien Herzegowina.



    Zeitraum:
    1992 - 1995

    Ursachen:
    Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Jugoslawien unter Marschall Tito in eine sozialistische Bundesrepublik umgewandelt. Die sechs Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Makedonien führten ein starkes Eigenleben. Seit der Staatsgründung forderten die jeweiligen Länder mehr Mitspracherechte für sich.

    1974 wurden Partei und Staat mittels einer Verfassungsänderung weitgehend föderalisiert.
    Da die einzelnen Länder aufgrund unterschiedlicher historischer und nationaler Identität (teilweise) entgegengesetzte Ziele und Vorstellungen bezüglich des Politik- und Wirtschaftswesens besaßen, kam es oft zu Streitigkeiten. Gelegentlich sprach man auch von einer Überföderalisierung, da es den einzelnen Republiken ermöglicht wurde, durch ihr Veto-Recht die Beschlüsse der Bundesregierung zu blockieren.

    Die Folge davon war, daß die Bundesregierung schließlich handlungsunfähig wurde.

    Dies gab den nationalistischen Bewegungen neuen Auftrieb.

    1983 wurde der spätere Präsident Alija Izetbegovic zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Man verdächtigte ihn, einen islamischen Staat auf jugoslawischem Boden errichten zu wollen.
    Die extremen nationalistischen Führer der bosnischen Serben und auch der bosnischen Kroaten benutzten den schon immer vorhandenen Nationalismus als Argument für eine unbedingte Trennung nach Nationalität der in Bosnien-Herzegowina lebenden Bevölkerung. Die Abspaltung der Menschen in die drei großen Gruppen, den Serben, Kroaten und Moslems, in Bosnien wurde stark vorangetrieben. Wechselseitiges Misstrauen und latenter Nationalismus gehörten zum jugoslawischen Alltag.

    Hinzu kamen noch die starken regionalen Entwicklungsunterschiede. Die daraus entstandenen Verteilungskämpfe zwischen reicheren und ärmeren Republiken, trotz (vergeblicher) Versuche seitens der Regierung durch Entwicklungshilfe und Aufbaubudgets sorgten für zusätzliche Spannungen.

    Wachsende ökonomische Probleme durch Misswirtschaft und Überbürokratisierung führten Jugoslawien in den achtziger Jahren in eine Wirtschaftskrise, die eine hohe Arbeitslosigkeit zur Folge hatte. Die wachsenden sozialen Ängste machten die Bevölkerung anfällig für nationalistische Parolen.

    Durch den Zusammenbruch der Wirtschaft und die steigende Inflation wurde eine Reform des Systems unbedingt notwendig.

    1989/90 spaltete sich die jugoslawische Einheitspartei, der "Bund der Kommunisten".
    Die slowenischen Kommunisten hatten monatelang auf die Einführung einer parlamentarischen Demokratie gedrängt, während die serbische Parteiführung am Einparteiensystem festhalten wollte.

    Als 1990 bei den ersten demokratischen Wahlen in fast allen Republiken nationalorientierte Parteien in die Regierung gelangten, war es nicht mehr weit bis zur Spaltung Jugoslawiens.
    Die einzelnen Republiken arbeiten gezielt auf die Unabhängigkeit hin. Slowenien und Kroatien erklären sich am 25. Juni 1991 für unabhängig. Bosnien-Herzegowina und Makedonien folgten wenige Monate später, Serbien und Montenegro gründeten eine neue jugoslawische Föderation, die Bundesrepublik Jugoslawien.

    Im April 1992, unmittelbar nach der internationalen Anerkennung Bosnien-Herzegowinas, entbrannte ein brutaler Krieg.
    Konfliktparteien und ihre Ziele:
    Die nationalistischen Führer:
    Alija Izetbegovic: offiziell gewählter Präsident von Bosnien-Herzegowina
    Radovan Karadzic: Serbenführer, Mitglied der Serbischen Demokratischen Partei (SDS)
    Ratko Mladic: Armeechef (serbisch)
    Die Ziele:
    der Serben: Bildung "Groß-Serbiens", d.h. Anschluß der von Serben größtenteils besiedelten Gebiete Bosnien-Herzegowinas an Serbien; "ethnisch saubere" Gebiete in "Großserbien"
    der Kroaten: Vereinigung der hauptsächlich im Süden liegenden Gebiete Bosnien-Herzegowinas, in dem mehrheitlich Kroaten leben, mit Kroatien.
    der Moslems: Ein Staat Bosnien-Herzegowina auf multikultureller Basis
    Verlauf:
    Die bosnischen Serben eroberten in einer Art Blitzkrieg zwischen April bis September fast 70% des bosnischen Staatsgebietes und riefen dann die "Serbische Republik" aus.

