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Die Slawen und die Rumänen

Erstellt von Vasile, 03.12.2006, 18:50 Uhr · 12 Antworten · 6.190 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Vasile

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    Die Slawen und die Rumänen

    So, liebe Forumskollegen, ich habe diese Diskussion eröffnet um über das slawische Element an den Rumänen zu diskutieren. Die Rumänen werden generell als "eine romanische Insel einem slawischen Meer" betrachtet, was generell auch stimmt. Außer Ungarn sind alle umgebenden Staaten der Rumänen (Rumänien und Moldau) slawische Staaten: Ukraine, Bulgarien und Serbien. Dazu sind auch noch Polen und die Tschechoslowakei zu erwähnen, die zwischen den beiden Weltkriegen unsere nördliche Nachbarn waren. Das Polnische Königreich war auch im Laufe des Mittelalters ein wichtiger Nachbar des Fürstentums Moldau. Zwischen 1792 und 1918 hatten wir das Russische Reich als östlicher Nachbar.

    Slawische Populationen leben in Rumänien vor allem in den Randgebieten. Es sind fast alle slawische Völker vertreten. Gezählt wurden 2002:
    61.091 Ukrainer
    36.397 Russen
    22.518 Serben
    17.199 Slowaken
    8.092 Bulgaren
    6.786 Kroaten (die meisten sind katholische Torlaken)
    3.671 Polen
    3.038 Tschechen
    731 "slawische Mazedonier"
    297 "Karaschowenen" (katholische Torlaken)
    176 Slowenen

    In Moldau (Moldawien), dass in den letzten 2 Jahrhunderten meistens ein Teil des Russischen Reiches und der Sowjetunion war, ist die slawische Bevölkerung zahlreicher. Hier lebten 2004:
    442.346 Ukrainer (davon 159.940 in Transnistrien)
    369.488 Russen (davon 168,270 in Transnistrien)
    76.769 Bulgaren (davon 11.107 in Transnistrien)
    ca. 10.000 Polen im Norden von Transnistrien

    Der slawische Anteil in der rumänischen Sprache ist der zweitgrößte nach dem lateinischen und beträgt 14,17 % des Wortschatzes. Der Ursprung ist unterschiedlich:
    9,18 % altslawisch
    2,6 % bulgarisch
    1,12 % russisch
    0,85 % serbokroatisch
    0,23 % ukrainisch
    0,19 % polnisch
    Vor allem die altslawischen Wörter haben in der rumänischen Sprache einen Anpassungsprozess hinter sich, die Wörter wurden der rumänischen Grammatik integriert und haben zum Teil neue Endungen bekommen.
    Man vermutet dass auch die Laute "ă", "î" und "ă" von den Slawen übernommen wurden.

    Im Laufe des 6 Jh. besiedelten Slawen weite Teile des heutigen Rumänien. Sie lebten in den niedrigen Regionen und hinterließen auch Orts- und Flußnamen.
    Beispiele von Ortsnamen deren Namen aus Altslawisch kommt / oder aus einem rumänischen Wort stammt, der einen slawischen Ursprung hat / oder aus einem lateinischen Wort stammt der dem slawischen angepasst wurde: "Suceava", "Slatina", "Braşov", "Covasna", "Rădăuţi", "Craiova", "Reşiţa", "Slobozia", etc. (wichtig: "ş" wird in der rumänischen Sprache "sch" gelesen, "ţ" wird wie "z" gelesen, "ce" wird "tsche" gelesen, "v" wird wie "w" gelesen, "z" wird wie "s" von "singen" gelesen).
    Flussnamen: "Cerna", "Crasna", "Târnava", "Bistriţa", "Cricov", "Prahova", "Ialomiţa" etc.
    Die meisten Slawen sind weitergewandert um sich südlich der Donau niederzulassen. Das Weiterwandern der Slawen verlief nicht plötzlich, sondern dauerte vermutlich 2 Jahrhunderte an, in den gesamten 6. und 7. Jahrhunderten sind Slawenwanderungen in Richtung Süden in den geschichtlichen Quellen erwähnt. Diese Slawen bilden heute die Südslawischen Völker. Der kleine Teil der Slawen, der nördlich der Donau blieb, ging in den Rumänen auf.

