Da es hier im Forum leider immer noch sehr viele Leugner gibt, die von serbischer Propaganda, blind geworden sind und meinen, die Albaner in Kosova hätten es gar nicht so schlimm gehabt und seien nicht unterdrückt,ermordet und vertrieben worden, möchte ich nun den Bericht vorlegen, von Prof. Dr. Vasa Cubrilovic, der die primitive und chauvanistische Denkweise vieler Serben gegenüber den Albaner wiederspiegelt...

Kurz noch zu diesem Mann:

Denkschrift, vorgelegt am 7 März 1937 in Belgrad
(Archiv der ehemaligen jugoslawischen Armee; das Dokument ist als "Vertraulich" bezeichnet unter dem Verweis "Nr. 2, Ordner 4, Kiste 69")

V. Cubrilovic; * 1897, Akademiemitglied Jugoslawiens, ehemaliger politischer Berater in der königlichen Regierung. 1914 Mitglied der serbischen nationalistischen Organisation "Neues Bosnien". Diplom an der Universität Belgrad, ab 1930 dort als Professor an der Philosophischen Fakultät tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg war V. C. Minister in verschiedenen Ressorts der Regierung der SFRJ, Mitglied der serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Sekretär der Wissenschaftlichen Abteilung dieser Akademie, Mitglied des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens. 1970 Direktor des Balkanologischen Instituts in Belgrad. Am 7. März 1937 legte er in Belgrad der königlichen Regierung von Stojadinovic seine Denkschrift über die "Vertreibung der Arnauten (Albaner)" vor.


DIE VERTREIBUNG DER ALBANER

Das Albanerproblem in unserem nationalen und staatlichen Leben besteht nicht erst seit gestern. Es hat im Mittelalter bereits eine große Rolle gespielt, nahm jedoch gegen Ende des 17. Jahrhunderts entscheidend an Bedeutung zu, als die Serben aus den alten ehemaligen Gegenden von Raska in Massen Richtung Norden zogen, während die albanischen Bergbewohner gerade in ihr Land kamen. Sie stiegen allmählich aus ihren Bergen herunter und ließen sich in den fruchtbaren Ebenen von Metohija und Kosovo nieder, und dehnten sich nach Norden vordringend in Richtung Süd- und Nordwest aus. Durchquerten die Sar Planina Richtung Polog und stiegen von dort, auf Vardar zugehend, herunter. Auf diese Weise wurde bis Mitte des 19. Jahrhunderts das albanische Dreieck geschaffen, das sich auf die eigene Basis Debar-Rogozna und das eigene ethnische Hinterland stützend, tief nach Nis hinzog und unsere angestammten Gebiete in Raska von Mazedonien und dem Vardar-Tal abtrennte.
Diese albanische, von albanischen anarchistischen Elementen bevölkerte Keil, vereitelte im 19 Jahrhundert jede Art von festen Bildung-, Kultur- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen unseren nördlichen und südlichen Gebieten. Das war der Hauptgrund, daß Serbien bis 1878, als es über Vranje und die Crna Gora bei Skopje ständige Verbindungen mit Mazedonien herstellen und aufrecht halten konnte, und nicht über jenen kulturellen und politischen Einfluß zu verfügen vermochte, den man angesichts der günstigen geographischen Verkehrsverbindungen und der historischen Traditionen in diesen Gegenden eigentlich erwartet hatte. Obwohl die Bulgaren ihr staatliches Leben später als die Serben begannen, waren sie am Anfang erfolgreicher. Das war der Grund, daß es von Widin im Norden bis herunter nach Ohrid im Süden von Südslawen ständig bewohnte Städte gab. Diesen albanischen Keil begann Serbien, schon im ersten Aufstand zu zersetzen, indem es die nördlichsten albanischen Bewohner, von Jagodina ausgehend, verjagte.
Dank der breiten Staatskonzepte von Jovan Ristic trennte Serbien nach dem Anschluß von Toplica und Kosanica auch einen Teil von diesem Keil los. Damals waren die Gebiete vom Jastrebac bis Südmorava radikal von Albanern gesäubert worden.
