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Die Auflösung der Tschechoslowakei

Erstellt von IZMIR ÜBÜL, 29.04.2010, 14:42 Uhr · 13 Antworten · 1.208 Aufrufe

  1. #11
    Posavac
    Die Tschechoslowakei geht mir am Arsch vorbei! ( was ein fetter rhyme )

  2. #12
    Avatar von Lilith

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    19.303
    Ich werde gern mal anfangen, allerdings fürs erste etwas allgemeiner, wenn es okay ist. Konkrete Daten, Personen, Statistiken etc. kann ich später gern nachliefern

    Natürlich ist das Thema sehr komplex. Es gibt sowohl tschechische als auch slowakische Monografien dazu, die ich aber leider nicht gleich zur Hand habe. Aber von folgenden Dingen kann man wahrscheinlich erst einmal ausgehen:
    Sowohl auf tschechischer als auch slowakischer Seite gab es laut Bevölkerungsumfragen wohl paradoxerweise an sich eher eine mehrheitliche Stimmung für den Erhalt als gemeinsame Föderation, wie auch immer. Unter den Menschen, die in den sehr häufigen binationalen Familien lebten, aus den umstrittenen Grenzgebieten usw. ohnehin. Paradoxerweise hatte auch die ungarische Minderheit in der Slowakei sich wahrscheinlich eher durch eine "Tschechoslowakei" geschützt gesehen als durch den eigenständigen slowakischen Staat.
    Andererseits: Dieses eine tschechoslowakische Volk war eine Fiktion und konnte auch in den etwa 70 Jahren nach Gründung der ersten tschechoslowakischem Republik unter Masaryk nicht so zusammengeschweißt werden. Von unterschiedlichen religiösen "Grundstimmungen" angefangen bis auch zum unterschiedlichen Erleben der ČSSR. Einerseits denke ich schon das slowakische Gefühl einer gewissen tschechischen Dominanz im gemeinsamen Staat. Andererseits die paradoxerweise wohl scheinbar bessere Adaptation an realsozialistische Verhältnisse durch die eigentlich eher katholischen Slowaken. Dies führte in der Zeit wirtschaftlicher und politischer Wenden Ende der 80er und Anfang der 90er zu sehr unterschiedlichen politischen Präferenzen und Strukturen in der tschechischen und slowakischen Gesellschaft und auch ihrer politischen Eliten. Dazu kommt, dass die Wirrungen dieser Zeit natürlich auch nicht ohne Wirkung für das ganze Rechtssystem blieb. Von 1989 an bis zur Teilung etwa gab es glaube ich keine richtige neue Verfassung für die damals offiziell existierende tschechoslaowakische Föderation. Vielleicht hätte es mit so einer auch noch anders ausgesehen. Wie auch immer. In der Slowakei gewannen denke ich wohl eher der Wunsch nach "starker Hand", vielleicht doch auch gewisse nationalistische Tendenzen die Oberhand. Im Endeffekt wurde das wohl quasi genutzt von einer gewissen slowakischen politischen Elite, die ihre Interessen gehabt haben dürfte und die maßgeblich den Zerfall der Tschechoslowakei vorangetrieben hatte.

  3. #13

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    9.979
    Zitat Zitat von Lilith Beitrag anzeigen
    Ich werde gern mal anfangen, allerdings fürs erste etwas allgemeiner, wenn es okay ist. Konkrete Daten, Personen, Statistiken etc. kann ich später gern nachliefern

