Die Fotografen Pjetër (1834-1905), Kel (1870-1940) und Gegë Marubi (1909-1984) gehörten zu den ersten albanischen Fotografen. Sie betrieben über drei Generationen lang ein Fotostudio im nordalbanischen Shkodra, welches überhaupt das erste in Albanien war. Mit ihrem Werk leisteten die Marubis einen wesentlichen Beitrag zur Dokumentation der albanischen Lebenswelt ihrer Zeit und des kulturellen Erbes in dem südosteuropäischen Land.

Pjetër Marubi

1858 machte Pjetër Marubi das erste Foto, das je in Albanien aufgenommen wurde. Es zeigt Hamzë Kazazi, einen Aufständischen für die albanische Nationalfrage. Pjetër Marubi war zudem der Gründer der ersten Fotothek Albaniens in Shkodra.


Hamzë Kazazi, erstes in Albanien aufgenommenes Foto von 1858


Shkodra, 1860


Bettler, 1880


Mann aus Lura


Mann aus Peqin


Mann mit "Tirq"


Frau aus Vraka


Albanische Frau, Porträt


Frauen mit Kindern aus Dajçi, Buna


Mann und Frau aus Elbasan


Mann aus Shala, Albanische Alpen


Mann aus Dukagjin, Albanische Alpen


Frau aus Shkodra


Frau aus Gruda, Nordalbanien


Mann, Shkodra

Kel Marubi war Adoptivsohn von Pjetër und trat in seine Fussstapfen. Kel Marubi war Patriot und in der Bewegung der albanischen Wiedergeburt aktiv. Er war Mitbegründer der Gesellschaft Die albanische Sprache und Herausgeber der Zeitung Zëri i Shkodrës (Die Stimme von Shkodra). Kel ist aus künstlerischer Sicht über die Fußstapfen seines Lehrers hinausgetreten. Er hat mit seinen Abbildungen der nordalbanischen Gesellschaft einen wesentlichen Beitrag an die Fotosammlung geliefert. Er fotografierte Persönlichkeiten aus Nordalbanien und die Führer des albanischen Staates, aber auch einfache Bergler und die zum Teilverschleierten städtischen Damen. Kels Aufnahmen des städtischen Alltags zeigen viele Geschäftsleute in ihren Betrieben, aber auch Marktgeschehen und Bettler. Sogar bei seinen Landschaftsaufnahmen scheinen immer Personen im Mittelpunkt zu stehen.

Er dokumentierte jeden historischen Anlass seiner Zeit in Albanien, von der Ankunft des Fürsten Wilhelm zu Wied bis zur Hochzeit des Königs Zog I.. 1910 beauftragte ihn Nikola von Montenegro, Fotos von den Feierlichkeiten anlässlich seiner Erhebung zum König zu machen.


Mihal Grameno, Revolutionär und Schriftsteller


Mann, Mirdita


Anti-Osmanischer Aufstand der Mirditen


Versammlung von Mirditen


Albanischer katholischer Kaufmann, Shkodra


Mann, Shkreli-Stammesführer


Mann, Angehöriger der Shkreli


Azem und Shote Galica, Revolutionäre


Wohl das bekannteste Foto des 20. Jahrhunderts aus Albanien: Unabhängigkeitserklärung von Ismail Qemali und seinen Befürwortern in Vlora am 28. November 1912

Kels Sohn, Gegë Marubi, führte die Familientradition fort und
wurde nach Lyon an die Schule der Brüder Lumière geschickt. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern machte er auch viele Fotos von Landschaften ohne Menschen und experimentierte mit Zelluloidfilm,[3] fotografierte aber wiederum wichtige Ereignisse.[2] Nachdem die Kommunisten 1944 nach dem Zweiten Weltkrieg die Macht übernommen hatten, schloss 1946 das Geschäft und beendete Gegë 1952 seine Tätigkeit als Fotograf. Seine einzige Tochter, Tereza, wurde Ingenieur, Fabrikdirektorin und 1990 Bürgermeisterin von Shkodra.


Ahmet Zogu, König der Albaner


Katholische Prozession in Shkodra, 1939-1940

Das Werk der Marubi
Allein schon die Menge der Fotos ist außerordentlich beeindruckend. Die Bilder zeigen über einen Zeitraum von beinahe 100 Jahren praktisch lückenlos die politischen Ereignisse und den gesellschaftlichen Wandel der Stadt Shkodra und eines großen Umkreises bis Mittelalbanien auf. Dokumentiert sind ereignisreichen Jahre, als Albanien allmählich die Unabhängigkeit von den Türken erlangte und sich ein eigener Staat bildete. Neben politischen Führern und der reichen Oberschicht waren zudem viele einfache Menschen und ihr Alltag Motiv der Marubi-Fotografen.

Fotothek Marubi Shkodra

Die französische Organisation Patrimoine Sans Frontières hatte Mitte der 1990er Jahre mit Unterstützung der UNESCO die Sammlung gesichtet. Eine Ausstellung von 100 Bildern wurde in der Folge in einigen französischen und italienischen Städten gezeigt. Nach einer Ausstellung in Tirana wurde diese Ausstellung in ein eigenes Museum in Shkodra überführt. Die Fototeka Marubikann seit 2001 besichtigt werden.
Wegen seiner künstlerischen, kulturhistorischen und wissenschaftlichen Bedeutung wurde die Fotosammlung Ende 2003 zum nationalen Kulturerbe Albaniens erklärt.[6]
Die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin evaluierte den Erhaltungszustand der Fototeka.[7] Eine elektronische Archivierung ist am Laufen.

„Die Fotosammlung von Marubi in Shkodra umfasst über 150.000 Fotos, von denen viele grosse historische, künstlerische und kulturelle Bedeutung haben.“

Robert Elsie[5]