Der angebliche Anti Terror Kampf der Amerikaner und ebenso der Deutschen ist mehr wie peinlich.

Bin Laden in Sarajevo

Die wichtigsten Verdächtigen des 11. September waren Bundesgenossen der NATO auf dem Balkan (Teil I)

»Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.« (Johannes 8,32 – Inschrift in der Lobby des CIA-Hauptquartiers)

Osama bin Laden ist überall – nur nicht auf dem Balkan. Über die Verbindungen des saudischen Millionärs, des angeblichen Auftraggebers der Anschläge vom 11. September, in so ziemlich jede Weltgegend ist die staunende Öffentlichkeit mit einer Unzahl von Fakten überschüttet oder auch nur von Gerüchten umnebelt worden – in Ägypten und Algerien, in Indonesien und auf den Philippinen, in Italien und Spanien und vielen anderen Ländern soll es Zellen seiner sagenhaften Organisation Al Qaida geben. Die größte Wirkung hatten zwei Behauptungen: Der saudische Multimillionär habe die Attacken gegen die USA mit dem irakischen Herrscher Saddam Hussein abgestimmt, und Hamburg sei, so US-Justizminister John Ashcroft, die »zentrale Basis« der 9/11-Terroristen gewesen. Mit der einen Behauptung wurde die Öffentlichkeit vor allem in den USA auf den Überfall des Irak eingestimmt, mit der anderen rechtfertigt Bundesinnenminister Otto Schily seither eine immer weitergehende Einschränkung der Bürgerrechte.


Sieben Schlüsselfiguren

Doch ausgerechnet die Tatsache, daß die Tatverdächtigen des 11. September im allgemeinen und vor allem die Kämpfer der Hamburger Zelle ihr blutiges Handwerk auf dem Balkan lernten, fehlt weitgehend in den Standardwerken der Al-Qaida-Literatur und spielt auch in der Mainstream-Presse bestenfalls eine Randrolle. Im hochgejubelten Bestseller von Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust (zusammen mit Cordt Schnibben) »11. September – Geschichte eines Terrorangriffs« werden die Abläufe seit den frühen neunziger Jahren im Detail nachgezeichnet, doch das Wörtchen Bosnien kommt auf knapp 300 Seiten gerade einmal vor. CNN-Terrorspezialist Peter Bergen (»Heiliger Krieg Inc.«) zeichnet die wichtigsten Stationen von Osama bin Laden nach – die federführende Rolle bei den Mudschaheddin in Afghanistan in den achtziger Jahren, die Übersiedlung nach Sudan Anfang der Neunziger, die Unterstützung des antiamerikanischen Widerstandes in Somalia, die möglichen Verbindungen zu den Anschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam –, aber auch hier jeweils nur ein paar verstreute Anmerkungen zum Balkan. ZDF-Nachrichtenchef Elmar Theveßen (»Schläfer mitten unter uns«) und Zeit-Autor Oliver Schröm (»Al Qaida – Akteure, Strukturen, Attentate«) hetzen die Leser kreuz und quer über den Globus, von Kabul nach New York, von Djerba nach Bali, schließlich entdecken sie Al-Qaida-Zellen in Hamburg und im Ruhrgebiet – aber Namen wie Sarajevo, Tuzla und Zenica sucht man vergeblich.

Das Ignorieren der Balkan-Connection des islamischen Terrorismus hat einen Grund: Ebenso wie in den achtziger Jahren in Afghanistan kämpften die Heiligen Krieger auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien mit Unterstützung der USA und anderer NATO-Staaten. Während man in Washington das frühere Bündnis mit den radikalen Fundamentalisten in Afghanistan mittlerweile selbstkritisch sieht, gibt es keine Aufarbeitung der ähnlichen Politik auf dem Balkan, weil sich ihr Grundmuster bis heute fortsetzt: Im Kampf gegen den »großserbischen Nationalismus« ist für den Westen alles erlaubt, auch das Bündnis mit den Todfeinden der Al Qaida.