    Eine Militärallianz zwischen Kroaten und Muslimen gegen die Serben wurde gebildet.

    Anfang 1993 zerbrach die Allianz aufgrund der Ausrufung der Republik "Herzeg-Bosna" durch die herzegowinischen Kroaten. Die Moslems hielten als einzige an einem zentralregierten, multiethnischen Bosnien fest.

    Der "Zweite Krieg" begann: eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Kroaten und Muslimen.

    Anfang 1994 gelang es den internationalen Vermittlern, die Vertreter der bosnischen Kroaten und Muslimen auf die Gründung einer gemeinsamen Föderation zu verpflichten.

    Im März 1994 kämpften die beiden Militärs wieder miteinander gegen die Serben.

    Dadurch gerieten die Serben zunehmend in Bedrängnis. Dies führte zu einer Pattsituation, die Voraussetzung für den Friedensvertragsabschluß von Dayton.

    Seit Ende November 1995, das Jahr des offiziellen Kriegsende, sind rund 500.000 bosnische Flüchtlinge aus Deutschland freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt.

    In Bosnien erleidet der Friedensprozess einen schweren Rückschlag. Am 4. August 1997 vertreiben Kroatische Nationalisten in der Stadt Jajce muslimische Flüchtlinge, die in ihre Häuser zurückkehren wollen. Bei den gewalttätigen Ausschreitungen kommt ein Muslime ums Leben.

    Ein entscheidender Schritt in Richtung Demokratisierung wurde am 14. September 1998 in Form einer gewaltlosen Wahl begangen. Die OSZE rechnet mit einer Wahlbeteiligung von 70-80 % .

    Schritte zum Friedensvertrag:
    1995-09-08: Genf: Die Außenminister Kroatiens, Bosnien - Herzegowinas und der Bundesrepublik Jugoslawiens verständigen sich auf einen von der internationalen Kontaktgruppe (Rußland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien unter der Leitung der USA) ausgearbeiteten Friedensplan. Der Plan sieht eine Trennung Bosnien - Herzegowinas in zwei Gebietseinheiten mit der bosnisch-kroatischen Föderation Bosnien-Herzegowina (51%) und der Serbischen Republik in Bosnien (49%) vor.
    1995-09-26: New York: Ein Einverständnis über die zukünftige politische Struktur Bosnien- Herzegowinas wird erzielt. Eine internationale Friedenstruppe (IFOR) soll die Einhaltungen der Bestimmungen überwachen.
    1995-05-10: Die NATO stellt ihren Plan vor, im Auftrag der UNO nach Abschluß eines Friedensabkommen im Rahmen der IFOR bis zu 70 000 Soldaten bereitzustellen.
    Waffenstillstandsbeschluß auf zwei Monate befristet
    1995-10-12: Waffenstillstandsbeschluß tritt in Kraft, ab 1995-10-20 wird er an allen Fronten eingehalten.
    1995-01-11: Beginn der Verhandlungen über ein Friedensabkommen auf der US-Luftwaffenbasis Wright-Patterson in Dayton Ohio. Die Präsidenten Bosnien-Herzegowinas (Alija Izetbegovic), Kroatiens (Franjo Tudjman), und Serbiens (Slobodan Milosevic) sind vertreten.
    1995-12-14: Unterzeichnung des Friedensvertrags durch die Präsidenten der drei beteiligten Länder. Eingeschlossen ist darin die gegenseitige Anerkennung zwischen der Bundesrepublik Jugoslawien und Bosnien-Herzegowina.
    Vertragsinhalt (zusammengefasst):
    politische Garantie des bosnischen Staates in seinen bestehenden Grenzen
    direkt gewähltes Parlament mit Unter- und Oberhaus
    neunköpfige Präsidentschaft mit je drei Muslimen, Kroaten und Serben
    Bewegungsfreiheit der Bürger mit Rückkehrrecht der Flüchtlinge in ihre Heimat
    militärische Einsetzung der IFOR-Truppen zur Einhaltung des Vertrags
    Entmilitarisierung Sarajevos innerhalb sieben Tagen, Abzug ausländischer Militärs binnen eines Monats, Rückzug der kämpfenden Parteien um zwei km hinter die Waffenstillstandslinie.
    Umsetzung im militärischen Bereich größtenteils fristgemäß, im zivilen Bereich eher stockend. Dieser Friedensvertrag war Voraussetzung für die am 1996-09-14 stattgefundene demokratische Wahl zum Präsidenten.

