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Die Salpetererkriege 1729-1751

Erstellt von Schiptar, 12.04.2006, 16:44 Uhr · 5 Antworten · 1.606 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Schiptar

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    Die Salpetererkriege 1729-1751

    Hier was über eine südbadische Aufstandsbewegung des 18. Jh., deren Angehörige z.T. von den Habsburgern nach Südosteuropa verbannt wurden:

    »Kennzeichnend für unser mangelndes Geschichtsbewußtsein scheint mir, daß auch Einwohner des Südschwarzwaldes so gut wie nichts von den Kämpfen der Salpeterer wissen, obwohl sie sich praktisch vor ihren Hoftüren abgespielt haben und in manchen Fällen die eigenen Urahnen daran beteiligt gewesen sind. Dabei müßten ihnen solche Ereignisse weit mehr bedeuten als jene Kriege, die Kaiser und Könige zur Ausweitung ihrer Macht geführt haben.
    Einer demokratischen Gesellschaft, so meine ich, steht es schlecht zu Gesicht, wenn sie auch heute noch in aufständischen Bauern nichts gezähmt und in Schranken gewiesen wurden. So haben die Sieger die Geschichte geschrieben. Es ist Zeit, daß ein freiheitlich-demokratisches Deutschland unsere Geschichte bis in die Schulbücher hinein anders schreibt.«


    Bundespräsidenten Gustav Heinemann (1899-1976) am 13. Februar 1970 in einer Rede bei der Schaffer-Mahlzeit im Bremer Rathaus.


    Geschichte:

    Der Hotze war auf seine Freiheiten sehr stolz Doch nach und nach unter dem Zwang der Not verfiel er immer mehr in wirtschaftliche Abhängigkeit und Hörigkeit.

    Im Bauernkrieg von 1525, der seinen Anfang in unseren Gebieten nahm. lehnte er sich zum erstenmal gegen diese Formen der Zwangsherrschaft auf. jedoch ohne Erfolg. Den zweiten versuch machte er in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den Salpetererkriegen von 1729-1751, in Kämpfen, die dem Hotzenvolk ob seiner eigenartigen politisch-republikanischen Ideen schon früh eine besondere Prägung gegeben haben.

    Diese revolutionäre Bewegung hat ihren Namen von ihrem Stifter Johann Fridolin Albietz von Buch, der von Beruf Salpetersieder war. Als ein Mann von Rechtschaffenheit, Wahrheits- und Freiheitsliebe nahm er hauptsächlich Anstoß an den damaligen Auswüchsen der Leibeigenschaft und Hörigkeit und an den Ansprüchen des Klosters St. Blasien und des Hauses Österreich. Im Jahre 1719 trat er auf dem Dinggericht zu Remetschwiel offen gegen St. Blasien auf und fand auf dem Hotzenwald überall Anhang und großen Einfluß. Da er aber versuchte, an der vorderösterreichischen Regierung Kritik zu üben, wurde er bald verhaftet und starb dann später im Gefängnis zu Freiburg als ein Märtyrer für seine Heimat und seine Überzeugung. Die Nachricht von seinem Tode rief auf dem Walde einen Sturm der Entrüstung hervor und gab das Signal zum Beginn der erwähnten “Salpetererunruhen”, die erstmals 1728 mit besonderer Heftigkeit ausbrachen und nur unter Aufbietung beträchtlicher militärischer Kräfte vorübergehend niedergeworfen werden konnten. St. Blasien, das Schlimmeres befürchtete, zeigte sich nun zu Verhandlungen bereit. Es kam zum Abschluß von sog. “Loskaufverträgen”, in denen sich das Kloster bereit erklärte, “auf alle Leibeigenschaft und deren sämtliche Ausflüsse” bei Bezahlung einer Loskaufsumme von 58000 fl., zahlbar bis 1742 in 5 Raten, zu verzichten. Ähnliche Loskaufverträge wurden auch mit dem Stift Säckingen und mit dem Baron von Zweyer abgeschlossen Da aber die bereits schon stark belasteten Gemeinden diese Schuldsumme nicht rechtzeitig aufbringen konnten, so erhob sich die Flamme des Aufruhrs immer wieder von neuem; - zum zweiten Male 1738/39 und dann vor allem in den Jahren von 1713 bis 1755. Am 17. September 1745 belagerten die Hotzen sogar Waldshut. Immer wieder mußten die Aufstände mit Waffengewalt niedergeworfen werden. Die Anführer wurden meist hingerichtet oder nach Belgrad oder nach dem Banat verbannt. Doch diese Mittel halfen immer nur für kurze Zeit. Zuletzt als im Jahre 1755 der Aufstand sich zum fünften Male wiederholte, wußte sich die Kaiserin Maria Theresia kaum mehr zu helfen und ließ über Nacht mit militärischer Gewalt insgesamt 122 Personen auf dem Hotzenwald verhaften und alle samt und sonders nach Siebenbürgen in die Verbannung wegführen. Die verbannten Hotzen, denen der Abschied von ihrer Heimat sehr naheging, haben aber auch drüben im Banat in fremdem Land und unter fremder Herrschaft das Andenken im die alte Heimat bis heute bewahrt; sie sind der Sitte und Sprache ihre Heimat treu geblieben, bis sie schließlich durch ein hartes Schicksal in der neuesten Zeit auch aus der dort geschaffenen neuen Heimat vielfach wieder vertrieben wurden.

