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Reichstagsbrand

Erstellt von papodidi, 28.02.2014, 01:36 Uhr · 1 Antwort · 1.083 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von papodidi

    Registriert seit
    30.12.2011
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    13.503

    Reichstagsbrand

    Reichstagsbrand gestern vor 81 Jahren:

    Er gilt als eines der entscheidenden Ereignisse rund um das Ende der Weimarer Republik. Hitler und die Nazis nutzten das Feuer, um ihre Gegner auszuschalten und politische Grundrechte außer Kraft zu setzen. Bis heute streiten Historiker, wer den Brand gelegt hat.


    27. Februar 1933, 21 Uhr: Knapp einen Monat nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler wird im Restaurant des Reichtstags ein Feuer gemeldet. Während des Alarms stellt sich heraus, dass im Gebäude zahlreiche Brandherde verteilt sind. Innerhalb kurzer Zeit breiten sich die Flammen auf große Teile des Gebäudes aus. Erst nach Mitternacht gelingt es der Feuerwehr, das Feuer weitgehend einzudämmen. Doch was folgt, ist ein politischer Flächenbrand - und der Anfang vom Ende der Weimarer Republik.




    Die Führungsspitze des Reichs instrumentalisierte den Reichstagsbrand - unter anderem bei einer Besichtigung nach den Löscharbeiten. Noch im Reichstag sagte Hitler: "Es gibt jetzt kein Erbarmen; wer sich uns in den Weg stellt, wird niedergemacht. Das deutsche Volk wird für Milde kein Verständnis haben." Preußens Ministerpräsident Hermann Göring machte deutlich, wer sich zu fürchten habe: "Das ist der Beginn des kommunistischen Aufstandes, sie werden jetzt losschlagen! Es darf keine Minute versäumt werden."

    Noch während sich tausende Schaulustige vor dem Reichstag einfanden, begann eine Verhaftungswelle der Nationalsozialisten gegen Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Schriftsteller und linke Intellektuelle. Nur einen Tag nach dem Brand, am 28. Februar, wurde vom Reichskabinett die Notverordnung "Zum Schutz von Volk und Staat" verabschiedet: Polizei und SA war es damit möglich, Verhaftungen ohne Nennung von Gründen vorzunehmen. Die Grundrechte wurden faktisch außer Kraft gesetzt - die Republik befand sich fortan in Auflösung.



    Die Nationalsozialisten ließen verbreiten, dass es sich beim Reichstagsbrand um eine kommunistische Verschwörung handle und die DKP den Umsturz im Reich plane. Im Zuge der Verhaftungswelle gegen die Kommunisten stellte sich daher der Fraktionsvorsitzende der KPD im Reichstag, Ernst Torgler, freiwillig. Er wollte damit Behauptungen, er sei am Brand beteiligt gewesen, entgegentreten.


    Die Nazionalsozialisten hätten gerne auf einen geordneten Prozess verzichtet. Doch noch war der Übergang zur Diktatur nicht vollkommen abgeschlossen. Die Ermittlungen richteten sich neben Marinus van der Lubbe (im Bild) auch gegen den vermeintlichen Anstifter Torgler sowie drei bulgarische Kommunisten: Georgi Dimitrow, Blagoi Popow und Wassil Tanew.


    Am 21. September wurde der Prozess vor dem IV. Strafsenat des Reichsgericht eröffnet. Ein Gutachter kam dabei zu dem Urteil, dass van der Lubbe keinesfalls der alleinige Täter gewesen sein könne. Als Zeuge trat Hermann Göring auf, der sich mit dem Angeklagten Dimitrow hitzige Rededuelle lieferte.



    Auch Reichspropagangdaminister Joseph Goebbels sagte vor dem Strafsenat aus - den Eindruck eines nationalsozialistischen Schauprozesses konnte er aber ebenfalls nicht entkräften.

    Nach drei Monaten erging schließlich ein Urteil: Die Angeklagten Torgler, Dimitrow, Popow und Tanew wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Marinus Van der Lubbe aber wurde wegen Hochverrats in Tateinheit mit aufrührerischer Brandstiftung und versuchter einfacher Brandstiftung zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Am 10. Januar 1934 wurde der Niederländer mit der Guillotine hingerichtet. Mehr als 75 Jahre später, im Dezember 2007, hob die Bundesanwaltschaft das vollstreckte Urteil nachträglich auf.
    Bis heute ist nicht geklärt, wer den Brand tatsächlich gelegt hat. Dass das Feuer wirklich das Fanal eines kommunistischen Aufstands gewesen sei, wird heute nahezu ausgeschlossen. Damit bleiben zwei Theorien, die in der Geschichtsforschung noch immer diskutiert werden: Die Nationalsozialisten zündeten den Reichstag, den sie stets als Quatschbude" bezeichnet hatten, wirklich selbst an - oder Lubbe war ein Einzeltäter.

