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Antikes Istanbul: Meer der Korsaren

Erstellt von lupo-de-mare, 20.11.2005, 09:10 Uhr · 1 Antwort · 788 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von lupo-de-mare

    Registriert seit
    14.07.2004
    Beiträge
    11.988

    Antikes Istanbul: Meer der Korsaren

    ARCHÄOLOGIE Seite 129

    Meer der Korsaren

    Ausgräber haben in einem Vorort von Istanbul alte Hafenanlagen entdeckt. Im Modder liegen äußerst seltene Schiffe aus Byzanz.

    Als im Jahr 678 nach Christus eine arabische Flotte über den Bosporus setzte, stand das östliche Bollwerk der Christenheit zum ersten Mal am Abgrund. Bauchige Daus segelten heran, besetzt mit angriffslustigen Mudschahidin, die eine neue Religion, den Islam, mit Gewalt nach Europa tragen wollten.

    Byzanz, auch Ost-Rom oder Konstantinopel genannt, lag auf der europäischen Seite des heutigen Istanbul. Es war die prächtigste Stadt der westlichen Welt, umschlossen von hohen, honiggelben Mauern mit 370 Türmen, die als uneinnehmbar galten.

    Große Gärten, Marmorstatuen und Kirchen zierten den Ort, darunter die Hagia Sophia. Direkt an der Küste, im Kaiserpalast, regierte ein Mann im steifen Brokattalar, der sich selbst Christo Autocrator, "unumschränkter Herrscher in Christus", nannte.

    Genau diesen Potentaten wollten die Matrosen aus dem Morgenland stürzen.

    Doch es kam anders. Der alarmierten Flotte gelang es, den Belagerungsring der Araber zu sprengen. Dabei setzte Ost-Rom erstmals eine neuartige Waffe ein: das "Griechische Feuer". Es war ein explosiver Brandsatz aus Schwefel und Salpeter, den die Kommandanten aus Flammenwerfern am Bug der Schiffe ("Siphone") versprühten. Die Araber hatten dem nichts entgegenzusetzen - vorerst.

    So weit ist der Vorgang aus dem Schrifttum bekannt. Nun aber liegen auch direkte Spuren vor. Ausgräber vom Institute of Nautical Archaeology (INA) in Istanbul haben beim Bohren einer Tunnelröhre im Stadtteil Yenikapi frühmittelalterliche Docks aufgespürt.

    Morsche Planken ragen aus dem Schlamm, Seile, Spanten und verrostete Anker. "Es sind Reste des alten Hafens von Konstantinopel", erklärt der leitende Forscher Cemal Pulak, der im Auftrag einer US-Gesellschaft die Arbeiten vornimmt. Fünf Wracks

    ARCHÄOLOGIE Seite 131

    ... Fortsetzung von Seite 129



    konnte er bislang nachweisen. Eines, ein Frachter, hatte Weinamphoren an Bord.

    Obwohl die Rümpfe verrottet sind, äußern sich die Fachleute begeistert. "Von der byzantinischen Handels- und Kriegsflotte ist nahezu nichts erhalten", erklärt der Seefahrtexperte Ronald Bockius vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz, "nur ganz wenige Wracks wurden bislang entdeckt und untersucht; uns fehlt der große Überblick."

    Besonders freuen würden sich die Forscher über das Auffinden einer "Dromone": des wichtigsten Militärschiffs Ost-Roms. Es taugte zum Angriff ebenso wie zur Heimatverteidigung - und als Polizeiboot gegen Piraten. Hunderte dieser schlanken Galeeren kreuzten einst auf dem Mittelmeer. Erhalten ist nicht eine.

    Dem Schrifttum lässt sich entnehmen, dass der Rumpf der Dromonen 36 Meter Länge und 4,4 Meter Breite hatte. Je 50 Ruderer saßen in zwei Etagen übereinander. Bei schnellem Taktschlag der Riemenmannschaft erreichte das Schiff ein Tempo von sieben Seemeilen pro Stunde (13 km/h). Im Gefecht fuhr der Kapitän mit dem gepanzerten Rammsporn in den Gegner hinein und gab den Befehl zum Entern.

    Für Distanzangriffe gab es an Deck zwei Kampftürme für 30 bis 50 Soldaten, die Brandpfeile verschossen. Aus dem scharfgemachten Siphon loderte meterlang eine Stichflamme.

    Trotz überlegener Technik geriet das christliche Weltreich bald unter Druck. Nach dem Aufstieg des Islam wuchs ihm in Gestalt der in Damaskus residierenden Kalifen ein grässlicher Gegner zu. Im Jahr 697 ging Karthago verloren. Auch eroberten die Araber Alexandria, die alte Hauptstadt Ägyptens.

    Mit einer Flotte von 500 Dromonen versuchte Ost-Roms Kaiser gegenzuhalten. Umgehend brach das Geschwader Richtung Nil auf. Es kam zu einer "schrecklichen Seeschlacht", wie es in arabischen Quellen

    heißt. Die Christen unterlagen. Ihr Blut, so der Bericht, "färbte das Wasser rot".

    Nach 820 kam es noch schlimmer. Auch Kreta und Sizilien gingen nach hartem Kampf an die Muslime. Zudem drängten an der Nordgrenze weitere Feinde heran: Petschenegen, Bulgaren, Russen. 907 belagerten Wikinger die goldenen Zinnen von Byzanz. Kurz danach stritt das Riesenreich mit den deutschen Kaisern um seine italienischen Besitzungen.

    Gleichzeitig nahm die Seeräuberei zu. Banditen aus dem Orient, aber auch normannisches Gesindel machten das Meer unsicher. Mallorca entwickelte sich zum Korsarennest. Die Händler aus Konstantinopel wagten sich nur noch bewacht von Geleitzügen aufs Wasser.

    Das Mittelmeer sei ein "Teich", an dessen Ufer viele Frösche säßen, heißt es bei Platon. Für Ost-Rom waren es am Ende zu viele.

    Aus dieser Phase des Niedergangs stammen auch die aktuellen Wrackfunde. Die Analysen ergaben, dass sie zwischen 1000 und 1010 im Hafen versanken - "vielleicht infolge eines Erdbebens", wie der Ausgräber Pulak erklärt. Der Hafen war bereits stark versandet. Die Wassertiefe lag nur noch bei 1,50 Meter. Hatte Ost-Rom etwa schon damals kein Geld mehr, um den Port wieder flott zu machen?

    Bekannt ist, dass Byzanz, im 12. und 13. Jahrhundert durch Steuerausfälle und Bürgerkriege gebeutelt, die Seeherrschaft an Venedig verlor. Eine einzige Stadt war nun stärker als das einst glorreiche Ost-Rom, Träger von Geist und Kultur, Hüter des antiken Erbes, das nun müde am Goldenen Horn dahinwelkte.

    1453 war dann endgültig Schluss. Zornige Osmanen überwanden die Mauern von Konstantinopel und löschten den schwindsüchtigen Riesen von der politischen Landkarte. Kaum 8000 Soldaten hatten die Stadt am Ende verteidigt.

    Und auch die ruhmreiche Flotte konnte das Blatt nicht mehr wenden. Der Grund: Man hatte sie wegen Geldnot abgeschafft. MATTHIAS SCHULZ, BERNHARD ZAND


    Spiegel 47/2005

  2. #2
    Avatar von Schiptar

    Registriert seit
    30.04.2005
    Beiträge
    14.116
    Diese scheiß Korsaren haben unzählige Europäer in Italien usw. entführt und in Nordafrika auf dem Sklavenmarkt verkauft, diese Schweine...

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