    Hier eine Karte mit den Wanderzügen der Slawen im 6. und 7. Jahrhundert. Die Slawischen Wanderrichtungen sind in oranger Farbe dargestellt. Slawische Funde sind auch orange dargestellt: Klick hier !

    In der Balkanhalbinsel führte die Slawenmigration zu einer Aufspaltung der Proto-Rumänen in vier Gruppen: (Klick hier ! ). Die Dako-Rumänen, Megleno-Rumänen und die Istro-Rumänen haben einen slawischen Einfluß, die Aromunen sind hingegen griechisch beeinflußt.

    Bis ins späte 19. Jh. wurden alle Rumänen von den Slawen als "vlasi" bezeichnet. Einige Gruppen von Rumänen werden auch heute als solches bezeichnet (vor allem südlich der Donau).
    Die Rumänen nannten die Slawen nicht immer so wie heute:
    - die Südslawen (sowohl die Serben als auch die Bulgaren) nannten sie "sârbi" (also "Serben")
    - die Ostslawen (Russen und Ukrainier) nannten sie "ruşi" oder "rusnaci" (also "Russen")
    - die Polen nannten sie "lehi".

  2. #2
    Avatar von Ravnokotarski-Vuk

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    Re: Die Slawen und die Rumänen

    Interessant, das 22.000 Serben in Rumänien lebten wusste ich schon, leben die verteilt im Lande oder in einer gewissen Region?

  3. #3
    Avatar von Vasile

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    Re: Die Slawen und die Rumänen

    Zitat Zitat von Ravnokotarski-Vuk
    Interessant, das 22.000 Serben in Rumänien lebten wusste ich schon, leben die verteilt im Lande oder in einer gewissen Region?
    Sie leben eigentlich nur im Westen Rumäniens, in dem sog. "rumänischem Banat".


    Hier eine ethnische Karte. Die Serben sind in dunkelgrün eingetragen:



  4. #4

  5. #5
    Avatar von Ravnokotarski-Vuk

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    Re: Die Slawen und die Rumänen

    Habe auch etwas bei Wikipedia gefunden
    [hr:8b1d22649c]
    Sviniţa (Serbian: Свињица or Svinjica) is a commune in Mehedinţi County, Romania, located on the Danube (in the area of Banat known as Clisura Dunării - Banatska Klisura in Serbian). In 2002, its population was mostly composed of Serbs (87.27%). [1]

    The name Svinjica means "the pig place" or "little pig" in Serbian. Most of the inhabitants of the commune (92.49%) are Old Believers by religion.

    In the autumn of 1848, the locality was the site of a daring escape of Wallachian revolutionaries kept in Ottoman custody. Maria Rosetti and Constantin Daniel Rosenthal called on the local mayor to demand that Ottoman guards hand in their weapons on what was at the time Austrian soil, and all persons arrested were consequently free to go.
    [hr:8b1d22649c]

    [hr:8b1d22649c]
    Pojejena; Serbian: Пожежена or Požežena) is a commune in Caraş-Severin County, Romania. In 2002, its population was composed of 52.09% Serbs, 45.90% Romanians, and others. Тhe commune is situated in the region known as Clisura Dunării (Banatska Klisura in Serbian).
    [hr:8b1d22649c]
    Socol (Serbian: Сокол or Sokol, Hungarian: Nérasolymos) is a commune in Caraş-Severin County, Romania (in the Clisura Dunării area of Banat). In 2002, the population of the commune (which comprises of over five small villages) was 2,301 and was composed of 49.54% Serbs, 43.15% Romanians, 4,60% Czechs and 1,21% Hungarians. [1]

    The most famous person from Socol is Miodrag Belodedici, a former world-class soccer player.