Den übrigen Teil des albanischen Dreiecks zu zerschlagen, war seit 1918 Aufgabe unseres heutigen Staates. Er tat es nicht. Es gibt einige Gründe dafür, doch werden wir nur auf die wichtigsten eingehen.
1. Der Grundfehler der kompetenten Behörden jener Zeit bestand darin, daß sie die Lösung der großen ethnischen Fragen auf dem blutigen und aufgewühlten Balkan vergessend, wo sie sich befanden, durch westliche Methoden erreichen wollten. Die Türkei brachte aus Sheriat entlehnte Sitten auf den Balkan, denen zufolge durch den Sieg im Krieg und die Eroberung eines Landes das Recht auf Leben und Eigentum der Unterworfener Staatsbürger erlangt wird. Von den Türken lernten auch die balkanischen Christen, daß man mit dem Schwert nicht nur Macht und Herrschaft, sondern auch Haus und Eigentum gewinnt oder verliert. Dieses Konzept, das mit den Verhältnissen des Privatrechts auf Boden, auf dem Balkan zusammenhängt, bot die Möglichkeit in sich, durch internationale Gesetze, Anordnungen und Vereinbarungen, die unter dem Druck Europas hervorgebracht wurden, bis zu einem gewissen Grad entschärft zu werden. Doch noch bis in unsere Tage ist dieses Konzept gewissermaßen der Haupthebel der Türken und der Balkanstaaten gewesen. Wir brauchen gar nicht die entferntere Vergangenheit in Betracht zu ziehen. Wir wollen lediglich einige Fälle aus jüngeren Tagen erwähnen: Die Umsiedlung der Griechen von Kleinasien nach Griechenland, der Türken von Griechenland nach Kleinasien, die letzte Umsiedlung der Türken aus Bulgarien und Rumänien in die Türkei. Während alle Balkanländer seit 1912 die Frage der nationalen Minderheiten durch Umsiedlung entweder gelöst haben oder im Begriff stehen zu lösen, sind wir bei den langsamen und trägen Methoden der Schrittweisen Kolonisation geblieben. Ihre Ergebnisse waren negativ. Das dem so ist, davon zeugen bestens die Statistiken der 18 Bezirke, die das albanische Dreieck ausmachen. Aus den statistischen Angaben geht hervor, daß der natürliche Zuwachs der Albaner in jenen Gegenden größer ist als die Gesamtzahl unseres natürlichen Zuwachses zusammen mit den Kolonisten (von 1921 bis 1931 vermehrten sich die Albaner um 68.060, während sich die Serben um 58.743 vermehrt hatten; die Differenz beträgt 9315 zugunsten der Albaner). Wenn man den wilden Charakter und den ausgeprägten Zuwachs der Albaner sowie die immer schwierigeren Bedingungen der Kolonisation nach den alten Methoden berücksichtigt, wird dieses Mißverhältnis mit der Zeit immer größer werden; am Ende wird es auch die bescheidenen Kolonisationserfolge, die wir seit 1918 bis heute erreicht haben, in Frage stellen.
