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Das Kosovo und die Serbische Orthodoxe Kirche

Erstellt von Crna-Ruka, 19.07.2004, 21:16 Uhr · 7 Antworten · 2.170 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    13.07.2004
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    477

    Das Kosovo und die Serbische Orthodoxe Kirche

    Hier der ultimative Beweis, dass das Kosovo serbisch ist und war. Die Albaner wurden von den Türken angesiedelt und haben sich dort, wie Karnickel vermehrt und die dortige Bevölkerung vertrieben.

    einz Ohme

    Das Kosovo und die Serbische Orthodoxe Kirche

    Öffentlicher Vortrag 14. Juni 1999


    Humboldt-Universität zu Berlin
    Theologische Fakultät
    Seminar für Kirchengeschichte


    Herausgeber:
    Der Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin
    Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Meyer
    Copyright: Alle Rechte liegen beim Verfasser
    Redaktion:
    Gudrun Kramer
    Forschungsabteilung der Humboldt-Universität
    Unter den Linden 6
    10099 Berlin
    Herstellung:
    Linie DREI, Agentur für Satz und Grafik
    Wühlischstr. 33
    10245 Berlin
    Heft 101
    Redaktionsschluß: 06. 07. 1999


    Natan Sznaider, Prof. der Soziologie in Tel Aviv, hat zu Beginn des Kosovo-Krieges von einer tiefen Verunsicherung berichtet [1], die in Israel darüber herrsche. Er beschreibt diese Verunsicherung folgendermaßen:

    "Dort hat der 'Westen' definiert, wer gut und wer böse sei, wer Licht und Dunkel, Zivilisation und Barbarei verkörpere: Die Bösen sind die Serben. Für die meisten Juden waren aber gerade die Serben die Guten in den Zeiten des Holocausts. Sie waren es, die Juden vor Kroaten und Albanern retteten. Und haben nicht tapfere Partisanen in Serbien den Deutschen hartnäckig Widerstand geleistet? Wurde Belgrad nicht schon von den Nazis bombardiert?"

    Besonders irritierend wirkt in Israel natürlich die Beteiligung Deutschlands. Sznaider schreibt dazu:

    "Sogar das neue Deutschland kämpft diesmal an der Seite des Lichtes gegen die Mächte der Dunkelheit, und dieses Deutschland rechtfertigt sein Handeln mit dem Verweis auf seine Rolle in den Zeiten der Finsternis. Der neue 'militärische Humanismus' der NATO befreit nun nach mehr als fünfzig Jahren Auschwitz. Die Juden Europas wurden nun endlich, auch unter Mitwirkung der Bundeswehr, gerettet."

    In diesen Bemerkungen des israelischen Soziologen wird m.E. deutlich, wie sehr wir alle in der Beurteilung dieses Konfliktes von geschichtlichen Erfahrungen ausgehen, und sie als Kriterium unseres Urteils und Handelns einsetzen. Richtig erkannt scheint mir zu sein, daß viele Verantwortliche in Deutschland bei der moralischen Rechtfertigung ihres Handelns von der Aufarbeitung der eigenen deutschen Geschichte bestimmt sind. Da muß es nun nachdenklich stimmen, daß gerade im jüdischen Geschichtsbewußtsein die Serben ganz anders dastehen, als sie uns täglich vor Augen geführt wurden. In jedem Fall gilt, daß die Fixiertheit auf eigene Geschichtserfahrungen nicht ausreicht. Wir müssen unseren historischen Horizont schon etwas erweitern, wenn wir die Vorgänge in und um das Kosovo verstehen wollen.

    Ich möchte deshalb jetzt nach dem Geschichtsbewußtsein der Serben und der Bedeutung, die das Kosovo darin hat, fragen. Schließlich: Welche Rolle spielt die Serbische Orthodoxe Kirche dabei, und welche Position nimmt sie im gegenwärtigen Konflikt ein? Dies soll in drei Schritten geschehen:

    1. Das Kosovo im Geschichtsbewußtsein des serbischen Volkes 2. Die Albaner im Kosovo
    3. Die Serbische Orthodoxe Kirche und der Konflikt um das Kosovo.


    1. Das Kosovo im Geschichtsbewußtsein des serbischen Volkes

    Der Name Kosovo ist im serbischen Geschichtsbewußtsein untrennbar verbunden mit zwei großen Schlachten in den Jahren 1389 und 1448. Es waren Schlachten zwischen serbisch geführten christlichen Koalitionsheeren und osmanisch-türkischen Heeren, die sich vor den Toren Pristinas auf dem Amselfeld, dem Kosovo polje [2], ereigneten. Sie bereiteten dem damaligen serbischen Staat ein Ende und besiegelten die bald fünfhundertjährige osmanische Herrschaft in jener Region.

    Um 1200 war es den Serben, die seit der slawischen Völkerwanderung ab dem 6./7. Jh. in dieser Region siedelten, gelungen, sich unter der Dynastie der Nemajiden als Staatswesen mit einem serbischen Königtum und einer serbisch-orthodoxen Nationalkirche zu konsolidieren. [3] Der erste König Stephan II. (1196-1227) wurde 1217 gekrönt, sein Bruder, der Mönch Sava (1169-1236) wurde als erster serbischer Erzbischof (1219-1236) der Begründer der autokephalen (selbständigen) serbischen Nationalkirche. Im 13./14. Jh. wurde dieser Staat zur Hegemonialmacht auf dem Balkan, so daß sich Stefan Dusan (1331-1355) 1335 in Prizren zum "Zaren der Serben und Rhomäer" krönen ließ. Gleichzeitig wurde der serbische Erzbischof 1346 zum Patriarchen erhoben, zu dessen Sitz das Dreifaltigkeitskloster in Pec gemacht wurde.