Die offizielle US-amerikanische Version des Tathergangs kann man mittlerweile im Abschlußbericht der 9/11-Kommission des US-Senats nachlesen, der Ende Juli 2004 vorgelegt worden ist. Demnach waren die Flugzeugattacken auf das World Trade Center (WTC) und das Pentagon eine Idee von Khalid Scheich Mohammed, der bereits beim ersten WTC-Anschlag 1993 mit die Fäden gezogen haben soll. Der radikale Kuwaiter überzeugte Osama bin Laden im Frühjahr 1999 von dieser Idee, und beide sprachen über mögliche Ziele. Bin Laden höchstpersönlich wählte dann die Todespiloten aus. Als erste und wichtigste nennt der Bericht die »Hamburger« Mohammed Atta, Hani Hanjour, Ramzi Binalshibh und Ziad Jarrah sowie die Saudis Khalid Almidhar und Nawaf Alhazmi. Diese sechs wurden im November und Dezember 1999 nach Afghanistan eingeladen und von der Al-Qaida-Spitze instruiert.

Aufgrund von Visaproblemen nahm Binalshibh an der Aktion am 11. September selbst nicht teil, aber er und Khalid Scheich Mohammed sollen – so immer noch die offizielle Version der US-Behörden – als »Masterminds« im Auftrag von bin Laden die gesamte Operation gesteuert haben. Die übrigen fünf Genannten saßen am 11. September im Cockpit von drei der vier Todesmaschinen.


Die Bosnien-Veteranen

Von den sieben Schlüsselfiguren des 9/11-Plots haben mindestens vier in den neunziger Jahren in Bosnien gegen die Serben gekämpft. Für Alhazmi, Almidhar und Chalid Scheich Mohammed wird dies im 09/11-Untersuchungsausschuß des US-Kongresses kurz erwähnt. Die Anwesenheit Binalshibhs im balkanischen Kriegsgebiet wurde von Regina Kreis, der deutschen Ehefrau eines bosnischen Mudschaheddin, gegenüber deutschen Sicherheitsdiensten bezeugt.

Atta dagegen dürfte nach bisherigem Kenntnisstand nicht auf dem Balkan gekämpft haben. Aber viel spricht dafür, daß seine Wende vom recht harmlosen Moslem zum fanatischen Dschihadisten unter dem Einfluß von Bosnienkämpfern zustande kam. »Es gibt bei Atta, wie bei den meisten anderen, zwei entscheidende Wendepunkte: 1995 begann seine Radikalisierung; vier Jahre später, Ende 1999, wird er zum Terroristen«, analysieren Aust und Schnibben. Noch bei einer Studienreise nach Ägypten im August 1995 seit er lustig und vergnügt gewesen, mit Freunden ausgegangen. »Für ein paar Wochen, endlich mal, war er wie ein Clown«, sagt ein Kommilitone. Einen Monat später aber kommt Binalshibh nach Hamburg – und Atta verwandelt sich. Auch in der Islam-AG, die die mutmaßlichen Terroristen ab Januar 1999 an der Technischen Universität in Hamburg-Harburg eingerichtet hatten, war Binalshibh der »Wortführer« (Schröm). »Innerhalb der Islam AG versteht es Binalshibh, geschickt für die Ideen von Al Qaida zu werben«, urteilt Schröm, unter anderem habe er Videokassetten mit religiöser Werbung und Predigten für Osama bin Laden an die anderen verteilt. Ein Teilnehmer der AG berichtete, es sei Binalshibh gewesen, der darauf gedrängt habe, den Worten endlich auch Taten folgen zu lassen. Konkret verlangte er: »Man muß in bezug auf Amerika etwas tun!«

In der Hamburger Marienstraße 54 wohnte neben Atta und Binalshibh auch Marwan al-Shehhi – er soll am 11. September die zweite Todesmaschine in das World Trade Center gesteuert haben.1999 passiert bei ihm dasselbe wie bei Atta: Er »stieß auf Ramzi Binalshib, den geheimnistuerischen Jemeniten, und ziemlich schnell entschied er sich gegen das eine, das muntere Leben. Und für das andere, die Vorbereitung des Massenmords«. (Aust/Schnibben)

