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Studien von Geert Hofstede: Ist die Deutsche Kultur von seinem wesen her intolerant?

Erstellt von Poliorketes, 14.08.2013, 16:41 Uhr · 1 Antwort · 725 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Poliorketes

    Registriert seit
    30.12.2012
    Beiträge
    6.361

    Studien von Geert Hofstede: Ist die Deutsche Kultur von seinem wesen her intolerant?

    Ich will erst mal sagen das ich nicht mit dem übereinstimme was hier steht aber ich fand den artikel doch sehr interessant und wollt ihn mit euch teilen.

    Europäische Vorurteile gegenüber Deutschland und den Deutschen


    "Die Studien des Niederländers Geert Hofstede über die Verschiedenheit von IBM-Mitarbeitern weltweit stellen einen Meilenstein in der Betrachtung unterschiedlicher Kulturen dar und wurden in viele Sprachen übersetzt. Ende März 2012 wird Hofstede gerade in dem Land für sein Lebenswerk ausgezeichnet, das in seinen Büchern immer in einem negativen Licht stand: Deutschland. 1 Grund genug für den Niederländer Jeroen Zandberg, das Deutschenbild seines Landsmannes und dessen Ursachen etwas genauer zu betrachten.

    In Deutschland sind die Klassifikationen dessen, was schmutzig und gefährlich ist präzise und absolut. Gefährlich und schmutzig sind all die Dinge, die nicht in unser Denkschema passen. Angst- und Schmutzgefühle gibt es auch in Bezug auf Menschen. Rassismus wird in der Familie geschürt. Auch Gedanken können als schmutzig und gefährlich angesehen werden.“ 2

    Mit diesen fünf Sätzen wird das Bild eines deutschen intellektuellen Denkmusters entworfen, das rassistisch, antihumanistisch und intolerant ist. Mit dem Kern der deutschen Identität wird eine engstirnige Haltung assoziiert. Die Aussagen beanspruchen für sich, dass alle Ideen, Gebräuche, Gegenstände und Menschen, die nicht in das beschränkte Denkbild der Deutschen und der deutschen Kultur fallen, abgewiesen und als minderwertig abgestempelt werden. Im Prinzip wird hier gesagt, dass die deutsche Kultur rassistisch ist. Nicht also, dass einzelne Personen rassistisch sind, oder dass ein Regime herrscht, welches eine rassistische Politik verfolgt. Nein, es ist die fundamentale Struktur der deutschen Kultur, die nach Ansicht vieler Europäer rassistisch und intolerant ist.

    Die Tatsache, dass mit diesen Behauptungen ausgesagt wird, Rassismus werde in der (deutschen) Familie geschürt und die Denkstrukturen in Deutschland hätten absoluten Charakter und würden keinen Respekt vor Anderen kennen, bedeutet, dass die deutsche Kultur in ihrem Wesen in der modernen westlichen Gesellschaft keine Daseinsberechtigung hat. Deutschland und die deutsche Kultur werden damit aus der europäischen Kultur ausgeschlossen, da Humanismus und Toleranz Schlüsselwerte der europäischen Identität darstellen.
    Historische Ursachen für das negative Deutschenbild der Europäer

    Auf den ersten Blick scheinen die Gründe für eine solches Deutschlandbild nicht besonders schwer erkennbar zu sein: Der Erste und vor allem der Zweite Weltkrieg. Obgleich diese beiden Kriege natürlich großen Einfluss darauf haben, wie die anderen europäischen Länder sowie Amerika Deutschland sehen, sitzt die Ursache viel tiefer. Denn die eigentliche Ursache trifft den Kern der europäischen und westlichen Identität und hat ihre Wurzeln in vielen Jahrhunderten Geschichte.

    Die moderne westliche Kultur des 21. Jahrhunderts ist das Erbe vieler Kulturen vergangener Zeiten. Die griechische und römische Kultur, wie sie Jahrtausende lang bestanden, lieferten wichtige Beiträge zu der heutigen Gesellschaft, bedenkt man etwa die Demokratie im antiken Griechenland oder das römische Recht. Die Tatsache, dass viele Länder auf dem europäischen Kontinent diese Kultur teilen, stellt etwas Gemeinschaftliches dar. Was die europäischen Länder und Völker ebenso miteinander verband, ist das Christentum. Viele Jahrhunderte lang wurde der Westen mit dem Christentum identifiziert, der Westen war das Christentum. Zum Ende des Mittelalters änderte sich dies jedoch.

    Das europäische Mittelalter war in vielerlei Hinsicht eine dunkle Epoche. Viel Wissen aus dem klassischen Altertum (dem alten Griechenland und dem Römischen Reich) geriet in Vergessenheit und Europa zerteilte sich in Kleinstaaten, die ständig miteinander Kriege führten. Die große Trendwende kam im 16. Jahrhundert mit der Wiederentdeckung von altem, verloren geglaubtem Wissen. Die Zeit der Renaissance war angebrochen.

