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bosnische künstler

Erstellt von bosmix, 25.01.2009, 16:16 Uhr · 2 Antworten · 3.012 Aufrufe

  1. #1
    bosmix

    bosnische künstler

    Muradif Cerimagic

    rodjen / geboren / born / 1949
    u / in / at / Trebinje (Bosnia-Hercegovina)

    1964 - 1969
    Skola za primenjenu umjetnost u Sarajevo
    Kunstschule Sarajevo
    School of art in Sarajevo

    1969 - 1972
    Visa pedagogska skola likovni odsjek
    Pädagogisches Institut für Kunstlehrer-
    ausbildung
    Institute for teacher of art

    1972 - 1977
    Academija likovnih umjetnosti (slikarstvo)
    Akademie der Künste in Sarajevo
    Academy of fine art in Sarajevo

    Diplom: Akademski Slikar - Akademischer Kunstmaler - academic artist

    Mitglied der Künstlervereinigung in Bosnien und Herzegovina seit 1972
    member of artists-union of Bosnia and Hercegovina since 1972

    lebt und arbeitet in Offenbach und Trebinje (BiH)
    zivi i radi u Offenbachu (Njemacka) i u Trebinju
    is living and working at Offenbach (Germany) and Trebinje (BiH)


    Nagrade PreiseAwards
    1972 Sarajevo, slikarstvo Sarajevo, Malerei
    Sarajevo, Painting
    1973Sarajevo, Majski salon mladiSarajevo, Mai Jugend-Salon
    Sarajevo, May Youth-Saloon
    1979Karlovac, AkvarelKarlovac, Aquarell
    Karlovac, Aquarel-Painting
    1973Tuzla, Yu. Portrait, crtezTuzla, Jugoslawische Portraits, Zeichnung
    Tuzla, Yu. Portrait, Drawing
    1981Sarajevo, Majski salon mladiSarajevo, Mai Jugend-Salon
    Sarajevo, May Youth-Saloon
    1982 Sarajevo, Collegium Artisticum
    Sarajevo, Collegium Artisticum
    Sarajevo, Collegium Artisticum
    2002 Mostar, Biennale BiH-Crtez Mostar, Biennale BiH-Zeichnungen
    Mostar, BiH-Drawing


    Ausstellungsverzeichnis
    • 1973:
      SARAJEVO, ZENICA - Gruppe I + I + I, Cerimagic, Waldegg, Skopljak
      SARAJEVO - "Mai-Jugend-Salon"
      TJENTISTE - Treffen junger jugoslawischer Künstler

    • 1975:
      RIJEKA - "Biennale junger Jugoslawischer Künstler"

    • 1976:
      SARAJEVO / TUZLA / BELGRAD / BRCKO - Generation I

    • 1979:
      RIJEKA - "Biennale junger Jugoslawischer Künstler"
      TUZLA - IV. Ausstellung Jugoslwawien-Portraits
      SARAJEVO- Collegium Artisticum

    • 1980:
      PRISTINA - Zeitgenössische Kunst - Malerei - Bosnia und Hercegovina
      SARAJEVO - Portraits von Jugoslawien
      SKOPLJE - Museum für zeitgenössische Kunst
      BANJA LUKA - Ausstellung junger Künstler
      SARAJEVO - "Mai-Jugend-Salon"
      BANJA LUKA / BRCKO - "Cerimagic, Waldegg, Skopljak"
      NIKSIC - "Junge Kunst - Salon im September"
      SARAJEVO - Kunstgalerie BiH
      TUZLA - I. internationale Biennale für Portraits, Zeichnung und Grafik

    • 1981:
      SARAJEVO - Kunstgalerie BiH
      SARAJEVO - April-Salon
      INSBRUCK - Galerie Claudianna
      KARLOVAC / ZADAR / KRAGUJEVAC - II. Jugoslawische Biennale für Aquarell
      SARAJEVO- Collegium Artisticum

    • 1982:
      SARAJEVO - Mai-Jugend-Salon
      POREC - XXII. Art
      SARAJEVO - Zeichnung und Grafik, Collegium Artisticum
      KARLOVAC - II. Jugoslawische Biennale für Aquarell