    Natürlich ist das Thema sehr komplex. Es gibt sowohl tschechische als auch slowakische Monografien dazu, die ich aber leider nicht gleich zur Hand habe. Aber von folgenden Dingen kann man wahrscheinlich erst einmal ausgehen:
    Sowohl auf tschechischer als auch slowakischer Seite gab es laut Bevölkerungsumfragen wohl paradoxerweise an sich eher eine mehrheitliche Stimmung für den Erhalt als gemeinsame Föderation, wie auch immer. Unter den Menschen, die in den sehr häufigen binationalen Familien lebten, aus den umstrittenen Grenzgebieten usw. ohnehin. Paradoxerweise hatte auch die ungarische Minderheit in der Slowakei sich wahrscheinlich eher durch eine "Tschechoslowakei" geschützt gesehen als durch den eigenständigen slowakischen Staat.
    Andererseits: Dieses eine tschechoslowakische Volk war eine Fiktion und konnte auch in den etwa 70 Jahren nach Gründung der ersten tschechoslowakischem Republik unter Masaryk nicht so zusammengeschweißt werden. Von unterschiedlichen religiösen "Grundstimmungen" angefangen bis auch zum unterschiedlichen Erleben der ČSSR. Einerseits denke ich schon das slowakische Gefühl einer gewissen tschechischen Dominanz im gemeinsamen Staat. Andererseits die paradoxerweise wohl scheinbar bessere Adaptation an realsozialistische Verhältnisse durch die eigentlich eher katholischen Slowaken. Dies führte in der Zeit wirtschaftlicher und politischer Wenden Ende der 80er und Anfang der 90er zu sehr unterschiedlichen politischen Präferenzen und Strukturen in der tschechischen und slowakischen Gesellschaft und auch ihrer politischen Eliten. Dazu kommt, dass die Wirrungen dieser Zeit natürlich auch nicht ohne Wirkung für das ganze Rechtssystem blieb. Von 1989 an bis zur Teilung etwa gab es glaube ich keine richtige neue Verfassung für die damals offiziell existierende tschechoslaowakische Föderation. Vielleicht hätte es mit so einer auch noch anders ausgesehen. Wie auch immer. In der Slowakei gewannen denke ich wohl eher der Wunsch nach "starker Hand", vielleicht doch auch gewisse nationalistische Tendenzen die Oberhand. Im Endeffekt wurde das wohl quasi genutzt von einer gewissen slowakischen politischen Elite, die ihre Interessen gehabt haben dürfte und die maßgeblich den Zerfall der Tschechoslowakei vorangetrieben hatte.
    wenigstens einer der hier was weiß....................................

    danke dir, aber die sache ist die: die CSFR war doch auf dem besten weg den wechsel von der plan- zur marktwirtschaft zu meistern, außerdem gibt es doch meines erachtens kaum unterschiede zw. tschechen und slowaken oder täusche ich mich?

  4. #14
    Avatar von Lilith

    Registriert seit
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    Zitat Zitat von supersrbin Beitrag anzeigen
    wenigstens einer der hier was weiß....................................

    danke dir, aber die sache ist die: die CSFR war doch auf dem besten weg den wechsel von der plan- zur marktwirtschaft zu meistern, außerdem gibt es doch meines erachtens kaum unterschiede zw. tschechen und slowaken oder täusche ich mich?
    Ja, die ČSFR war auf einem guten Weg. Trotzdem war es eine Zeit vieler Umwälzungen, auch Unsicherheiten usw. wo einfach irgendwie so ziemlich alles möglich war bzw. hätte passieren können.
    Natürlich haben Tschechen und Slowaken im Grunde sehr viel gemeinsam. Aber eine Sache ist etwa die Religion, wo sich die Bevölkerungen doch unterscheiden. Die Slowaken sind ziemlich katholisch geprägt bzw. kam das seit der Wende auch wieder recht deutlich zum Vorschein. Die Tschechen hingegen sind so ziemlich das atheistischste Volk das ich kenne. Das hat nicht nur was mit der sozialistischen Geschichte zu tun. Die Tschechen bzw. Böhmen hatten ja mit Jan Hus und der Hussitenbewegung eine eigene Reformationsbewegung. Wobei diese ihr Ende fand, als es nach der Schlacht am Weißen Berg, die bis heute einen wichtigen auch empfindlichen Punkt in der Geschichte für Tschechen darstellt, ja wieder zu einer weithin als Zwang empfundenen Rekatholisierung der böhmischen Länder kam.

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