BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Erweiterte Suche
Kontakt
BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Benutzerliste

Willkommen bei BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen.
Ergebnis 1 bis 9 von 9

Ostfront im Zweiten Weltkrieg: Attacke um jeden Preis

Erstellt von John Wayne, 06.07.2010, 23:38 Uhr · 8 Antworten · 2.904 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    13.05.2007
    Beiträge
    18.328

    Ostfront im Zweiten Weltkrieg: Attacke um jeden Preis

    Blutiger als Stalingrad: Bei Rschew lieferten sich Wehrmacht und Rote Armee monatelang erbitterte Stellungskämpfe. Stalin drängte zur rücksichtslosen Offensive, um die Deutschen einzukesseln. Hitler musste erstmals einen Rückzug befehligen - dann wurde Rschew auch für einen russischen Kriegshelden zum Fiasko.

    Tatsächlich verkörpert Rschew in weit größerem Maße die Tragik jenes Krieges, der im Juni 1941 mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion begann. Rschew ist ein Symbol für Heldenmut, aber auch eines für sinnloses Sterben - und ein Symbol dafür, dass 65 Jahre später die Wahrheit mitunter noch immer unbequem ist.

    Die Debatte über diese Zahlen hatte immer einen politischen Hintergrund. Stalin gab die Verluste im Februar 1946, fast ein Jahr nach Kriegsende, mit sieben Millionen Menschen an - eine offensichtlich viel zu niedrige Ziffer. Sie war diktiert von der Angst, eine höhere Zahl werde vom Westen als Schwäche interpretiert.

    Parteichef Nikita Chruschtschow sprach im Zuge einer Abrechnung mit Stalin in den sechziger Jahren von "über 20 Millionen" Toten.

    Mit dem Machtantritt Michail Gorbatschows und dem nun freieren Zugang zu den Archiven stiegen die Zahlen weiter an. Das bisher wohl detaillierteste Werk - ein "Buch der Verluste" - kam voriges Jahr in Moskau auf den Markt, geschrieben von einer Gruppe im Generalstab der russischen Streitkräfte.

    Nunmehr werden die Gesamtverluste auf 26,6 Millionen Menschen beziffert, von denen knapp 8,7 Millionen Soldaten und fast 18 Millionen auf unterschiedlichste Weise getötete Zivilisten sind.

    Es steht vieles in diesem Buch, was den Verlauf des Großen Vaterländischen Krieges verständlicher macht: Dass 55 Prozent der Kommandeure zu Kriegsbeginn noch nicht mal ein halbes Jahr auf Posten gewesen waren - was die Niederlagen der ersten Monate wenigstens teilweise erklärt. Dass über die vier Kriegsjahre hinweg insgesamt 34,5 Millionen zur Verteidigung des Landes herangezogen wurden - was bedeutet, dass mehr als die Hälfte aller beschäftigten Arbeiter, Angestellten und Bauern für die Streitkräfte abgestellt waren. Es war diese gewaltige Zahl von Menschen, die den Ausgang des Krieges entschied.

    Dass fast eine halbe Million Menschen in Strafbataillonen diente, dass es 600.000 Deserteure gab und 135.000 Armeeangehörige hinter der Front erschossen wurden.

    Das Fiasko von Rschew gilt Militärhistorikern heute als die größte Niederlage des später so gefeierten Heerführers Georgij Schukow. "Heroismus und Selbstaufopferung der einen gingen hier Hand in Hand mit Fehlern und Verbrechen der anderen", bilanziert Gerassimowa: zu wenig Technik, falsche Planung der Kampfhandlungen, mangelnde Truppenführung durch das Oberkommando - all das sollte durch den "menschlichen Faktor" ausgeglichen werden. Es war ein Sieg, der mit gewaltigen Blutopfern erkauft wurde.

    Die Verluste bei Rschew seien mit mindestens 1,7 bis 2 Millionen Mann zu beziffern, sagen Historiker heute. Der sowjetische Marschall Wiktor Kulikow spricht sogar von 2,5 Millionen Soldaten. Es braucht noch Zeit, bis sich die ganze Wahrheit durchsetzen wird.


    Attacke um jeden Preis - einestages

  2. #2

    Registriert seit
    31.01.2009
    Beiträge
    6.317


    Was mir bei diesem Video für Gedanken kommen:
    Die Wehrmacht wurde nur geschaffen, um die Russen auszurotten.