    Folgende Personen standen zur Wahl:

    Moslemführer Alija Izetbegovic (Demokratischen Aktionspartei, SDA): sein Ziel ist ein zentralregiertes, multiethnisches Bosnien auf demokratischer Basis
    Serbenführer Krajisnik (Serbische Demokratische Partei, SDS): sein Ziel ist ein Großserbien, radikale Abspaltung des serbischen Teils und Angliederung an "Restjugoslawien"
    Kroatenführer Zubak (Kroatische Demokratische Gemeinschaft, HDZ): sein Ziel ist die Vereinigung der traditionell kroatisch besiedelten Herzegowina mit Kroatien,
    Mit knapper Mehrheit siegte Izetbegovic.

    Kriegsverbrechen:
    Die Mittel zur ethnischen Säuberung standen im Zentrum der Kriegsverbrechen.

    Alle möglichen Arten von Einschüchterung und Gewalt wurden eingesetzt, um Einwohner aus bestimmten Gebieten zur Flucht zu bewegen.

    Durch Angriffe auf Hab und Gut, durch Deportationen, Internierungen, Vergewaltigungen, Folter, Verstümmelungen, Mord und andere Gewalttaten wurden ethnisch möglichst einheitliche Gebiete erzwungen.

    Die brutale Umsetzung der nationalistischen Ideen band die Menschen stark an ihre jeweils eigene Nationalität. Entsprechend konnten sich nationale Parteien profilieren, deren Ziel die wirtschaftliche, kulturelle (sprachliche) und militärische Dominanz des vertretenen Volksstamms war.

    Die brutale Verfolgung dieser Ziele führte zu kaum vorstellbaren Greueltaten - hauptsächlich durch die Serben, aber auch durch die anderen Kriegsgegner.

    Stellvertretend für dieses unendliche Leid sollen hier erwähnt sein:

    ca. 540 Moslems in einem Massengrab bei Kluc, vermutlich von serbischen Bosniern erschossen
    die Mehrzahl der nach der Eroberung von Srebrenica verschleppten acht- bis zehntausend Muslime wurde vermutlich von Serben erschossen und in Massengräbern verscharrt.
    Im März 1996 sind mehr als 190 Massengräber bekannt.

    Am 1996-07-11 werden gegen Karadzic und Mladic internationale Haftbefehle erlassen; sie wurden im Jahr zuvor in Den Haag des Kriegsverbrechens angeklagt. Sie sind aber bis heute auf freiem Fuß!

    97-07-11: Die internationalen Friedenstruppen sind erstmals gegen gesuchte Kriegsverbrecher vorgegangen: der Krankenhausdirektor der Serbenhochburg Prijedor, Milan Kovacevic, wurde ohne Zwischenfälle festgenommen.

    98-04-24: Aufgebrachte Serben greifen den bosnischen Erzbischof Vinko Puljic und 200 Kroaten während eines Gottesdienstes in der Stadt Derventa an, die beinahe bei lebendigem Leibe verbrannt werden. Die örtliche Polizei kann die Menschenmenge aber von ihrem Vorhaben abbringen, die Kirche in Brand zu setzen.

    Folgen des Kriegs:
    Exodus:
    Aus Angst vor den ethnischen Säuberungen verließen schon im Juni 1992 1,4 Millionen Menschen ihre Heimat. Am Ende dieses Jahres waren es schon über zwei Millionen und im Sommer 1993 überschritten die Zahlen die Viermillionengrenze.

    1995 fand ein weiterer großer "Exodus" statt. 170.000 Serben flohen aus der Krajina beim Angriff der kroatischen Armee. 40.000 Muslime flohen aus Srebrenica und Zepa vor den Serben und weitere 170.000 Serben verließen Westbosnien während der darauf folgenden kroatisch-muslimischen Offensive.

