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Für Balkan-Linguisten

Erstellt von Schiptar, 20.01.2006, 00:57 Uhr · 1 Antwort · 461 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Schiptar

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    Für Balkan-Linguisten

    Hier eine interessante Seite für diejenigen, die an den sprachwissenschaftlichen Aspekten der Balkansprachen Interessse haben:

    http://www.oeaw.ac.at/balkan/forsch_projekte.htm

    Forschungsschwerpunkte und Projekte

    • - Der Zivilisationswortschatz im südosteuropäischen Raum
      (Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Bulgarisch, Griechisch,
      Osmanisch-Türkisch, Rumänisch)

      - Thesaurus der slowenischen Volkssprache in Kärnten

      - Das slavische Substrat in Österreich aus linguistischer Sicht

      - Deutsch-slowenische/kroatische Übersetzung 1848-1918

      - Editionen altkirchenslavisch-glagolitischer Handschriften

      - Die Dioptra des Philippos Monotropos – Griechischer Originaltext und slavische Version

      - Edition der Wiener Dissertation (1933) von Eqrem Çabej
      über das Italoalbanische (Arbêresh)

      - Die österreichische Slawistik und die russische Exilkultur: N. S. Trubetzkoys kulturtheoretisches Erbe (1920-1938)

  2. #2
    Avatar von Schiptar

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    Fanny Marina Papoulia, "Griechenland", in: Studienhandbuch Östliches Europa, S.179:

    "Die gesellschaftliche Umbruchstimmung fand ihren Ausdruck einerseits in der Organisierung von Bauern- und Arbeitervereinen, andererseits in dem Bemühen einer neuen, in Folge der Modernisierungspolitik der 80er Jahre entstandenen Elite, sich gegen die politisch und kulturell dominante Oligarchie durchzusetzen. Symptomatisch hierfür waren die Auseinandersetzungen um die Sprachenfrage: Der seit dem Ende des 18. Jhs. bestehende Streit zwischen Verfechtern einer gesprochenen „Volkssprache" und einer an altgriechischen Dialekten orientierten „Reinsprache" erlangte mit den blutigen Auseinandersetzungen um die Übertragung des Evangeliums (1901) und der Orestie (1903) in die Volkssprache einen vorläufigen Höhepunkt. Die Frage der Anerkennung der Volkssprache als Unterrichts- und Amtssprache beherrschte die griechische Bildungspolitik noch bis weit in das 20. Jh."

    ---

    Neugriechisch

    Während der byzantinischen Periode und in den Jahren türkischer Herrschaft entwickelte sich die griechische Hochsprache nicht weiter. In der Hauptsache wurden Hagiographien, theologische Werke und religiöse Dichtung verfasst. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete sich mit den Anfängen eines nationalen Bewusstseins ein aufstrebendes griechisches Bürgertum heraus. Bis circa 1880 wurde das Bürgertum jedoch vor allem von Reedern und umherreisenden Kaufleuten angeführt, die ausserhalb Griechenlands in den griechischen Niederlassungen lebten und sich sprachlich und kulturell an einem idealisierten athenischen Erbe orientierten. In Griechenland selbst, in dem weiterhin die Türken herrschten, wurden die Energien der Menschen von den revolutionären Bestrebungen zur Erlangung der nationalen Unabhängigkeit aufgezehrt. Im 19. Jahrhundert hatten die nunmehr freien Griechen dringendere Sorgen als die Pflege ihrer Sprache. Ergebnis war, dass sich in der jungen Nation keine einheitliche Sprache herausbildete.

    Um die Volkssprache noch besser in der Erziehung und zur allgemeinen Verständigung einsetzen zu können, bemühten sich im späten 19. Jahrhundert griechische Gelehrte und Schriftsteller um ihre Systematisierung. Nach der Bezeichnung Demotike für die Volkssprache wurden die führenden Persönlichkeiten dieser starken Bewegung Demotikisten genannt. Bekannte Verfechter waren der Dichter Dionysios Solomos und der französische Philologe griechischer Abstammung Jean Psichari. Die wichtigsten Ergebnisse der Bewegung waren die Erarbeitung einer Grammatik dieser Volkssprache und die Produktion zahlreicher literarischer Werke, die die Errungenschaften, das Leben und die Bräuche der einfachen Menschen zum Inhalt haben. Auch im heutigen Griechenland schreiben die meisten Romanciers und Dichter in dieser Sprache.