    Beide Städte befinden sich im Kosovo, näherhin in der Region Metohija. Während das eigentliche "Amselfeld", das Kosovo polje, im Osten der heutigen Provinz Kosovo bei der Stadt Pristina liegt, befindet sich die Landschaft Metohija im Südwesten direkt an der heutigen albanischen Grenze im Umfeld der Stadt Prizren. Es ist gerade die sog. Metohija [4], die zur offiziellen jugoslawischen Provinzbezeichnung gehört, aber auch nicht ohne Grund in den Stellungnahmen der Serbischen Orthodoxen Kirche stets eigens genannt wird, befinden sich doch hier der historische Sitz des serbischen Erzbischofs und Patriarchen und die großen Königsklöster aus jener Zeit, die die Metohija zur zentralen religiösen und kulturellen Region des mittelalterlichen serbischen Staates machten. Der Name leitet sich aus dem griechischen Wort metochion ab, das soviel wie "Kloster-/Kirchenbesitz" bedeutet. Der umfangreiche kirchliche Landbesitz in der Metohija - der der Region den Namen gab und ca. 1/3 des gesamten Kosovo ausmachte - wurde erst unter kommunistischer Herrschaft enteignet. Dem bereits verabschiedeten Gesetz über die Rückgabe des Kirchenbesitzes von 1991 hat Milosevic als Präsident die Unterschrift verweigert. Im gesamten Kosovo befinden sich bis in die Gegenwart annähernd 1300 orthodoxe Kirchen und Klöster. Das genannte Kloster von Pec war 420 Jahre lang Sitz des serbischen Patriarchen bis zur Aufhebung des Patriarchats durch die Türken im Jahre 1766. Bis heute trägt der Patriarch der Serbischen Orthodoxen Kirche - obwohl seit 1920 in Belgrad residierend - den Titel [5] des Erzbischofs von Pec.

    Jene etwa zweihundertfünfzigjährige Epoche des spätmittelalterlichen serbischen Reiches mit unabhängiger Kirche und Patriarch ist die bedeutendste Epoche der serbischen Geschichte. In dieser Zeit enstand als Initialzündung durch das Wirken des serbischen Nationalheiligen Sava [6] eine bedeutende serbische Nationalkultur in literarischer, architektonischer, rechtlicher und religiöser Hinsicht, an der die serbischen Königs-Klöster des Kosovo, die allesamt zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, unmittelbar beteiligt waren. Die bedeutendsten sind neben Pec Sopocani, Decani [8], Gracanica [9] und vormals auch das Erzengelkloster in Prizren [10], aus dessen Steinen freilich 1615 durch die Osmanen die dortige Sinan-Pascha-Moschee gebaut wurde.

    Das spätmittelalterliche serbische Reich hat nun am St. Veitstag, dem 28.6/15.6 1389 auf dem Kosovo-polje einen entscheidenden Todesstoß bekommen, als die vereinigten serbischen, bosnischen, kroatischen, bulgarischen und albanischen Truppen unter dem serbischen Fürsten Lazar von Sultan Murad I. (1359/89) besiegt wurden. Murad fiel in dieser Schlacht, aber auch Lazar geriet in Gefangenschaft und wurde noch auf dem Schlachtfeld hingerichtet. Nach der Eroberung der letzten serbischen Festung Smederevo 1459 endete für fast 400 Jahre jede Form serbischer staatlicher Existenz. Die osmanische Eroberung des Balkans, deren Schubkraft sich seit dem Überschreiten der Dardanellen 1354/55 bis zur Eroberung Konstantinopels 1453 daraus speiste, daß sie als djihad ("Hl. Krieg") zum Zwecke der Ausbreitung des Islam durchgeführt wurde, hatte nun einschneidende Folgen für die besiegten Staaten und Völker. Entsprechend dem islamischen Völkerrecht bedeutete dies einerseits die Duldung der Anhänger der sog "Buchreligionen", andererseits aber die Herausbildung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft mit einer Herrenschicht mit politischer, sozialer, rechtlicher und wirtschaftlicher Exklusivität, die sich augenscheinlich manifestierte in der Steuerfreiheit und dem Recht zum Waffentragen. Jenseits aller rassischen und ethnischen Schranken war die Zugehörigkeit zur Herrenschicht des Staatsvolkes ausschließlich an das Bekenntnis zum Islam gebunden. Diese Herrenschicht umfaßte also alle Muslime im osmanischen Reich, die damit auch automatisch zu "Türken" wurden. Demgegenüber machte die beherrschte Unterschicht, die sog. Herde (raya) als "Schutzbefohlene" des Sultans mit ca. 80% der Gesamtbevölkerung den steuerpflichtigen Teil der Bevölkerung aus.

    Die Serbische Orthodoxe Kirche hat es in dieser Zeit nun als eine ihrer wesentlichen Aufgaben betrachtet, das gemeinsame ethnische Bewußtsein im serbischen Volk lebendig zu erhalten, zumal dieses ab dem 16. Jh. durch mehrere Emigrationswellen auch auf habsburgischem Gebiet siedelte, also seitdem in zwei sich bekriegenden Staaten lebte (Habsburg-Osmanen) und darüber auch noch seine kirchliche Einheit verlor. [11] Grundlegender Bestandteil des serbischen Selbstverständnisses in jenen vier Jahrhunderten war die Überzeugung, daß es als zur Gemeinschaft der christlichen Völker gehörig auf die Überwindung der osmanischen Herrschaft hin leben müsse und kein substantielles Arrangement mit dem Staatsvolk eingehen dürfe. Das fand seinen Ausdruck darin, daß es aufs Ganze gesehen kaum zu serbischen Konversionen zum Islam gekommen ist.

    Eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hat hier der orthodoxe Heiligenkult [12] gespielt, wurden und werden doch zahlreiche Herrscher und Könige aus den Jahrhunderten serbischer Eigenständigkeit als Heilige verehrt. Indem die Serben jener, ihrer Taten und Opfer gedachten, hatten sie zugleich auch immer das Ziel ihrer staatlichen Wiedergeburt vor Augen. Eine besondere Rolle spielte hier der in der Kosovo-Schlacht von 1389 zu Tode gekommene Fürst Lazar, dessen Reliquien bis in die Gegenwart hohe Verehrung genießen. Er ist auch die zentrale Gestalt in dem sog. Kosovozyklus [13]. Dabei handelt es sich um das serbische Nationalepos, das bald nach 1389 entstand, und dessen 2400 Verse stets mündlich tradiert wurden. So ist das Kosovo gleichsam Metapher und Inbegriff für den vierhundertjährigen Kampf des serbischen Volkes für seine Identität, Unabhängigkeit, Einheit und seine Opferbereitschaft geworden.

