Erinnerung an die k. u. k. Zeit: Wiener Schule in Sarajevo Konferenz zur wechselseitigen Wahrnehmung von Bosnien-Herzegowina und Österreich Wenn man in Bosnien sagen will, dass jemand besonders höflich und wohlerzogen agiert, nennt man das Bečka škola – Wiener Schule. Am Donnerstag fand in Sarajevo eine Konferenz zur wechselseitigen Wahrnehmung von Bosnien-Herzegowina und Österreich statt. Die Konferenz ist eine von dutzenden Veranstaltungen, die das österreichische Außenministerium heuer wegen des Kulturschwerpunkts Bosnien-Herzegowina organisiert. Wie Botschafter Martin Pammer zu Beginn erwähnte, ist die "Wirkmacht der Zeit der gemeinsamen Staatlichkeit" – also die Zeit zwischen 1878 und 1918 – nach wie vor der wichtigste Bezugspunkt für die gegenseitige Wahrnehmung der beiden Staaten. Immer wieder tauchen dieselben Topoi auf: Die Bosniaken als Teil der k. u. k. Armee, Sarajevo als Ort des Attentats oder das Alte Rathaus in Sarajevo, die Vijećnica, die in österreichisch-ungarischer Zeit gebaut wurde. Durchaus kritisch meinte Pammer, dass die "Geschichte als Bezugspunkt für Legitimität" insbesondere in der jetzigen Zeit zugenommen habe, wo die Beschäftigung mit der Gegenwart und der Zukunft sehr gering ausfalle, aber umso notwendiger sei. Die derzeitige nostalgische Liebe für die k. u. k. Zeit in Bosnien-Herzegowina stellte er der tatsächlichen Stimmungslage im Jahr 1918 gegenüber, als auch viele Südslawen froh waren, dass der "Völkerkerker" ein Ende fand. Die Wiener Historikerin Tamara Scheer betonte in ihrem Referat drei Themen, die für die Wahrnehmung von Bosnien-Herzegowina aus der Sicht der k. u. k. Offiziere von Bedeutung waren: Rückständigkeit, Nationalismus und die Faszination für den "Orient". -

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