    Seit 1995, dem offiziellen Kriegsende, ist Bosnien-Herzegowina in drei ethnisch weitgehend homogene Gebiete eingeteilt.

    Schonende Rückführung der Flüchtlinge: Seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens Ende November 1995 sind rund 60.000 bosnische Kriegsflüchtlinge aus Deutschland freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt. Dennoch gibt es Probleme bei der Integration von zurückkehrenden Flüchtlingen, deshalb bevorzugen auch viele Flüchtlinge in Dritte-Welt-Länder zu ziehen.

    Tote und Vermisste:
    Zwischen 1992 und 1995 gab es mindestens 200.000 Tote (80% Muslime) und noch mehr Verletzte, ein Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung wurde getötet.

    Mehr als 12.000 Leichen sind seit Kriegsende aus 250 Massengräbern in Bosnien-Herzegowina exhumiert worden.

    Familien wurden getrennt und können nicht mehr zusammengeführt werden.

    Jahre später gelten immer noch mindestens 20.000 Menschen als vermisst.

    Infrastruktur:
    Über 50 % der Gebäude sind zerstört und weite Landstriche vermient.

    Wirtschaftlicher Zusammenbruch - über 95 % der Produktion des Landes liegt brach. Aus diesem Grund massive wirtschaftliche Unterstützung durch die Mitgliedsstaaten des Weltwirtschaftsgipfels.

    Überfüllte Krankenhäuser mit mangelnder medizinischer Versorgung.

    Fehlendes Kapital, fehlende Arbeitsplätze

    Steigende Obdachlosenzahl

    Infrastruktur zerstört (insbesondere Wasser-, Gas- und Stromversorgung)

    Steigende Kriminalität

    Externe Unterstützung:
    Schutz der sehr jungen Demokratie durch IFOR-Truppen ("Implementation Force"). Das Mandat dieser Truppe dauerte bis Juni 1998, danach wurden die 36.000 Soldaten aus 32 Nationen wieder abgezogen. Doch alle Anzeichen deuten auf eine Verlängerung der internationalen Friedensmission hin. Die neue Schutztruppe, die dann vielleicht DFOR (Deterrence Force) heißen soll, wird aus deutlich weniger Soldaten bestehen und nur noch an bestimmten Schwerpunkten stationiert werden.

    Zusammenfassung:
    Seit der Schlacht auf dem Amselfeld kam die Region nie wieder richtig zur Ruhe. Zwischenzeitlich scheint sich das historische Pulverfass Europas aber allmählich wieder zu beruhigen. Es ist aber ein sehr zaghafter Frieden. Ein erneuter Ausbruch ist nicht mit Sicherheit auszuschließen.

    Bosnien ist zwar als Staat bestätigt und die einzelnen Parteien befriedet. Niemand darf sich aber in dieser Ruhe ganz sicher fühlen.

    Europa und die anderen beteiligten Staaten müssen den Friedensprozeß aktiv fördern und dieses Krisengebiet weiter im Bewußtsein halten.

  2. #2
    Avatar von Minci

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    Eine Schande für den Balkan das so viele Menschen ihr Leben lassen mussten und es noch Leute gibt die immer noch gern Krieg ssehen würden :!:

  3. #3

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    Krieg ist immer und überall.

  4. #4
    Avatar von Minci

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    Zitat Zitat von Memedo
    Krieg ist immer und überall.

    Trotzdem muss man ihn nicht unterstützen

  5. #5

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    Da gebe ich dir recht!

  6. #6
    Gast829627

    Re: Angriff auf Bosnien Herzegowina.

    Zitat Zitat von Memedo


    Zeitraum:
    1992 - 1995

    Ursachen:
    Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Jugoslawien unter Marschall Tito in eine sozialistische Bundesrepublik umgewandelt. Die sechs Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Makedonien führten ein starkes Eigenleben. Seit der Staatsgründung forderten die jeweiligen Länder mehr Mitspracherechte für sich.