    • 1983:
      NIKSIC - September-Salon

    • 1984:
      SARAJEVO - Kunstgalerie BiH
      BELGRAD - National-Museum
      POREC - XIV. Art
      ZRENJANIN - Galerie für zeignössische Kunst
      MARIBOR - II. Jugoslawische Ausstellung "Ökologie und Kunst"
      CACAK - XIII. Gedächtnis an "Nadezda Petrovic"
      SARAJEVO- Collegium Artisticum

    • 1985:
      SARAJEVO- Collegium Artisticum
      SARAJEVO - "Blick in die Achtziger"

    • 1986:
      CACAK - XIV. Gedächtnis an "Nadezda Petrovic"
      SARAJEVO - Kunstgalerie BiH
      BUKAREST - Zeitgenössische Jugoslawische Malerei und Skulptur

    • 1987:
      SARAJEVO - Jugoslawische Dokumenta 87

    • 1988:
      SARAJEVO - Collegium Artisticum

    • 1989:
      LUXEMBURG - XV. Internationale Messe mit Antiquitäten and moderne Kunst
      SARAJEVO - April-Ausstellung
      SALZBURG - Galerie Claudianna
      SARAJEVO - Jugoslawische Dokumenta 89

    • 1990:
      AMSTERDAM - Galerie Antonio Jester
      DEN HAAG - Galerie Timao
      LUXEMBOURG - Galerie Art

    • 1997:
      DARMSTADT - “Paradiesgarten Heimat" Modernes Design im Dialog mit moderner Kunst
      SARAJEVO - Galerie MAK
      DARMSTADT, Regierungspräsidium - Muradif & Gloria - Darmstädter Herbsttage “Grenzüberschreitungen”

    • 1999:
      SARAJEVO – Galerie „Roman Petrovic“ - Cerimagic, Galic-Andjelic, Culic (internationales Winter-Festival)
      SARAJEVO - Collegium Artisticum
      SARAJEVO - Bye Book

    • 2000:
      WIESBADEN - Wirtschaftsministerium
      MAINZ - Art-Galerie

    • 2002:
      KRANJ - Internationale Biennale Zeichnung
      MOSTAR - Biennale BiH-Zeichnungen
      MAINZ - Art-Galerie

    • 2003:
      WIESBADEN - Wirtschaftsministerium

    • 2006:
      LAS VEGAS - Galerie Lassen
      MAINZ - b.artig

    • 2007:
      TREBINJE - 10 Maler

    • 2008:
      SARAJEVO – Galerie „Roman Petrovic“ (internationales Winter-Festival)
    Sammlungen
    Arbeiten von Muradif Cerimagic befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen, zum Beispiel:
    • National-Galerie Sarajevo
    • Museum für zeitgenössische Kunst Tuzla
    • Küntler-Family van Veen, Niederlande/Belgien/Luxembourg
    • Restaurant "Mainschatz", Frankfurt/Main
    • Etko Duran, Frankfurt/Main
    und andere private Sammler in Bosnien-Hercegovina, Kroatien, Slovenien, Frankreis, USA, Spanien and Deutschland

