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Dakisch (Sprache)

Erstellt von PokerFace, 09.09.2007, 00:08 Uhr · 12 Antworten · 2.152 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von PokerFace

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    29.08.2006
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    4.163

    Dakisch (Sprache)

    Dakisch


    1. Sprache und ihre Sprecher

    Das Dakische war die Sprache der einheimischen Bevölkerung im Osten der Balkanhalbinsel, genauer
    gesagt im heutigen Rumänien und im Osten Ungarns sowie in der heutigen Dobrudža, im nördlichen
    Bulgarien und im östlichen Serbien. Die dakischen Sprachreste bestehen aus ca. 60 Glossen, einer kurzen
    Inschrift, einer gewissen Anzahl von Personen-, Stammes- und Völkernamen. Daran schließen sich ca. 100
    Substratwörter an, erhalten im heutigen Rumänischen.


    2. Die Glossen

    Dies sind Pflanzennamen, die in den Synonymenlisten von Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) und Pseudoapuleius
    (3./4. Jh. n. Chr.) überliefert sind (Georgiev 1964): adila „Natterwurz“, amalusta „Kamille“, βoυδάθλα
    „βoύγλωσσov“ „Ochsenzunge“, δάκικα „eine Anemonenart“, διέσεμα „Himmelbrand“, διέλλιvα/dielina
    „Bilsenkraut“, δύv „Brennnessel“, ζήvα „Schierling“, κιvoύβoιλα „weiße Zaunrübe“, κoαδάμα πoταμoγείτωv
    „Potamogeiton natans“, κoτίατα „Queckengras“, κ(o)υριovvηκoύμ „φoιvίκεov, έρυθμόv“, μαvτία „Brombeere“,
    μίζηλα „Thymian“, ῥαθιβίδα „Schamkraut“, σέβα „Holunderbaum“, sipoax/sipotax/simpeax „Wegerich“, σκιάρη
    „Kardendistel“ u. a.


    3. Die Inschrift aus Grădiştea

    Die Inschrift aus Grădiştea, Kreis Orăştie, auf einem Tongefäß mit zwei Siegeln: Decebalus per Scorilo
    „Decebal, Sohn des Scorilo“. Die darin erwähnten Personen Decebalus und Scorilo sind aus anderen
    Quellen als Könige der Daker bekannt: Δεκέβαλoς (Cassius Dio), Scorylo „dux Dacorum“ (Frontinus).
    Decebalus wird mit dem altindischen daśabalaḥ „zehn Kräfte“ gleichgesetzt (G. Bonfante), was lautlich
    nicht annehmbar ist; per = lat. puer „Knabe“ < idg. *pwero-; Scorilo mit -o ist Gen. Sg. < Abl.


    4. Die geographischen Namen

    Die dakischen Flussnamen haben fast keine Parallelen in Thrakien. Der Struktur nach sind sie meistens
    einstämmig – einfache Bildungen oder suffixale Ableitungen. Zur ersten Gruppe gehören: Apos, Carpis,
    Κρίσoς (heute rum. Crişul), Pincus/Pingus (heute Pek in Serbien), Τoύτης (heute Bega), Zyras (heute
    Batovska reka in Nordostbulgarien). Suffixale Ableitungen sind: Ἀλoύτας/Aluta fluvio (heute Olt), Arine,
    Ίέρασoς (heute Seret), Μάρις/Μάρισoς (heute ung. Maros, rum. Mureş), Μoυσαῖoς/Μoυσέoς (heute Buzău),
    Όρδησσός (heute Argeş), Ράβωv (heute Jiul), Σέρετoς, Τιβίσκoς/Tibisia (heute rum. Timişul). Es gibt
    auch präfixale Bildungen: Πασπίριoς (mit pa-), Sanpaeus rivus, latinisierte Form des dakischen *san apa,
    „Zusammenfluss“. Der bei Plinius (N. H.) überlieferte Name Pathissus für die Theiß bezeichnete in der Tat
    das Flusstal mit dem Präfix pa- + Flussnamen Thissus. Aus dem Dakischen stammt sicher der rumänische
    Name der Donau Dunăre, dessen Struktur nicht ganz klar ist. Die Oronymie Dakiens ist den antiken
    Autoren wenig bekannt gewesen. Der Name des Hauptgebirges in Dakien Καρπάτης ὄρoς (Ptolemäus)
    wird von dak. *karpa (alb. karpë „Fels“) < idg. *(s)korpa abgeleitet. Die dakischen Siedlungsnamen werden
    nach ihrer Struktur in drei Typen aufgeteilt: a) einstämmige einfache Ortsnamen: Dierna, Galtis, Κάρπoς,
    Malva, Τόμoι u. a.; b) suffixale Bildungen: Eg-eta, Drob-eta(e), Αἴζ-ιδις, ἈΑκμovία, Bers-ovia, Burt-icum,
    Clev-ora, Αρκ-ίvvα, Απ-oύλov, Ναϊσσός, Sals-ovia u. a.; c) zweistämmige Ortsnamen: Αξί-oπα, Γερμί-ζερα,
    Deu-sara, Ζάλδ-απα, Βάλ-αυσov, Παδι-σάρα u. a. Zu dieser Gruppe gehören die Ortsnamen mit
    Hinterglied -dava, -daua, -daba „Stadt“ < idg. *dēwā wie Aci-dava, Δoκί-δαυα, Pelen-dova, Gil-doba.
    Dieser Namentyp ist charakteristisch für das dakische Sprachgebiet.
    In der dakischen Toponymie sind auch präfixale Bildungen bekannt: Α-μoύτριov (mit Ad-), Τρα-μαρίσκα
    (heute Tutrakan).