    1974 wurden Partei und Staat mittels einer Verfassungsänderung weitgehend föderalisiert.
    Da die einzelnen Länder aufgrund unterschiedlicher historischer und nationaler Identität (teilweise) entgegengesetzte Ziele und Vorstellungen bezüglich des Politik- und Wirtschaftswesens besaßen, kam es oft zu Streitigkeiten. Gelegentlich sprach man auch von einer Überföderalisierung, da es den einzelnen Republiken ermöglicht wurde, durch ihr Veto-Recht die Beschlüsse der Bundesregierung zu blockieren.

    Die Folge davon war, daß die Bundesregierung schließlich handlungsunfähig wurde.

    Dies gab den nationalistischen Bewegungen neuen Auftrieb.

    1983 wurde der spätere Präsident Alija Izetbegovic zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Man verdächtigte ihn, einen islamischen Staat auf jugoslawischem Boden errichten zu wollen.
    Die extremen nationalistischen Führer der bosnischen Serben und auch der bosnischen Kroaten benutzten den schon immer vorhandenen Nationalismus als Argument für eine unbedingte Trennung nach Nationalität der in Bosnien-Herzegowina lebenden Bevölkerung. Die Abspaltung der Menschen in die drei großen Gruppen, den Serben, Kroaten und Moslems, in Bosnien wurde stark vorangetrieben. Wechselseitiges Misstrauen und latenter Nationalismus gehörten zum jugoslawischen Alltag.

    Hinzu kamen noch die starken regionalen Entwicklungsunterschiede. Die daraus entstandenen Verteilungskämpfe zwischen reicheren und ärmeren Republiken, trotz (vergeblicher) Versuche seitens der Regierung durch Entwicklungshilfe und Aufbaubudgets sorgten für zusätzliche Spannungen.

    Wachsende ökonomische Probleme durch Misswirtschaft und Überbürokratisierung führten Jugoslawien in den achtziger Jahren in eine Wirtschaftskrise, die eine hohe Arbeitslosigkeit zur Folge hatte. Die wachsenden sozialen Ängste machten die Bevölkerung anfällig für nationalistische Parolen.

    Durch den Zusammenbruch der Wirtschaft und die steigende Inflation wurde eine Reform des Systems unbedingt notwendig.

    1989/90 spaltete sich die jugoslawische Einheitspartei, der "Bund der Kommunisten".
    Die slowenischen Kommunisten hatten monatelang auf die Einführung einer parlamentarischen Demokratie gedrängt, während die serbische Parteiführung am Einparteiensystem festhalten wollte.

    Als 1990 bei den ersten demokratischen Wahlen in fast allen Republiken nationalorientierte Parteien in die Regierung gelangten, war es nicht mehr weit bis zur Spaltung Jugoslawiens.
    Die einzelnen Republiken arbeiten gezielt auf die Unabhängigkeit hin. Slowenien und Kroatien erklären sich am 25. Juni 1991 für unabhängig. Bosnien-Herzegowina und Makedonien folgten wenige Monate später, Serbien und Montenegro gründeten eine neue jugoslawische Föderation, die Bundesrepublik Jugoslawien.

    Im April 1992, unmittelbar nach der internationalen Anerkennung Bosnien-Herzegowinas, entbrannte ein brutaler Krieg.
    Konfliktparteien und ihre Ziele:
    Die nationalistischen Führer:
    Alija Izetbegovic: offiziell gewählter Präsident von Bosnien-Herzegowina
    Radovan Karadzic: Serbenführer, Mitglied der Serbischen Demokratischen Partei (SDS)
    Ratko Mladic: Armeechef (serbisch)
    Die Ziele:
    der Serben: Bildung "Groß-Serbiens", d.h. Anschluß der von Serben größtenteils besiedelten Gebiete Bosnien-Herzegowinas an Serbien; "ethnisch saubere" Gebiete in "Großserbien"
    der Kroaten: Vereinigung der hauptsächlich im Süden liegenden Gebiete Bosnien-Herzegowinas, in dem mehrheitlich Kroaten leben, mit Kroatien.
    der Moslems: Ein Staat Bosnien-Herzegowina auf multikultureller Basis
    Verlauf:
    Die bosnischen Serben eroberten in einer Art Blitzkrieg zwischen April bis September fast 70% des bosnischen Staatsgebietes und riefen dann die "Serbische Republik" aus.

    Eine Militärallianz zwischen Kroaten und Muslimen gegen die Serben wurde gebildet.

