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"Undeutsches Boxen" - Der Sinto-Boxchampion Johann Trollmann (1907-44)

Erstellt von Schiptar, 08.11.2011, 22:26 Uhr · 7 Antworten · 1.260 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Schiptar

    Registriert seit
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    Beiträge
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    "Undeutsches Boxen" - Der Sinto-Boxchampion Johann Trollmann (1907-44)

    Ist zwar an sich eine bekannte Geschichte, aber da es hier bislang noch keinen Thread zu diesem Boxer gab, here goes...



    Undeutsches Boxen

    Er war ein meisterhafter Boxer, elegant, schnell, geschmeidig, und wenn Johann Trollmann kämpfte, dann meist in vollen Arenen. Doch im Berlin der frühen dreißiger Jahre gab es für den Sinto mit der dunklen Haut keine Zukunft. Wenn Trollmann in den Ring stieg, wurde er von SA-Männern bedroht und beschimpft. Als der Boxer 1942 ins KZ Neuengamme verschleppt wurde, kreuzte er den Weg eines anderen bekannten Sportlers: Tull Harder war Mittelstürmer des Hamburger SV, Nationalspieler und inzwischen in der Lagerverwaltung. Der Autor Roger Repplinger hat in seinem Buch "Leg dich, Zigeuner" die Biografien der beiden Sportler verknüpft. Der "arische" Fußballstar machte als SS-Mann Karriere. Trollmann wurde 1944 in Wittenberge ermordet. Die Nazis hatten ihm den deutschen Meistertitel im Halbschwergewicht 1933 wegen "undeutschen Boxens" entzogen. Erst vor gut vier Jahren räumte der heutige Profiboxverband das Unrecht ein. Trollmann wurde rehabilitiert und seither wieder offiziell als Champion geführt.

    Roger Repplinger: "Leg dich, Zigeuner". Piper Verlag München; 378 Seiten; 22,90 Euro.

    DER SPIEGEL 12/2008 - Undeutsches Boxen


    Zitat Zitat von Wikipedia
    Johann Wilhelm „Rukeli“ Trollmann (* 27. Dezember 1907 in Wilsche bei Gifhorn; † 1944 im Außenlager Wittenberge des KZ Neuengamme) war ein sinto-deutscher Boxer.

    Werdegang
    Der Sinto Johann „Gypsy“ Trollmann wurde von dem jüdischen Boxer Erich Seelig, dem der deutsche Boxsportverband 1933 die Titel im Halbschwer- und Mittelgewicht aberkannt hatte, trainiert. Am 9. Juni 1933 wurde Trollmann im Kampf gegen Adolf Witt Deutscher Meister im Halbschwergewicht. Trollmann besiegte seinen Gegner, dem er in puncto Technik, Beweglichkeit und wegen seiner nur 71 Kilo vor allem an Schnelligkeit überlegen war. (Der Kampf zwischen beiden im Jahr zuvor endete unentschieden bzw. nach Punkten über acht Runden, die Trollmann verlor.) Mit diesem Sieg eines Davids über einen Goliath wurde Trollmann nicht nur zum Publikumsliebling, sondern auch zu einem „Sexsymbol“. Da der Boxverband bereits mit Nazis durchsetzt war und Trollmann Sinto war, wollte man den Kampf als „nicht gewertet“ betrachten. Nur die Empörung des Publikums sorgte dafür, dass der Sieger auch als solcher ausgerufen wurde. Acht Tage später wurde ihm der Titel jedoch wegen „armseligen Verhaltens“ (wohl unter dem Vorwand von Trollmanns Freudentränen nach dem Sieg) wieder aberkannt.

    Kampf gegen Gustav Eder
    Trollmanns Kampfstil, der Ähnlichkeiten mit dem späteren Stil Muhammad Alis aufwies, erregte in der Zeit des Nationalsozialismus Missfallen. Im Juli 1933 trafen in der Kreuzberger Bockbierbrauerei in Berlin zwei herausragende deutsche Boxer ihrer Gewichtsklassen aufeinander: Gustav Eder im Weltergewicht und sein Kontrahent Johann Wilhelm Trollmann im Mittelgewicht. Im Kampf beider Boxer um den Deutschen Weltergewichtstitel sollte Eder – neun Zentimeter kleiner und sechs Kilo leichter als sein Gegner – das wiederholen, was Trollmann wenige Monate zuvor gegen den größeren und schwereren Boxer Witt erreicht hatte, nämlich einen Sieg erzielen. Die beiden Boxer und ihr Kampf wurden instrumentalisiert, um die These der Machthaber, die Überlegenheit der „arischen Herrenrasse“ zu untermauern. Trollmann kam mit blondgefärbten Haaren, seine Haut mit weißem Puder bedeckt, als Karikatur eines „arischen“ Boxers in den Ring. Ihm wurden Auflagen gemacht, die ihn in seiner Art der Kampfesführung stark einschränkten. Unter Androhung des Entzugs seiner Boxlizenz war es ihm untersagt, seinen typischen Stil zu kämpfen, dem Gegner tänzelnd kein Ziel zu bieten und auszukontern. Auch durfte er keinen Gebrauch von seinem Reichweitenvorteil machen und nicht auf Distanz boxen. Die Auseinandersetzung der beiden Faustkämpfer entwickelte sich zu einer Farce. Trollmann verlor nach fünf Runden durch K.O. und behielt dadurch noch für wenige Monate seine Boxlizenz.