    Insbesondere in den großen Türkenkriegen nach der zweiten Belagerung Wiens 1683 hatten sich die Serben deshalb auch dem bis in das Kosovo vordringenden habsburgischen Heer als Aufständische angeschlossen. Als die Habsburger sich freilich wieder hinter die Donau zurückziehen mußten, sahen die Serben sich - nun an Leib und Leben gefährdet - gezwungen, in großen Fluchtbewegungen diese südserbischen Siedlungsgebiete unter der Führung ihres jeweiligen Patriarchen zu verlassen. So flohen 1690 etwa 40.000 serbische Familien aus dem Kosovo; 1737/39 nochmals mehrere zehntausend. Die Zahlen sind jeweils mit 5 bis 10 zu multiplizieren, wenn man die Anzahl der Personen berechnen will.

    Es ist in der Forschung unbestritten, daß die Bevölkerung des Kosovo seit dem frühen Mittelalter bis weit in die osmanische Zeit weitgehend serbisch war. [14] Dank der türkischen Steuerregister lassen sich hier für die osmanische Zeit ziemlich präzise Angaben machen. So waren zum Zeitpunkt der türkischen Eroberung zwischen 1389 und 1455 nicht mehr als 4 bis 5% der Bevölkerung Albaner.

    2. Die Albaner im Kosovo

    Die eigentliche massenhafte albanische Besiedelung des Kosovo erfolgte erst während der osmanischen Herrschaft. Sie ist die unmittelbare Konsequenz jener Abwanderung und Flucht der Serben, die wiederum in bleibender Ablehnung gegenüber dem osmanischen Staat begründet war. Von den türkischen Behörden wurde deshalb die albanische Siedlungsausbreitung in jene vormals serbisch besiedelten Gebiete ab dem 18. Jh. nicht nur geduldet, sondern gefördert, so daß bis zum Ende der osmanischen Herrschaft 1912 ein kontinuierlicher Zuzug stattfand.

    Seit dieser Zeit, also dem 18. Jh., ist nun auch ein großer Teil der vormals christlichen Bevölkerung Albaniens dem sozialen Druck der osmanischen Zweiklassengesellschaft erlegen und zum Islam konvertiert, so daß zu Beginn des 19. Jahrhunderts etwa 70% der Albaner Muslime waren und damit nach osmanischem Sprachgebrauch zu "Türken" geworden waren. Diese Islamisierung der Albaner "schuf die Voraussetzung für die fast einzigartigen Karrieremöglichkeiten von Albanern und die Bildung einer einheimischen Großgrundbesitzerklasse. Zahlreiche Großvesire, Provinzgouverneure und Heerführer (sc. des osmanischen Reiches) stammten aus Albanien". [15] Demgegenüber beschritten die Serben diese Karrierleiter nicht. Sie blieben vielmehr ausgegrenzt aus den osmanisch dominierten Städten und ihrer Kultur und waren meist hörige Hintersassen muslimischer Großgrundbesitzer.[16] Serbe-Sein und Orthodox-Sein verschmolzen nun zu einer unauflöslichen Einheit.

    Diese unterschiedlichen Wege beider Völker schlugen sich naturgemäß auch unmittelbar in den Freiheitskämpfen des 19. Jh. nieder. Während die Serben das erste der Balkanvölker waren, das im Jahre 1804 den Freiheitskampf gegen das Türkenjoch eröffnete und seine staatliche Eigenexistenz ab 1830 wieder erreichen konnte, waren die Albaner nicht zufällig die letzten, denen dies gelang. Noch in der Zeit der sogenannten albanischen nationalen Wiedergeburt (Rilindja) zwischen 1878 und dem 1. Balkankrieg 1912, die im Unterschied zu den Serben weder an einen Nationalstaat noch an eine Nationalbewegung vor dem 19. Jh. anküpfen konnte, wurde eine Loslösung der immer noch zum osmanischen Reich gehörenden albanischen Siedlungsgebiete von der albanischen Bevölkerungsmehrheit nicht bejaht. [17] Erst als im 1. Balkankrieg die türkischen Truppen an allen Fronten geschlagen wurden, erfolgte am 28.11.1912 die Unabhängigkeitserklärung des albanischen Nationalkongresses in Valona (Vlorë). Die bezeichnende Begründung des damaligen führenden albanischen Publizisten Sami Frashëri lautete: "Einen toten Menschen muß man begraben, so sehr man ihn auch geliebt haben mag". [18] Hierin liegt ein wesentlicher Unterschied zur serbischen Geschichtserfahrung unter der osmanischen Herrschaft: die große Mehrheit der Albaner hatte zu der osmanischen Herrschaft über die Balkanvölker inzwischen eine positive emotionale Beziehung aufgebaut.

    Als das Kosovo nach 1913 aus der Konkursmasse des osmanischen Reiches zu Serbien kam, war die Bevölkerung nun mehrheitlich albanisch und muslimisch geworden. Der Bevölkerungsanteil der Slawen betrug aber immer noch 24%. [19] Die Regierung des 1918 neugegründeten Südslawischen Köngreiches hat nun in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen versucht, durch Aussiedlung von Albanern und Neuansiedlung von Serben die Bevölkerungsstruktur zu verändern. So haben die jugoslawische und die türkische Regierung 1938 ein Konvention abgeschlossen über die Umsiedlung von 40.000 "türkischen" Familien (=200.000 Personen). Pro Familie waren 500 türkische Lira an den türkischen Staat zu zahlen. Ein geheimer Zusatzartikel bestätigte, daß dies auch für die albanische Bevölkerung galt. Als bald darauf der II.Weltkrieg ausbrach, konnte die Umsiedlungsaktion freilich nicht mehr umgesetzt werden. [20] In der Zwischenkriegszeit waren nun aber insgesamt 18.000 serbische Kolonistenfamilien im Kosovo neu angesiedelt worden. So stieg die slawische Bevölkerung bis 1927 zwar auf 37% an, aber insgesamt war dieser Politik kein Erfolg vergönnt, denn die hohe Geburtenrate der Albaner machte die Ansiedlungen bald wieder wett.