    Durch den Frieden von Preßburg kam der Hotzenwald im Dezember 1805 an das Großherzogtum Baden. Der wirtschaftliche Aufschwung, der nach den napoleonischen Kriegen in Südbaden allgemein einsetzte, brachte durch die Hausindustrie Arbeit und Verdienst. Die Arbeit verscheuchte die Not und brachte dem Volke wieder Frieden, Glück und Wohlstand. Doch die Erinnerung an altes Unrecht lebte unter der Hotzenwälder Bevölkerung auch weiter und trat besonders in den Jahren 1805, 1815 und 1830 in einer gewissen revolutionären Unruhe im Volk, die vom alten “Salpeterergeist” getragen wurde, wieder auf. Die “Salpeterer” traten wieder hervor, doch nahm die Bewegung mehr den Charakter einer religiös-politischen Sekte an, die streng konservativ am alten Herkommen festhielt und jede Erneuerung auf jedem Gebiet ablehnte. Die Sekte besteht heute nicht mehr, doch sind die letzten “Salpeterer” erst in den letzten Jahrzehnten dahingegangen. Je mehr der Hotzenwald in der neuesten Zeit erschlossen wurde, und je mehr er am wirtschaftlichen Fortschritt Anteil nehmen konnte, um so mehr schwand die Erinnerung an düstere und harte Zeiten.

    Aus “Der Hotzenwald” von Dr. Leopold Döbele 1955 S. 32-34


    Zeittafel:

    1705: Kaiser Joseph 1. bestätigt: Die Hauensteiner sollen »mit den Worten leibeigen und Leibeigenschaft nimmer belegt werden, sondern solche termini in Ewigkeit abgetan und ausgetilgt sein.«

    1726: Der Salpetersieder Hans Fridolin Albietz von Buch reist nach Wien, um sich zu beklagen, daß man der Grafschaft Hauenstein Neuerungen zumute und der Abt von St. Blasien versuche, alle Hauensteiner zu seinen Leibeigenen zu machen. Er wird an die Regierung in Freiburg verwiesen, und dort wird er verhaftet.

    1727: Die Hauensteiner verweigern dem Abt Franziskus die Huldigung in Weilheirn, Birndorf und Immeneich.
    Am 29. September stirbt der Salpeterhans im Gefängnis in Freiburg.

    1728: Eine Kaiserliche Hofkommission erscheint in Waldshut und erzwingt mit Hilfe von 900 Soldaten die verweigerte Huldigung.

    1730: Am 15. April wird das Urteil gegen die Haupträdelsführer verkündet. Martin Thoma, der Haselbachmüller, wird zum Tode durch Enthaupten verurteilt, nach der Verkündung des Urteils aber zu lebenslänglicher Zwangsarbeit in den ungarischen Bergwerken begnadigt. Johannes Marder, der Müller von Eschbach, und Blasius Hottinger, der Spielmann von Niedergebisbach, werden zu fünf bzw. vier Jahren Schellenarbeit in der Festung Belgrad, danach zur ewigen Verban nung aus der Grafschaft Hauenstein verurteilt. 38 Salpeterer haben in Breisach und 18 in Freiburg längere Zeit zu schellenwerken.
    Im Herbst 1730 setzen sich Carl Alexander, Herzog zu Württemberg und Teck, der Kommandant der Festung Belgrad, und Prinz Eugen ohne Erfolg für die inhaftierten Salpeterer ein.

    1731: Joseph Meyer von TodtmoosAu, das Glasmännle genannt, und Michel Tröndle von Bergalingen, der Schwarzmichel, begeben sich nach Wetzlar, um ihre Klage vor das Reichskammergericht zu bringen. Man lacht sie aus.