2. Selbst die Methode der schrittweisen Kolonisation wurde nicht im erforderlichen Maße durchgeführt. Das Schlechteste dabei ist, daß es für ein dermaßen wichtiges Problem keinen festgelegten Staatsplan gab, der für jede Regierung und jedes Regime verbindlich gewesen wäre. Man arbeitete stückweise, in den Tag hinein, jeder Minister zerstörte das, was sein Vorgänger geleistet hatte, wobei auch er selbst nichts solides zustande brachte. Man änderte Gesetze und Verordnungen, doch wurden sie, so schwach sie auch waren, nicht einmal umgesetzt. Einige Leute, insbesondere Abgeordnete, gesetzt den Fall sie kämen aus anderen Bezirken, gingen herunter in den Süden, wenn es ihnen nicht gelang ein Mandat für ihren eigenen Bezirk zu erobern, und schmeichelten, die großen nationalen und staatlichen Interessen auf diese Weise opfernd, den nicht nationalen Elementen, um ein Mandat zu erobern. Der Kolonisationsapparat war ungeheuer kostspielig, aufgebläht und voller Leute, die nicht nur unfähig, sondern häufig auch skrupellos waren, so daß ihre Arbeit in Wirklichkeit eine besondere Frage darstellte. Man sollte ruhig einmal eine großen Geldsummen zusammenrechnen, die dieser Staat in die Kolonisation investierte, und sie auf die Anzahl der kolonisierten Familien umrechnen, um zu sehen, wie teuer jedes nach dem Krieg errichtete Haus war, ohne die Frage zu berücksichtigen, ob sie von den Kolonisten oder vom Staat gebaut wurden. Ebenso interessant wäre es, die Proportionen zwischen den Privatausgaben und den, für unsere Kolonisation verausgabten Materialien in Betracht zu ziehen. Früher jedenfalls hat Serbien dieses Problem anders gelöst. Während des ersten Aufstands verfügten Karageorg, Milo, Mihailo, Jovan Ristic über kein besonderes Agrar- Reformministerium, weder über Agrargeneralinspekteure noch über einen teueren Apparat. Trotzdem säuberten sie Serbien vom fremden Element, bevölkerten es mit eigenen Bewohnern, rodeten die endlosen Wälder der Sumadija, und machten aus der einstmals wilden Gegend die heutige fruchtbare Sumadija.
3. Auch die mehrere Tausend zählenden Familien, die sich nach dem Krieg niedergelassen haben, schlugen an den neuen Orten keine Wurzeln. In Kosovo gab es mehr Erfolg, insbesondere im Labi- Tal, wo die Toplicaner selbst von Norden nach Süden vordrangen. Hier wurden die ältesten und stabilsten Kolonien mit vermischten Elementen aus unseren verschiedenen Gebieten gegründet. In Drenica und Metohija gab es dagegen keine Erfolge. Die Kolonisierung darf niemals nur mit Montenegrinern durchgeführt werden. Wir glauben nicht, daß sie wegen ihrer, den Hirten eigenen, Trägheit etwa ein schlechtes Kolonisationselement wären. Diese Trägheit tritt nur in der ersten Generation auf. Die zweite Generation ist ganz anders, sie ist aktiver und praktischer. Petrovo Selo in Miroc an der Donau, das fortgeschrittenste Dorf in Krajina, ist nur von Montenegrinern bewohnt. Und heute kann man in Serbien Tausende fortgeschrittene Wirtschaften finden, insbesondere in Toplica und Kosanica, die die mit den fortgeschrittensten Elementen vermischten Montenegriner der ersten Generation geschaffen haben. Das gilt insbesondere für Metohija, wo das direkte sich Stützen auf die alten Städten die Möglichkeit schuf, die alten Sitten und Bräuche zu bewahren. Es genügt, nach Pec zu gehen, einen Blick in die Kaffeehäuser zu werfen, um sich davon zu überzeugen. Deshalb hatte die Kolonisation in ganz Metohija wenig Erfolg. Man muß zugeben, daß sich diese Kolonien schlecht eingerichtet hatten, auf unfruchtbarem von Gestrüpp gerodeten Boden und fast gänzlich ohne die erforderlichen landwirtschaftlichen Geräte. Doch gerade sie hätte man mehr unterstützen müssen als andere, da sie mit dem ärmsten montenegrinischen Element kolonisiert sind.
