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Wie Tito den Grundstein für die Balkan Kriege ab 1990 legte

Erstellt von lupo-de-mare, 30.03.2005, 19:33 Uhr · 4 Antworten · 2.113 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von lupo-de-mare

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    Wie Tito den Grundstein für die Balkan Kriege ab 1990 legte

    Als die Geschichte explodierte

    Ein Sieg voller Gräuel: In Jugoslawien schuf Titos Gewaltherrschaft bei Kriegsende bereits jene Konflikte, an denen das Land später zerbrechen sollte



    Im Siegesmonat Mai des Jahres 1945 lag der Tito-Partisan Zivota Kamperelic in einem Lazarett in Zagreb. Gerade 24 Jahre alt geworden, quälte ihn eine eiternde Wunde am Fuß. Nach der letzten Schlacht mit den abziehenden deutschen Truppen an der Srem-Front hatte ihn eine explodierende Mine verletzt. Und so verpasste Kamperelic die triumphale Rückkehr seiner "Fünften Serbischen Stoßbrigade" der Volksbefreiungsarmee in die Hauptstadt Belgrad. Heute ist er 84 -- und es befremdet den pensionierten Chefredakteur der Gewerkschaftszeitung "Rad", wie in Belgrad des Sieges von damals gedacht wird. Das heißt: in Serbien. Denn Titos Jugoslawien gibt es schon anderthalb Jahrzehnte nicht mehr.

    Eine Partei in der Regierung des serbischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica will nämlich durchsetzen, dass der Staat erstmals auch der Tschetniks von Titos Gegenspieler Dragoljub "Draza" Mihailovic offiziell gedenkt. Die Tschetniks waren die nationalistische Konkurrenz der linken Partisanen im Widerstand gegen die deutsche Besatzung, entsprechend wenig wurden sie im kommunistischen Jugoslawien gewürdigt. Die Serbische Erneuerungsbewegung des früheren Oppositionstribunen und heutigen Außenministers Vuk Draskovic findet es nun an der Zeit, dass die jährliche Tschetnik-Feier auf der Hochebene Ravna Gora, dem einstigen Hauptquartier Mihailovics, in den nationalen Kalender aufgenommen wird. Vergangenes Jahr wurden Drazas Tschetniks bereits bei Renten und sonstigen Sonderrechten den paar Tausend noch lebenden Partisanen Titos gleichgestellt.

    Für Kamperelic, den Tito-Veteranen, waren die Tschetniks "doch eher Kollaborateure" -- auch wenn der Stabsoffizier Mihailovic seine serbischen Widerstandskräfte nach der deutschen Besetzung des Königreichs Jugoslawien 1941 noch vor den Kommunisten auf die Beine gestellt hatte. Das neueste Schulbuch für Serbiens Gymnasien beschreibt Drazas Tschetniks als "nationale Bewegung des serbischen Volkes im Zweiten Weltkrieg". Im Gegensatz zu Titos kommunistischen Partisanen hätten sie danach getrachtet, "unnötige Opfer" der Bevölkerung durch Vergeltungsmaßnahmen der Deutschen zu vermeiden und ihr Vorgehen "mit der Entwicklung an den Fronten der Alliierten abgestimmt". Ihre abwartende Haltung führte allerdings dazu, dass der britische Premier Winston Churchill Mihailovic fallen ließ und als Widerstandsführer Tito anerkannte. Dessen kampfstarke Partisanen banden in den bosnischen Bergen beträchtliche deutsche Kräfte. Die Londoner Exilregierung des jugoslawischen Königs Petar II. -- als ihr Verteidigungsminister befehligte Mihailovic die "Armee in der Heimat" -- musste sich mit Tito arrangieren.

    Eine spätere Folge dieser Wende war gegen Kriegsende, dass am 7. März 1945 in Belgrad eine Regierung mit Tito als Ministerpräsidenten und dem Exil-Politiker Ivan Subasic als Außenminister gebildet und von den Alliierten anerkannt wurde. Es war ein demokratisches Scheinzugeständnis Titos vor der vollen kommunistischen Machtübernahme noch Ende desselben Jahres. Schon am 20. Oktober 1944 hatte Titos Volksbefreiungsarmee im Verein mit sowjetischen Truppen Belgrad eingenommen.

    Zuvor war Tito von der Adria-Insel Vis, seinem Hauptquartier, ohne Wissen der britischen Militärmission zu einem Treffen mit Stalin geflogen. Der Partisanenmarschall und der sowjetische Diktator vereinbarten eine gemeinsame Operation mit der Roten Armee im Nordosten Jugoslawiens. Diese sollte danach aber weiterziehen -- und tat dies auch. Eine Beschwerde von Titos damaligen Gefährten und späteren Kommunismus-Kritiker Milovan Djilas über Vergewaltigungen und Plünderungen sowjetischer Soldaten hatte damals jedoch eine erste Verstimmung mit Stalin zur Folge. Djilas sah darin später einen ersten Riss vor dem Bruch zwischen Tito und Stalin von 1948, als sich der Jugoslawe geschickt der erwürgenden Umarmung des Kreml entzog und, gestützt auf das Selbstbewusstsein des erfolgreichen Partisanenkampfes gegen die Wehrmacht, seinen eigenen Weg zum Sozialismus einschlug.