    The name Sokol means "hawk" in Serbian.
    [hr:8b1d22649c]

  6. #6
    Avatar von Vasile

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    Deine Karte ist auch interessant, aber da sind nur die Ortschaften eingetragen, wo die Südslawen über 50% der Bevölkerung leben. Dabei waren gerade die Serben aus der Gegend um Timisoara und Arad große Kulturträger der Region. In der Stadt Arad ist die älteste Gebäude ausgerechnet die serbisch-orthodoxe Kirche, die im Barockstil gebautist und unter Denkmalschutz liegt.
    Die serbisch-orthodoxen Kirchen in dieser Gegend wurde auch bei dem Thread über die serbisch-orthodoxen Kirchen der Diaspora erwähnt:
    http://www.balkanforum.at/modules.ph...hlight=#302848


    Und nicht zu vergessen Miodrag Belodedic, eine Fußballegende in Rumänien, der bekannteste und beliebteste Serbe in Rumänien:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Miodrag_Belodedici

  7. #7
    Avatar von Ravnokotarski-Vuk

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    Zitat Zitat von Vasile
    Und nicht zu vergessen Miodrag Belodedic, eine Fußballegende in Rumänien, der bekannteste und beliebteste Serbe in Rumänien:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Miodrag_Belodedici
    Er schoss ja Rumänien bis ins Viertelfinale und sie besiegten ja im Achtelfinale Argentinien , und fast bis ins Halbfinale (war glaube ich im Elfmeter, gegen Schweden, 8:7 knapp verloren).. Er war auch Champions-League-Champion mit Roter Stern Belgrad 91`

  8. #8
    Avatar von Ravnokotarski-Vuk

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    Es gibt ja auch eine kroatische Mehrheit in 2 Gemeinden, Lupac (93.38%). und Carasova.(84.60%), warum werden die in Rumänien als Krašovani gennant/bezeichnet?

  9. #9
    Avatar von Vasile

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    Zitat Zitat von Ravnokotarski-Vuk
    Es gibt ja auch eine kroatische Mehrheit in 2 Gemeinden, Lupac (93.38%). und Carasova.(84.60%), warum werden die in Rumänien als Krašovani gennant/bezeichnet?
    Die sind römisch-katholisch und sprechen den Torlakischen Dialekt. Alle Serben und Kroaten Rumäniens waren bis 1991 in der "Serbokroatische Minderheit" organisiert, sie hatten auch einen einzigen und gemeinsamen Verband der Serbokroaten in Rumänien. Die "Carasoveni" gehörten dazu.
    Nach 1991 haben sich die Kroaten einen eigenen Verband gegründet und den Serben blieb nichts anderes übrig als dem Serbokroatischen Verband das Wort "Kroate" wegzustreichen.
    Die Kroaten aus Lupac und Carasova sind alle Karaschowenen, doch die meisten haben sich als "Kroaten" deklariert. Einige von ihnen halten aber die Kroatische Volkszugehörigkeit der Karaschowenen nicht für richtig, weil sie davon ausgehen dass sie torlakisch sprechen - was übrigens auch stimmt. Auch als Serben wollen sie sich nicht betrachten weil sie katholisch sind und nicht serbisch-orthodox. Wegen dieser Identitätskrise haben sich einige von ihnen bei der Volkszählung von 2002 einfach als "Karaschowenen" (Krašovani) deklariert.

    Ich weiß nicht genau ob ich richtig liege, aber ich glaube die Bunjewatzen im Norden der Vojvodina haben auch eine ähnliches Identitätskrise.