    Nostalgie in Körper und Seele

    Planinka Mikulic
    Sarajevo, 1997



    Muradif Cerimagic ist einer dieser ersten und besten Generation der Akademie der bildenden Künste in Sarajevo, und er hat sich mit seiner Arbeit immer abgehoben von den anderen. Während die anderen von dieser besonderen Akademie geträumt haben, hat er die Abgeschiedenheit und Ruhe von Lastva gewählt - verliebt in die Berge seines Geburtsortes; und heute malt er meisterhaft und stumm einer fremden großen Stadt in einem fremden Land. Daher rührt aber wahrscheinlich diese gewisse Wahrheit in seinen neuen Arbeiten: aus seiner leidenschaftlichen Verbundenheit zu den Bildern der verlorenen Heimat, in welchen er auch an seinen Bruder erinnert wird - zwei kleine Jungen, die zusammen gehörten in den verlorenen Jahren ...
    Nun aber ist all das nicht mehr als eine Fotografie; ein Bild in einem Fotoalbum ist die einzig gebliebene Erinnerung: das ist wie Heraldik von seiner Melacholie, seiner Selbstvergessenheit; Erinnerung an alles, was ihm geblieben ist und was es nicht mehr gibt. Erinnerung an ein Geheimnis, an seine Familie, an seine Heimat, an sein Leid, an seinen gekreuzigten Christus, mit dem er eigentlich schon vor zehn Jahren die heutige Zeit und sein Schicksal vorweggenommen hat. Sein ganzes Leben spiegelt sich in dieser impressiven schwarzen Leinwand, die die damalige Austellung “Collegium Artisticum” dominiert hat, und in diesen neuen kleinen Bildern: das intime Tagebuch des Malers. Um Cerimagics Handschrift lesen zu können, wird jetzt ein ernsthaftes Kunstverständnis vorausgesetzt. Das ist aber erst dann möglich, “wenn wir die Sprache in der Kunst nicht sehen, wenn Sachen und Situationen nicht einfach auf gewöhnliche Weise benannt werden, sondern sie sich lediglich durch die vorherrschenden Verhältnisse in dieser Welt erschließen, dies aber wiederum nur in einer Hieroglyphen-Schrift, zu der man eine Übersetzung braucht. Und für eine solche Beziehung zur Welt bedarf es sowohl einer Beziehung zum Menschlichen als auch zu Unmenschlichem und darüber hinaus auch einer Beziehung der Menschen zu einem selbst – der Terminus der Nähe wäre somit eingeführt....” (W. Biemel, philosophische Analyse moderner Kunst)
    Und darum, wer diese verschiedenen “Nähen” nicht gefühlt und ausgekostet hat, die Nähe, die diesen Maler geformt hat, seine Themen und seine Art nicht kennt, der vermag nichts zu sehen - auch nicht sein “Sarajevo 1996”: weder die blutende Sonne, noch den wunderbaren, leuchtenden Strahl, der sich an dem Sarg bricht, bereit, die Verstorbenen einzuhüllen in sein Weiß, weder die gewohnte Nähe noch den Verlust der wartenden Silhouette an der Tür, einer Tür, wo der Tod wartet oder auch nicht - egal, es hat keinerlei Bedeutung mehr.
    Gewidmet “meinem lieben Bruder” ... Am Ende dieses großen Bildes mit dem kleinen Format kann man sein ganzes Leben ablesen, schält es sich aus diesem Bild Schicht für Schicht; und die Schichten führen direkt zu Baseskije (Schriftsteller aus dem 17. Jahrundert) und zu den Schriften aus einer anderen Zeit und über andere Menschen, die damals genauso eigentlich “gar nichts falsch gemacht” haben, sie haben lediglich “kein Glück gehabt; und nur aus diesem Grund wurden sie umgebracht”.
    Wenn ein Mensch seine Heimat verliert, ist seine Geschichte in ihrer Endgültigkeit sehr tragisch. Doch selbst wenn man einem Maler sein Recht auf Heimat nimmt - nimmt er gleichwohl seine Heimat mit und läßt diese in seiner Phantasie zu neuem Leben erwachen, zwar nur in der Erinnerung, aber stets im Dialog mit seinem eigentlichen Ursprung, dort wo alles anfängt ... Und so wird Lastva, wo er spazierenging, wo er seine kostbaren Bilder gemalt hat, wo er als Student seine Semesterferien verbrachte, wo er sich in die Abgeschiedenheit zurückziehen konnte und wo seine besten Kunstwerke entstanden sind, zum Zentrum seiner neu geschaffenen Welt. In dieses Lastva kommen Barone, Professoren, Maler, die schönsten Frauen, Schauspielerinnen und Kritiker ... Magische Piktogramme und Striche eröffnen andere Welten - Mysterien, die nur noch dem lebendigen Erinnern anvertraut sind und von dort große gelbe Sonnen ausstrahlen, die sich am hellen Firmament potenzieren. ... Und langsam breitet sich Heiterkeit aus: auf dem Gras und dem Wasser und den wunderschönen Zweigen und den Wurzeln, die sich in einem seichten Wasser wohlig wälzen.
    Das, was Muradif Cerimagic in seinem Exil gemacht hat, verkörpert eine tiefe Nostalgie, ist als Bild konkreter Ausdruck von Gefühlen. Damit wir aber sagen können, daß ein Werk wirklich Kunst ist, muß es frei sein von Pathetik, braucht es die intellektuelle Synthese. Einmal sagte mir ein anderer sehr großer Maler aus Bosnien: “Es gibt keine gerade Linie in einer empfindsamen Welt, sie ist vielmehr ein magisches Piktogramm und eine kleine Sehnsucht der menschlichen Seele, etwas, das auf einem weißen Stück Papier geheime Spuren und irgendwelche Konturen schreibt. Als ich anfing zu malen, habe ich verstanden, daß ein Kunstwerk eigentlich nur mein Signum ist, mein einziges Vermächtnis, alles was ein Vater hinterlassen kann, mein verdammtes Testament vor den Augen dieser Welt ... mein Bild. Das ist wie ein Strauß trockenen Rosmarins in einem braunen Filjan (traditionelles Gefäß, aus dem Kaffee getrunken wird) auf der Kommode meiner Liebsten, die nicht mehr am Leben sind.” Und Cerimagic malt genau solche Bilder, Bilder der Wahrheit. Das ist die Wahrheit von Leben und von Tod, von Liebe und von Gleichgültigkeit, von Schönheit und von Häßlichkeit, von Ruhm, von Nichtigkeit und erzwungener Einsamkeit, von Glaube und von Zweifel. Ungeklärte und geklärte Niederlagen. Und Siege. Und all das beinhaltet “Sarajevo 1996”, führt die anonymen Toten hin zu Unsterblichkeit. Mit seiner malerischen Intention schafft er eine neue Zeit und unter gleichzeitiger Anwendung verschiedener Stile prägt er seinen Stil, hinterläßt seine individuellen malerischen Spuren und Zeichen. ...