    Für die Kämpfe mit der Wehrmacht in den letzten Kriegsmonaten mobilisierte die Partisanenarmee nach der Einnahme Belgrads erstmals massenhaft Wehrpflichtige. Der Partisan Kamperelic bekam seine erste Uniform. Die kaum ausgebildete und schlecht bewaffnete Streitmacht erlitt enorme Verluste, bis sie am 15. April die Srem-Front der abziehenden Hitler-Truppen durchbrach. Die Verwundung und der Aufenthalt in dem Zagreber Lazarett verschonte Kamperelic von der Teilnahme an der blutigen Rache, die Titos Partisanen dann an Hitlers Verbündeten, den Ustaschas und Landwehrsoldaten des Unabhängigen Staats Kroatien, wie auch anderen "Verrätern" nahmen. Mehr als 100 000 der Flüchtenden lieferten die britischen Truppen in Bleiburg an der österreichischen Grenze der Willkür der Partisanen aus.

    Die Gräuel und die einseitige Darstellung des Welt- und Bürgerkriegs in Jugoslawien unter der späteren Herrschaft Titos unterdrückte vieles. Nach seinem Tod und dem Fall der Berliner Mauer boten die einstigen Kämpfe und Massaker Stoff für nationalistische Propaganda in Serbien und Kroatien, die in die jugoslawischen Zerfallskriege mündete. "Die Geschichte, die unterdrückt worden war, explodierte", sagt der Belgrader Historiker Andrej Mitrovic.

    Zivota Kamperelic lebt noch in der Erinnerungswelt des Krieges vor 60 Jahren. Die historischen Beweggründe für die Ereignisse der neunziger Jahre tut er als "Dummheiten" ab. Nur haben diese Dummheiten zur Zerstörung des Staates geführt, für den er damals gegen Hitler gekämpft hatte. Bernhard Küppers

    (SZ vom 30.3.2005)

    http://www.sueddeutsche.de/sz/2005-0...010-k_ppers.b/

  2. #2
    FtheB
    Wie Tito den Grundstein für die Balkan Kriege ab 1990 legte
    Endlich mal was Vernünftiges zitiert, Lupo! Nicht immer diese Scheiß-Verschwörungstheorien! 8)

  3. #3
    Ich sag euch wes der echte Tito ist im 2ten WK gefallen! Dieser den wir in der letzten Zeit hatten war ein Chergese oder so, nur ein Doppelgänger! Weswegen nannte man ihn wohl Tito? Weil er Anfangs kein Wort jugoslawisch sprach, sondern nur Befehle gab und mit den Fingern zeigte :"ti to, a ti to i ti to!!

    Warum haben sie seine Mutter umgebracht?
    Weil sie genau wusste das dies nicht ihr Sohn war!

    Warum sangen die Studenten dieses Lied: Samo upitaj Nikoliju staru, sta je bilo za vreme desanta na drvaru oder so.....

  4. #4
    jugo-jebe-dugo
    Es fing damit an das Tito den Albanern 1974 Autonomie gab und damit versuchte Serbien zu schwächen.Folge waren noch mehr Serben verkauften ihre Grundstücke,mehr Albaner kamen aus Albanien ins Land.

  5. #5
    Avatar von lupo-de-mare

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    Zitat Zitat von CAR_DUŠAN
    Es fing damit an das Tito den Albanern 1974 Autonomie gab und damit versuchte Serbien zu schwächen.Folge waren noch mehr Serben verkauften ihre Grundstücke,mehr Albaner kamen aus Albanien ins Land.
    Damals träumte Tito von einem Viel Völker Staat und war noch liberal.

    1974 (genau ab ca. 1970) kamen enorme Gelder nach Jugoslawien u.a. um den Tourismus aufzubauen.

    Da war Tito liberal. Ähnlich war es in Rumänien, bis 1975 plötzlich die Rumänische Regierung jede Art von Liberalität wieder stoppte.

    Was nieman weiss: 1972 konnten Ausländische Firmen u.a. NUR Reisen, eigene Tochter Firmen in Rumänien für die Touristik gründen. Ab 1975 wurde das schon wieder rückgängig gemacht, so da die Westlichen Reise Büros (wegen der ständigen Geheimdienst Überwachung), die Reise Kontigente um 50% kürzte.

    1975 begann auch im Libanon der Bürgerkrieg.

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