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Bloss weg hier

Erstellt von Krajisnik, 29.04.2005, 15:43 Uhr · 4 Antworten · 973 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Krajisnik

    Registriert seit
    26.01.2005
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    Bloss weg hier

    Sein drittes Einbürgerungsgesuch wurde abgelehnt: Jetzt kehrt Predrag Dosic dem Ort seiner Kindheit den Rücken
    Rheineck. Das Logo der Gemeinde ist eine flott formulierte Einladung: Rheineck ... he-reinspaziert! Muslimen kann sie nicht gelten. Auch nicht Predrag Dosic. Als der Neunzehnjährige am 21. März nach der Bürgerversammlung im Wohnzimmer seiner Eltern auftauchte, fragten sie: «Und?» - «Sie haben mich abgelehnt», erwiderte ihr jüngster Sohn. Er teilt dieses Schicksal mit 25 Muslimen, bloss Predrag Dosic ist Christ, griechisch-orthodoxer Christ.

    Ikonen und Wohnwand
    Nada, 49, und Jovo Dosic, 55, lachten nur ungläubig. «Meine Eltern brauchten eine halbe Stunde, bis sie es endlich begriffen», rapportiert der Sohn kühl. Aber die Ablehnung seines dritten Einbürgerungsgesuches lässt Predrag Dosic nicht kalt: «Ich kann zwar nichts daran ändern, aber ich will wenigstens deutlich sagen, was ich davon halte: Die, die mich abgelehnt haben, sind Rassisten.» Darum gibt er bereitwillig Auskunft. Auch seine Eltern haben sich an den Tisch gesetzt. Das Wohnzimmer ist so akkurat hergerichtet, dass es das Herz jedes Schweizermachers höher schlagen liesse. Über dem Cheminee hängen Heiligenbilder im Ikonenstil - Johannes der Täufer, ein grossäugiger Jesus, die Darstellung eines Felsenklosters. Zwischen Wohnwand und Polstergruppe glotzt ein Gampiross in die gute Stube.

    Eine Stimme entscheidet
    Von hier zur evangelischen Kirche sind es nur wenige Minuten zu Fuss, von hier kann man den Kirchturm sehen. An jenem 21. März bangte Predrag Dosic auf der Empore, als unten im Kirchenschiff 264 Rheinecker um die Einbürgerungen stritten. Dabei war die Ausgangslage klar. Der Einbürgerungsrat hatte alle Gesuche zur Annahme empfohlen. Doch seit Wochen braute sich etwas zusammen. 25 Muslime sollten Schweizer werden. Bereits an der Vorversammlung herrschte eine Stimmung, als belagerte ein Heer islamischer Gotteskrieger das Städtchen am Alten Rhein. An der Bürgerversammlung entlud sich dann die Spannung. Predrag hörte die Anträge und die aufgeregten Stimmen, die von unten an sein Ohr schwappten, aber sehen konnte er oben auf der Empore nichts.

    Behörden winken ab
    Mutter Nada und Vater Jovo wissen, wie sich ihr Sohn fühlt. Familie Dosic hat zweimal einen Antrag gestellt. Die Eltern und die beiden Söhne schafften es nicht. Nur die Tochter, eine Krankenschwester, schlüpfte in die neue Heimat, mit einer Stimme mehr als benötigt. Als die Eltern einen dritten Anlauf planten, winkte die Einbürgerungsbehörde ab. Also liessen sie es bleiben. Auch, um die Chancen ihres Jüngsten zu wahren. Die standen eigentlich gut. Predrag ist schliesslich in Rheineck aufgewachsen, hat hier die Sekundarschule absolviert. Er lernt Polymechaniker und schmiedet Zukunftspläne, er will später an ein Technikum. Auch als Predrags Einbürgerungsgesuch am 21. März an der Reihe war, leierte ein Bürger jenen stereotypen Ablehnungsantrag herunter, der nicht nur Dosic, sondern auch allen Muslimen zum Verhängnis wurde: Zu wenig integriert. 127 Bürger nahmen die Behauptung für bare Münze, 107 hätten Predrag Dosic den Schweizer Pass gegönnt.