    Auf den Erfahrungen der Vergangenheit

    Die neuesten Arbeiten von Muradif Cerimagic bündeln den Blick des Betrachters in seiner bildnerische Aktualität: er reanimiert sozusagen Vergangenes durch Neues und liefert für diese, seine Absicht auch gleich mehrere Belege. Gleichzeitig muß man wissen, daß der Autor seinem bildnerischen Schreibstil folgt, den wir schon von früher aus seiner Malerei, seinen Zeichnungen und Grafiken kennen.
    Die heutige bildende Kunst ist vor allem gekennzeichnet durch die Suche nach Neuem, aber auch durch das Dilemma, Fragen in Bezug auf die Vergangenheit im voraus stellen zu müssen.
    Meistens versucht der moderne Künstler, sich von den angesammelten Erfahrungen und Rückblicken zu befreien, um sich von der Verantwortung gegenüber historischen Phänomenen zu entlasten. Einigen Künstlern gelingt es mit der Kraft ihrer künstlerischen Imagination, das Alte und das Neue auf ihrem Weg durch die Gegenwart zu verbinden. Die Vergangenheit drängt sich immer als eine Art Pflicht auf, auf die nicht nur die Maler des 20. Jahrhunderts verschiedenartig reagieren, sondern auch Schriftsteller, Romanschreiber, Komponisten, Wissenschaftler. Offensichtlich ist, daß die Vergangenheit unfehlbar ist, denn mit ihr müssen wir leben: sie ist unsere Erinnerung.
    Die Rückkehr zur Vergangenheit, zu etwas, was schon geschehen ist, die wiederkehrenden Symbole, die Erinnerungen an sogenannte “Ewige Inhalte”, das ist das Wesentliche in den neuesten künstlerischen Überlegungen von Muradif Cerimagic.
    Wenn Vergangenheit in der Zukunft im Rahmen eines künstlerischen Werkes wirkt, dann ist jener Prozeß bei diesem Autor voll ausgereift, und er präsentiert sich mit ganz individueller Handschrift, was ihm eine völlig neue Qualität gegeben hat. Wie wir schon festgestellt haben: Cerimagics künstlerische Handschrift bleibt konsequent und die Rückkehr in die Vergangenheit bedeutet nicht Kopieren sondern Erschaffen eines neuen Werkes, das auf den Erfahrungen der Erinnerung aufbaut.
    Jede Arbeit dieses Künstlers ist als ein mögliches Modell im Zusammenhang mit Überlegungen zu bildender Kunst unter Einbeziehung des Global-Universellen zu verstehen, und der Autor setzt seine Erkenntnisse mit Technik, Komposition und Inhalt sehr erfolgreich um.
    In der Anfangsidee möchte dieser Künstler sich dem Ablauf der Zeit widersetzen. Seine Arbeiten entsprechen in jedem Fall dem Maß der Modernen – sind Quelle und Zugang zugleich.
    Die Verbindung der Vergangenheit mit der Gegenwart ist lesbar und wiederkennbar in den verwendeten Symbole - Zeichen der Neugier von Cerimagic. In der Gesamtwirkung fehlt weder das Wesen noch die persönliche Sensibilität dieses Künstlers. Der logische reife Kontakt ist wieder hergestellt, der sich auf frühere Arbeiten stützt, als Tatsache, Basis, Stimulator oder Zitat.
    Der Autor beweist in seiner Arbeit, daß sein künstlerischer Reifungsprozeß fortgeschritten ist und daß er in der Lage ist, immer wieder etwas Neues anzubieten. In einigen Arbeiten können wir Symbole seiner Heimat wiedererkennen - unausweichlich ist sein Reagieren auf die vergangenen Kriegsgeschehen in diesem Gebiet.
    Aber assoziative, symbolische oder ganz konkrete Details haben die Funktion, daß man mit der Analyse des einzelnen die Synthese des Allgemeinen bekommt. In einem so zusammgesetzten künstlerischen Zugang gibt es ästhetische und intellektuelle Fallen, denen Cerimagic jedoch geschickt ausgewichen ist; er hat seine Arbeit gleichsam befreit.
    Die Arbeiten von Muradif Cerimagic bieten eine hohe künstlerische Qualität und ermöglichen immer die Interpretation auf die individuelle Art des Betrachters.