    Nach der Zerstörung des Plenaarsaals im Reichstag diente die Berliner Krolloper als Sitzungsort des deutschen Reichstags. Hier wurde am 23. März 1933 gegen die Stimmen der SPD - die Mandate der KPD waren bereits annulliert - das sogenannte Ermächtigungsgesetz mit Unterstützung der bürgerlichen Parteien beschlossen. Es war das endgültige Ende der Weimarer Republik. Ein Ende, das in den Flammen des 27.Februar 1933 ihren Anfang nahm.

    Held des Prozesses war
    Georgi Dimitroff, der Göring zu dem machte, was er war: ein aufgeblasener, fetter Nazi, ohne Hirn...







    I. Das Duell Göring / Dimitroff

    Dimitroff stützte sich bei seiner Verteidigung auf die reiche Erfahrung, die er als Berufsrevolutionär gesammelt hatte. Von Beginn des Jahrhunderts an wurde er oftmals von den zaristischen Behörden in Bulgarien verhaftet und abgeurteilt. Seine große Gabe war es, weder bei seiner Verhaftung am 9. März 1933, noch bei den Kreuzverhören und Vernehmungen die Beherrschung zu verlieren.Die wahrhaft "große Stunde" Dimitroffs ergab sich, als er den als Zeugen vor Gericht geladenen Göring befragte.

    Göring berichtete von seiner Überzeugung, ein kommunistisches Komplott aufgedeckt zu haben: "Das Fanal, das die kommunistische Partei hier gab, wollte ich mit einer Willensdokumentation beantworten, die den Herren Kommunisten eindeutig sagte, wie ich den Kampf gegen den Kommunismus zu führen gedachte. Ich hatte tatsächlich vor, in jener Nacht Herrn van der Lubbe sofort aufzuhängen. Wenn ich es nicht getan habe - kein Mensch hätte mich daran hindern können -, so nur aus dem Grunde, weil ich mir sagte: Wir haben nur den; es muß aber eine ganze Schar gewesen sein; vielleicht brauche ich den Mann noch als Zeugen. Dies war die einzige Erwägung, die mich damals davon abhielt, der Welt sofort zu zeigen, wenn die eine Seite entschlossen ist zu zerstören, dann ist die andere Seite ebenso entschlossen, sich das nicht gefallen zu lassen."

    Nun war Dimitroff die Zeugenbefragung erlaubt, und es ergab sich folgender legendärer Wortwechsel:

    Dimitroff: (...) Gegen die kommunistische Partei in Deutschland einen Kampf zu führen, ist Ihr Recht. Mein Recht ist (...), ihre Regierung zu bekämpfen, und wie wir sie bekämpfen, das ist eine Sache der Kräfteverhältnisse, ist nicht eine Sache -

    Präsident: Dimitroff, ich untersage Ihnen, hier eine kommunistische Propaganda zu treiben. (Dimitroff: Er macht nationalsozialistische Propaganda hier!) Ich untersage Ihnen das aufs ausdrücklichste. Kommunistische Propaganda wird hier in diesem Saal nicht getrieben, und das war eben ein Stück davon.

    Dimitroff: Herr Präsident, im Zusammenhang mit meiner letzten Frage steht jedenfalls zur Klärung die Frage: Partei und Weltanschauung. Herr Ministerpräsident Göring hat erklärt, daß eine ausländische Macht wie die Sowjetunion und in Verbindung mit dieser Macht dieses Land alles machen kann, was es will, aber in Deutschland geht es gegen die Kommunistische Partei. Diese Weltanschauung, diese bolschewistische Weltanschauung, regiert die Sowjetunion, das größte und beste Land in der Welt. (Große Heiterkeit) Ist das bekannt? (Erneute Heiterkeit.)

    Zeuge Göring: Hören Sie mal, jetzt will ich Ihnen sagen, was im deutschen Volke bekannt ist. Bekannt ist im deutschen Volke, daß Sie sich hier unverschämt benehmen und hierhergelaufen kommen, den Reichstag anstecken und dann hier mit dem deutschen Volke noch solche Frechheiten sich erlauben. Ich bin nicht hierhergekommen, um mich von Ihnen anklagen zu lassen. (Dimitroff: Sie sind Zeuge!) Sie sind in meinen Augen ein Gauner, der längst an den Galgen gehört. (Bravo! im Zuhörerraum)

    Dimitroff: Sehr gut, ich bin sehr zufrieden. (...) Haben Sie Angst wegen dieser Fragen, Herr Ministerpräsident?

    Göring: Sie werden Angst haben, wenn ich Sie erwische, wenn Sie hier aus dem Gericht raus sind, Sie Gauner Sie!

    In dem Rededuell, in dem sich zwei völlig unterschiedliche Ideologien gegenüberstanden, hatte Dimitroff Göring bloßgestellt und ihn zu Drohungen und Wutausbrüchen gebracht. Es ist sicher auf den mangelnden Geist zurückzuführen, daß Göring die Attacken Dimitroffs nicht durchschaute und sich auf dieses niedrige Niveau begab.

    HUMBOLDT-GESELLSCHAFT -> Der Reichstagsbrandprozeß






  2. #2
    Avatar von Arbeiter

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