4. Der Hauptgrund des Mißerfolgs unserer Kolonisation in diesen Gebieten war zweifellos die Tatsache, daß der beste Boden in den Händen der Albaner blieb. Der einzig mögliche Weg der Massenkolonisation unseres Elements in diesen Gebieten hätte darin bestanden, den Albanern den Boden wegzunehmen. Nach dem Krieg, in der Zeit der Rebellion und der Aktionen der Komitaschis wäre das leicht zu realisieren gewesen, wenn man einen Teil der Albaner nach Albanien verjagt hätte, wenn man die von ihnen geraubten Weiden nicht legitimiert, sondern gekauft hätte. Erneut sehen wir uns veranlaßt, an dieser Stelle zu dem groben Fehler unseres Nachkriegskonzepts über das Bodenrecht zurückzukommen. Anstatt das eigene Konzept der Albaner, hinsichtlich des von ihnen geraubten Bodens auszunutzen, kam es vor, daß sie über einen Grundbuchauszug aus der Türkei verfügten. Und wenn, ohnehin nur für gekauften Boden, legitimierten wir den ganzen Bodenraub nicht nur zu unserem nationalen und staatlichen Schaden, wir brachten den Albanern auch, was noch schlimmer ist, die Ideen Westeuropas über den Besitz von Privateigentum bei. Vorher hatten sie keine Ahnung von diesen Ideen. Auf diese Weise gaben wir selbst ihnen diese Waffe in die Hand, mit der sie sich verteidigen werden. Und sie werden die besten Böden behalten und uns die Nationalisierung eines der wichtigsten Gebiete zu unseren Gunsten unmöglich machen.
Aus allem, was oben gesagt wurde, geht hervor, daß die bisherigen Methoden unserer Kolonisationspolitik im Süden nicht jene Ergebnisse gezeigt haben, die eigentlich erreicht werden müßten, und die sich uns nunmehr als großes staatliches Erfordernis aufzwingen. Diese Methoden haben wir nicht um der Kritik willen kritisiert, sondern vielmehr deshalb, um auf Grundlage der Erfahrung die richtigen Wege zur Lösung dieser Frage zu finden.
Probleme der Kolonisation der südlichen Gebiete
Wenn man den ersten Teil dieser Arbeit durchliest, stellt man sogleich fest, daß im Rahmen der Erörterung der Kolonisationsfragen hinsichtlich der Südregion die Rede hauptsächlich auf jene Gebiete kommt, die nördlich und südlich der Sar Planina liegen. Das ist kein Zufall. Dieser albanische Blick rund um die Sar Planina hat große national- staatliche und strategische Bedeutung für unseren Staat. Wir haben bereits auf die Entstehungsart und die Bedeutung fester Verbindungen zwischen den Gebieten rund um das Vardar- Tal und unseren alten Gebieten hingewiesen. Die größte Kraft der serbischen Expansion hat sich seit der Entstehung des ersten serbischen Staates und später schon seit dem 9. Jahrhundert, stets auf die Kontinuität dieser Expansion gestützt sowie auf die Expansion der alten Gebiete Rakas in alle Richtungen, also auch nach Süden. Doch diese Kontinuität wurde von den Albanern unterbrochen; solange die alte kontinuierliche Verbindung zwischen Serbien, Montenegro und Mazedonien nicht wiederhergestellt ist, und zwar vom Drin bis zur Südmorava, können wir des Besitzes dieses Gebiets nicht sicher sein. Vom ethnischen Standpunkt aus werden sich die Mazedonier uns nur dann vollständig annähern, wenn sie eine wahre ethnische Unterstützung im serbischen Mutterland haben, die es bis heute nicht gibt. Sie werden sie nur durch die Zerschlagung des albanischen Blocks gewinnen können. Der albanische Block nimmt vom militärisch- strategischen Standpunkt aus eine der bedeutendsten Positionen in unserem Land ein, wo die balkanischen Flüsse Richtung Adria, Schwarzes Meer und Ägäis ihren Ausgangspunkt haben. Das Bewahren dieser strategischen Position entscheidet in hohem Maße über das Schicksal des Zentralbalkan, insbesondere über das Schicksal der wichtigsten balkanischen Verkehrsverbindung Morava- Vardar. Es ist kein Zufall, daß die Entscheidungsschlachten über das Schicksal des Balkan häufig hier stattgefunden haben (Nemanjiden gegen Griechen, Serben gegen Türken 1389, Ungarn gegen Türken 1446). Im 20. Jahrhundert wird man nur jenes Land sichern können, das vom eigenen autochthonen Volk bewohnt wird. Deshalb ist es eine dringende Aufgabe für uns alle, diese dermaßen wichtigen strategischen Positionen keinesfalls aufzugeben, es auf keinem Fall dem fremden und feindlichen Element zu überlassen. Erst recht, solange dieses Element die Unterstützung eines Nationalstaates desselben Stammes genießt. Dieser Staat ist vorläufig ohnmächtig, doch auch als solcher ist er ein Stützpunkt des italienischen Imperialismus geworden, durch den letzterer in das Herz unseres Staates einzudringen beabsichtigt. Gegen dieses Eindringen ist unser Element das sicherste Mittel, das wünschen und verstehen wird, sein Eigentum und den eigenen Staat zu verteidigen.
