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Sprachen im Alltag: Kroatisch, Bosnisch, Serbisch

Erstellt von koelner, 25.09.2014, 13:58 Uhr · 92 Antworten · 4.719 Aufrufe

  1. #1
    koelner

    Sprachen im Alltag: Kroatisch, Bosnisch, Serbisch

    Offiziell sind es drei Sprachen. Aber wenn man das "offiziell" mal weglässt, was bleibt dann im Alltag?

    Ein Teil meines Studiums waren Sprachen. Ich fand es immer sehr spannend. Ein interessantes Beispiel vom Balkan: "Makedonisch". Ich weiss nicht, ob das heute offiziell als eine klar abgegrenzte Sprache klassifiziert wird. Früher, als es noch nicht nötig war, Sprache zur politischen Abgrenzung zu benutzen, sprach man beim makedonischen von einem "Dialektkontinuum". Von "naschi" und "vaschi". D.h. die Unterscheidung war zwischen "unserem" Dialekt, und dem ein paar Dörfer weiter. Ob der evtl. serbisch oder bulgarisch beeinflusst war spielte noch keine Rolle.

    Aber mich interessiert jetzt Serbisch, Bosnisch und Kroatisch. Politisch drei Sprachen, soweit klar. Aber im Alltag:


    - Hat ein Kroate aus Split sprachlich zu einem Serben aus Knin wirklich eine größere Distanz als zu einem Kroaten aus Osijek? (Ich frage das etwas provokativ, weil ich es mir praktisch nicht vorstellen kann, weiss es aber nicht)

    - Hat ein 25jähriger Student aus Belgrad mit einen 25-jährigen Studenten aus Zagreb vielleicht sprachlich mehr gemeinsam, als mit einen 70-jährigen serbischen Bauern aus der Nähe von Banja Luka oder Leskovac?

    Und: gibt es im Internet Quellen, wo man mal sehen kann, wie der offizielle Wortschatz in den letzten 20 Jahren geändert wurde? Also was man heute lernen muss, wenn man als Exilant "korrektes" Kroatisch, Serbisch oder Bosnisch sprechen möchte, und seit 20 Jahre nicht vor Ort war?

  2. #2
    Avatar von Albokings24

    Registriert seit
    08.05.2012
    Beiträge
    6.171
    Versteht ein Deutsch aus Heidelberg einen Franzosen aus Paris. Distanz ist ja nicht gross. Ist in etwa das gleiche !!

  3. #3

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    Beiträge
    6.696
    Organisier ein treffen zwischen einem Dalmatinac und 'nem Serben aus der Sumadija, welche die entsprechenden Dialekte sprechen.. es wird sich scheiße anhören und sie werden sich nicht verstehen.

  4. #4

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    Beiträge
    15.315
    Hmmm, immer wieder interessantes Thema, aber auch lästig, da es viele verschiedene Meinungen gibt.

    Also ich kann dir vllt. folgendes Beispiel nennen. Ich spiele ja Fußball mit fast nur Kroaten im Team, die kommen überall her, Hercegovina, bos. Posavina, Zagorje, Dalmatien, Istrien, Slawonien, Vojvodina, etc. Jeder spricht so, wie er es vom Elternhaus her kennt, da kaum jemand von uns unten in der Schule war. D. h. die Dalmatincis reden mit mir ikavisch und benutzen deren Wörter für zB Handtuch = sugo(a)man, Tomate = pomidore, Zwiebel = kapula und so weiter. Wir Slavoncis benutzen halt die bei uns dafür genannten Dinge. Aber beide Seiten wissen idR immer wie die andere Seite das sagt. Ein Slavonac bei uns kommt aus dem Dorf wo Ivica Olic her kommt, das ist gerade mal 10 km von meiner Bude unten entfernt. Dieses Dort redet fast ausschließlich ikavica, das ist schon ne Ausnahme in Slawonien, weil sie es so konsequent nutzen und das ganze Dorf halt. Ist für mich jedes Mal ein Highlight

    Also die paar Serben, die ich kenne aus Slawonien, die sprechen normales kroatisch, ijekavisch und kein bre oder voz für Zug, sondern vlak.

