Codename "Adler": Moskaus "Superspion" wurde von der Putzfrau enttarnt

Von Thomas Borchert

Der letzte Wunsch des schwedischen «Superspions» Stig Wennerström ist vor seinem friedlichen Tod im Altersheim nicht mehr in Erfüllung gegangen. «Er sagte immer, dass er unbedingt noch hundert werden will», berichtete eine Mitbewohnerin im Stockholmer Pflegeheim Tallgården der Zeitung «Aftonbladet» nachdem der Tod des 99-Jährigen bekannt wurde. Um fünf Monate verfehlte der Spion sein letztes Ziel. Im Kalten Krieg hatte er es geschafft, 15 Jahre lang als heimlicher Sowjet-General unbehelligt die fast kompletten Verteidigungspläne Schwedens an Moskau zu verraten. Das brachte ihm den respektvollen Codenamen «Adler» ein.

Wennerströms Geschichte bis zur Verurteilung als Landesverräter 1963 enthält fast alle Elemente der «klassischen» Spiongeschichte. Da gab es bei dem Oberst der schwedischen Luftwaffe und späteren Diplomaten die Nerven aus Drahtseil ebenso wie einen Hang zum großspurigen Lebensstil mit der viel zu teuren Luxusvilla. Wennerström gab rauschende Feste, schmückte sich mit aufregenden Bekanntschaften aus den feinsten Kreisen und fühlte sich zugleich gequält durch den schleppenden Gang seiner «offiziellen» Karriere.

Auch Kontakte zu Canaris

Der Offizierssohn verriet seit Ende der vierziger Jahre bis zu seiner Festnahme für 600.000 Kronen (nach heutigem Wert 66.000 Euro) die fast vollständigen Luftabwehrpläne seines neutralen Heimatlandes. Als Militärattaché der Botschaft in Washington und Abrüstungsexperte im Stockholmer Außenministerium konnte er seinen Auftraggebern in Moskau auch wertvolle Nato-Informationen liefern. Allein in den letzten Jahren übergab Wennerström mehr als 20.000 Dokumente.

Schon während des Krieges war ihm der eigene Geheimdienst Säpo wegen vermuteter Spionage für das nationalsozialistische Deutschland auf den Fersen gewesen. Tatsächlich hatte Wennerström nie geklärte Kontakte zur Auslandsabwehr unter dem 1945 hingerichteten Admiral Wilhelm Canaris.

Wer ist "Die Wespe"?

Umso verblüffender, wie dann 1963 die eigene Putzfrau den als ausgesprochen arrogant geltenden Besitzer einer Zehn-Zimmer-Villa zu Fall brachte: Sie fand beim Schnüffeln auf dem Dachboden eine verdächtige Filmrolle. Ein Jahr später war Wennerström wegen Landesverrat zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt. Er gab seine Spionagetätigkeit zu und wurde 1974 vorzeitig freigelassen.

Bis auf einige Anläufe, das eigene Handeln als «Friedensinitiative» zu rechtfertigen, blieb Wennerström nur noch Privatperson, bis zum Ende geächtet von der ihm so wichtigen schwedischen Oberklasse.

Wie viele andere Spionagegeschichten ist auch diese nicht wirklich zuende: Bis heute nicht enttarnt ist «Die Wespe», der zweite im Schweden des Kalten Krieges aktive «Superspion». (N24.de, dpa)


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