    Branka Perisic
    Antwerpen, Juni 1998

    Authentische Visuelle Erfahrungen

    Prof. Dr. Muhamed Karamehmedovic
    Sarajevo, 1999





    Muradif Cerimagic, geboren und aufgewachsen in der gleichen Umgebung wie ich, in derselben Atmosphäre einer schönen Stadt, die Trebinje heißt, war und blieb als Mensch eine sonderbare und problematische Gestalt. Heute, wenn ich dem künstlerischen Werk dieses Sonderlings, dieses Vorhersehers, aufs Neue begegne, tragen mich meine Gedanken nicht zu der Akademie, an der er Student war, sondern in das Morgengrauen jenes unglückseligen Krieges, der uns alle aus dem Sattel geworfen hat, der uns aus dem geliebten Trebinje vertrieben und ins Ungewisse gejagt hat. Mir ist die gekreuzigte, sonderbare und dramatische Atmosphäre in seinen damaligen Bildern in Erinnerung geblieben. Das waren (vorweggenommene) malerische Interpretationen, zeichnerisch-assoziative und ruhelos raumgreifende Visionen einer menschlichen Tragödie, eines unglücklichen menschlichen Schicksals, das sich gerade bei uns in Trebinje erfüllte – wie auch in ganz Bosnien und Herzegowina. Das waren Bilder, die durch das Zeichnen, durch eine rastlose Konturlinie, die nur hier und dort eine Form definiert, allmählich mit dem umgebenden Raum verschmolzen, um dann in dieser inneren dramatischen Atmosphäre zu ertrinken.

    Während des Krieges malte dieser “Künstler-Seher” auch ein Bild namens “Ein Tag in Sarajewo” und schon wieder ist es eine apokalyptische Atmosphäre. Da sind Metaphern und Symbole, da sind Särge, über denen das Licht emaniert, und Minarette als Symbol der kosmischen und irdischen Personifikation. Da ist auch die graphische Interpretation im zweidimensionalen Anknüpfen an das Symbol von Mostar und der Brücke, die es nicht mehr gibt. Da ist El Grecos Verschmelzen des Himmlichen mit dem Irdischen und da sind manchmal angerissene sonderbare Ideen, die im darstellenden Sinne erst abschließende Akzente benötigen. Da gibt es eine tiefe Sondierung und eine große Spannweite mit Beispielen von stilistischen Varianten des Strukturalismus, der Kollage und der abstrakten Interpretation.

