BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Erweiterte Suche
Kontakt
BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Benutzerliste

Willkommen bei BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen.
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 17

Sati - ein grausames indisches Ritual

Erstellt von Vergil, 10.05.2014, 00:45 Uhr · 16 Antworten · 2.132 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    06.12.2013
    Beiträge
    511

    Sati - ein grausames indisches Ritual

    Was ist Sati?



    Witwenverbrennung, auch Sati genannt, ist ein Femizid in einigen indischen hinduistischen Religionsgemeinschaften, bei dem Frauen bei lebendigem Leibe verbrannt werden.
    Nach dem Tod des Ehemannes - bei der Verbrennung des Leichnams - kommt es vor, dass seine Witwe ebenfalls auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird (Witwenfolge). Frauen, die Sati begehen, werden in hohen Ehren gehalten und teilweise göttlich verehrt, ihre Familie gewinnt hohes Ansehen. Ursprünglich opferten sich auf diese Weise Frauen der im Kampf gefallenen Männer aus Fürstenfamilien, möglicherweise, um nicht den Feinden in die Hände zu fallen. Zunächst als Selbstopfer gedacht, wurde Sati im Laufe der Zeit in vielen Bevölkerungskreisen eingefordert. Besonders häufig war die Witwenverbrennung bei den Kshatriya-Kasten, wie zum Beispiel den Rajputs in Nordindien, wo sie bis heute vereinzelt vorkommt.



    Ablauf:


    • Die Witwe muss sich sofort nach dem Verlust des Ehemannes für die Witwenverbrennung entscheiden, damit ein religiös bewertetes Sati entsteht, das eine schnelle Wiederaufnahme der Ehe nach dem Tod ermöglicht.
    • Nach der Entscheidung wird eine aufwändige Zeremonie vorbereitet, die sich je nach Region unterscheidet, bei der aber stets Priester beteiligt sind. Außerdem sind begleitende Musikanten, geschmückte Gewänder sowie Geschenke üblich.
    • Die Witwe stirbt meistens durch Verbrennung auf dem Scheiterhaufen. Die Witwe sitzt auf dem Scheiterhaufen mit der Leiche des Mannes und der älteste Sohn oder der nächste männliche Verwandte entzünden das Feuer. Selten ist das Lebendig begraben. Zudem ist eine Tötung durch Einsatz von Waffen oder Gewalt möglich, falls sich das Opfer gegen die Verbrennung wehrt und flüchtet.
    • Mittel, um eine Flucht der Witwe aufgrund von Todesangst zu verhindern, sind das Verschütten mit großen Holzstücken oder das Niederhalten mit langen Bambusstäben. Eine erweiterte Form, die in Zentralindien verbreitet war, ist die Errichtung einer hüttenartigen Konstruktion auf dem Scheiterhaufen. Der Eingang wurde mit Holz verschlossen und verbarrikadiert und die mit weiterem Holz beschwerte Hütte wurde kurz nach Entzündung des Feuers zum Einsturz gebracht. Im Süden Indiens gab es noch eine weitere Methode, bei der eine Grube ausgehoben wurde. Ein Vorhang versperrte der Witwe den Anblick des Feuers, bis sie schließlich selbst hineinsprang oder hineingeworfen wurde. Meist wurden dann schwere Holzklötze und leicht brennbares Material auf das Opfer geworfen.
    • Sobald die Frau das Bewusstsein verliert, wird die Verbrennung unter Gesängen und religiösen Ritualen zu Ende gebracht.


    Sati im Jahre 2014?

    Sati ist gesetzlich verboten, das Gesetz wird jedoch nicht immer streng umgesetzt. Es kommt immer noch, wenn auch seltener, zu Verbrennungen. Ein bekannter Fall ist Roop Kanwar, eine achtzehnjährige Witwe, die in Rajasthan 1987 auf dem Scheiterhaufen ihres Mannes verbrannte. Die Verbrennung wurde von tausenden Zuschauern verfolgt und in aller Welt durch Medien und Wissenschaft rezipiert. Es ist strittig, ob sie mit oder ohne Zwang auf den Scheiterhaufen gelangte. Tausende Anhänger der Witwenverbrennung pilgerten anschließend zu dem Ort. Der Tod von Roop Kanwar führte zu heftigen öffentlichen Auseinandersetzungen und einer weiteren Verschärfung des Verbots der Witwenverbrennung.
    Ausgerottet werden konnte die Witwenverbrennung jedoch nicht, Einzelfälle werden weiterhin bekannt. Aufgrund der Illegalität und der teilweise existenten gesellschaftlichen Akzeptanz wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Geschätzte Zahlenangaben gehen von 40 Fällen im Zeitrahmen von 1947 bis 1999 aus, davon 28 in Rajasthan, möglicherweise sind es noch mehr.

    Gründe für Sati?