    1735: Marder und Hottinger werden nach Verbüßung ihrer Strafe von Belgrad nach Wien geschafft und auf Betreiben des Paters Marquard Herrgott im Zuchthaus festgehalten. Sie schicken Briefe auf den Wald und wecken neue Unruhen.

    1738: In St. Blasien werden neue Klostergebäude errichtet. Dem Abt werden die einträglichen Herrschaften Staufen und Kirchhofen von Österreich zum Kaufe angeboten. So braucht er Geld. Er bietet daher den Hauensteinern an, daß sie sich für eine Summe von 92 000 Gulden von der Leibeigenschaft loskaufen könnten. Der Handel kommt schließlich für 58 000 Gulden zustande, und der Kaiser ratifiziert den Vertrag am 15. Januar.
    So ist die Leibesherrschaft des Klosters St. Blasien in der Grafschaft Hauenstein beendet die Unruhen aber dauern fort.

    1739: Eine neue Kaiserliche Hofkonunission kommt mit Soldaten ins Land. Am 16. März versammelt sich das Aufgebot auf dem Etzwihler Feld. Es fallen etwa 20 Schüsse. Einem Grenadier wird der Arm blessiert, einem anderen die Mütze vorn Kopf geschossen.
    Das Strafgericht ist furchtbar. Jakob Leber von Brunnadern wird enthauptet, ebenso Michel Eckert von Herrischried, Joseph Lüber aus der Rütte, Hans Michel Hartmann von Finsterlingen und Leontius Brutsche von Dogern. Hans Fri dolin Gerspach von Bergalingen wird gehängt. Andere werden mit lebenslänglicher Verbannung, mit Gefängnis und mit Schanzarbeiten bestraft. junge Leute werden unter die Soldaten gesteckt.

    1740: Kaiser Karl VI. stirbt. Seine Tochter Maria Theresia muß um ihr Erbe kämpfen. Schon am neunten Tage nach dem Tod ihres Vaters kümmert sie sich um die inhaftierten Salpeterer.

    1742: Amnestierung und Rückkehr der verbannten Rädelsführer.

    1743: Prinz Karl von Lothringen versucht, mit seinem Heer bei Breisach über den Rhein vorzustoßen. Die Salpeterer wollen ihn gewinnen, daß er für ihre alten Rechte und Freiheiten, die nun vor allem durch die österreichische Bürokratie bedroht sind, eintritt. Sie schicken den Johannes Marder als Deputierten in das Hauptquartier am Kaiserstuhl. Doch ihre Widersacher, die »Tröndlinschen« oder auch »die Halunken« genannt, verleumden ihn; er habe verboten, die Heereslieferungen zu leisten. Er wird verhaftet.

    1744: Das Glasmännle und Hans Wasmer von Segeten, der Gaudihans, werden von den Soldaten verhaftet. Darauf versuchen die Salpeterer den Spieß umzudrehen und verhaften den Redmann Joseph Tröndle von Rotzel und führen ihn nach Görwihl. Kurz darauf setzen sie auch den Müller von Unteralpfen und weitere alte Einungsmeister fest, aber die Gefangenen werden bald darauf von 50 Grenadieren und 20 Husaren wieder befreit (August).
    Im September kommen französische Truppen in die Grafschaft Hauenstein und okkupieren das Land für den Bayerischen Kurfürsten, der zum Römischen Kaiser Karl VII. gewählt ist. Die Untertanen müssen ihm bei 100 Thaler Strafe die Erbhuldigung leisten. Johannes Thoma ab Egg verweigert die Huldigung.
    Freiburg wird belagert und von den Franzosen eingenommen. Die Vorderösterreichische Regierung flieht nach Waldshut und später nach Klingnau in der Schweiz.

    1745: Der Eggbauer, der Freiburger Advokat Berger und der Obristwachtmeister v. Lüttichau, ein sächsischer Offizier, machen sich daran, eine Erhebung gegen die Franzosen vorzubereiten. Das Kloster St. Blasien und die alten Einungsmeister gelten als Franzosenfreunde.
    Der Landfahnen wird aufgeboten. 50 Husaren kommen zur Unterstützung; doch die Franzosen haben das Land bereits verlassen, So benützt der Eggbauer die Gelegenheit~ sich an seinen Gegnern zu rächen für 17 Jahre Kerker. Es kommt zu Ausschreitungen.
    Die Landesdefensionskornmission wird verhaftet und abtransportiert nach Innsbruck. Unterwegs stirbt der sächsische Offizier.
    In Frankfurt wird der Gemahl der Königin Maria Theresia zum Kaiser Franz 1. gekrönt. Die Salpeterer Blasius Hottinger und Martin Mutter von Rüßwihl sind dabei.
    Zweimal ziehen die Aufständischen vor Waldshut, um das Archiv, die Landeslade, in ihre Hände zu bekommen. Es werden 198 Mann verhaftet. Viele fliehen in die benachbarte Schweiz,

    1747: Hans Wasmer und Blasius Hottinger sterben im Gefängnis in Waldshut.