    5. Personen- und Götternamen

    Die dakischen Personennamen sind meistens einstämmig: Βλωστι, Διηγις, Ζoλτης. Zweistämmig ist der
    Personennamen Βυρη-βίστας (alb. burrë „Mann“ + -bistas < idg. *bid-tos, gr. πιστός „treu“). Der Name
    des Hauptgottes bei den Geten und Dakern Zalmoxis/Zamolxis ist nicht sicher gedeutet. Bei Herodot
    (IV 94) steht stattdessen Γεβελέϊζις, Βελέϊζιv aus urspr. *Nebeleizis „Wolkengott“ aus *Nebele, gr. vεφέλη
    „Wolke“. Der Kult des thrakischen Ἥρως ist ebenso in Moesia auf Inschriften bezeugt.


    6. Völker und Stammesnamen

    Den antiken Autoren zufolge hießen die Daker einst Δαoί, eine Totembezeichnung aus idg. *dawos
    „Wolf“, phryg. δάoς. Der Name der Daker (Δακoί, Dāci) stellt eine Weiterbildung vom selben Wort mit
    dem Suffix -ko- dar, idg. *dawkoi (Kretschmer). Bei den antiken Autoren sind auch die Stammesnamen
    Γέται und Μυσoί bezeugt, beide ohne sichere Deutung; vgl. weiter Δαρδαvoί (Cassius Dio), abgeleitet von
    einem geographischen Namen zu alb. dardhë „Birnbaum“; Triballi (Plinius) < idg. *tb-al-oi „Siedler“.


    7. Charakteristika der dakischen Sprache

    Im Bereich des Vokalismus sind die idg. Kurzvokale a, i, u erhalten geblieben, das idg. o ist zu a geworden,
    das kurze e wurde zu e dipthongiert. Die Langvokale: idg. ō wurde zunächst zu oi und weiter zu e vereinfacht;
    idg. ū > dak. ui > ü > i; die Dipthonge idg. ay, aw > dak. a, idg. ey, ew > dak. e. Die Sonanten  und
     (für die anderen gibt es keine Nachweise) entwickelten sich zu ri (ir, im/in). Im Konsonantismus: die
    idg. Tenues p, t, k und die Media b, d, g sind im Unterschied zum Thrakischen erhalten geblieben. Die
    Palatalisierung der Velare k, g, g vor hellen Vokalen e und i ist genau so wie im Thrakischen: s oder þ,
    z oder ð. Die Labiovelare k, g, k sind entlabialisiert zu k, g, später zu ć, (d)ź; vor a, o, u wurden sie
    mundartlich zu p, b. Die Lautgruppe tt (dt, dt) ist zu s geworden wie im Lateinischen, Keltischen und
    Germanischen. Im Bereich der Derivation zeigt das Dakische die Suffixe -ila: adila „Natterwurz“, -ela:
    μίζηλα „Thymian“, -is-: Marisia, -eta: Δρουβητίς, Aegeta, Ereta, -uta: Aluta, -ik-: Σούρικου u. a.