    Kein Schläger, kein Raser
    Dosics rätseln seither, was das bedeuten könnte: Zu wenig integriert. Einem Verein gehört ihr Jüngster in Rheineck nicht an. Aus einem einfachen Grund: Hier gibt es keinen Basketball-Club. Predrag eiferte seinem älteren Bruder nach, einem Zweimeter-Mann und Nati-A-Spieler. Predrag trainierte bei einem Verein in St. Gallen. Aber dann entschied er sich gegen den Spitzensport und für eine gute Ausbildung. Den Basketball zirkelt er mittlerweile nur noch zu seinem Vergnügen in den Korb, in Goldach, wo der Sportplatz auch abends nach acht zugänglich ist. Hat Predrag Dosic sich vielleicht Feinde gemacht? Ist er ein Schläger? «Nein», wehrt er ab, «isch nie öppis gsi.» Vor der Wohnung an der Appenzellerstrasse parkt ein schwarzer BMW. Ist Predrag Dosic ein Raser? Der eine oder andere Strafzettel flatterte ins Haus, weil er drei oder vier Stundenkilometer zu schnell unterwegs war. Nichts Schlimmes, das, was allen mal passiert. Sagt der Vater. Sein Sohn trinkt nicht, er kifft nicht, er wirft keine Pillen ein.Weshalb also soll er nicht ein schönes Auto fahren? Unter jedem Einbürgerungsgesuch stand im Gutachten die Konfession. Bei Predrag Dosic: orthodox. «Ich bin doch griechisch-orthodox, warum hat der Einbürgerungsrat das nicht vollständig geschrieben?!» Für einen Augenblick lüftet sich der Schleier der Coolness. Vielleicht glaubten ja die, die gegen ihn stimmten, er sei ein orthodoxer Muslim. «Die händ doch kei Ahnig gha, was orthodox bedütet», mutmasst er. Die Dosics knobeln, aber dieses Rheinecker Rätsel löst man nicht mit Logik, schon eher mit einem Zufallsgenerator.

    Ein Früchtekorb
    «Wir kommen mit allen Nachbarn gut aus, fragen Sie», mischt sich der Vater ins Gespräch. Will sagen: Dosics sind bei den Leuten im allgemeinen wohlgelitten, jedenfalls hat die serbische Familie aus Bosnien-Herzegowina nichts zu verbergen. Ein Beleg für ihre Beliebtheit thront unübersehbar auf dem Stubentisch, ein Früchtekorb. Nachbarn brachten ihn am Tag nach der Bürgerversammlung. Dass sie Jovo Dosic, dem Fabrikarbeiter und Familienvater, den Schweizer Pass verweigern, schmerzt. Es sind erträgliche Schmerzen. Doch warum verweigert man seinen Söhnen den Schweizer Pass? Er breitet die Arme aus. «Was häisst intägriärt?» Seine tiefe Stimme schwingt sich auf in höhere Tonlagen. «Mäin ältester Sohn spieltä Baskätball in Nati A!» - Jovo Dosic versteht die Schweiz nicht mehr. Wenn sein ältester Sohn für die Nati A gut genug ist, muss er doch auch gut genug sein für Rheineck. Und wenn ihn dann Leute aufrichten wollen: «Das ist nicht gegen Sie persönlich gerichtet», fragt Jovo Dosic zurück: «Gegen wen dann?» Ratlos zuckt er die Schultern. Seine ganze Sorge gilt jetzt seinem Jüngsten.

    «Da hät kein Sinn»
    Da platzt Nada Dosic der Kragen: «Als wir vor 30 Jahren in die Schweiz gekommen sind, waren wir Gold, jetzt wir sind Dreck!» Dabei sorgt sich die Frau nicht um sich, die Mutter sorgt sich um ihren Jüngsten, möchte am liebsten subito den Hügel runter zum Gemeindehaus, ins Büro von Gemeindechef Pfäffli, ihn auffordern, Predrag doch noch irgendwie das Bürgerrecht zu verschaffen, man darf ihrem Sohn doch nicht die Zukunft stehlen! Nada Dosic verschränkt die Arme vor der Brust, als versperrte sie den unguten Gefühlen den Zugang zu ihrem Herzen - sie redet, redet, redet, redet sich atemlos. Bis ihr der Sohn ins Wort fällt: «Da interessiert die nöd. Da hät kein Sinn, für diä simmer alle nu huere Yugo.» Es ist alles gesagt. Jetzt wollen Dosics bloss noch weg hier, weg von Rheineck, wo sie 15 Jahre Steuern bezahlt, eine Eigentumswohnung gekauft und sich wohl gefühlt haben. Ihre Zukunft scheint unsicher. Aber eines steht fest: Am neuen Ort wird Predrag Dosic ein Einbürgerungsgesuch stellen. Andreas Fagetti