  3. #3
    Avatar von BlackJack

    Registriert seit
    11.10.2009
    Beiträge
    65.527
    die Generäle wurden nicht nur von Patriotismus, Ehrgeiz und unbedingten Willen angetrieben sondern auch von Stalins übermächtigen Schatten. Jeder noch so kleine Misserfolg konnte Deportation oder Auslöschung des Offiziers und seiner gesamten Familie bedeuten.

    Diese "Zwangslage", gepaart mit deutscher Angriffswut und Kampfkraft, gewaltigen Reserven an Menschenmassen und Zeiten, in denen ein einzelnes Menschenleben einen Dreck wert war, führten dann zu solchen unglaublichen Ereignissen

  4. #4

    Registriert seit
    31.01.2009
    Beiträge
    6.317
    Ich kenne fast jede Schlacht des 2. Weltkrieges,
    aber von jener hab ich noch nie was gehört.

  5. #5
    Avatar von Lilith

    Registriert seit
    15.04.2010
    Beiträge
    19.303
    Zitat Zitat von Greko Beitrag anzeigen
    Ich kenne fast jede Schlacht des 2. Weltkrieges,
    aber von jener hab ich noch nie was gehört.
    Habe gerade eine scheinbar wirklich gute (private) russische Seite dazu gefunden. Da sind auch Materialien dazu verlinkt usw. U.a. auch ganz unten unveröffentlichte Memoiren eines Teilnehmers der Kämpfe (A. Schumilin)

    Ðæåâ - 1942.

    Gleich oben ein Zitat:
    "Die Wahrheit über Rschew werden sie erst dann sagen, wenn alle gestorben sind, die hier ein Kommando hatten" (Veteran und Teilnehmer der Kämpfe um Rschew in einem persönlichen Gespräch)

    Und in der Einführung:
    "Die Schlacht von Rschew 1941 bis 1943 war die blutigste in der Geschichte der Menschheit. Und die am meisten von Historikern verschwiegene. ... Die Verluste der sowjetischen Truppen betrugen hier mehr als zwei Millionen Menschen, doppelt so viel wie die sowjetischen Verluste in Stalingrad."

    Ich schreibe später mehr dazu, macht mich gerade alles unheimlich traurig.

    Liebe Grüße

  6. #6

    Registriert seit
    31.01.2009
    Beiträge
    6.317
    Zitat Zitat von Lilith Beitrag anzeigen
    Habe gerade eine scheinbar wirklich gute (private) russische Seite dazu gefunden. Da sind auch Materialien dazu verlinkt usw. U.a. auch ganz unten unveröffentlichte Memoaren eines Teilnehmers der Kämpfe (A. Schumilin)

    Ðæåâ - 1942.

    Gleich oben ein Zitat:
    "Die Wahrheit über Rschew werden sie erst dann sagen, wenn alle gestorben sind, die hier ein Kommando hatten" (Veteran und Teilnehmer der Kämpfe um Rschew in einem persönlichen Gespräch)

    Und in der Einführung:
    "Die Schlacht von Rschew 1941 bis 1943 war die blutigste in der Geschichte der Menschheit. Und die am meisten von Historikern verschwiegene. ... Die Verluste der sowjetischen Truppen betrugen hier mehr als zwei Millionen Menschen, doppelt so viel wie die sowjetischen Verluste in Stalingrad."

    Ich schreibe später mehr dazu, macht mich gerade alles unheimlich traurig.

    Liebe Grüße
    (Markierter Satz) Süß.. Dann beschäftige dich nicht mit soviel Krieg, meine Liebe...

    Danke für die Seite, dieser 2. Weltkrieg zieht mich auch wahnsinnig an (Ich lehne Krieg trotzdem ab) ist halt einfach intressant. Dass soetwas solange totgeschwiegen wird, wundert mich. Denn jetzt ist doch soviel Zeit vergangen etc. Aber krass, niemals was gehört davon, nichtmal im Fernsehn..

    Die Deutschen waren trotz der nicht vollständigen Ausrüstung richtig gute Kämpfer. Wenn man sich mal immer die Verluste anschaut in den Kämpfen..
    Aber Gott sei dank hat auch dieser Krieg sein Ende gefunden..

  7. #7
    Posavac
    Die blutigste Schlacht der Geschichte war Stalingrad...