Vielleicht ebenso wichtig für die geistige und praktische Vorbereitung des Hamburger Todespiloten wie Binalshib war ein weiterer Bosnien-Kämpfer: Mohhamed al Zammar. Unter dem Nom de Guerre Abu Zubair war er sogar Kommandeur einer Mudschaheddin-Einheit in Zentralbosnien gewesen, die hauptsächlich aus Nordafrikanern (vermutlich Algeriern) bestand. Buchautor Theveßen behauptet, Zammar sei die »zentrale Figur, wenn nicht sogar die Schlüsselfigur in der Wandlung des Mohammed Atta zum skrupellosen Terroristen (...) Zammar, das darf nach den Recherchen zu diesem Buch als sicher gelten, empfahl Atta und seine Freunde an die Führungsspitze von Al Qaida in Afghanistan«. Angeblich sollen auch Said Bahaj, der ebenfalls in der Marienstraße 54 wohnte und heute in Afghanistan kämpfen soll, und Mamoun Darkanzali, der Finanzier der Gruppe, von Zammar in Hamburg angeworben worden sein. Aust und Schnibben resümieren: »Wenn in den vergangenen Jahren irgendwo in Europa Mudschaheddin-Kämpfer verhaftet wurden, führte die Spur immer wieder zu Zammar.«

Doch seltsam: Zammars führende Rolle im bosnischen Krieg ist in keinem Buch erwähnt, und auch der Abschlußbericht der 9/11-Kommission geht darüber hinweg. Doch das ist nicht die einzige Auslassung.


An der Seite von Izetbegovic

Auch Osama bin Laden selbst war in Bosnien, und zwar in einer der Kommandozentralen des blutigen Bürgerkrieges. »Spiegel-Balkan-Korrespondentin Renate Flottau traf den Terroristenchef 1993 in Sarajevo; er stellte sich artig vor und sprach vom bosnischen Befreiungskampf, an dem seine Leute auf der Seite der Muslime mitmachen wollten. Er besaß einen Paß des neuen Staates Bosnien-Herzegowina, ausgestellt von der Botschaft in Wien, und rühmte sich, internationale Kämpfer ins Krisengebiet zu schmuggeln«, berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin (38/2001) mit fast acht Jahren Verspätung. Was der Spiegel nicht schrieb, aber die Belgrader Politika (4. und 5. Oktober 2001) nach einem Gespräch mit Flottau: Dieses Zusammentreffen mit bin Laden soll im Präsidentenpalast von Alija Izetbegovic stattgefunden haben. Der genoß bis zu seinem Tod im letzten Herbst höchste Anerkennung in den NATO-Staaten im allgemeinen sowie in den USA und Deutschland im besonderen, war »unser Mann« auf dem Balkan im Kampf gegen die bösen Serben. Warum traf sich der Frontmann der NATO mit bin Laden?

Zur Klärung dieser Frage läßt sich ein kleiner historischer Exkurs nicht vermeiden. Im Verlaufe des Jahres 1991 begannen in Kroatien und Slowenien Aufstände gegen die jugoslawische Zentralregierung, beide Sezessionsrepubliken wurden zum Jahresende von Deutschland diplomatisch anerkannt. Dieses Beispiel beflügelte die sezessionistischen Moslems und Kroaten in Bosnien-Herzegowina, nun ihrerseits die Loslösung von Jugoslawien zu betreiben. Im März 1992 organisierten beide Volksgruppen ein Referendum, fast 100 Prozent der Abstimmenden votierten für die Unabhängigkeit Bosnien-Herzegowinas. Kleiner Schönheitsfehler: Die Wahlbeteiligung lag nicht bei 100, sondern nur bei etwa 65 Prozent. Die serbische Volksgruppe, mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung, hatte das Referendum geschlossen boykottiert und es damit de jure ungültig gemacht – die Verfassung der Teilrepublik sah nämlich vor, daß alle wichtigen Entscheidungen von allen drei Ethnien im Konsens getroffen werden mußten. Doch de jure war nicht de facto: Trotz der verfassungswidrigen Geburt des neuen Staates erhielt er innerhalb weniger Tage die völkerrechtliche Anerkennung durch Bonn und Washington. Sofort begannen die blutigen Kämpfe, die in den folgenden dreieinhalb Jahren mehreren zehntausend Menschen das Leben kosten sollten.