  10. #10

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    ja sehr interessant. du hast nicht erwaehnt, dass ihr die 30 % slawische (bulgarische) worte in deiner sprache mit franzoesische ersaetzt habt, so dass es nur 14% sind heute.
    altslawische worte gibt es im Rumaenischen nicht. das ist rumaenische propaganda. dieser hohe prozent der altslawischen worte ist erfindung des rumaenischen nationalismus im 18. - 19. jahrhundert, damit man sich noch deutlicher von den Bulgaren absondert. es ist bewiesen, dass die slawen, die durch Rumaenien durchgingen schon Suedslawen waren und keine Urslawen. sie hatten sich sogar schon in zwei gruppen gespalten. westliche - auch serbokroatische gruppe genannt und oestliche - auch bulgarische gruppe genannt. diese spaltung hat bei den slawen schon in der urheimat stattgefunden. natuerlich war zu dieser zeit der unterschied gering. z.B. unterschieden sich die serbo-kroatische und die bulgarische gruppe nur in der aussprache mancher laute. es waren dialekte des Urslawischen koennte man sagen. aus wissenschaftlicher sicht aber sind worte aus dieser zeit schon altbulgarisch/altserbokroatisch. man muesste sich ja auch fragen, wie es kommt, dass im Rumaenischen die altslawischen worte 9 % sind und in den slawischen sprachen sind sie nicht mal 1 %. die serbokroatische gruppe soll kurz in Transsilvanien verweilt haben und danach hat sie sich nach der Adria begeben und das heutige Bosnien und Herzegowina. dort hat sich die westliche gruppe der suedslawen niedergelassen. sie war die kleinere von beiden gruppen. die oestliche gruppe nam die gebiete in Transsilvanien, die die westliche gruppe schon verlassen hatte. die oestliche gruppe (bulgarische gruppe) besiedelte also ein riesengebiet von der westlichen Ukraine, wo sie mit den Ostslawen grenzte, ueber ganz Rumaenien und Moldau, ganz Bulgarien, ganz Mazedonien und Albanien, fast ganz Serbien, fast ganz Griechenland und sogar kleine teile in Kleinasien. das sind die slawen, die einen dialekt sprachen und sich so von den anderen slawen unterschieden. dieser gruppe wird einwenig spaeter den namen bulgaren uebernehmen.
    jahrhunderte lang war Vlaschko, aber oft auch Transsilvanien teil von Bulgarien. selbst die moldauische fuersten obwohl sie fast immer unabhaengig waren, sind dem bulgarischen zaren immer pflichtbereit gewesen (siehe thread ueber die schlacht von Velbuzhd). die fuersten in der Walachei und Moldau und Transsilvanien sind Bulgaren gewesen, die ueber Bulgaren und Vlachen regierten. eigentlich werden die Vlachen zur zeit des ersten bulgarischen reiches ueberhaupt nicht erwaehnt. wahrscheinlich sind sie damals als nation noch nicht hervorgetreten. ende 10. jahrhundert ist BG von Byzanz erobert und die fuersten noerdlich der donau werden selbststaendig. ohne das bulgarische kernland werden die slawen schnell von dem romanischen element romanisiert. die fuersten aber, obwohl sie sich vielleicht im 12. jahrhundert schon Vlachen fuehlten behielten die bulgarische sprache, als ein zeichen des adels und sprachen auf Vlachisch nur mit den dienern. das haelt auch zur zeit des zweiten bulgarisches reiches an und lange jahrhunderte nachdem BG von den Tuerken vernichtet wird. (ganz richtig - Drakula hat bulgarisch gesprochen).
    ende 12. jahhundert wird das zweite bulgarische reich ausgerufen. es dehnt sich wieder fast auf die selben flaechen wie das erste aus, aber das land noerdlich der Donau, war nicht mehr bulgarisch, wie es beim ersten reich gewesen ist, sondern vlachisch. das land hies zwar Bulgarien (hier muss ich die rumaenischen freunde enttaeuschen - es hies Bulgarien und nicht Reich von Bulgaren und Vlachen), aber der bulgarische zar trug schon den titel Zar von Bulgaren und Vlachen.
    das ist es was ich zu sagen hatte. meine persoehnliche meinung ist, dass der name Serbe/n als benennung fuer alle Suedslawen den Rumaenen im 19. und 20. jahrhundert kuenstlich aufgedraengt worden ist. es ist auch grosse beleidigung fuer uns Bulgaren, dass die Rumaenen uns nicht mit unseren richtigen namen nennen obwohl wir doch soviel gemeinsam haben.

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