Weiter: Neben diesem Block, bestehend aus 18 Bezirken leben die Albaner und die anderen nationalen Minderheiten über die südlichen Gebiete versprengt und sind daher keine Gefahr für unser nationales und staatliches Leben. Die Gebiete um die Sar Planina zu nationalisieren würde bedeuten, jeden Irredentismus für immer zu begraben und die Macht in diesen Gebieten für immer zu sichern.
Die Umsiedlung vom Norden in die von Mazedoniern bewohnten Gebiete muß verringert werden. In diesen Gebieten ist der Boden knapp, es sind passive Gebiete und infolgedessen sensibel gegenüber den aus dem Norden kommenden Kolonisten. Erst recht, weil sie in solchen Handlungen Albanien stützt, wird ihr Nationalstolz geweckt. Wenn wir nicht in der erforderlichen Zeit die Rechnung mit ihnen begleichen, werden wir es in 20 bis 30 Jahren mit einem schrecklichen Irredentismus zu tun haben, dessen Spuren schon heute unweigerlich zutage treten und der unser ganzes Territorium im Süden in Frage stellen wird.


Das internationale Problem der Kolonisation
Wenn wir von dem Standpunkt ausgehen, daß die schrittweise Verdrängung der Albaner durch unsere schrittweise Kolonisation wirkungslos ist, bleibt uns nur ein einziger Weg, die Massenvertreibung. In diesem Fall haben wir zwei Staaten vor Augen, Albanien und Türkei.
Albanien mit seiner spärlichen Bevölkerung, mit seinen zahlreichen noch nicht trockengelegten Sümpfen und unfruchtbaren noch nicht erschlossenen Tälern dürfte in der Lage sein, einige Hunderttausend Albaner aus unserem Land aufzunehmen. Die moderne Türkei mit ihren großen noch unbewohnten und unbearbeiteten Flächen in Kleinasien und Kurdistan bietet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten für die innere Kolonisation. Trotz aller Anstrengungen von Qemal Atatürk haben es die Türken noch nicht vermocht, das durch die Umsiedlung der Griechen aus Kleinasien nach Griechenland und eines Teils Kurden nach Persien entstandene Bevölkerungsdefizit auszugleichen. Eben deshalb bestehen die besten Chancen, den größten Teil unserer Albaner, die wir vertreiben wollen, dorthin zu schicken. Zuvor betonen wir, daß wir uns bei unseren diplomatischen Vorstößen nicht allein auf Ankara beschränken dürfen: wir müssen vielmehr alle Mittel ausschöpfen, um Tirana davon zu überzeugen, einen Teil unserer Vertriebenen aufzunehmen. Ich glaube, daß diese Angelegenheit in Tirana auf Schwierigkeiten stoßen wird. Hier würde es Italien sein, das diese Angelegenheit behindern würde, doch spielt Geld in Tirana eine große Rolle. Im Rahmen der Gespräche um diese Frage muß die albanische Regierung davon in Kenntnis gesetzt werden, daß wir uns bei der definitiven Lösung dieser Frage durch nichts aufhalten lassen werden. Zugleich müssen wir sie über Subventionen für die Kolonisation unterrichten, die keiner Kontrolle unterliegen. Eventuell können einflußreiche Leute über geheime Kanäle in Tirana materiell dazu veranlaßt werden, in dieser Angelegenheit keinen Widerstand zu leisten.
