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Die Handkespaltung

Erstellt von Krajisnik, 23.06.2005, 21:59 Uhr · 45 Antworten · 2.720 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Krajisnik

    Registriert seit
    26.01.2005
    Beiträge
    1.446

    Die Handkespaltung

    "Die Tablas von Daimiel - Ein Umwegzeugenbericht zum Prozeß gegen Slobodan Milosevic": Der neue Serbien-Text von Peter Handke

    Von Bert Rebhandl

    Am Dienstag jährt sich zum vierten Mal der Tag, an dem Slobodan Milosevic an den Internationalen Strafgerichtshof ausgeliefert wurde. Der ehemalige Präsident Serbiens und später von Serbien-Montenegro ist dort des Völkermords angeklagt, in einem langwierigen Verfahren, in dem neben Augenzeugen auch so genannte Expertenzeugen gehört werden. Der Schriftsteller Peter Handke wurde von der Milosevic-Verteidigung in dieser Rolle zu einer Aussage geladen.

    Aus Gründen, die er in einem am Freitag, in der Zeitschrift Literaturen erscheinenden Text darlegt, wollte er jedoch nicht vor Gericht sprechen. Er entschied sich für einen Umweg: Der als "Reiseerzählung" charakterisierte Text "Die Tablas von Daimiel" ist laut Untertitel "Ein Umwegzeugenbericht zum Prozeß gegen Slobodan Milosevic".

    Die Legitimierung als Expertenzeuge erlangte Handke 1996 mit seinem Buch Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien sowie mit den diversen Nachträgen dazu. Wesentlicher Bestandteil all seiner Einlassungen zu Jugoslawien war eine fundamentale Medienkritik, namentlich eine Polemik gegen einflussreiche Printmedien und deren Darstellung des Kriegsgeschehens. Durch seine Parteinahme für Serbien geriet Handke in eine Außenseiterposition, aus der heraus er noch immer über den Balkan schreibt.

    Der neue Text ist nun nicht weniger als der Versuch, das poetische Ich gegen die Weltöffentlichkeit als solche in Stellung zu bringen. Handke geht von einem Besuch in Den Haag aus. Obwohl er keine Aussage als Zeuge machen will, erhält er Gelegenheit, mehrere Stunden mit Milosevic zu sprechen. Das Wort führt der Expolitiker.

    Ausführlich geht er auf zwei entscheidende Momente ein: Auf seinen Auftritt vor Kosovo-Serben im Jahr 1987 (als der Satz fiel: "Niemand soll euch mehr schlagen") und auf die Rede im Jahr 1989 auf dem Amselfeld anlässlich des 600. Jahrestags der nationalmythologisch entscheidenden Schlacht zwischen Türken und Serben (als der Satz fiel: "Heute stehen uns andere Kämpfe bevor").

    Milosevic argumentiert, so Handke, dass diese Ereignisse erst im Rückblick jene Bedeutung bekommen haben, die sie heute im Zusammenhang der Anklage gegen ihn haben. Milosevic möchte gern hinter die Tatsachen des Krieges zurück und noch einmal so verstanden werden wie in den späten 80er-Jahren, als die Geschichte noch offen war.

    Handke folgt ihm darin zumindest unausgesprochen, indem er den Krieg gleich darauf als "Höllenmaschine" charakterisiert, "welche von innen her, von den einzelnen Republiken, Regionen, Tälern und Schluchten, nicht zu stoppen war, von keiner Macht, von keiner Person, von keiner Einzelperson". Der Krieg zerfällt für ihn in "Tragödien wesentlich untragischer Menschen". Dass er Milosevic unter diese "ziemlich neuartige, noch unerforschte Tragik" gestellt sieht, bleibt unausgesprochen, steht aber deutlich im Raum.

    Aus dem faktischen Verlauf dieses so überpersönlichen Krieges kann Handke trotzdem einen ganz konkreten Fall bezeugen: "Ich denke, und werde zeit meines Lebens denken, an die eine (1), einzählige, von ihrem hungernden toten Sohn träumende Mutter, majka, des in den Hügeln von Srebrenica verlorenen Streudorfs Kravica."