    Anfang 1993 zerbrach die Allianz aufgrund der Ausrufung der Republik "Herzeg-Bosna" durch die herzegowinischen Kroaten. Die Moslems hielten als einzige an einem zentralregierten, multiethnischen Bosnien fest.

    Der "Zweite Krieg" begann: eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Kroaten und Muslimen.

    Anfang 1994 gelang es den internationalen Vermittlern, die Vertreter der bosnischen Kroaten und Muslimen auf die Gründung einer gemeinsamen Föderation zu verpflichten.

    Im März 1994 kämpften die beiden Militärs wieder miteinander gegen die Serben.

    Dadurch gerieten die Serben zunehmend in Bedrängnis. Dies führte zu einer Pattsituation, die Voraussetzung für den Friedensvertragsabschluß von Dayton.

    Seit Ende November 1995, das Jahr des offiziellen Kriegsende, sind rund 500.000 bosnische Flüchtlinge aus Deutschland freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt.

    In Bosnien erleidet der Friedensprozess einen schweren Rückschlag. Am 4. August 1997 vertreiben Kroatische Nationalisten in der Stadt Jajce muslimische Flüchtlinge, die in ihre Häuser zurückkehren wollen. Bei den gewalttätigen Ausschreitungen kommt ein Muslime ums Leben.

    Ein entscheidender Schritt in Richtung Demokratisierung wurde am 14. September 1998 in Form einer gewaltlosen Wahl begangen. Die OSZE rechnet mit einer Wahlbeteiligung von 70-80 % .

    Schritte zum Friedensvertrag:
    1995-09-08: Genf: Die Außenminister Kroatiens, Bosnien - Herzegowinas und der Bundesrepublik Jugoslawiens verständigen sich auf einen von der internationalen Kontaktgruppe (Rußland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien unter der Leitung der USA) ausgearbeiteten Friedensplan. Der Plan sieht eine Trennung Bosnien - Herzegowinas in zwei Gebietseinheiten mit der bosnisch-kroatischen Föderation Bosnien-Herzegowina (51%) und der Serbischen Republik in Bosnien (49%) vor.
    1995-09-26: New York: Ein Einverständnis über die zukünftige politische Struktur Bosnien- Herzegowinas wird erzielt. Eine internationale Friedenstruppe (IFOR) soll die Einhaltungen der Bestimmungen überwachen.
    1995-05-10: Die NATO stellt ihren Plan vor, im Auftrag der UNO nach Abschluß eines Friedensabkommen im Rahmen der IFOR bis zu 70 000 Soldaten bereitzustellen.
    Waffenstillstandsbeschluß auf zwei Monate befristet
    1995-10-12: Waffenstillstandsbeschluß tritt in Kraft, ab 1995-10-20 wird er an allen Fronten eingehalten.
    1995-01-11: Beginn der Verhandlungen über ein Friedensabkommen auf der US-Luftwaffenbasis Wright-Patterson in Dayton Ohio. Die Präsidenten Bosnien-Herzegowinas (Alija Izetbegovic), Kroatiens (Franjo Tudjman), und Serbiens (Slobodan Milosevic) sind vertreten.
    1995-12-14: Unterzeichnung des Friedensvertrags durch die Präsidenten der drei beteiligten Länder. Eingeschlossen ist darin die gegenseitige Anerkennung zwischen der Bundesrepublik Jugoslawien und Bosnien-Herzegowina.
    Vertragsinhalt (zusammengefasst):
    politische Garantie des bosnischen Staates in seinen bestehenden Grenzen
    direkt gewähltes Parlament mit Unter- und Oberhaus
    neunköpfige Präsidentschaft mit je drei Muslimen, Kroaten und Serben
    Bewegungsfreiheit der Bürger mit Rückkehrrecht der Flüchtlinge in ihre Heimat
    militärische Einsetzung der IFOR-Truppen zur Einhaltung des Vertrags
    Entmilitarisierung Sarajevos innerhalb sieben Tagen, Abzug ausländischer Militärs binnen eines Monats, Rückzug der kämpfenden Parteien um zwei km hinter die Waffenstillstandslinie.
    Umsetzung im militärischen Bereich größtenteils fristgemäß, im zivilen Bereich eher stockend. Dieser Friedensvertrag war Voraussetzung für die am 1996-09-14 stattgefundene demokratische Wahl zum Präsidenten.