    Gegner der Demotikisten waren die Puristen, Anhänger der Katharevussa, eines gereinigten Griechisch. Diese Gelehrten beabsichtigten in erster Linie, dem griechischen Volk das antike kulturelle Erbe wieder bewusst zu machen. Sie schenkten der weit verbreiteten geschriebenen und gesprochenen Volkssprache keinerlei Beachtung, sondern propagierten eine elegante, gelehrte, künstliche Sprache, die sich eng an das Griechisch der Antike anlehnte und abgehoben von der Sprache des Alltags war. Zur Pflege der Katharevussa empfahlen sie das Studium der antiken Schriftsteller, vor allem der traditionellen Stilisten und Dichter. Zu den führenden Gelehrten dieser Bewegung zählten mehrere Professoren für Philologie an der Universität Athen. Als Ergebnis ihrer Kampagne führten verschiedene diktatorische Regierungen die Katharevussa als Amtssprache ein, doch 1975 wurde durch Parlamentsbeschluss auch die Demotike endgültig als Amtssprache anerkannt. Sie wird seitdem von der Regierung, allen Zeitungen und den meisten Universitätsprofessoren verwendet.

    Die puristische und die volkstümliche Form des Neugriechischen unterscheiden sich hauptsächlich dadurch, dass erstere in Grammatik, Orthographie und Wortschatz dem Altgriechischen viel näher steht. Phonetisch sind beide völlig gleich; vom Altgriechischen weichen sie insofern ab, als sie für hervorgehobene Silben statt der Tonhöhe die Tonstärke verwenden und Vokale und Diphthonge anders aussprechen. So wird z. B. im Neugriechischen der Diphthong oi in anthropoi („Menschen") als einfacher Vokal, wie ein deutsches langes i, ausgesprochen.

    Die wichtigsten grammatikalischen Unterschiede zwischen Alt- und Neugriechisch sind in der Deklination und Konjugation zu finden. Neugriechisch (Demotike und Katharevussa) hat in der Deklination gegenüber dem Altgriechischen zwei Formen aufgegeben: den Dualis, eine Form, die anzeigt, dass sich ein Substantiv, Pronomen oder Adjektiv auf zwei Personen oder Dinge bezieht, und den Dativ, der nur noch in einigen idiomatischen Wendungen vorkommt. Der Dualis ist auch aus der Verbkonjugation verschwunden, ebenso wie der Optativ, ein Modus, der im Altgriechischen Zweifel oder Wunsch ausdrückte, und der Infinitiv. Die Funktion, die im Altgriechischen die besonderen Verbformen für die verschiedenen Zeiten hatten, übernehmen im Neugriechischen Hilfsverben. Die altgriechischen Imperative sind weitgehend durch die Konstruktion eines Hilfsverbs mit dem Konjunktiv ersetzt worden.

    Der Wortschatz der neugriechischen Volkssprache zeichnet sich durch seine Vielzahl an Lehnwörtern aus, die direkt aus anderen Sprachen, vor allem Italienisch, Türkisch und Französisch, übernommen wurden. Daneben fällt es im Neugriechischen auch leicht, Wörter zu Komposita zu verbinden. Die Puristen meiden jedoch die Übernahme von Wörtern aus Fremdsprachen. Wenn neue Wörter für neuartige Phänomene benötigt werden, prägen sie diese nach dem Muster altgriechischer Vokabeln, wobei die Bewahrung der alten Formen und Wendungen oberste Priorität hat.

    (Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie. 1993-1998 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.)

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    Antikenrezeption in Griechenland

    Einführung:

    Die Zeit der Aufklärung und der Romantik (18.Jh.) war sehr wichtig für die Entstehung des Nationalbewußtseins. Es wurde bewußt die Antike verklärt. Das führte zur Entwicklung des Philhellenismus und dadurch wiederum wurde die öffentliche Meinung zu Gunsten der Griechen gewandelt. Von entscheidender Bedeutung für den Philhellenismus waren die Reisen verschiedener Europäer, Lord Byron etwa hat den griechischen Freiheitskampf aktiv unterstützt. Die Griechen waren damals über ganz Europa verstreut (Diaspora ). Sie werden beeinflußt von der französischen Revolution, der Aufklärung und dem Klassizismus. Durch Zeitungen werden die antiken Dichter wieder verbreitet. Die erste griechische Zeitung wurde schließlich in Wien gedruckt, sie hieß Ephemeris. Das alles mündete in den griechischen Freiheitskampf. Die Sprache war dabei ein sehr wichtiges Instrument. Die Volkssprache, die heute seit dem Ende der Diktatur Gesetz ist, heißt Demotiki. Zur Zeit des griechischen Freiheitskampfes wird die Katharenusa zur Volkssprache gemacht und altgriechische Namen wurden wieder modern. Die Türken werden als feige Nachfahren der Perser gesehen und somit die Antike herauf beschworen. Der Vorkämpfer des griechischen Freiheitskampfes war Rigas Pheraios, er lebte zunächst in Wien, später wurde er ermordet. Er benützte in den Landkarten neue und antike Namen für Städte und Flüsse, um den Griechen zu zeigen, was sie verloren hatten (Kontinuitätsgedanke !). Auf Stempeln findet man zuerst christliche Motive und Monogramme, die dann von antiken Motiven abgelöst werden.