    Diese Mutter ist eine Serbin, deren Sohn von Muslimen am Tag des serbischen Weihnachtsfests getötet wurde. Handke kann nicht übersehen, dass diese Erinnerung ein politisches Kompensationsmanöver ist. Er möchte der internationalen Aufmerksamkeit für das Massaker an den Muslimen von Srebrenica 1995 etwas entgegenhalten. Er weiß, dass die Öffentlichkeit nach Knotenpunkten sucht, nach Momenten, in denen sich ein komplizierter Krieg so verdichtet, dass Opfer und Täter, Parteien und Motive wahrnehmbar werden.

    Er hält diesen zu Information geronnenen Sachverhalten nun aber nicht neue Sachverhalte oder alternatives Wissen entgegen, sondern nur diesen einen Moment, da er einer trauernden Serbin gegenübersteht. Mit dieser Erfahrung ist er vollständig im Recht, steht aber zugleich außerhalb jeder Politik. Den ganzen Text durchzieht eine Sehnsucht nach "kleinen Verfahren" und eine Abneigung gegen die Institutionen, aus denen auch das Tribunal hervorgegangen ist, das für ihn "keinerlei Rechtsbasis" hat.

    Handke erweist sich als Fundamentalist ohne Religion. Seine Absage an die Moderne hat ihn in ein intellektuelles "Selbstversorgertum" geführt, das er in Serbien idealtypisch verwirklicht sieht. Die Tablas von Daimiel sind für seinen Text am Ende eine weit hergeholte Metapher. Es handelt sich dabei um eine Landschaft in Spanien, deren unterirdische Wasserversorgung durch intensive Landwirtschaft zum Versiegen kam. Auch diesen Verlust nimmt er persönlich.

    In Serbien hatte er in den 90er-Jahren ein Idyll der Autarkie gefunden. Dass es sich dabei um einen reinen Projektionsraum handeln könnte, kam ihm nie in den Sinn, weil er sich so hoch über den Instanzen sieht, dass er die Mühsal einer ausgehandelten und häufig verspäteten Gerechtigkeit in einer internationalen Gemeinschaft nicht mehr erträgt.
    (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.6.2005)

    http://derstandard.at/?url=/?id=2089523

  2. #2
    Gast829627

    Heine-Preis für Handke

    "Skandal", "Wahnsinn", "falsche Wahl"
    Heine-Preis für Handke

    Die geplante Vergabe des mit 50.000 Euro dotierten Heinrich-Heine-Preises an den österreichischen Autor Peter Handke ist auf heftige Kritik gestoßen. Der Grünen-Bundestagsfraktionschef Fritz Kuhn bezeichnete die Entscheidung als "Skandal". Der Rat der Stadt Düsseldorf, der im Juni noch über die Vergabe zu entscheiden hat, müsse den Jury-Beschluss kippen, verlangte Kuhn in Berlin. Auch Jurymitglied Christoph Stölzl (CDU) sagte in einem Interview mit dem Deutschlandradio Kultur, dass Peter Handke aus seiner Sicht nicht die richtige Wahl sei. Der Heine-Preis soll Handke am 13. Dezember überreicht werden.

    Handke habe in zahlreichen Texten die Serben und den ehemaligen serbischen Diktator Milosevic verteidigt, zuletzt im März in seiner Rede an dessen Grab, kritisierte Kuhn. Die Preisverleihung sei eine Verhöhnung der Opfer des Regimes und eine Verhöhnung Heinrich Heines. "Es ist empörend, dass sich in Deutschland Künstler und Intellektuelle für diese schäbige Preisverleihung hergeben", sagte der Politiker der dpa.

    Der Grünen-Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit sagte, die Preisvergabe sei der "helle Wahnsinn". Genauso gut hätte der Preis an den wegen seines Atomprogramms umstrittenen iranischen Präsidenten Ahmadinedschad verliehen werden können. "Schließlich schwimmt der auch gegen den Strom", sagte Cohn-Bendit der "taz".

    "Handke war nicht mein Kandidat", sagte Stölzl im Deutschlandradio. Die Entscheidung sei mit einer Stimme Mehrheit sehr knapp ausgefallen. Die Frage, ob der politische Handke von dem Schriftsteller Handke zu unterscheiden sei, habe dabei eine große Rolle gespielt. In der Jury-Begründung hieß es: "Eigensinnig wie Heine verfolgt Peter Handke in seinem Werk seinen Weg zu einer offenen Wahrheit."