    Bei mir im Verein wiederum gibt es zwei Kroaten aus der Vojvodina, die auch dort teilweise aufgewachsen sind. Die reden eigentlich eher serbisch als kroatisch. Sprechen eher ekavisch als ijekavisch, weil sie es so aus der Vojvodina gewohnt sind. Sehr seltsam immer noch für mich nen Kroaten ekavisch reden zu hören und dann so Wörter wie vazduh anstatt zrak oder sowas hehe

    Ich kann dir halt nur so en paar eigene Erfahrungen nennen. Du hast ja auch hier Serben, wie zB Vatrena, die ijekavisches serbisch redet, wie es in MNE öfter der Fall ist.

    Grundsätzlich gibt es idR gibt es nirgendwo richtige Probleme, von Krapina bis Nis. Weil idR kann auch der größte Bauer die Hochsprache des jeweiligen Landes und dann passt das alles schon. Jedoch, wenn du zB in Zagorje unterwegs bist und die fangen da mit ihrem zagorski an = no chance irgendwas zu verstehen, absolut keine Chance. Oder Serben aus Nis reden bzw. können ja auch den torlakischen Dialekt, da habe ich auch kaum eine Chance was zu verstehen.

  5. #5
    Avatar von DZEKO

    Registriert seit
    09.08.2009
    Beiträge
    55.015
    Ich find die Dialekte aus Dalmatien, Zagorje, Vojvodina und diesen Nis'er Dialekt von Dissention etwas komisch. Liegt mir nicht so. Gefällt mir garnicht von der Aussprache her.

  6. #6
    Avatar von Zoran

    Registriert seit
    10.08.2011
    Beiträge
    27.750
    Zitat Zitat von koelner Beitrag anzeigen
    Offiziell sind es drei Sprachen. Aber wenn man das "offiziell" mal weglässt, was bleibt dann im Alltag?

    Ein Teil meines Studiums waren Sprachen. Ich fand es immer sehr spannend. Ein interessantes Beispiel vom Balkan: "Makedonisch". Ich weiss nicht, ob das heute offiziell als eine klar abgegrenzte Sprache klassifiziert wird. Früher, als es noch nicht nötig war, Sprache zur politischen Abgrenzung zu benutzen, sprach man beim makedonischen von einem "Dialektkontinuum". Von "naschi" und "vaschi". D.h. die Unterscheidung war zwischen "unserem" Dialekt, und dem ein paar Dörfer weiter. Ob der evtl. serbisch oder bulgarisch beeinflusst war spielte noch keine Rolle.

    Aber mich interessiert jetzt Serbisch, Bosnisch und Kroatisch. Politisch drei Sprachen, soweit klar. Aber im Alltag:


    - Hat ein Kroate aus Split sprachlich zu einem Serben aus Knin wirklich eine größere Distanz als zu einem Kroaten aus Osijek? (Ich frage das etwas provokativ, weil ich es mir praktisch nicht vorstellen kann, weiss es aber nicht)

    - Hat ein 25jähriger Student aus Belgrad mit einen 25-jährigen Studenten aus Zagreb vielleicht sprachlich mehr gemeinsam, als mit einen 70-jährigen serbischen Bauern aus der Nähe von Banja Luka oder Leskovac?

    Und: gibt es im Internet Quellen, wo man mal sehen kann, wie der offizielle Wortschatz in den letzten 20 Jahren geändert wurde? Also was man heute lernen muss, wenn man als Exilant "korrektes" Kroatisch, Serbisch oder Bosnisch sprechen möchte, und seit 20 Jahre nicht vor Ort war?
    Beim makedonischen stand eher das politische auf dem Plan als das linguistische. Deshalb diese Definition die du meinst.