Die Vereinten Nationen versuchten, durch ein Waffenembargo den Brandherd zum Erlöschen zu bringen, aber alle drei Bürgerkriegsparteien unterliefen die Blockade erfolgreich. Für den Nachschub der Moslems sorgten in trauter Eintracht Osama bin Laden, das Teheraner Mullah-Regime und die Vereinigten Staaten. Bin Laden und der eingangs erwähnte Chalid Scheich Mohammed schleusten eine halbe Milliarde Dollar über die in Wien ansässige Third World Relief Agency (TWRA) an Izetbegovic. Mit diesen Geldern wurde eine fundamentalistische Interbrigade aufgestellt und bewaffnet. Das 3. Korps der bosnisch-muslimischen Armee mit dem bezeichnenden Namen El Mudschahid bestand vorwiegend aus arabischen Gotteskriegern, die im Sudan ausgebildet worden waren, und aus iranischen Pasdaran. Über deren Zahl gibt es unterschiedliche Angaben. Die Belgrader Tageszeitung Politika Ekspres nennt 15 000, Steve Rodan von der Fachzeitschrift Jane’s Intelligence geht unter Berufung auf Geheimdienstquellen von 7 000 aus, die Warschauer Tageszeitung Rzespospolita mit Bezug auf Erkenntnisse des polnischen SFOR-Kontingents von 5 000, die mit den Muslimen (meistens) verbündeten Kroaten geben 4 000 Mudschaheddin an.


Heimliche Alliierte

Mit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten William Clinton im Januar 1994 gaben die USA ihre Zurückhaltung auf und ergänzten die politische Unterstützung der bosnischen Muslime durch die militärische. Der Waffenzufluß, den bis dahin Osama bin Laden und der Iran organisiert hatten, wurde nun mit Hilfe der USA entscheidend verstärkt. Die Washington Post berichtete, daß »die Clinton-Administration von den Aktivitäten der sogenannten Hilfsagentur (gemeint: die oben erwähnte TWRA, Anm. J. E.) Kenntnis hatte, die Waffen und Geld nach Bosnien schleuste, um die muslimische Izetbegovic-Regierung in Bosnien zu stützen«.

Einen vollständigen Überblick über diese Politik gibt der Untersuchungsbericht des niederländischen Armeeinstituts NIOD. Die 3 600 Seiten starke Studie, für die bis zu ihrer Veröffentlichung im Frühjahr 2002 über fünf Jahre lang 900 Zeugen befragt worden waren, konzentriert sich auf das Versagen der niederländischen UN-Blauhelme beim Fall der Schutzzone Srebrenica. Darüberhinaus enthält sie aber eine detaillierte Beschreibung von geheimen Operationen aller Bürgerkriegsparteien und der Großmächte in Bosnien. Dieses Kapitel ist – so der britische Guardian – »eine der sensationellsten Studien über westliche Geheimdienste, die je veröffentlicht worden ist«.

Verfasser dieses Kapitels ist Cees Wiebes, der ungehinderten Zugang zu den Akten des niederländischen Geheimdienstes hatte und auch die Dienste anderer westlicher Länder und Bosniens kontaktierte. »Da haben wir die ganze Geschichte der geheimen Allianz zwischen dem Pentagon und radikalen islamistischen Gruppen aus dem Mittleren Osten, die den bosnischen Muslimen beistehen sollten – einige davon dieselben Gruppen, die das Pentagon jetzt bekämpft.« Die verdeckte Kooperation habe das Ziel gehabt, das UN-Waffenembargo, das für alle bosnischen Kriegsparteien galt, einseitig zugunsten der Muslime zu unterlaufen.

Das Muster ist dasselbe wie beim Iran-Gate der achtziger Jahre, als CIA-Seilschaften mit den Mullahs bei der Aufrüstung mittelamerikanischer Contras zusammenarbeiteten. »Waffen, die vom Iran und von der Türkei mit finanzieller Hilfe aus Saudi-Arabien gekauft worden waren, trafen nachts aus dem Mittleren Osten ein. Anfänglich benutzte man Flugzeuge der Iran Air, aber als der Umfang zunahm, wurden sie unterstützt durch eine geheimnisvolle Flotte schwarzer Hercules C-130. Der Bericht betont, daß die USA in den Lufttransport ›sehr eng verwickelt‹ waren«, schreibt der Guardian.