    Im Grunde bewegen wir uns in der Ausstellung von Muradif Cerimagic zwischen den äußersten Punkten der Avantgarde der Achtziger und der Postavantgarde, und es ist, als ob wir in der Enzyklopädie der malerischen Möglichkeiten blätterten. Wenn sie modern ist und einige Filter hat, also in diesem Sinne postmodern, wie in einigen Grafiken, Zeichnungen und Bildern, sehen wir Cerimagic als einen Maler, der alles, was an die Moderne erinnern könnte, beschneidet. Er schafft aus dem Detail und dem Fragment neue Ganzheiten, oder er suggeriert sie, was im Grunde das Prinzip der Postmoderne ist.
    Cerimagic gleitet durch die Zeit und den Raum europäischer Kunst in den letzten Jahrzehnten. Durch die beschriebenen, aber auch durch weitere stilistische Varianten erforscht er die Möglichkeiten einer unbegrenzten Originalität und drückt in seiner authentischen visuellen Erfahrung den magischen Widerschein der Modernen in der Postmodernen aus – so, wie es auch geschah: der erste Impuls der Avantgarde war der Wunsch, die Welt neu zu sehen. “Diese Motivation, diese Notwendigkeit, den Ursprung der Kunst und des kreativen Lebens erneut zu entdecken, trennte den modernen Künstler von der Kunst aller anderen Epochen der westlichen Zivilisation.”

    Cerimagic ist ein moderner Künstler und gleichzeitig ein Maler, der mit einer Welt konfrontiert wird, die oft zerstörerisch ist, ohne Tradition und Kontinuität. Er war oft in jeder Sphäre seines Lebens weit von dem entfernt, was man westliche Errungenschaften nennt. Cerimagic hat begriffen, daß die Rolle des Künstlers als Hüter von Tradition und ethischen Werten der eigenen Kultur eine undankbare Arbeit ist, und aus diesem Widerspruch zu bestimmten revolutionären Ideen entwickelte er seine Auffassung über die Funktion der Kunst in einer modernen Welt.
    Unter den heutigen Bedingungen – Krieg und eine zerstörerische Zivilisation – blickt Cerimagic retrospektiv auf so viele originelle Visionen, die in der modernen Periode entstanden sind, läßt sie kritisch durch den Filter der eigenen Empfindsamkeit gleiten und stellt ihre erhabenen Werte und Originalität in Frage. Die Reduktion der Wirklichkeit, die das Zeitgenössische bietet, und unsere Sachlichkeit gehen ihm scheinbar zur Hand, um die Geschichte der modernen Kunst mit seiner Stilpluralität und nach seinen eigenen Regeln auszulegen und fortzuschreiben. Und er demonstriert auch in dieser Ausstellung im Rahmen des “Sarajevska Zima”: “nicht das, was wir absolute Notwendigkeit nennen könnten, sondern zweideutige Natur aller Stile und relative Wertigkeit bestimmter Stile.” Diese Option ist der protestierenden Vorherseherfähigkeit dieses Malers und der Imagination jenes sonderbaren Künstlers vorbehalten; sie ist nicht Verklärung des künstlerischen Genies.












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  2. #2

    Registriert seit
    28.09.2008
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    23.630

    kennt sicher nur die Kunstwelt

  3. #3
    bosmix
    Zitat Zitat von Balkanmensch Beitrag anzeigen

    kennt sicher nur die Kunstwelt

    Unter den Kunstkennern ist er ein alter bekannter.

    Hier nochmal seine Sammlungen:

    Sammlungen
    Arbeiten von Muradif Cerimagic befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen, zum Beispiel:
    • National-Galerie Sarajevo
    • Museum für zeitgenössische Kunst Tuzla
    • Küntler-Family van Veen, Niederlande/Belgien/Luxembourg
    • Restaurant "Mainschatz", Frankfurt/Main
    • Etko Duran, Frankfurt/Main
    und andere private Sammler in Bosnien-Hercegovina, Kroatien, Slovenien, Frankreis, USA, Spanien and Deutschland

    Wie man sieht sind seine Sammlungen international vertreten.

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