    Ivan Duridanov

    8. Literatur

    Detschew D. 1957: Die thrakischen Sprachreste. Wien.
    Георгиев В. 1960: Българска етимология и ономастика. София.
    Georgiev V. 1964: Die dakischen Glossen und ihre Bedeutung zum Studium der dakischen Sprache. Linguistique balkanique
    8, 5–14.
    Georgiev V. 1983: Thrakisch und Dakisch. Temporini H., Haase W. (Hg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt II/2,
    1148–1194. Berlin.
    Kretschmer P. 1896: Einleitung in die Geschichte der griechischen Sprache. Göttingen.
    Russu I. I. 1969: Die Sprache der Thrako-Daker. Bukarest.
    Vraciu A. 1980: Limba daco-geţilor. Timişoara.

  2. #2
    Avatar von Vasile

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    Kann man mit sicherheit sagen dass sich dakisch als eigenständige Sprache innerhalb der thrakischen Familie herausgebildet hat, oder war es eher ein Dialekt (oder sogar nur eine Mundart ?) der thrakischen Sprache?

    Auf jedem Fall, wenn ich mich nicht irre, hat sich diese Sprache östlich der Karpaten am längsten erhalten. Der Stamm der Karpen soll es noch bis ins 6. Jh. gesprochen haben.

  3. #3
    Avatar von PokerFace

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    Ich habe gestern eine Liste mit vielen thrakischen Wörtern gefunden. Keins davon gibt es auch in der rumänischen Sprache oder hört sich wenigstens ähnlich an. Es waren aber viele Wörter dabei die es auf bulgarisch und litauisch gibt. Ich glaube dass dakisch eine eigenständige Sprache war.

    Hier ist die Liste: Thrakische Sprache - Wikipedia

    Anscheinend gibt es auch in der serbischen Sprache Wörter thrakischen Ursprungs:

    Vielleicht kann ein Serbe mal die Liste durchschauen ob es noch mehr gibt..

    saldas = golden (vgl. Bulgarisch zlaten (златен) Altbulgarisch salta (залта))
    Serbisch: zlato

  4. #4
    Avatar von Vasile

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    Sind die Begriffe zlato und zlaten nicht slawischen Ursprungs?

  5. #5
    Avatar von PokerFace

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    Ok..ich blick da auch nicht mehr durch..

    saldas, saltas (instead of *zaldas) ‘golden’ [Old-Bulg. zlato (from the Proto-Slavic *zalta) ‘gold (noun)’ , New-Bulg. zlato ‘gold’, zlaten ‘golden’].

    Dann versteh ich aber nicht warum das bulgarische Wort als Vergleich genommen wird.

  6. #6
    Avatar von PokerFace

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    Eine Karte mit thrakischen und dakischen Ortsnamen.
    An den Endungen -dava und -deva erkennt man die dakischen. Dava heißt Stadt / Burg / Festung.
    Vielleicht finde ich noch eine mit allen 200 dakischen Ortsnamen.


  7. #7
    Avatar von Vasile

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    Interessant ist dass man in dieser Karte auch im eigentlichen thrakischen Sprachraum einige Ortsnamen findet, deren Endungen mit -dava ähnlich sind:

    Cumudeva.
    Bregedaba.

    Aber die meisten Endungen sind südlich des Balkangebirges -para. Was bedeutete das auf thrakisch?

  8. #8
    Avatar von PokerFace

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    Zitat Zitat von Vasile Beitrag anzeigen
    Aber die meisten Endungen sind südlich des Balkangebirges -para. Was bedeutete das auf thrakisch?
    Para heiß Dorf. Du findest es in der Liste mit den thrakischen Wörtern.

    Zu den dakischen Ortsnamen hab ich hier noch was auf rumänisch gefunden:

    www.dacii.ro - A new perspective of Romanian ancient history - The Dacians - DOUÃSPREZECE MILENII DACOROMÂNEªTI

  9. #9
    Avatar von PokerFace

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    Hier noch was rumänisches über die Endungen -dava, -para, -dina, -bria und -diza. Karten sind auch dabei.

    Categorii de toponime în funcţie de origine şi aşezare


    Edit:

    Und noch eine Liste der dakischen Festungen:

    Listă de cetăţi dacice - Wikipedia

  10. #10
    Avatar von Vasile

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    DECEBALUS PER SCORILO



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