    "Natürlich hat die Jury sich nicht historisch kritisch mit den vorliegenden serbischen Aufsätzen von Handke beschäftigt", sagte Stölzl. Auf Spekulationen, Düsseldorfer Stadtrat könne im Juni die Entscheidung der Jury ablehnen, reagierte Stölzl gelassen: "Was sich jetzt anbahnt, finde ich gut. Jurys sind nicht der liebe Gott. Jurys geben einen Rat", so der ehemalige Berliner Kultursenator. Der Stadtrat finanziere schließlich den Preis und müsse ihn auch politisch verantworten.

    Die Entscheidung der Jury war bereits zuvor wegen der pro-serbischen Haltung des Autors auf geteilte Reaktionen gestoßen. Der Leiter des Düsseldorfer Heinrich-Heine-Instituts, Joseph Kruse, zeigte sich zwiegespalten: Der hoch geschätzte Autor habe sich zunehmend "verrannt", meinte Kruse. Trotzdem könne es kontraproduktiv sein, wenn Handke wie ein "Pestkranker" ausgestoßen werde.

    Die Kölner Journalistin Alice Schwarzer dagegen hatte Handke verteidigt und die Entscheidung der Jury "couragiert" genannt. Handkes Mut hätte Heine vermutlich imponiert: "In einer Zeit der allgemeinen Verteufelung von Serbien hat er gewagt, sich gegen die einseitige Schuldzuweisung zu stellen." Wegen Handkes Grabrede hatte kürzlich die Pariser Comédie Française Handkes Stück "Spiel vom Fragen" vom Spielplan 2007 genommen. Daraufhin hatten zahlreiche Künstler dem Theater Zensur vorgeworfen.


    ein cooler typ 8)

  3. #3
    Avatar von delije1984

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    3.536
    hab ich gerade auch in der zeitung gelesen. hab ich wen ich ehrlich bi noch nicht viel über ihn gehört.

    aber scheint ein coller typ zu sein, der die wahrheit such un zwischen den zeilen liest.

  4. #4
    Gast829627
    Zitat Zitat von delije1984
    hab ich gerade auch in der zeitung gelesen. hab ich wen ich ehrlich bi noch nicht viel über ihn gehört.

    aber scheint ein coller typ zu sein, der die wahrheit such un zwischen den zeilen liest.
    er hatte damals jede menge über serbien geschrieben...war dort während dem krieg und hat die menschen beobachtet und sich selbst ein bild gemacht über serbien und den serben....aber das hat dem westen vorallem deutschland nicht gepasst...haben ihnen damals total ausgestossen obwohl das einer der grössten schriftsteller deutschlands war und ist in der heutigen zeit.....

  5. #5
    Avatar von Ivo2

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    Zitat Zitat von Legija
    er hatte damals jede menge über serbien geschrieben...war dort während dem krieg und hat die menschen beobachtet und sich selbst ein bild gemacht über serbien und den serben....aber das hat dem westen vorallem deutschland nicht gepasst...haben ihnen damals total ausgestossen obwohl das einer der grössten schriftsteller deutschlands war und ist in der heutigen zeit.....
    1. Schon richtig, er war in Serbien und hat dort die Milosevic Propaganda über RTB gehört und gesehen und diese versucht in Österreich und Deutschland zu publizieren. Er war aber nicht in den Kriegsgebieten, da hatte er die Hosen gestrichen voll.
    2. Handke ist kein deutscher Schriftsteller, sondern ein österreichischer.
    3. Bin ich mir sicher, dass du kein einziges Buch von Handke gelesen hast
    Ich schon, unter anderem: "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter"

  6. #6
    Avatar von Schiptar

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    Handke, diese Laus.

    Na ja, Ernst Nolte hat ja auch noch vor nicht allzu langer Zeit einen Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung dafür erhalten, daß er seit 1986 ständig den Holocaust relativiert.

  7. #7

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    7.678
    Dem hätte ich höchstens nen Arschtritt verpasst und ihm mit dem Preis die Schädeldecke eingeschlagen.

  8. #8
    Gast829627
    Zitat Zitat von Schiptar
    Handke, diese Laus.

    Na ja, Ernst Nolte hat ja auch noch vor nicht allzu langer Zeit einen Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung dafür erhalten, daß er seit 1986 ständig den Holocaust relativiert.

    dafür kommst du ins gefängnis :!:

  9. #9
    Avatar von Schiptar

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    Wofür denn, du Puffmutter? :?:

  10. #10
    Gast829627
    Zitat Zitat von Schiptar
    Wofür denn, du Puffmutter? :?:
    für anschaffen ohne gewerbe du nutte :!:


























    und für das verharmlosen des holocaust

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