  8. #8
    Avatar von Styria

    Registriert seit
    26.06.2009
    Beiträge
    3.231
    Der Schrifsteller Pau Carell, berichtete, wie im Januar 1942 bei Rschew ein einziges SS Regiment, das vorwiegend österreichische Regiment *Der Führer* unter Führung des SS Obersturmbahnführer Otto Krumm, als stählener Eckpfeiler in der Front 2 Monate aushielt und den pausenlosen Angriff mehrerer sowjetischer Großverbände, Teile von insgesamt 7 Divisionen, am Durchbruch hinderte.

    Dadurch wurde es dem OB der 9. Armee Model, möglich, genügend Truppen aus der Front herauszulösen, zum operativen Gegenschlag an den Feind zu führen und die Lage zu bereinigen. Nach der Schlacht von Rschew hatte das Regiment eine Kampfstärke von 35 Mann (von insgesammt 2000)

    Quelle: Der 2. Weltkrieg/Seite 510
    Wobei zu bemerken ist, das dieses SS Regiment 1944 in Frankreich in Oradur-sur Glane ein massives Kriegsverbrechen beging.

    Auf dem Marsch zur Invasionsfront wird ein Bataillonskommandeur des Regimentes 'Der Führer' entführt und ermordet, ferner werden deutsche Sanitätseinheiten von Partisanen angegriffen. Bei der Suche nach dem verschwundenen Offizier wird der 3. Kompanie dieses Regimentes durch den Kommandeur des I.Bataillons befohlen, die Ortschaft Oradour-sur-Glane dem Erdboden gleichzumachen. Über 600 Zivilisten, darunter in der Mehrzahl Frauen und Kinder werden bei diesem Massaker getötet. Der verantwortliche Bataillonskommandeur sucht an der Invasionsfront den Tod, die 3. Kompanie, die sich zu einem Drittel aus Volksdeutschen aus dem französischen Elsaß zusammensetzte, wird bei den Kämpfen weitgehend aufgerieben. Nach dem Krieg werden mehrere überlebende Angehörige dieser Kompanie zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

  9. #9
    Avatar von Lilith

    Registriert seit
    15.04.2010
    Beiträge
    19.303
    Ist eine schwierige Sache mit der Erinnerung. Es war ein so brutaler, furchtbarer Krieg, der an unsere Existenz ging. Die Menschen haben so viel erleiden müssen. Und dann stelle ich mir vor, dass man Angehörige nicht nur über den Tod vom Sohn, Vater, Bruder etc. informieren muss. Schlimm genug. Sondern wenn man dann auch noch eingestehen muss, dass sie womöglich völlig sinnlos verheizt wurden... Wer weiß...

    Interessant finde ich zum Beispiel diese Passage aus dem Link

    Tatsächlich verkörpert Rschew in weit größerem Maße die Tragik jenes Krieges, der im Juni 1941 mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion begann. Rschew ist ein Symbol für Heldenmut, aber auch eines für sinnloses Sterben - und ein Symbol dafür, dass 65 Jahre später die Wahrheit mitunter noch immer unbequem ist.

    Nur so lässt sich verstehen, warum die russische Führung zum 65. Jahrestag des Sieges noch einmal eine Kommission zur Klärung der Kriegsverluste ins Leben rief.
    Präsident und Ministerpräsident scheinen wirklich mit Kriegsmythen und Stalinschen Verbrechen "aufräumen" zu wollen. Es ist bitter nötig.


    P.S. Wer sich dafür interessiert und auch längere Lektüren nicht scheut:

    Wassili Grossman: "Leben und Schicksal".

    Und auch wenn teilweise für einen Russen etwas "schwer" zu lesen, speziell zur Roten Armee finde ich die Publikationen von Catherine Merridale "Iwans Krieg" und Richard Overy "Russlands Krieg" sehr informativ und lesenswert.

Ähnliche Themen

  1. Familiengeschichte im Zweiten Weltkrieg
    Von Romani im Forum Geschichte und Kultur
    Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 28.09.2011, 22:06
  2. Germanisierung Sloweniens im Zweiten Weltkrieg
    Von MaxMNE im Forum Geschichte und Kultur
    Antworten: 16
    Letzter Beitrag: 27.09.2011, 22:20
  3. Todesstrafe um jeden Preis
    Von Ego im Forum Aussenpolitik
    Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 24.09.2011, 04:45
  4. KZ für Kinder in Sisak im Zweiten Weltkrieg
    Von Sretenje im Forum Geschichte und Kultur
    Antworten: 42
    Letzter Beitrag: 31.07.2009, 09:44
  5. Makedonien im zweiten Weltkrieg
    Von Albanesi2 im Forum Geschichte und Kultur
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 17.11.2005, 20:20