Wie wir gehört haben, ist die Türkei einverstanden, anfangs rund 200.000 unserer Vertriebenen unter der Bedingung aufzunehmen, daß es sich dabei um Albaner handelt, was für uns am vorteilhaftesten ist. Den Wunsch der Türkei, zuvor eine Umsiedlungskonvention abzuschließen, sollten wir voll und ganz akzeptieren. Hinsichtlich der Umsiedlung sollten wir die Konventionen durcharbeiten, die sie in den letzten Jahren über diese Frage mit Griechenland, Rumänien und Bulgarien abgeschlossen hat, wobei wir zwei Dingen Beachtung schenken sollten: man sollte von ihr verlangen, daß sie eine möglichst große Quote akzeptiert, während man ihr von der finanziellen Seite her eine möglichst große Unterstützung gewähren sollte, insbesondere für die Regelung eines möglichst schnellen Transports. Zweifellos wird dieses Problem einige internationale Unruhe hervorrufen, was in solchen Fällen unvermeidlich ist. Immer wenn in den letzten Jahrhunderten solche Handlungen auf dem Balkan stattgefunden haben, hat sich eine Macht gefunden, die dagegen protestiert hat, weil sie nicht mit ihren Interessen übereinstimmten. In diesem Fall könnten es Albanien und Italien sein. Was Albanien anbelangt, haben wir schon betont, daß man für den Abschluß einer Konvention mit ihm über dieses Problem sorgen muß. Angenommen, wir erreichten dieses Ziel nicht, sollten wir zumindest anstreben, daß es sich mit der Vertreibung in die Türkei abfindet. Wir wiederholen, daß in Tirana Verhandlungsgeschick sowie angemessen eingesetzte Geldmittel eine entscheidende Rolle bei dieser Frage spielen können. Die Weltöffentlichkeit wird sich ein wenig beunruhigen, insbesondere die von Italien finanzierte. Nichtsdestoweniger hat sich die Weltöffentlichkeit an weit Schlimmeres gewöhnt und ist dermaßen mit Tagesfragen beschäftigt, daß sie sich von dieser Seite wohl kaum beunruhigen dürfte. Wenn Deutschland Zehntausende von Juden vertreiben und Rußland Millionen von Menschen von einem Teil des Kontinents zum anderen verlegen konnte, so wird die Vertreibung von einigen Hunderttausend Albanern schon nicht zum Ausbruch eines Weltkrieges führen. Doch die kompetenten entscheidenden Gremien sollten wissen was sie wollen: sie müssen die Vertreibung beharrlich durchführen, wobei sie mögliche internationale Hindernisse nicht zu beachten brauchen. Zweifellos wird Italien am meisten Schwierigkeiten machen, aber es ist zu sehr mit seinen Problemen hinsichtlich Abessinien und Österreich beschäftigt, als daß es wagen könnte, in seinem Widerstand zu weit zu gehen. Um die Wahrheit zu sagen, besteht die größte Gefahr darin, daß sich unsere großen Verbündeten, Frankreich und England, in diese Sache einmischen könnten. Mit Kaltblütigkeit und Entschlossenheit muß ihnen geantwortet werden, daß die Sicherheit der Morava- Vardar- Linie in ihrem Interesse liegt, was sich auch im letzten großen Krieg zeigte. Sie wird erst dann für uns und für sie noch sicherer werden, wenn wir diese Gebiete rund um die Sar Planina und in Kosovo vom ethnischen her vollständig beherrschen werden.
Die Vertreibungsmethode

Wir haben schon betont, daß für uns nur die Massenvertreibung der Albaner aus ihrem Dreieck wirkungsvoll ist. Die erste Bedingung für eine Massenvertreibung ist die Erzeugung einer geeigneten Psychose; sie kann auf vielerlei Art und Weise erzeugt werden.