  2. #2

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    1.476
    Es ist schon hart, wenn das Schicksal offensichtlich unbescholtener Menschen von irgendwelchen Hinterwäldlern, denen man es nie recht machen kann, bestimmt wird.

  3. #3
    Avatar von yellena

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    942
    Kannst du bitte die Quelle posten, danke.

  4. #4
    Vuk

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    1.007

    Re: Bloss weg hier

    Der Rassimus und die Xenophie spitzen sich immer weiter zu. Unter dem Deckmantel von Toleranz und Integration wird offener Rassimsu praktiziert. Man teilt in "Tolerante" und "Intolerante"... hier die "Toleranten" ... Deutschen, Schweizer, usw.... und dort die "Intoleranten" Ausländer (hauptsächlich Moslems weil aus der islamischen welt die meisten Ausländer sind, Leute vom Balkan wirft man oft auch gern in einen topf mit moslems, weil viele haben oft gar keine Ahnung was Orthodox bedeutet und wissen oft überhaupt gar nicht das Orthodox Christentum ist und mit dem Islam gar nichts zu tun hat Orthodoxe und Moslems sind in den allermeisten fällen sogar selber verfeindet, ich glaube es interssiert sie aber auch gar nicht ...)... Durch diese "Toleranz"-Keule findet schließlich jeder Übergriff und jedes Fehlverhalten gegenüber Ausländern eine in sich ruhende Berechtigung ...so wird die eigene Intoleranz automatisch immer gerechtfertigt durch eine angebliche Intoleranz "der anderen"/Ausländer.... Denn um die "Intoleranten" also die Feinde der Demokratie und Freiheit auszuschalten ist schließlich jedes Mittel Recht ....Die Assoziation die sich in den Köpfen der Westler vollzieht ist...Südländer (auch Südosteuropäer) = Moslem = Intolerant = Feind der Demokratie und Freiheit = Tier ... also dürfte man den Ausländer auch wie ein Tier behandeln geschieht ja schließlich im Namen der Demokratie und Freiheit ! ... Das Schlagwort Integration ist auch ähnlich die der Toleranz angesiedelt... Wer nicht Integriert ist, ist böse und muss weg... natürlich ist man nur in den allerseltensten fällen integriert bzw. gilt als integriert... Weil man es nie recht machen kann, egal wie man sich anstellt.... Das ist ja das hinterhältigste am heutigen Faschismus und Rassismus, das er getarnt als Toleranz, Demokratie und Freiheit daherkommt. Das gleiche gilt auch für Faschistisches Machtstreben und Expansionen gegenüber anderen Staaten und Kulturkreisen das wird auf gleiche weise gerechtfertigt (wie z.b vor einigen jahren gegen serbien oder auch gegen Russland oder China um angeblich Demorkatie und Freheit dorthin zu exportieren). Mittlerweile verachte ich all diese sogenannten "Westlichen Errungenschaften".. weil sie nur Hass,Krieg, Rassismus, Ausbeutung und Sklaverei über die Menschen aller Nicht-"Westlichen" Kulturkreise gebracht haben und bringen. Für mich ist dieser "Liberal-Freiheit-Demokratie" Faschismus der widerlichste und schrecklichste von allen. Im Kern unterscheiden sie sich eigentlich nicht von Hitler und seinen Nazis. Hütet euch bloss vor diesen Toleranten.... "..die in Schafskleidern zu euch kommen! Inwendig aber sind sie reißende Wölfe...."

  5. #5
    Avatar von Krajisnik

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    1.446
    Yellena sorry war die beiden letzten Tagen gar nicht im Balkanforum....aber hier ist die Quelle:

    http://www.tagblatt.ch/index.jsp?art...ort=ostschweiz

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