    Letzte Jahre und Tod
    Der Kampf gegen Gustav Eder 1933 beendete Trollmanns Boxkarriere. Im Zweiten Weltkrieg wurde er von der Wehrmacht eingezogen und diente als Soldat. An der Ostfront wurde er verletzt und kam so zurück in die Heimat. Im Juni 1942 wurde Johann „Rukeli“ Trollmann verhaftet und in das KZ Neuengamme gebracht, in dem er am 9. Februar 1943 für tot erklärt wurde. Aussagen eines Mithäftlings zufolge kam er unter anderem Namen ins KZ-Außenlager Wittenberge. Dort wurden ihm seine Boxfähigkeiten zum Verhängnis, da er von SS-Leuten immer wieder „herausgefordert“ wurde. 1944 trat ein Kapo gegen Trollmann an und wurde niedergeschlagen. Der Kapo war darüber so erbost, dass er einen Knüppel nahm und Trollmann erschlug.[2]

    Gedenken
    Für Printmedien und Funktionäre der Boxverbände war nach der NS-Zeit die Aberkennung des Meistertitels kein Thema. Erst eine Buchveröffentlichung Ende der 1990er Jahre über das Schicksal Trollmanns rückte diese Frage ins allgemeine Interesse. Trollmann wurde 1993 offiziell als Deutscher Meister im Halbschwergewicht in die „Riege der Deutschen Meister“ aufgenommen. 70 Jahre nach dem Kampf um den Meistertitel übergab der Bund Deutscher Berufsboxer Ende 2003 Trollmanns Meistergürtel symbolisch an seine noch lebenden Verwandten Louis und Manuel Trollmann.
    Im Kreuzkirchenviertel in der Altstadt von Hannover wurde 2004 der kleine Fußweg Tiefental zwischen der Kreuzkirche und der Burgstraße in Johann-Trollmann-Weg umbenannt. 2008 wurde dort vor seinem früheren Wohnhaus ein Stolperstein für ihn gelegt.[3] Im Mai 2009 ist auch im Hamburger Schanzenviertel vor dem Portal der Roten Flora ein Stolperstein zur Erinnerung an Trollmann verlegt worden. Er hatte – zuletzt im November 1933 – im historischen Flora-Theater einige seiner Profiboxkämpfe bestritten.
    Trollmanns Bruder Heinrich, genannt Stabeli, wurde 1943 im KZ Auschwitz[3] im Alter von 27 Jahren ermordet. Auch für ihn liegt ein Stolperstein im hannoverschen Johann-Trollmann-Weg.
    Am 28. Januar 2011 wurde in Berlin-Kreuzberg die Sporthalle der ehemaligen Rosegger-Grundschule am Marheinekeplatz als Johann-Trollmann-Boxcamp benannt.
    2010 und 2011 wurde jeweils etwa sechs Wochen lang in Berlin und in Hannover auf dem Ballhofplatz eine Skulptur der Bewegung Nurr und Florian Göpferts aufgestellt. Sie trägt die Bezeichnung „9841 - Temporäres Denkmal für Johann Rukeli Trollmann“ und besteht aus einem Boxring mit schräger Kampffläche. Bei der Zahl 9841 handelt es sich um Trollmanns frühere Häftlingsnummer. Der Aufstellungsort in Hannover liegt unweit seines früheren Wohnsitzes.

    Johann Wilhelm Trollmann

  2. #2
    Avatar von Azrak

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    18.08.2008
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    9.275
    Im ersten Moment dachte ich er hat 1907 Kämpfe und davon 44 gewonnen

  3. #3
    Babsi
    Traurig...

  4. #4
    Avatar von Ilan

    Registriert seit
    25.06.2009
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    10.225
    Ja.. echt traurig wie er enden musste. Wären die Nazis nicht gewesen, hätte er Boxgeschichte schreiben können.

    Und was soll undeutsches Boxen sein?

  5. #5
    Avatar von Schiptar

    Registriert seit
    30.04.2005
    Beiträge
    14.116
    Zitat Zitat von El Patrón Beitrag anzeigen
    Und was soll undeutsches Boxen sein?
    So was:

    Trollmanns Kampfstil, der Ähnlichkeiten mit dem späteren Stil Muhammad Alis aufwies, erregte in der Zeit des Nationalsozialismus Missfallen. [...] Die beiden Boxer und ihr Kampf wurden instrumentalisiert, um die These der Machthaber, die Überlegenheit der „arischen Herrenrasse“ zu untermauern. Trollmann kam mit blondgefärbten Haaren, seine Haut mit weißem Puder bedeckt, als Karikatur eines „arischen“ Boxers in den Ring. Ihm wurden Auflagen gemacht, die ihn in seiner Art der Kampfesführung stark einschränkten. Unter Androhung des Entzugs seiner Boxlizenz war es ihm untersagt, seinen typischen Stil zu kämpfen, dem Gegner tänzelnd kein Ziel zu bieten und auszukontern. Auch durfte er keinen Gebrauch von seinem Reichweitenvorteil machen und nicht auf Distanz boxen.
    Kranker Scheiß...

  6. #6
    MaxMNE
    Erst lassen sie ihn an der Front kämpfen und als er verletzt zurückkommt werfen sie ihn ins KZ und bringen ihn um.
    Was sind die Nazis für Schweine gewesen..

  7. #7
    Bendzavid
    Zitat Zitat von Schiptar Beitrag anzeigen
    So was:


    Kranker Scheiß...
    Oh man alter, was für kranke Gesetze die hatte

  8. #8
    Avatar von Ilijah

    Registriert seit
    29.01.2008
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    1.865
    Respekt.

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