Bekanntlich unterwerfen sich die mohammedanischen Massen im allgemeinen sehr schnell einem Einfluß, insbesondere einem religiösen; sie sind abergläubisch und fanatisch. Von daher ist vor allem erforderlich, daß wir, um die Albaner vertreiben zu können, ihren Klerus und die einflußreichen Leuten durch Geld oder Drohungen auf unsere Seite ziehen. Man muß so schnell wie möglich Agitatoren finden, die für die Vertreibung Propaganda machen; es wäre natürlich gut, wenn die Türkei selbst uns welche überließe. Sie müssen die Schönheit der neuen Gegenden in der Türkei, das leichte und behagliche Leben beschreiben, religiösen Fanatismus in den Massen schüren und den türkischen Nationalstolz wecken. Unsere Presse kann kolossale Dienste leisten, indem sie die bequemen Umsiedlungen der Türken aus Dobrudscha und ihre gute Stabilisierung in den neuen Gegenden beschreibt. Mit diesen Beschreibungen würden bei unseren albanischen Massen die nötigen Vorbedingungen für die Vertreibung geschaffen werden.
Ein anderes Mittel wäre der Zwang durch den Staatsapparat. Er muß die Gesetze bis ins letzte ausschöpfen, so daß es den Albanern unerträglich wird, bei uns zu bleiben: Geldstrafen, Gefängnis, rücksichtslose Anwendung aller polizeilichen Möglichkeiten, etwa Verurteilung des Schmuggels, des Forstfrevels, Bestrafung von Personen, die Schäden in den Landwirtschaft verursachen oder Hunde frei herumstreunen lassen, Zwangsverschickung und überhaupt jedes Mittel, das eine erfahrene Polizei zu erfinden imstande ist. Wirtschaftliche Maßnahmen: Nichtanerkennung der alten Grundbuchauszüge; die Katasterämter in diesen Gebieten müssen sofort rücksichtslos die Abgaben und alle privaten und öffentlichen Schulden eintreiben, Einziehung des staatlichen und kommunalen Weidelands, Außerkraftsetzung von Konzessionen und Berufsverbote, Entlassung aus staatlichen, privaten und kommunalen Arbeitsstellen usw. Dies würde den Vertreibungsprozeß beschleunigen. Sanitäre Maßnahmen: gewaltsame Anwendung aller Anordnungen auch innerhalb der Häuser, Zerstörung der Mauern und Zäune um die Häuser, rigorose Anwendung der Veterinären Maßnahmen, mit dem Ziel, den Viehhandel zu unterbinden usw. Auch hier kann wirkungsvoll und praktisch vorgegangen werden. Wenn die Rede auf die Religion kommt, sind die Albaner überaus empfindlich, deshalb muß man hier scharf zuschlagen. Dies kann durch schlechte Behandlung der Kleriker erzielt werden, durch Verwüstung der Friedhöfe, durch das Verbot der Polygamie und insbesondere durch die rücksichtslose Anwendung der Grundschulpflicht für Mädchen überall dort, wo sich Grundschulen befinden.
Auch private Initiativen können in dieser Hinsicht sehr hilfreich sein. Man muß an die Kolonisten, wenn nötig, Waffen ausgeben. In diesen Gebieten muß die alte Bandentätigkeit wiederbelebt werden: man muß ihnen heimlich Unterstützung zukommen lassen. Insbesondere sollte man eine wahre Flut von Montenegrinern von den Bergweiden herunterjagen, damit sie in breitem Maßstab Konflikte mit den Albanern in Metohija heraufbeschwören. Dieser Konflikt muß durch uns ergebene Leute vorbereitet, geschürt und hochgeputscht werden, was leicht sein dürfte, da sich die Albaner tatsächlich erhoben haben. Während die Ereignisse als Stammeskonflikt dargestellt werden müssen; wenn nötig, kann man ihnen ökonomischen Charakter verleihen. Schließlich und endlich kann man auch lokale Unruhen schüren, die dann mit wirkungsvollsten Mittel auf blutige Weise unterdrückt werden müßten, doch nicht so sehr mit der Armee als vielmehr mit Kolonisten, montenegrinischen Stämmen und Banden.