    Im 17. Jahrhundert folgte auf die Renaissance die Aufklärung. Während dieser Epoche wurde mit der Rationalisierung und Strukturierung des in Europa vorherrschenden Weltbildes begonnen. Vor dieser Periode bestimmten der christliche Glauben sowie Aberglauben die Organisation der Gesellschaft. Die Aufklärung ist in gewisser Hinsicht eine wissenschaftliche Revolution, da von diesem Moment an, dort wo früher der Glaube als Leitprinzip galt, die Ratio von Forschung und Wissenschaft als wichtigste Hilfsmittel zur Erklärung der Welt traten.


    Während im 16. und 17. Jahrhundert noch ein bitterer Konkurrenzstreit zwischen alten und neuen Denkbildern herrschte, stellte das 18. Jahrhundert den vollständigen Siegeszug des Neuen dar. Die Ära der späten Aufklärung war die Zeit der französischen und amerikanischen Revolution, in denen das Volk an die Macht kam. Das Auftreten der modernen Demokratie und großer industrialisierter Nationalstaaten, mit zunehmenden politischen, ökonomischen und kulturellen Freiheiten, bedeutete für Europa, aber auch für die Menschheit eine große Revolution.


    Doch welche Rolle hat Deutschland an dieser historischen Entwicklung Europas? Wenn wir den Aussagen Hofstedes im Buch Lokales Denken, globales Handeln Glauben schenken, dann gehört Deutschland nicht zu Europa. Geographisch gesehen natürlich schon, aber Deutschland ist „keiner von uns“, die deutsche Kultur und das deutsche Volk sind nicht wirklich europäisch. Deutschland ist ein Ausgestoßener. Dies sitzt tiefer als nur die zwei Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Deutschland ist kein Erbe der Aufklärung, da die wichtigen politischen und moralischen Gedankenentwicklungen an Deutschland vorbeigegangen sind. Diese Ansicht ist sehr weit verbreitet und lässt sich durch die allgemein verbreitete Art und Weise, die Geschichte Deutschlands zu betrachten, erklären. Diese Version lautet wie folgt:


    Im 16., 17. und 18. Jahrhundert trat Europa – mit England, Frankreich, den Niederlanden und Italien als Vorreitern und den skandinavischen Ländern sowie Spanien und Portugal in ihrem Schlepptau heraus aus dem dunklen und barbarischen Mittelalter. Diese Länder akzeptierten die neuen liberalen Werte von Demokratie, Freiheit und zentralisierter Nationalstaaten, während Deutschland als feudalistisches, fragmentiertes, barbarisches Gebiet zurückblieb. In dieser Periode gab es in Deutschland, im Gegensatz zu vielen westeuropäischen Ländern, keine Gruppe, welche die gesamte Macht inne hatte. In den meisten Ländern Europas erhielt der König ein Machtmonopol, um welches ein moderner Staat errichtet werden konnte. Deutschland blieb bis 1806 ein Territorium untereinander konkurrierender Kleinststaaten, wie dies im Mittelalter in Europa normal war. Erst durch die Besetzung Napoleons konnte Deutschland vom dunklen Mittelalter befreit werden und auf der Grundlage aufgeklärter Ideen im Bereich Menschenrechte, Toleranz, Freiheit und Demokratie einen modernen Nationalstaat aufbauen.


    Im 19. Jahrhundert entwickelte Deutschland sich schnell und in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts war es eine führende Großmacht in vielen Bereichen der Technik und der Chemie. Aber auch hier ging diese technologische Entwicklung der weit verbreiteten Version der Geschichte Europas zufolge wieder nicht mit einer gleichartigen politischen und moralischen Entwicklung einher. Die prä-modernen Ideen und der autoritäre Staatsapparat blieben im technologisch modernen Deutschland dominant. Diese Kombination aus einem mittelalterlich autoritärem politischen System und Kultur mit einem technologisch modernen Staat ist der Ursprung des Gedankens, Deutschland und die deutsche Kultur als aggressiv, intolerant und rassistisch anzusehen, welche „den Feind“ der aufgeklärten europäischen Kultur verkörpert.

    Diese Interpretation der Geschichte Europas bevorteilt Länder wie England und Frankreich auf Kosten Deutschlands. Obwohl die Wahrheit von unterschiedlichen Faktoren bestimmt wird, ist einer dieser Faktoren eine Geschichte, die von Gewinnern erzählt und schöngefärbt wird. Die allgemein akzeptierte geschichtliche Entwicklung Europas ist zugleich auch eine heroische Erzählung der westlichen Länder, die aus der dunklen, gewalttätigen Barbarei in die aufgeklärte Moderne übergehen. Deutschland spielt hierbei die Rolle eines monsterartigen Feindes, den die Helden besiegen müssen. Die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts sind in diesem Bild eine logische und unvermeidbare Folge der Geschichte Deutschlands.