    Nach der Eroberung Jugoslawiens durch das faschistische Italien und Deutschland und der Kapitulation am 17. 1. 1941 kam der größte Teil des Kosovo unter italienische Herrschaft und wurde am 12. 8. 1941 zusammen mit Westmakedonien und dem albanischen Staatsterritorium zu einem italienisch dominierten Großalbanien vereint. Als Deutschland nach der italienischen Kapitulation im September 1943 als Besatzungsmacht folgte, wurde den Albanern die Unabhängigkeit Großalbaniens nach Kriegsende in Aussicht gestellt. Dies hatte nun wiederum zur Folge, daß im Gegensatz zum entschiedenen und opferreichen serbischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung die jugoslawische Partisanenbewegung unter den Albanern kaum Anhänger fand, und die Albaner nach 1945 mit dem Vorwurf der Kollaboration konfrontiert waren - auch im Bereich der Deportation der jüdischen Bevölkerung dieser Region, woran Natan Sznaider eingangs erinnerte. Die Groß-Albanische Regierung hatte nämlich ab 1941 Lager angelegt, in denen die jüdischen Flüchtlinge aus Serbien, Montenegro und Bosnien zusammengefaßt wurden. Schließlich wurde auch aus Freiwilligen eine albanische Waffen-SS Division "Skanderbeg" [21] aufgestellt, die in diesem Zusammenhang einschlägig tätig wurde. Sie bildet eine der Wurzeln der gegenwärtigen UCK. [22]

    Während die Mehrheit der Albaner also unter faschistischer italienischer und deutscher Herrschaft 1941-1945 ein großalbanisches Staatswesen realisieren konnten, fand sich eine große Zahl von Serben in den Lagern der Besatzer, insbesondere aber in den KZs des neugegründeten faschistischen kroatischen Ustasa-Staates des Ante Pavelic wieder - zusammen mit den Juden und weitaus zahlreicher als die Juden! Wie die Juden den Stern, so mußten die Serben dort ein kyrillisches "P" für "pravoslavnij" = orthodox tragen und wurden Opfer eines Genozids. Die Zahlen der Opfer sind umstritten, aber sie zählen nach Hunderttausenden. [23]

    Zahlreiche Albaner wurden nach 1945 wegen Kollaboration hingerichtet. Verschärft wurde der Vorwurf durch die Tatsache, daß während der Existenz des Großalbanischen Staates zehntausende Serben aus dem Kosovo vertrieben worden waren. Diese Vertreibung der Serben ist bis in die Gegenwart unvergessen geblieben.

    Mit der Liberalisierung in Jugoslawien Ende der 60er Jahre wurde auch das Kosovo 1969 zur "Sozialistischen Autonomen Provinz" erhoben und erhielt einen republikähnlichen Status. Die seit 1945 bestehenden Autonomierechte hinsichtlich albanischer Schulen, Presse und Amtssprache wurden ausgebaut. So hatte die 1971 gegründete Universität von Pristina 1979 schon 18.000 albanische Studierende zuzüglich 7.000 Studierender anderer Nationalitäten. [24] Ab 1958 gab es darüber hinaus eine Pädagogische Hochschule in Pristina und weitere Hochschulgründungen in Pec und Kosovska Mitrovica. Bis 1981 lehrten hier auch Gastprofessoren aus Albanien. Schul- und Lehrbücher wurden ebenfalls aus Albanien importiert. Dies kam freilich zu einem abrupten Ende, als es nach Titos Tod 1980 im Jahre 1981 zu bürgerkriegsartigen Unruhen kam. Über die von Tito konzedierte Autonomie im serbischen Staatsverband hinaus wurde jetzt eine eigenständige Republik Kosovo - und teilweise auch - die völlige Unabhängigkeit gefordert. Es stellte sich nun heraus, daß während der Autonomie (1969-1981) die akademische Ausbildung der albanischen Jugend in Pristina von der albanischen Regierung des Altstalinisten Enver Hodxha (+1985) benutzt worden war zur revolutionären Schulung auch im Sinne der großalbanischen Idee. Die Mehrzahl der heutigen Führer der UCK sind in dieser Zeit in Pristina ausgebildet worden (ebenso die heutigen Albanerführer in Mazedonien). Sie bilden die radikalkommunistische Fraktion in der UCK neben der o.g. Fraktion in faschistischer Tradition. [25] Trotz aller Gegensätze vereint beide, daß sie an einem demokratischen Miteinander mit den Serben nicht interessiert sind.

    Aufgrund eines überdurchschnittlichen Wachstums seit 1948 bis in die 70er Jahre hatte sich die Zahl der Albaner im Kosovo mehr als verdoppelt. Zwischen 1948 und 1991 stieg der Bevölkerungsanteil der Albaner im Kosovo von 68% auf 85%, der der Serben sank von 24% auf 10%. Die Serben haben in der hohen Geburtenrate der Albaner stets eine Maßnahme unter vielen erblickt, mit der die serbische Bevölkerung aus dem Kosovo endgültig vertrieben werden sollte, gleichsam auf dem Weg der ethnographischen Normativität des Faktischen. [26]

    Hinzu kamen aber nun zunehmende Schikanen der albanischen Mehrheit gegen die serbische Minderheit, mit denen dieser das Leben immer schwerer gemacht wurde, so daß die Abwanderung der Serben mit zunehmender Tendenz erfolgte. Für die 70er und 80er Jahre werden ca. 130.000 serbische Aussiedler angenommen, also ca. die Hälfte der gesamten serbischen Bevölkerung des Kosovo nach 1945. [27] Die wissenschaftliche Literatur spricht hier beschönigend von "Abwanderung" oder "Migrationsverlusten". [28] De facto handelte es sich m.E. um subtil betriebene Vertreibungsmaßnahmen. Die Gewaltmaßnahmen bestanden im einzelnen im Abbrennen der erntereifen Felder serbischer Bauern, im Abholzen der zu den serbischen Klöstern gehörenden Wälder, in der Zerstörung serbischer Friedhöfe, in der Brandstiftung an serbischen Klöstern (z.B. Pec) und in physischen Angriffen auf Serben, schließlich auch Vergewaltigungen von Frauen und Nonnen.