    Soziale Gründe


    In manchen Bevölkerungskreisen wurde von Witwen die Selbstverbrennung erwartet. Teilweise wurden die trauernden Witwen durch sozialen Druck zur Selbstverbrennung gebracht und teilweise auch mit Gewalt gezwungen. Der Indologe Axel Michaels sieht die sozialen Gründe im System der Patrilinie, in dem die Witwe an Ansehen und Autorität verliert. Sie hat das Problem der Versorgung, ist rechtlos und vom ältesten Sohn abhängig. Unter Umständen muss sie sich vorwerfen lassen, am Tode des Mannes schuld zu sein. Sie muss keusch und bescheiden leben, trotzdem könnte es ihr drohen, verstoßen zu werden und als Bettlerin oder Prostituierte zu enden.

    Hinduistische Witwen sind im Nachteil, da sie sich bereits am Todestag des Mannes den Kopf kahl scheren müssen, nur noch Kleider aus grobem, weißen Baumwollstoff tragen dürfen und weder Fleisch essen und noch an Festen teilnehmen dürfen. Viele mittellose, von der Familie verstoßene, hinduistische Witwen gehen in die Stadt Vrindavan, um dort bettelnd den Rest ihres Lebens zu verbringen.
    Diese schlechte Situation wird ebenfalls dafür verantwortlich gemacht, dass Witwen in den Selbstmord getrieben werden.

    Wirtschaftliche Gründe


    Der englische Kolonialbeamte, Historiker und Rassismusforscher Philip Mason schreibt, zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert seien im kolonialen Bengalen besonders viele Witwenverbrennungen durchgeführt worden. Nach einer Statistik der britischen Kolonialbehörden wurden dort im Jahr 1824 fast 600 Frauen verbrannt - bei einer Bevölkerung von 50 Millionen ungefähr 0,2 Prozent der Witwen. In neun von zehn Fällen seien die Frauen zur Verbrennung gezwungen worden, weil in Bengalen die Witwen erbberechtigt waren. Laut Mason wurden die Opfer am Leichnam ihres Mannes festgebunden, Männer mit großen Stöcken bewachten den Scheiterhaufen, für den Fall, dass sich das angebrannte und verletzte Opfer noch einmal befreien konnte.

    Auch heute ist es für die Schwiegerfamilie wirtschaftlich von Vorteil, wenn die Witwe verbrennt, statt zu ihrer Familie zurückzukehren, weil sie bei der Rückkehr ihre Mitgift wieder mitnehmen kann. Bei der Verbrennung bleibt die Mitgift hingegen im Besitz der Schwiegerfamilie.
    Witwenverbrennungen bringen heute noch wirtschaftliche Vorteile für die Familie und den Wohnort, beziehungsweise den Sterbeort, des Opfers mit sich.

    Politische Gründe


    In der Kolonialzeit beinhalteten die Witwenverbrennungen auch eine politische Komponente. Sie symbolisierten auch Widerstand gegen die Kolonialregierung.


    Religiöse Gründe
    (siehe Veden, Epen und andere indische Texte)

    Quelle

  2. #2
    Avatar von Allissa

    Registriert seit
    07.08.2009
    Beiträge
    44.232
    krank

  3. #3

    Registriert seit
    28.10.2010
    Beiträge
    15.315
    Das Land ist so kaputt.

  4. #4
    Avatar von Elk873

    Registriert seit
    21.12.2012
    Beiträge
    3.547
    Kultur

  5. #5
    Avatar von Taudan

    Registriert seit
    17.06.2011
    Beiträge
    3.207
    Mutige Frauen

  6. #6
    Avatar von Maniker

    Registriert seit
    10.01.2014
    Beiträge
    19.035
    Ziemliche Hinterwäldler ...

  7. #7

    Registriert seit
    25.12.2010
    Beiträge
    3.196
    krank

  8. #8
    Avatar von Tigerfish

    Registriert seit
    25.12.2013
    Beiträge
    12.118
    Zitat Zitat von Mayumi Beitrag anzeigen
    krank
    Und bescheuert

  9. #9
    Avatar von Lorik

    Registriert seit
    27.02.2008
    Beiträge
    11.847
    krank.

  10. #10
    Avatar von Dr. Gonzo

    Registriert seit
    29.04.2012
    Beiträge
    10.602
    War doch früher in vielen Kulturkreisen normal. Da wurden teilweise ganze dienerschaften "mitgenommen".

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Noch ein neuer
    Von Albanoi im Forum Mitglieder stellen sich vor
    Antworten: 19
    Letzter Beitrag: 31.05.2010, 20:06
  2. Was ist das für ein Ritual? ? ? ? ?
    Von Malsor im Forum Religion und Soziales
    Antworten: 31
    Letzter Beitrag: 24.11.2005, 11:59
  3. "Kosovo 2004 - Ein Schritt vorwärts, zwei zurück"
    Von jugo-jebe-dugo im Forum Politik
    Antworten: 37
    Letzter Beitrag: 25.07.2004, 20:00