    Pozdrav

  7. #7
    Avatar von Dinarski-Vuk

    Registriert seit
    20.06.2006
    Beiträge
    12.379
    Ovo je prava stvar


  8. #8
    Avatar von NovaKula

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    24.10.2013
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    9.097
    also die südserben,die wissen schon wie richtiges serbsich geht,nur sprechen sie eben ihren dialekt der für andere falsch ist,und der es in gewisserweise teilweise auch ist,grammatikalisch z.B auch zum Teil (darunter "Iz Nis" anstatt "Iz Nisa" und so).ikavisch kann ich nicht leiden,pisma,lipa etc. klingt einfach nur scheisse in meinen ohren.Bauern reden schon anders,aber Schwierigkeiten sie zu verstehen hat man nicht.Z.B in Westserbien sprechen die meist(glaub ich) auch ijekavisch.

  9. #9
    Avatar von BlackJack

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    Beiträge
    65.448
    Man muss ja auch unterscheiden zwischen Sprachen und Dialekten, auch Deutsche aus verschiedenen Gegenden verstehen sich schlechter. Für mich ist relevant die "Hochversion" einer Sprache (kann man das so sagen?), in der z.B. die Nachrichten gesprochen werden, da sind die sich doch seeeehr ähnlich. Jeder hier kann Nachrichten aus Zagreb, Sarajevo oder Belgrad fast gleich gut verstehen.

  10. #10
    koelner
    Zitat Zitat von Dinarski-Vuk Beitrag anzeigen
    Ovo je prava stvar
    Odlicna muzika, ali sta je ovo?

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    Zitat Zitat von Albokings24 Beitrag anzeigen
    Versteht ein Deutsch aus Heidelberg einen Franzosen aus Paris. Distanz ist ja nicht gross. Ist in etwa das gleiche !!
    Na eben grad nicht.

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    Zitat Zitat von Zoran Beitrag anzeigen
    Beim makedonischen stand eher das politische auf dem Plan als das linguistische. Deshalb diese Definition die du meinst.
    Genau. Grad geschaut was Wikipedia heute dazu sagt: immer noch offiziell "Dialektkontinuum", also ein Übergang vom Serbischen zum Bulgarischen. Was ich persönlich auch interessant finde. Wäre auch langweilig wenn von Flensburg bis Graz alle gleich sprechen, was aber leider durch das Fernsehen immer mehr kommt.

    - - - Aktualisiert - - -

    Zitat Zitat von hrhrhrvat Beitrag anzeigen
    Grundsätzlich gibt es idR gibt es nirgendwo richtige Probleme, von Krapina bis Nis. Weil idR kann auch der größte Bauer die Hochsprache des jeweiligen Landes und dann passt das alles schon. Jedoch, wenn du zB in Zagorje unterwegs bist und die fangen da mit ihrem zagorski an = no chance irgendwas zu verstehen, absolut keine Chance. Oder Serben aus Nis reden bzw. können ja auch den torlakischen Dialekt, da habe ich auch kaum eine Chance was zu verstehen.
    Danke für den interessanten Bericht.

    Das bestätigt meinen oberflächlichen Eindruck, dass die Sprache auch heute noch so eng beieinander ist, dass die Bezeichnungen "kroatisch", "bosnisch" und "serbisch" hauptsächlich politisch sind. Die Dialektgrenzen gehen großteils nicht entlang der Landesgrenzen.

    Hab mal hier reingehört http://hrvatskijezik.eu/narjecja-i-dijalekti/ . Leider nur wenig Beispiele, und nur Kroatien. Die zagorje'schen Schnipsel versteh ich am schlechtesten.

    Interessant find ich auch den Wikipedia-Artikel mit den Unterschieden http://de.wikipedia.org/wiki/Untersc...dardvarietäten

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