Transitland war Kroatien, das als Provision »zwischen 20 und 50 Prozent« des Schmuggelgutes einbehielt und darüber hinaus »große Mengen illegaler Waffen aus Deutschland, Belgien und Argentinien« bekam. »Die deutschen Geheimdienste waren darüber voll im Bilde.« Auf amerikanischer Seite soll nicht die CIA, sondern der Geheimdienst des Pentagon die Aktion koordiniert haben. Mit seiner Hilfe wurden die UN, die bei der Überwachung des Embargos auf die US-amerikanische Luftaufklärung angewiesen waren, getäuscht.

Besonders aggressiv ging der Pentagon-Geheimdienst bei der Aufrüstung der Muslime in Srebrenica vor. »Die Waffen, die im Frühling 1995 eingeflogen wurden, tauchten vierzehn Tage später in der belagerten und entmilitarisierten Enklave von Srebrenica auf. Als diese Lieferungen bemerkt wurden, übten US-Amerikaner auf UNPROFOR Druck aus, Berichte umzuschreiben, und als norwegische Beamte wegen der Flüge protestierten, wurden sie angeblich zum Schweigen gebracht«, heißt es im Guardian.


Das schmutzige Bündnis

Höhepunkt der Zusammenarbeit der USA mit den Mudschaheddin war eine gemeinsame Offensive Ende August/Anfang September 1995. Zwei Wochen flogen US-amerikanische Bomber und Jagdflieger Angriffe auf serbische Stellungen und Gebiete, mehrere hundert serbische Zivilisten wurden getötet. Parallel zu den Bombardierungen begann eine Bodenoffensive der verbündeten muslimischen und kroatischen Verbände. Am Berg Ozren in der Nähe von Sarajevo, wo sich serbische Infanterie eingegraben hatte, fanden die schlimmsten Kämpfe statt. »Die Amerikaner und die Alliierten bildeten die Vorhut für die muslimische Infanterie. Zuerst wurden die Serben aus der Luft angegriffen, dann hat die muslimische Infanterie mit Tausenden von Mudschaheddin, darunter auch die Angehörigen der (Brigade) Mudschaheddin, den zahlenmäßig weitaus unterlegenen Serben den Garaus gemacht«, berichtete die bosnisch-serbische Zeitung Glas und fährt fort: »Bis heute hält die serbische Seite Angaben über die Zahl der Opfer zurück (...), es wird geschätzt, daß einige hundert serbische Soldaten allein bei diesem Angriff ums Leben gekommen sind.« Ein Kamerateam der Mudschaheddin-Einheit hat einen Propagandafilm über die Schlacht gedreht, der den Serben später in die Hände gefallen ist. »Islamistische Märsche und das Bild des enthaupteten serbischen Soldaten Gojko Vujicic ..., dessen Kopf auf dem Boden rollt – und am Himmel NATO-Flugzeuge. Es wehen die saudiarabische Fahne des Dritten Zuges, dann die jemenitische und iranische Fahne des zweiten Zuges.«

Kein Wunder also, daß Politiker und Medien im Westen an einer Aufdeckung der bosnischen Vergangenheit der heutigen Selbstmordbomber kein Interesse haben: Dies würde die Öffentlichkeit darauf hinweisen, daß die NATO-Staaten und insbesondere die USA das terroristische Monster selbst gezeugt haben. Über diesen Zusammenhang wird zwar seit dem 11. September bisweilen diskutiert – aber ausschließlich in bezug auf die achtziger Jahre in Afghanistan. Die Zusammenarbeit zwischen Osama bin Laden und den USA in den neunziger Jahren in Bosnien ist hingegen tabu, da der ihr zugrundeliegende Topos – hier die unschuldigen Moslems, dort die teuflischen Serben – bis heute die Balkanpolitik des Westens bestimmt.

* Montag: Terroristen und Agenten

http://www.jungewelt.de/2004/09-11/003.php