    Folgende Personen standen zur Wahl:

    Moslemführer Alija Izetbegovic (Demokratischen Aktionspartei, SDA): sein Ziel ist ein zentralregiertes, multiethnisches Bosnien auf demokratischer Basis
    Serbenführer Krajisnik (Serbische Demokratische Partei, SDS): sein Ziel ist ein Großserbien, radikale Abspaltung des serbischen Teils und Angliederung an "Restjugoslawien"
    Kroatenführer Zubak (Kroatische Demokratische Gemeinschaft, HDZ): sein Ziel ist die Vereinigung der traditionell kroatisch besiedelten Herzegowina mit Kroatien,
    Mit knapper Mehrheit siegte Izetbegovic.

    Kriegsverbrechen:
    Die Mittel zur ethnischen Säuberung standen im Zentrum der Kriegsverbrechen.

    Alle möglichen Arten von Einschüchterung und Gewalt wurden eingesetzt, um Einwohner aus bestimmten Gebieten zur Flucht zu bewegen.

    Durch Angriffe auf Hab und Gut, durch Deportationen, Internierungen, Vergewaltigungen, Folter, Verstümmelungen, Mord und andere Gewalttaten wurden ethnisch möglichst einheitliche Gebiete erzwungen.

    Die brutale Umsetzung der nationalistischen Ideen band die Menschen stark an ihre jeweils eigene Nationalität. Entsprechend konnten sich nationale Parteien profilieren, deren Ziel die wirtschaftliche, kulturelle (sprachliche) und militärische Dominanz des vertretenen Volksstamms war.

    Die brutale Verfolgung dieser Ziele führte zu kaum vorstellbaren Greueltaten - hauptsächlich durch die Serben, aber auch durch die anderen Kriegsgegner.

    Stellvertretend für dieses unendliche Leid sollen hier erwähnt sein:

    ca. 540 Moslems in einem Massengrab bei Kluc, vermutlich von serbischen Bosniern erschossen
    die Mehrzahl der nach der Eroberung von Srebrenica verschleppten acht- bis zehntausend Muslime wurde vermutlich von Serben erschossen und in Massengräbern verscharrt.
    Im März 1996 sind mehr als 190 Massengräber bekannt.

    Am 1996-07-11 werden gegen Karadzic und Mladic internationale Haftbefehle erlassen; sie wurden im Jahr zuvor in Den Haag des Kriegsverbrechens angeklagt. Sie sind aber bis heute auf freiem Fuß!

    97-07-11: Die internationalen Friedenstruppen sind erstmals gegen gesuchte Kriegsverbrecher vorgegangen: der Krankenhausdirektor der Serbenhochburg Prijedor, Milan Kovacevic, wurde ohne Zwischenfälle festgenommen.

    98-04-24: Aufgebrachte Serben greifen den bosnischen Erzbischof Vinko Puljic und 200 Kroaten während eines Gottesdienstes in der Stadt Derventa an, die beinahe bei lebendigem Leibe verbrannt werden. Die örtliche Polizei kann die Menschenmenge aber von ihrem Vorhaben abbringen, die Kirche in Brand zu setzen.

    Folgen des Kriegs:
    Exodus:
    Aus Angst vor den ethnischen Säuberungen verließen schon im Juni 1992 1,4 Millionen Menschen ihre Heimat. Am Ende dieses Jahres waren es schon über zwei Millionen und im Sommer 1993 überschritten die Zahlen die Viermillionengrenze.

    1995 fand ein weiterer großer "Exodus" statt. 170.000 Serben flohen aus der Krajina beim Angriff der kroatischen Armee. 40.000 Muslime flohen aus Srebrenica und Zepa vor den Serben und weitere 170.000 Serben verließen Westbosnien während der darauf folgenden kroatisch-muslimischen Offensive.

    Seit 1995, dem offiziellen Kriegsende, ist Bosnien-Herzegowina in drei ethnisch weitgehend homogene Gebiete eingeteilt.

    Schonende Rückführung der Flüchtlinge: Seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens Ende November 1995 sind rund 60.000 bosnische Kriegsflüchtlinge aus Deutschland freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt. Dennoch gibt es Probleme bei der Integration von zurückkehrenden Flüchtlingen, deshalb bevorzugen auch viele Flüchtlinge in Dritte-Welt-Länder zu ziehen.