    Von 1957-1990 war der jetzige Patriarch der Serbischen Orthodoxen Kirche, Pavle, Bischof von Raska und Prizren. In dieser Zeit trat er stets für ein friedliches Zusammenleben beider Nationalitäten im Kosovo ein. Pavle hat aber auch die zunehmende Gewalt seitens der ethnischen Albaner gegen die Serben in Berichten an die Synode der serbischen Kirche beklagt. Die Serbische Orthodoxe Kirche hat deshalb in diesen Jahren mehrfach an die jugoslawische Regierung appelliert, die Kosovo-Serben vor diesen Gewalttaten zu schützen - besonders nachdrücklich in einem Schreiben der Hl. Synode vom 19. Mai 1969 an Tito. Bei Tito fanden diese Appelle freilich kein offenes Ohr.

    Tragischerweise hat dann der serbische Parteichef und nachmalige Präsident Jugoslawiens, Slobodan Milosevic, diese nationalen serbischen Anliegen umfunktioniert zur Sicherung seiner persönlichen Herrschaft. In Folge wurde die Autonomie des Kosovo eingeschränkt, ab 1989 der Ausnahmezustand erklärt und Polizeimaßnahmen mit großer Brutalität durchgeführt. Dabei sind allerdings Selbstverwaltungsmöglichkeiten beibehalten worden. An der Spitze der Verwaltung sollten weiterhin gewählte Vertreter stehen. Die Albaner haben freilich an den Wahlen aufgrund einer umfassenden Boykottstrategie nicht mehr teilgenommen. Der Unterricht an staatlichen Schulen erfolgte in albanischer Sprache, die auch zugelassene Gerichts- und Verwaltungssprache war. Pressefreiheit für albanische Medien war gegeben. Die Albaner im Kosovo haben nun wesentlich zur Verschärfung der Krise beigetragen, indem sie seitdem die Legitimität der jugoslawischen Institutionen leugneten, sich am 2.7.1990 mit der Gründung der "Republik Kosovo" von Serbien für unabhängig erklärten und 1991 in einem geheimen Referendum für einen "souveränen und unabhängigen Staat Kosovo" stimmten. Dies wurde umgehend mit der Auflösung von Parlament und Regierung des Kosovo durch das serbische Parlament beantwortet (4.7.1990). Gleichzeitig wurde ein Schattenstaat mit Regierung, Präsidentschaft (Ibrahim Rugova) und parallelem Steuer-, Schul- und Gesundheitssystem aufgebaut. Alle diese Boykottmaßnahmen liefen auf die sezessionistische Herauslösung des Kosovo aus dem jugoslawischen Staatsverband hinaus. Langfristig ging und geht es um die Vereinigung aller albanischen Siedlungsgebiete - auch der in Mazedonien und sogar in Griechenland - mit Albanien zu einem großalbanischen Staat. [29]

    Als diese Erwartungen nun mit dem Dayton-Abkommen 1995 nicht in Erfüllung gingen, trat 1996 die sog. Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) erstmals öffentlich in Erscheinung. Sie spekulierte darauf, daß nur ein bewußtes Schüren des Konfliktes und eine provozierte Eskalation der Gewalt das internationale Interesse auf das Kosovo lenken würde. Deshalb der bewaffnete Aufstand der UCK im Juli 1998, der zur endgültigen Verschärfung der Situation wesentlich beitrug. Zwischen Januar 1998 und November 1998 wurden bei bewaffneten Zwischenfällen mit der UCK 268 Personen getötet, davon 112 serbische Polizisten, 531 Personen wurden verwundet, darunter 391 serbische Polizisten, 280 Personen - überwiegend Serben - wurden verschleppt. [30]

    3. Die Serbische Orthodoxe Kirche und der Konflikt
    um das Kosovo


    Die Serbische Orthodoxe Kirche sitzt in diesem Konflikt nun zwischen allen Stühlen. Ihr Ruf zum gleichberechtigten Miteinander in Anerkennung der Rechte alle Seiten fand bei den tonangebenden Scharfmachern beider Seiten kein Gehör - aber nicht nur dort nicht! Es ist nun vor allem Bischof Artemije (Radosavljevic) v. Raska und Prizren, dessen Diözese seit 1990 das Kosovo ist, der sich in den letzten Jahren immer mehr zu einer Symbolfigur jenes Serbien entwickelt hat, das für eine friedliche Lösung des Konfliktes und ein Miteinander aller Volksgruppen steht. Bedrückend ist freilich, daß Artemije, der seit Beginn 1998 mehrfach in den USA war und am 18. März 1998 bei dem Hearing des Kongresses zum Kosovo sprach, auch bei den Vertretern der Washingtoner Administration kein Gehör fand. Vor dem Kongreß erklärte er am 18. 3. 1998:

    "Zuerst möchte ich Ihnen versichern, daß wir hier nicht als Apologeten von Präsident Milosevic und seinem autokratischen Regime stehen. Wir sind hier als Repräsentanten der Kosovo-Serben, die in Furcht leben und unter der ernsthaften Drohung, in ihrer Heimat vollständig einer ethnischen Säuberung zum Opfer zu fallen."

