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Bosnien - ein Blick in die Zeit vor der Islamisierung

Erstellt von iloveyouvirus, 20.07.2012, 14:29 Uhr · 1 Antwort · 1.088 Aufrufe

  1. #1

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    1.924

    Bosnien - ein Blick in die Zeit vor der Islamisierung

    In weiten Teilen Bosniens hinterließen die Bogumilen bis heute ihre Spuren. Wer waren sie und woher kamen sie?
    Wer durch Bosnien und Kroatien reist, sieht vielleicht irgendwo am Straßenrand die dort achtlos verstreut liegenden, sogenannten Bogumilensteine. Die truhenartigen, behauenen Steine zeigen teilweise noch gut zu erkennende Jagdszenen, Ritter mit Schwertern, Tanzszenen und Schlangenmotive an den Seiten auf. Die Steine sind nicht hohl und beherbergen keine Gebeine, sind also keine Sarkophage. Was stellen sie dann dar und wer waren diese Menschen, die schätzungsweise 50.000 dieser mystischen Steine in Bosnien und Kroatien hinterlassen haben? Waren es wirklich die Bogumilen?
    Wer waren die Bogumilen?

    Es gibt kaum Literatur über diese Menschen, die dem bulgarischen Priester Bogumil im frühen Mittelalter in seinen religiösen Lehren folgten. Beschrieben wurde die Entwicklung auf dem Balkan von dem orthodoxen Priester Kosma folgendermaßen: „Es geschah zur Herrschaftszeit des Zaren Peter, dass ein Pope namens Bogumil in den bulgarischen Landen auftauchte und seine Lehren in bulgarischen Gebieten ( zu denen damals auch ein Teil des heutigen Mazedoniens gehörte) verbreitete.“ Bogumil (Gottesfreund) lebte wahrscheinlich von 913 bis 963 und begann etwa um 935 seine Lehren zu verbreiten. Wie so viele Menschen, die Geschichte schrieben, war wohl auch Bogumil ein charismatischer Mensch, dessen Bewegung mehr als 500 Jahre Bestand hatte und sich weit über den Balkan hinaus verbreiterte. Die Menschen in der damaligen Zeit waren überwiegend arm, hausten in strohgedeckten Hütten und wurden von der Obrigkeit im Land gnadenlos ausgeplündert. Sie hatten vielfache Steuern, wie eine Bodensteuer, eine Viehsteuer oder eine Herdsteuer in Sachwerten abzuliefern. Im Gegensatz dazu waren die vielen Klöster prunkvoll nach byzantinischem Vorbild ausgestattet und die Mönche lebten in Saus und Braus. Sie hatten Dienstpersonal und trugen teure Gewänder. Auch die Fürsten lebten prächtig. Die schnelle Verbreitung des Bogumilentums über Mazedonien, Serbien, Bosnien und Kroatien lag an der Einfachheit der Lehre. Der Kern des von Bogumil verbreiteten Glaubens besagte, dass der Mensch ohne eine weitere Instanz oder Institution in ein Verhältnis mit Gott treten kann. Deshalb gab es anfangs auch keine Kirchen, denn „ das Herz des Menschen ist die wahre Kirche Christi“, so eine überlieferte Aussage eines Bogumilen vor dem Inquisitionsgericht. Die Bogumilen hatten keine Rituale und keine Priesterhierarchie, sondern teilten sich in „Vollkommene“, „Glaubende“ und „Zuhörer“. Ein „Vollkommener“ wurde man durch das einzige Sakrament, was die Bogumilen kannten, die Geisttaufe und durch eine enthaltsame Lebensweise. Die „Vollkommenen“ und die „Glaubenden“ lebten vegetarisch, gewaltlos, glaubten an die Wiederverkörperung der Seele und lehnten eine Verehrung des Kreuzes mit Korpus ab.