    Tote und Vermisste:
    Zwischen 1992 und 1995 gab es mindestens 200.000 Tote (80% Muslime) und noch mehr Verletzte, ein Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung wurde getötet.

    Mehr als 12.000 Leichen sind seit Kriegsende aus 250 Massengräbern in Bosnien-Herzegowina exhumiert worden.

    Familien wurden getrennt und können nicht mehr zusammengeführt werden.

    Jahre später gelten immer noch mindestens 20.000 Menschen als vermisst.

    Infrastruktur:
    Über 50 % der Gebäude sind zerstört und weite Landstriche vermient.

    Wirtschaftlicher Zusammenbruch - über 95 % der Produktion des Landes liegt brach. Aus diesem Grund massive wirtschaftliche Unterstützung durch die Mitgliedsstaaten des Weltwirtschaftsgipfels.

    Überfüllte Krankenhäuser mit mangelnder medizinischer Versorgung.

    Fehlendes Kapital, fehlende Arbeitsplätze

    Steigende Obdachlosenzahl

    Infrastruktur zerstört (insbesondere Wasser-, Gas- und Stromversorgung)

    Steigende Kriminalität

    Externe Unterstützung:
    Schutz der sehr jungen Demokratie durch IFOR-Truppen ("Implementation Force"). Das Mandat dieser Truppe dauerte bis Juni 1998, danach wurden die 36.000 Soldaten aus 32 Nationen wieder abgezogen. Doch alle Anzeichen deuten auf eine Verlängerung der internationalen Friedensmission hin. Die neue Schutztruppe, die dann vielleicht DFOR (Deterrence Force) heißen soll, wird aus deutlich weniger Soldaten bestehen und nur noch an bestimmten Schwerpunkten stationiert werden.

    Zusammenfassung:
    Seit der Schlacht auf dem Amselfeld kam die Region nie wieder richtig zur Ruhe. Zwischenzeitlich scheint sich das historische Pulverfass Europas aber allmählich wieder zu beruhigen. Es ist aber ein sehr zaghafter Frieden. Ein erneuter Ausbruch ist nicht mit Sicherheit auszuschließen.

    Bosnien ist zwar als Staat bestätigt und die einzelnen Parteien befriedet. Niemand darf sich aber in dieser Ruhe ganz sicher fühlen.

    Europa und die anderen beteiligten Staaten müssen den Friedensprozeß aktiv fördern und dieses Krisengebiet weiter im Bewußtsein halten.


    ich würde sagen die zahlen stimmen nicht dadrin habe auch neulich eine quelle gepostet wo eindeutig steht das es 100 000 opfer waren im krieg und das es nicht 80%moslems waren(für die köpfe die gleich loslallen mir wären 100 000 nicht viel ist mir auch eindeutig zu viel jeder tote ist einer zuviel)!


    solche zahlen schüren nur den hass und sorgen nicht für frieden und die die hinter diesen zahlen stehen und sie glauben trotz der fakten sind auch nicht für den frieden sondern wollen nur den hass schüren weil sie selber voller hass sind gegenüber der anderen religion und dem anderen volk!!

  7. #7
    Avatar von Minci

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    Jungs hab jetzt euren fuck mal gelöscht....dies ist n ernstes thema und keins wos um irgendwelche fakeaccounts geht also schwirrt ab auf ne andere baustelle :!:

  8. #8
    Mare-Car
    Zitat Zitat von Minci
    Jungs hab jetzt euren fuck mal gelöscht....dies ist n ernstes thema und keins wos um irgendwelche fakeaccounts geht also schwirrt ab auf ne andere baustelle :!:
    Bin doch grad dabei gewesen das ganze sauber zu halten :?

  9. #9
    Avatar von Minci

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    @ legija.... schön das es auch so siehst, wie kommt der plötzliche sinneswandel :?: :wink:

  10. #10
    Gast829627
    Zitat Zitat von Minci
    @ legija.... schön das es auch so siehst, wie kommt der plötzliche sinneswandel :?: :wink:


    verfolgst du mich mein engel :P


    schön bleib immer in meiner nähe deine wärme macht mich so kribbelig :love3: :love6:

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