    Ein Jahr nach der Revolution (1822) verfügte der Altenrat in Ostgriechenland auch über die Pflicht, die Antike zu rezipieren, damals war also das Bewußtsein schon sehr hoch.

    In der Zeit des Neoklassizismus kommt es verstärkt zur Beschäftigung mit dem antiken Griechenland.

    In der Architektur kommt es zur Einführung des Neoklassizismus, der im 19.Jh. zum nationalen Stil in Griechenland erhoben wird. Wichtige Architekten waren Eduard Schaubert, Stamatios Kleanthes, die Gebrüder Christian und Theophil Hansen, Ernst Ziller, Gärtner, Kalkos und Kantanzoglou. Die Bauwerke sollten die Antike wieder beleben, sie waren politische Bedeutungsträger. Das kleine Bürgertum macht diesen Trend auch mit, z.B. entstehen in der Plaka kleinere Exemplare der Großbauten. Wichtig ist die sogenannte Trilogie, die aus Universität, Nationalbibliothek und der Akademie besteht. Im Kirchenbau treten neben den byzantinischen auch klassische Elemente auf. Bereits zur Zeit der Romantik (ab etwa 1850) wird nun auch Byzanz rezipiert. Der griechisch-byzantinische Stil wird auch nach König Otto ottonisch genannt. Es gibt auch Denkmäler in reinstem neoklassizistischen Stil z.B. auf den Friedhöfen. Die Verbindung zur Antike wird präsent (Tempelgrab von Heinrich Schliemann). Das Vorbild für die Wandmalereien ist der europäische Klassizismus. In Privathäusern kommt es zur Synthese von antiken Themen und Themen der neugriechischen Geschichte.

    Alexander der Große wird als Befreier der Griechen gesehen, er spielt eine sehr große Rolle in der Antikenrezeption. Er wurde zum Symbol der Einigkeit herauf beschworen.

    Früh wurde auch an die Wiederbelebung der olympischen Spiele gedacht, 1896 kam es dann tatsächlich dazu. Auch Feste sind ein wichtiges Instrument!

    Der Deutsche Jakob Philipp Fallmerayer (1790 – 1861) hat ein Werk über die Geschicht der Peloponnes geschrieben und darin Thesen aufgestellt. Er behauptet, daß das Geschlecht der Hellenen völlig ausgerottet worden ist, wörtlich schreibt er: "Das Geschlecht der Hellenen ist in Europa ausgerottet ... Denn auch nicht ein Tropfen edlen und ungemischten Hellenenblutes fließt in den Adern der christlichen Bevölkerung des heutigen Griechenlands." Dagegen protestieren alle griechische und auch sehr viele andere Gelehrte scharf und sie betonen daraufhin die Kontinuität noch viel mehr. Dabei spielt auch die Volkskunde eine sehr große Rolle. Vor allem auch Konstantin Paparrigopoulos, ein wichtiger nationaler Geschichtsschreiber.

    Die Denkmäler wurden früh durch Gesetze geschützt, da sie wichtige nationale Symbole darstellen. Es kam auch zu symbolischen Akten wie etwa der Aufstellung einer Säulentrommel des Parthenon bei der Ankunft des Königs Otto in Athen. Weiters integritätsstiftend sind Bilder auf Münzen, die Literatur, Karikaturen, historische Romane.

    Rezeption wird definiert als die Nachwirkung der Antike, bei der es sich um eine unbewußte Übernahme handelt. Davon läßt sich die bewußte Rezeption unterscheiden. Jede bewußte Rezeption hängt von den Zielen der Gruppe ab. Rezeption kann somit fortschrittlich oder rückschrittlich sein. Es gibt verschiedene Antikenbilder, da jeder anders rezipiert. Das Antikenverhältnis beschreibt die Beziehung eines Volkes zur Antike.

    G. Duprat versucht in einem Buch, verschiedene Definitionen der Ideologie darzustellen. Heute versteht man unter Ideologie oft eine Verzerrung der Wirklichkeit. Der Begriff selbst entstand am Anfang des 19.Jh. in Frankreich. Destutt de Tracy hat seine Ideenlehre und deren Bedeutung für die Wissenschaft dargelegt. Bei ihm ist die Ideologie die Wissenschaft der Ideen. Er war es, der den Begriff das erste mal verwendete, er war ein Schüler des bekannten französischen Philosophen Comdillac.

    Nur wer frei ist, kann auch positive Taten setzen. Politiker und vor allem auch die Kirche waren Gegner der Ideologen. Sie glaubten zunächst, daß Napoleon die Ideen der Ideologen umsetzen wollte, ihm ging es aber letztendlich nur um die persönliche Macht. Die Ideologen werden zunächst für verrückt erklärt. Wir verstehen heute unter einem Ideologen einen Menschen, der eine vorgefaßte Meinung hat und diese allen aufzwingen möchte.

    http://www.gautschy.ch/~rita/archaeo...ntikenrez.html

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