    Vollständigen Artikel auf Suite101.de lesen: Bosnien - ein Blick in die Zeit vor der Islamisierung | Suite101.de Bosnien - ein Blick in die Zeit vor der Islamisierung | Suite101.de

  2. #2

    Registriert seit
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    1.924
    Der vermeintliche Untergang der Bogumilen

    Der gemäßigte Dualismus mit seiner klaren und einfachen Lehre Bogumils war den etablierten Kirchen ein Dorn im Auge. Außerdem fühlten sich auch die Feudalherren von den Lehren bedroht. So wurden die Bogumilen schon vom byzantinischen Kaiser Alexios I. Komnenos (1018-1116) verfolgt und hingerichtet. Auch von der katholischen Kirche wurden die Bogumilen verfolgt. Ein Heer des vierten Kreuzzuges zog 1202 anstatt in das heilige Land, zunächst nach Dalmatien, um in Zadar gegen die „bogumilischen Ketzer“ vorzugehen. Mehrfach wurden vom Papst auch später noch „Ketzer-Kreuzzüge“ gegen die Bogumilen ausgerufen. Mit der Schlacht auf dem Amselfeld 1389 aber drangen die Osmanen immer weiter auf dem Balkan vor und verlangten von den Bogumilen die Annahme des muslimischen Glaubens. Die bosnischen Bogumilen, die sich den Osmanen beugten und den Glauben annahmen, sind teilweise die Vorfahren der heutigen bosnischen Muslime. Andere Bogumilen flüchteten über Albanien nach Italien oder fanden in der Ukraine eine neue Heimat und verbreiteten dort die Lehre Bogumils weiter.
    Die Verbindung der Bogumilen zu den französischen Katharern

    Die Katharer nannten sich selbst die „Freunde Gottes“ ( abgeleitet von Bogumil), die „guten Christen“ oder die „guten Menschen“. Nach historischen Studien kann eine enge Verbindung von den Bogumilen des Balkans zu den Katharern im Languedoc durchaus angenommen werden. Wahrscheinlich war Niketas von Konstantinopel, der Pope der Bogumilen, gleichzeitig auch das Oberhaupt der Katharer in Frankreich. Die Lehren der Katharer entsprachen im Wesentlichen denen der Bogumilen. Auch die Katharer waren Vegetarier und führten ein asketisches Leben. Der Dualismus war bei den Katharern ebenso wie bei den Bogumilen in geminderter Form, aber auch in der absoluten Variante vorhanden. Katharer hatten ebenso wie die Bogumilen keine Kirchen, sondern hielten ihre Zusammenkünfte im Freien oder in Höhlen ab. Und genau wie die Bogumilen waren auch die Katharer der katholischen Kirche ein Dorn im Auge und wurden mit aller Macht systematisch verfolgt. Bei der Bevölkerung aber waren die Katharer überaus beliebt. Die Hinrichtung von 205 Katharern, die zuvor 10 Monate von den Kreuzrittern des Erzbischofs von Narbonne in der Burg Montségur belagert wurden, trug zur Legendenbildung über die Katharer bei. Die Katharer von Montségur wurden damals vor die Wahl gestellt, zum Katholizismus überzutreten oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden. Sie entschieden sich für den Scheiterhaufen und starben alle am 16. März 1244. Damit war das Ende der Katharer in Frankreich besiegelt. Von der Verbindung zu den Katharern ist die Lilie im Wappen Bosniens geblieben, behauptet jedenfalls Professor Adilbeg Sulfikarpazic, Leiter des Bosnischen Instituts in Sarajevo.

    Und die Steine?

    Das Geheimnis der Steine wurde bisher noch nicht gelöst. Im Johannesevangelium, dem einzigen, das die Bogumilen anerkannten, steht geschrieben: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ Nun könnte man annehmen, dass die Steine eventuell Häuser darstellen sollten und die Bogumilen hierher kamen, um rituelle Handlungen durchzuführen. Im Garten des bosnischen Landesmuseums in Sarajevo stehen zahlreiche weitere Bogumilensteine. Einer von diesen Steinen wird mit dem legendären bosnischen Herzog Kuli Ban in Verbindung gebracht. Belegbar ist das aber auch nicht. So bleiben diese Relikte das Geheimnis einer versunkenen Epoche auf dem Balkan, denn nur hier sind diese steinernen Zeugen der Bogumilen zu finden.
    Quellen: Verfolgte Gottsucher von Matthias Holzbauer Buch, 1. Auflage, Marktheidenfeld 2004, 112 S., kart., mit Farbbildern, ISBN 978-3-9808322-5-0,

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