    "Wir verurteilen die eklatant gewalttätige Politik der albanischen Terroristen, der sog. Befreiungsarmee UCK, genauso wie die maßlose politische Repression. Beide Arten von Politik haben bislang den unnötigen Tod von Dutzenden unschuldiger Menschen .... auf beiden Seiten gefordert. Die ethnischen albanischen Terroristengruppen haben in den vergangenen zwei Jahren terroristische Angriffe mit dem Ziel durchgeführt, eine internationale Intervention zu provozieren und so durch die Terrorisierung der Serben eine ethnisch reine Provinz aus dem Kosovo zu machen. Milosevic seinerseits hat eine Polizeioffensive entfesselt, die den Tod nicht nur von Terroristen, sondern auch von unschuldigen Zivilisten zur Folge hatte, wie die kürzliche Aktion von Drenica. Dieser Zirkel der Gewalt muß sofort zu einem Ende gebracht werden. Durch einen Krieg aber wird nichts erreicht werden außer Zerstörungen und einem Blutbad. Wir bedauern, daß weder Präsident Milosevic noch die ethnischen albanischen Führer dies begreifen...... Die Serbische Orthodoxe Kirche und die Serben im Kosovo stehen für eine friedliche, demokratische Lösung der gegenwärtigen Krise durch Dialog."

    "Wir appellieren an diese Kongress-Kommission, zu verstehen, daß der gegenwärtige Konflikt im Kosovo nicht zwischen dem serbischen und albanischen Volk ausgetragen wird, sondern zwischen einem undemokratischen Regime auf der einen und einem sezessionistischen Extremismus auf der anderen Seite....... Wir glauben an ein demokratisches, multiethnisches und multikulturelles Serbien." [31]


    In einem Schreiben an die US-Außenministerin M. Albright hatte Artemije dann am 18. Februar 1999 formuliert:

    "Eine NATO-Intervention würde das Milosevic -Regime stärken, das dann noch zum Garanten einer Kosovo-Zwischenlösung würde. Dies wäre ein gewaltiger Rückschlag für die demokratische Opposition in Serbien, der seinerseits die notwendige Demokratisierung Serbiens verzögern würde, die eine notwendige Vorbedingung für einen stabilen Frieden in der Balkanregion ist. Mit Sicherheit würde auf eine NATO-Intervention hin, ob sie nun in Form einer NATO-Besetzung des Kosovo erfolgt oder als Luftangriff auf Serbien, das Milosevic -Regime entschiedene und drastische Maßnahmen gegen seine Gegner daheim einleiten."[32]

    Mit solchen Erklärungen hat sich Bischof Artemije natürlich den Haß der postkommunistischen Scharfmacher und Nationalisten in Serbien zugezogen. Dieser Haß gilt auch dem stellvertretenden Abt des Kosovo-Klosters Decani, Protosindel Sava (Janjic), der als Sekretär des Bischofs auf dem Internet eine Web-Side unter dem Namen Decani eröffnet hatte und über das Internet weltweit nicht nur die Positionen der Serbischen Orthodoxen Kirche zur Kosovoproblematik bekannt machte, sondern auch unermüdlich für ein friedliches Zusammenleben in der Provinz eingetreten ist. [34] Protosindel Sava berichtete freilich auch über den ersten militärischen Angriff der UCK auf das serbische Kloster Zociste bei Orahovac Ende Juli 1998 mit einstündigem Artilleriefeuer und der Entführung von sieben Mönchen, einer Nonne und 27 Zivilisten, die dort Zuflucht gesucht hatten. Ebenso von der Belagerung des Frauenklosters von Djevic im Wald von Drenica, wo die Nonnen sich weigerten, der Auforderung der UCK Kämpfer zu folgen und das Kloster zu verlassen. Daraufhin hat die Serbische Orthodoxe Kirche dann noch im vergangenen Jahr mehrer Klöster im Kosovo evakuiert.

    Bischof Artemije und sein Sekretär vertreten nun keine isolierte Position innerhalb der Serbischen Orthodoxen Kirche. Vielmehr trat sie vor dem NATO-Angriff geschlossen für eine Lösung des friedlichen Miteinanders der verschiedenen Volksgruppen im Kosovo ein. So hat der gesamte serbische Episkopat am 7. Februar 1999 in einer gemeinsamen Erklärung gefordert, daß "im Kosovo und Metohija wie in jedem anderen Teil der Welt die Menschen mit den gleichen Rechten auf Leben, Brot, Besitz, Sprache, Religion, Tradition, schöpferische Freiheit und Entwicklung ausgestattet werden sollten. Dies gilt ebenso für Serben wie für Albaner und alle anderen".

    Dabei betonen die Bischöfe freilich auch, daß das Kosovo unaufgebbares serbisches Territorium ist, an dem sich in kirchlicher und nationaler Hinsicht die serbische Identität bestimmt:

    "Kosovo und Metohija sind das Zentrum des serbischen Staates und der Kirche. ... Was Jerusalem den Juden bedeutet, London den Engländern, Notre-Dame den Franzosen und Moskau dem russischen Volk, das bedeuten Pec und Prizren dem serbischen Volk." [35]

    Undenkbar aus der Perspektive der Belgrader Führung ist es natürlich gewesen, das die Serbische Orthodoxe Kirche bei der Kosovo- Konferenz in Rambouillet beteiligt wurde. Patriarch Pavle hatte freilich in einem Schreiben an den französischen Außenminister H. Vedrine darum gebeten, daß eine Delegation der Serbischen Orthodoxen Kirche wenigstens mit Beobachterstatus anwesend sein könnte; auch dies wurde abgelehnt. Dennoch ist eine Delegation unter der Führung von Bischof Artemije nach Rambouillet gereist, um wenigstens ihren Anspruch auf Mitspracherecht in dieser Frage zu demonstrieren. Vor den verschlossenen Toren des Schlosses Rambouillet erklärte der Bischof:

    "Die serbische Delegation vertritt nur 2 Parteien: Milosevics Sozialisten und die Neokommunisten seiner Ehefrau Mira Markovic. Sie sind sozusagen eine Familien-Delegation. Wenn wir ihnen vertrauen würden, wären wir nicht hier. Die einzige Lösung für Serbien ist, demokratisch zu werden. Und das kann nicht geschehen, solange Milosevic an der Macht ist. Wir wollen eine Lösung, die einen Exodus der Serben aus der Provinz verhindert". [36]

    Die Delegation der Serbischen Orthodoxen Kirche hat deshalb am Rand der Konferenz von Rambouillet den Vorschlag unterbreitet, in einem autonomen Kosovo neben albanischen auch serbisch dominierte Kantone zu bilden. Außerdem sollten die serbischen Klöster exterritorialen Status erhalten.

