Margarete Ruschmann berichtet über den Einsatz rheinland-pfälzischer Polizisten im Kosovo




Zerstörte Häuser gehören für Harald Gewehr zum Alltag.
Margarete Ruschmann begleitete den Polizisten aus dem Hunsrück auf Patrouille in Mitrovica.
Foto: privat
Vom 18.03.2005

Von
Angelika Dorweiler

MAINZ/KOSOVO In den Schlagzeilen spielt das Kosovo so gut wie keine Rolle mehr. "Doch das ist nach wie vor ein Unruheherd - mit sehr großen ethnischen Konflikten", sagt SWR-4-Reporterin Margarete Ruschmann. Den Jahrestag der gewalttätigen Ausschreitungen vom 17. und 18. März vergangenen Jahres hat die Kosovo-Expertin für einen besonderen Höreindruck genutzt. In der Serie "Auslandseinsatz Kosovo" beschreibt sie für den "SWR-4-Radioladen" den Alltag von rheinland-pfälzischen Polizisten in der "Unruheprovinz".

Da ist zum Beispiel Markus Jahnke, Polizeibeamter aus Mainz. Seit November ist er auf dem Balkan im Einsatz gegen die Organisierte Kriminalität und verantwortlich für die Telefonüberwachung. Für ihn bedeutet das: Leben mit hohen Sicherheitsmaßnahmen. Sein Fenster ist vergittert, die Türen sind schwer und aus Eisen. Doch eine Rheinland-Pfalz-Fahne hinter seinem Schreibtisch erinnert ihn an die Heimat. Alle sechs bis acht Wochen darf er nach Hause.

Die Anspannung, die den Alltag der Polizisten im Kosovo prägt, weiß Ruschmann, ist belastend. Denn mit der Angst vor Anschlägen müssen die Männer und Frauen, die dort im Einsatz sind, leben. "So gibt es die Vorschrift, das Auto zu untersuchen, bevor man damit losfährt", erzählt die Reporterin.

Mit Harald Gewehr, einem Polizisten aus dem Hunsrück, ist sie unter schwierigen Bedingungen Patrouille gefahren - in Mitrovica. Die Stadt ist in einen serbischen und einen albanischen Sektor geteilt. In drei von Albanern bewohnten Hochhäusern begannen die Unruhen vor einem Jahr. Doch mit den schwelenden Konflikten müssen die Polizisten täglich fertig werden. Im Januar wurde in der Stadt ein UN-Fahrzeug mit einer Handgranate in die Luft gejagt. Der Druck auf die UN, abzuziehen, sei sehr stark, berichtet Ruschmann. "Und dieser Druck äußert sich in Anschlägen."

Doch nicht nur das macht den Rheinland-Pfälzern das Leben im Kosovo schwer. "Es gibt täglich Stromausfall", nennt die Reporterin ein Beispiel. Kein angenehmes Erlebnis für die Polizisten, wenn sie nach einem harten Tag - immer wieder auch Zwölf-Stunden-Schichten im Wechsel - nach Hause kommen. An Zimmer, in denen sie aus ihrer Daunenjacke nicht herauskam, kann sich auch Margarete Ruschmann gut erinnern. Da sei es schwer, sich kleine Wohlfühlmomente zu schaffen, wie man sie sonst im Alltag ganz unbewusst doch immer wieder erlebe. Gerade da wollte die Reporterin wissen, wie sich die Rheinland-Pfälzer auf ihrem Auslandseinsatz auch Phasen der Entspannung verschaffen. Markus Jahnke zum Beispiel hat im UN-Hauptquartier einen Salsa-Kurs belegt. Und Margarete Ruschmann hat ihn für den "SWR-4-Radioladen" begleitet.

Auch auf diesem Weg will die Reporterin Interesse wecken für ein Land, aus dem sie seit Jahren immer wieder berichtet - von bedrückenden Begegnungen, aber auch von ermutigenden. So arbeitet Michael Vester, Polizist aus Kaiserslautern, nicht nur als Verkehrspolizist im Kosovo. Er bildet auch Albaner aus, damit sie selbst diese Aufgaben übernehmen können. Aber niemand, sagt Ruschmann, dürfe sich Illusionen machen, dass die Konflikte in wenigen Jahren gelöst seien.


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