    Ein etwas anderer Blickwinkel auf die Geschichte Europas macht deutlich, dass Deutschland sehr wohl einen integralen und unverzichtbaren Teil Europas darstellt. Eines der ersten großen Reiche nach dem Fall des Römischen Reichs war das Reich der Franken, welches den größten Teil Frankreichs, Belgiens, der Niederlande und Deutschlands umfasste. Im Jahre 732, während der Schlacht bei Poitiers, vertrieb das Frankenreich ein islamisches Invasionsheer, welches sich daraufhin nach Spanien zurückzog und erst 1942 vollständig aus Europa vertrieben wurde. Der wahrscheinlich wichtigste Herrscher im frühmittelalterlichen Europa war Karl der Große, der von 768 – 814 regierte. Er herrschte über das Reich der Franken, das sich über das heutige Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Belgien, dis Schweiz, Österreich und Italien erstreckte. In gewisser Weise vereinigte das Fränkische Reich die wichtigsten (west-) europäischen Länder, vergleichbar mit einem prä-modernen Vorläufer der Europäischen Union. Karl der Große hatte seinen Regierungssitz in Aachen und seine Muttersprache war Deutsch. Das Fränkische Reich trug also zu einer direkten Verbundenheit Deutschlands mit dem Rest Europas bei. Nach dem Tod Karls des Großen wurde das Reich unter seinen Söhnen aufgeteilt. Diese Reiche sollten die Vorläufer des heutigen Frankreichs und Deutschlands werden.


    Genau wie Deutschland über das Frankenreich mit dem Rest Europas verbunden ist, so ist es damit auch über die Renaissance und Aufklärung verbunden. In der Geschichtsschreibung dieser Zeit des Übergangs wird oftmals sehr wenig Nachdruck auf den Beitrag Deutschlands gelegt. Ganze Bücherschränke sind voll von Spekulationen über die Gründe des Erfolgs Europas und weshalb der nächste Schritt der Evolution der menschlichen Gesellschaft gerade hier stattfand und nicht in China, Indien oder den islamischen Reichen.


    Ein wichtiges Element, das Europa besonders machte, ist die Tatsache, dass in anderen Gebieten eine absolute Herrschaft bestand, durch die Stabilität zu Lasten der Erneuerung bestand. In Europa gab es Raum für Veränderung, was zu einer Infragestellung der alten Werte führte. In Übersichten über den Erfolg des Westens auf intellektuellem, politischem, wirtschaftlichem und technologischem Gebiet, wird diese relative Offenheit für neue Ideen als wichtigstes Element angesehen. Die Gebiete, die später Deutschland bilden sollten, waren während des späten Mittelalters eine der turbulentesten Regionen, in denen viel Raum für gegenseitigen Wettbewerb bestand. Dieser Wettbewerb machte die deutschen Gebiete zu einer Brutstätte für kapitalistische und andere gesellschaftliche Phänomene, die anderenorts nicht toleriert wurden, da dort die wirtschaftliche Ordnung von einem allmächtigen Herrscher, wie beispielsweise den europäischen Königshäusern bestimmt wurde. Ein weiteres Element, bei dem Deutschland

    Vorreiter bei der Erneuerung Europas war, ist die Rolle der Religion.

    Die Religion wird universell als ein stark konservatives bzw. konservierendes Element in einer Kultur angesehen, so auch in Europa. Die Renaissance war gleichfalls eine Neuevaluierung der Rolle der Religion im Weltbild. Die Reformation und die Herausbildung des Protestantismus spielten hierbei eine entscheidende Rolle. Die Reformation begann in Deutschland als der deutsche Mönch Martin Luther 95 Thesen gegen die Römisch-Katholische Kirche verfasste und sie dadurch bekannt machte, dass er sie an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg schlug. Innerhalb weniger Jahre verbreitete sich die Reformation durch Europa, wodurch letztlich etwa 40 Prozent der Bevölkerung Europas protestantisch wurde. In Anbetracht der Tatsache, dass Deutschland an der Wiege der Reformation stand und bei der Entstehung des Protestantismus und des Erneuerungsdrangs eine sehr wichtige Rolle spielte, ist die einzig logische Schlussfolgerung, dass Deutschland ein wesentlicher und integraler Bestandteil der europäischen Kultur darstellt.

    Hinzu kommt noch, dass viele wichtige technologische Entdeckungen, die notwendig waren um Europa in die moderne Zeit zu lenken, wie z.B. die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg, der eine schnelle Verbreitung von Informationen ermöglichte, in Deutschland gemacht wurden."
    http://www.citizentimes.eu/2012/03/2...d-rassistisch/

  2. #2
    Mayweather Jr.

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