    Beständig hat die serbische Kirche - vor dem 24. März 1999, aber natürlich auch danach - eine Beendigung der gewaltsamen Versuche einer Konfliktlösung gefordert und eine Lösung mit ausschließlich friedlichen und politischen Mitteln angemahnt. So hat sie unmittelbar nach dem Beginn des Krieges am 25. März an die zivilen und militärischen Autoritäten Serbiens und Jugoslawiens appelliert, alles in ihrer Kraft Stehende zu tun, damit der Friede wiederhergestellt werden könne. [37] Mit der zunehmenden Dauer des Bombenkrieges und den Opfern unter der Zivilbevölkerung ist natürlich die Verbitterung über die als rechtlos, maßlos und einseitig empfundene Kriegsführung des NATO gewachsen. So sagen die serbischen Bischöfe in ihrer Botschaft zum orthodoxen Osterfest am 11. April 1999, daß der NATO-Angriff moralisch verurteilenswert sei, ja geradezu als "zynisch" zu betrachten sei, insofern, um eine "humanitäre Katastrophe" zu vermeiden, Tod und Leiden der Zivilbevölkerung in Kauf genommen werde. "Die Gewalt-Logik der NATO bedeutet schlicht eine Tragödie für alle, das serbische Volk und alle ethnischen Gemeinschaften des Kosovo und der Metochija". [38]


    Thesen:

    1. Eine Mythologisierung des Freund-Feind-Bildes im Kosovo- Krieg zur Rechtfertigung einer neuen "humanistischen Kriegsführung" ist historisch unwahrhaftig und wird der Komplexheit der Ursachen des politischen und humanitären Desasters im Kosovo nicht gerecht.

    2. Die "Aufarbeitung" der jüngeren deutschen Geschichte zur Gewinnung von Handlungsmaximen für Konflikte in Regionen mit andersgearteten historischen Erfahrungshorizonten ist nicht hilfreich.

    3. Die Doppelmoral bezüglich der Serben und der separatistischen Kosovo-Albaner muß ein Ende haben; die Mitverantwortung des albanischen nationalistischen Separatismus für die Katastrophe des Kosovo darf nicht übersehen werden.

    4. Der Neuanfang eines Zusammenlebens von Serben und Albanern im Kosovo, der für beide Seiten äußerst schwierig ist, muß gesucht werden. Voraussetzung dafür ist eine Demokratisierung der serbischen und der albanischen Gesellschaft, die wiederum nur auf der Basis eines umfassenden Wiederaufbauplanes für Jugoslawien erfolgen kann. Die Serbische Orthodoxe Kirche sollte dabei entsprechend ihrem Selbstverständis in die Pflicht genommen werden.

    Anmerkungen

    (Die Anmerkungen beschränken sich weitgehend auf Belege.) [1] Süddeutsche Zeitung Nr. 98 vom 29.4.1999, S. 17.

    [2] Vgl.: Cirkovic, S., Kosovo polje, Lexikon des Mittelalters 5 (1991) 1461.

    [3] Vgl. z.B.: Hösch, E., Geschichte der Balkanländer, München 1988, 57-72; Hudal, A., Die serbisch-orthodoxe Nationalkirche, Graz/Leipzig 1922, 21-31.

    [4] Vgl.: Blagojevic, M., Art. Metohija, Lexikon des Mittelalters 6 (1993) 583.

    [5] Der Titel des jetzigen Patriarchen lautet: Pavle, Erzbischof von Pec, Metropolit
    von Belgrad-Karlovci und Serbischer Patriarch.

    [6] Vgl.: ´Cirkovi´c, S., Art. Sava I., Lexikon des Mittelalters 7 (1995) 1407f.; Matl, J., Der heilige Sawa als Begründer der serbischen Nationalkirche, in: Kyrios 2 (1937) 23-37 (=ders., Südslavische Studien, München 1965, 32- 44).

    [7] Vgl.: Nagorni, D., Art. Pec, Lexikon des Mittelalters 6 (1993) 1844f.

    [8] Vgl.: Djuri´c, V.J., Art. Decani, Lexikon des Mittelalters 3 (1986) 613f.

    [9] Vgl.: Djuri´c, V.J., Art. Gracanica, Lexikon des Mittelalters 4 (1989) 1630.

    [10] Vgl.: Blagojevi´c, M., Art. Prizren, Lexikon des Mittelalters 7 (1995) 233.

    [11] Vgl.: Hudal, A., Die serbisch-orthodoxe Nationalkirche, Graz/Leipzig 1922, 38-49.

    [12] Vgl.: Kämpfer, F., Nationalheilige in der Geschichte der Serben, in: Forschungen zur osteuropäischen Geschichte 20 (1973) 7-22.

    [13] Vgl.: Schmaus, A., Art. Kosovo, in:Kindlers Literatur Lexikon IV (1965=1982) 5355f.; Braun, M., Kosovo. Die Schlacht auf dem Amselfelde in geschichtlicher und epischer Überlieferung, Leipzig 1937.

    [14] Vgl. z.B.: Bartl, P., Die Albaner, in: M. W. Weithmann (Hg.), Der ruhelose Balkan, München 1993, 176-204.186.

    [15] Schmidt-Neke, M., Geschichtliche Grundlagen, in: Grothusen, K.-D. (Hg.), Albanien, Südosteuropa-Handbuch VII, Göttingen 1993, 26-56.29.

    [16] Vgl. z.B.die Erzählung von Ivo Andri´c: Geschichte des Zinsbauern Siman.

    [17] Bartl, P., Die Albaner (wie Anm.14) 179.

    [18] Frashëri, S., Was war Albanien, was ist es, was wird es werden?, Wien/Leipzig 1913, 40.

    [19] Bartl, P., Die Albaner (wie Anm.14) 190.