    1753: Der Eggbauer stirbt im Kerker von Temeschwar im fernen Banat.

    1755: Damit »Fried und Einigkeit« im Lande hergestellt werde, werden 27 Salpeterer mit ihren Frauen und Kindern ins Banat verbannt. Sie müssen Urfehde schwören, daß sie in das Hauensteinische nie mehr zurückkehren wollen.

  2. #2
    Avatar von Vasile

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    Sehr interessanter Beitrag!






    Zitat Zitat von Schiptar
    1755: Damit »Fried und Einigkeit« im Lande hergestellt werde, werden 27 Salpeterer mit ihren Frauen und Kindern ins Banat verbannt. Sie müssen Urfehde schwören, daß sie in das Hauensteinische nie mehr zurückkehren wollen.
    Wahrscheinlich sind sie in den Banater Schwaben aufgegangen.







    .

  3. #3
    Avatar von Vasile

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    Siebenbürgen und der Banat waren lange Zeit Zufluchts- und Deportationsgebiete. Besonders in Siebenbürgen ließen sich im 18. Jh. auch österreichische Landler in ein paar Gemeinden um Hermannstadt und Mühlbach nieder.
    Die Siebenbürger sind stolz darauf:

    Siebenbürgen ist in der Reformationszeit ein Land nicht nur der Toleranz, sondern der religiösen Freiheit geworden, das erste solche Land in Europa. "Siebenbürgen, Land der Duldung, jedes Glaubens sichrer Hort ...", so singt man in der siebenbürgischen Hymne, die voll Bewunderung ein Besucher aus Preußen gedichtet hat. Und weil das so war, dass man dort in Siebenbürgen Zuflucht finden konnte, strömten viele in dieses wunderbare Land, die anderswo nicht geduldet wurden: Das waren im 15. Jahrhundert Hussiten aus Böhmen und um 1600 Täufer aus Tirol, die so genannten Hutterischen Brüder; da kamen Anfang des 18. Jahrhunderts die so genannten Salpeterer aus dem südlichen Baden, aus dem Hauensteiner Land im Breisgau: Das waren Revoluzzer gegen die Klosterherrschaft von St. Blasien im Schwarzwald und die österreichische Regierung war froh, sie nach Siebenbürgen und ins Banat abschieben zu können; in der Mitte des 18. Jahrhunderts übersiedelten aus wirtschaftlichen Gründen rund 500 Hanauer und Durlacher aus Nordbaden nach Mühlbach und Umgebung; und weil die Habsburger stockkatholisch waren, aber immerhin tüchtige Leute nicht ins Ausland vertreiben wollten, brachten sie vor allem aus dem oberösterreichischen "Landl" die evangelischen Landler nach Siebenbürgen, wo man sowieso (leider Gottes) Protestanten dulden musste, und es gibt von diesen Österreichern noch einige in Neppendorf und in Großau und in Großpold; Pfarrer Stephan Ludwig Roth hat vor 130 Jahren in Württemberg neue Siedler für Siebenbürgen geworben; preußische Kriegsgefangene hat man möglichst weit weggebracht von den Grenzen in den sieben Jahren des Siebenjährigen Krieges, eben nach Siebenbürgen, und manche sind dort geblieben, z. B. aus Wittstock in Brandenburg: Der derzeitige Vertreter der Deutschen Fraktion im rumänischen Parlament heißt nicht nur Wittstock, er stammt auch letztlich aus Wittstock.

    Quelle: http://www.siebenbuerger.de/sbz/sbz/...68,28200,.html

  4. #4
    Gast829627
    Kloster St. Blasien 8O 8O ein schöner name für ein kloster 8)

  5. #5
    Avatar von Schiptar

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    Zitat Zitat von Legija
    Kloster St. Blasien 8O 8O ein schöner name für ein kloster 8)
    Mann, bleib doch mal ernst.
    Diese Leute haben für ihre Freiheit gekämpft & gegen die Unterdrückung durch die Habsburger... Das müßtest du als serbischer Nationalist eigentlich verstehen und gutheißen.

  6. #6

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    Die meisten Protestanten wurden nach Siebenbürgen, Vojvodina und Slavonien gebracht. Naja in Slavonien wurden sie ja Umgebracht oder zwangs Kroatisiert.