    [20] Vgl.: a.a.O., 189f.

    [21] Skanderbeg ist der türkische Name des albanischen Regionalfürsten Gjergj Kastriota, der ab 1444 für mehrere Jahrzehnte als Führer einer militärisch- politischen Allianz den Türken Widerstand entgegensetzte. Seit dem letzten Jh. ist er albanischer Nationalheld und Verkörperung des nationalen Gedankens, obwohl seine Allianz albanische, montenegrinische und serbische Fürsten vereinte und weder staatlichen noch nationalen Charakter hatte. Seine Flagge, der (byzantinische!) Doppeladler auf rotem Tuch, wurde zum Symbol der gesamtalbanischen Identität und territorialer Ansprüche. Vgl.: Schmidt-Neke, M., Geschichtliche Grundlagen (wie Anm. 15), 28f.

    [22] Vgl. dazu: Chris Hedges, Kosovos neue Herren?, in: Foreign Affairs 5/6, 1999, dt. in: Rheinischer Merkur Nr. 20, v. 14.5.1999. S. 6.

    [23] Vgl.: Hory, L.; Broszat, M., Der kroatische Ustasa-Staat, Stuttgart 1961; Ohme, H., Die Haltung der Serbischen Orthodoxen Kirche zum gegenwärtigen Balkankonflikt, Kerygma und Dogma 42 (1996) 82-113.

    [24] Hoppe, H.-J., Hochschulen und Wissenschaft, in: Grothusen, K.-D. (Hg.), Albanien, Südosteuropa-Handbuch VII, 1993, 555-586.582.

    [25] Vgl. dazu: Chris Hedges, Kosovos neue Herren? (wie Anm.22).

    [26] Vgl. Bartl, P., Die Albaner (wie Anm.14) 184.

    [27] Schukalla, K.-J., Nationale Minderheiten in Albanien und Albaner im Ausland, in: Grothusen, K.-D. (Hg.), Albanien, Südosteuropa-Handbuch VII, Göttingen 1993, 517.

    [28] Ebd.

    [29] Vgl. den Vorsitzenden der Partei für Nationale Einigung, Idajet Beqiri: Pluralismus in Albanien?, Südosteuropa 40 (1991) 550: "Die Vereinigung Albaniens ist ihr (der Partei) Hauptziel, wobei die albanischen Gebiete Jugoslawiens und Griechenlands mit eingeschlossen werden sollten. Von einer Fläche von 28.000 qkm soll Albanien auf 75.000 qkm ausgedehnt werden".

    [30] Quelle: Arbeitsruppe der Berliner Friedenskoordination v. 15.12.98/ Dr. P. Gerlinghoff.

    [31] Quelle: http://www.decani.yunet.com/congr._hear.html S.1

    [32] Orthodoxie aktuell 3/1999, 4.

    [33] Unter der Adresse: http://www.decani.yunet.com.

    [34] Er hatte auch Zugang zum oppositionellen "Serbnet" serbischer Emigranten in den USA eröffnet, aber auch zu albanischen Informationsquellen (wie der "Station 21" von Pristina und der albanischen Tageszeitung "Koha ditore").

    [35] Orthodoxie aktuell 3/1999, 5.

    [36] A.a.O., 4f.

    [37] Vgl.: Kirchen zu Kosovo, epd-Dokumentation 19/1999, 33.

    [38] A.a.O., 34.

    Link zu der Deutschen Uni:

    http://dochost.rz.hu-berlin.de/humbo...z/PDF/Ohme.pdf

  2. #2
    Avatar von lupo-de-mare

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    Top Thema mit Top Autoren, welche über jeden Zweifel erhaben sind.

    Und der "entartete" * Albaner Mob, hat diese Kultur Güter vernichtet.

    * Zitat Solana!

  3. #3

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    Keine Antwort?

  4. #4
    jugo-jebe-dugo
    Jeder weis das die Albaner nicht länger als500 jahre im Kosovo leben,nur sie selber wissen es nicht und stehen nicht zu ihren Wurzeln die in Albanien ligen sondern erfinden Geschichten das ihr Wurzeln im Kosovo liegen.
    So was ist traurig das ein volk nicht hinter seiner Geschichte steht.

  5. #5
    Avatar von lupo-de-mare

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    Zitat Zitat von CAR_DUŠAN
    Jeder weis das die Albaner nicht länger als500 jahre im Kosovo leben,nur sie selber wissen es nicht und stehen nicht zu ihren Wurzeln die in Albanien ligen sondern erfinden Geschichten das ihr Wurzeln im Kosovo liegen.
    So was ist traurig das ein volk nicht hinter seiner Geschichte steht.
    Überall im Balkan wird die Geschichte verfälscht, nicht nur bei den Albanern.

  6. #6

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    Die Größte Geschichts verfälschung findet jedoch bei ihnen statt. Vor 500 JAhren gab es nur vereinzelt Albnare im Kosovo. Sie erreichten erst im 17 und 18 Jahrhundert, als sie Islamisiert wurden eine größere Zahl. Waren jedoch noch immer eine DEUTLICHE Minderheit. Erst im verlaufe des 1. und 2. Weltkriegs nahm die Albaner Zahl rapide zu.

  7. #7
    Avatar von lupo-de-mare

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    Zitat Zitat von Serbian_Prophet
    Die Größte Geschichts verfälschung findet jedoch bei ihnen statt. Vor 500 JAhren gab es nur vereinzelt Albnare im Kosovo. Sie erreichten erst im 17 und 18 Jahrhundert, als sie Muslimisiert wurden eine größere Zahl. Waren jedoch noch immer eine DEUTLICHE Minderheit. Erst im verlaufe des 1. und 2. Weltkriegs nahm die Albaner Zahl rapide zu.
    Das ist richtig. Die Albanologen mit den Thesen des Johann Thunmann einem Pseudo Wissenschaftler vor 230 Jahren, der nie im Balkan war ist die Grundlage ihrer Märchen Stunde nach 1001 Nacht.

  8. #8

    Registriert seit
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    Leider.........................

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