Es bleibt noch ein Mittel, das Serbien auf höchst praktische Weise nach 1878 angewandt hat, wobei es im geheimen albanische Dörfer und Stadtviertel anzünden ließ.


Die Organisierung der Vertreibung
Nach der beigelegten Karte müssen folgende Bezirke umgesiedelt werden: Ober- debar, Unterpolog, Oberpolog, Sar Planina, Drenica, Savica, Vuçiterna, Lab, Gracanica, Nerodimja, Djakovica, Gora, Podgor, Podrimja, Pec, Istok, Gnjilane und Kaçanik. Von diesen Bezirken, die für uns gegenwärtig den albanischen Keil darstellen, sind die wichtigsten: Pec, Djakovica, Podrimja, Gora, Podgor, Sar, Istok und Drenica. Im Norden der Sar Planina und danach Oberdebar, die beiden Polog-Bezirke südlich der Sar Planina. Dies sind die Grenzbezirke; sie müssen um jeden Preis umgesiedelt werden. Die Bezirke im Landesinneren, etwa Kaçanik, Gnjilane, Nerodimja, Gracanica, Lab, Vuciterna müssen möglichst geschwächt werden, insbesondere Kaçanik und Lab. Während die anderen schrittweise und systematisch kolonisiert werden müssen; was zu verwirklichen ist. Die obenerwähnten Mittel müssen insbesondere in den Grenzbezirken zur Anwendung kommen, wenn wir wünschen, daß sie umgesiedelt werden sollen.
Bei der Vertreibung sollte man sich folgende Dinge vor Augen halten: Zunächst wäre es angebracht, sich der Vertreibung der Bauern zuzuwenden, danach erst sind die Stadtbewohner an der Reihe. Die Dorfbewohner sind zusammenhängender; deshalb sind sie auch gefährlicher. Danach sollte man nicht in den Fehler verfallen, nur die Armen zu vertreiben: das Rückgrat eines jeden Volkes sind die mittleren und reichen Schichten. Auch sie müssen verfolgt und vertrieben werden. Die Armen, die keine Unterstützung bei den wirtschaftlich unabhängigen Landsleuten mehr haben, beugen sich schnell. Dies ist eine Frage von großer Bedeutung die ich betone, weil sie eine der wichtigsten Ursachen dafür ist, daß unsere Kolonisation im Süden nicht den erforderlichen Erfolg gebracht hat, weil zwar die Armen vertrieben wurden, die Reichen aber blieben, und wir auf diese Weise immer noch am Anfang stehen, weil wir sehr wenig Grund und Boden für die Niederlassung unserer Kolonisation gewonnen haben. Während der Erzeugung der Vertreibungspsychose muß alles unternommen werden, daß ganze Dörfer abziehen, wenigstens aber ganze Familien. Unter allen Umständen muß verhindert werden, daß nur ein Teil der Familie vertrieben wird, der andere hingegen bleibt. Unser Staat wird nicht Millionen ausgeben, um den Albanern das Leben zu erleichtern, sondern um sich eine möglichst große Zahl von ihnen vom Hals zu schaffen. Deshalb muß unbedingt verhindert werden, daß die Albaner, die umsiedeln, ihre Grundstücke an jene verkaufen, die hierbleiben. Im Zusammenhang damit müssen wir die Umsiedlung von Einzelpersonen mit der Umsiedlung ganzer Dörfer verbinden; falls sie wünschen, sollten sie Erleichterungen während des Umsiedlungsprozesses haben.
Sobald sie einverstanden sind, umzusiedeln, muß man ihnen allseitige Hilfe zukommen lassen. Man muß den Verwaltungsvorgang vereinfachen, man muß sogleich ihren Besitz aufkaufen, man sollte ihnen bei allerlei Formalitäten zuvorkommend dienen. Reisedokumente aushändigen, ihnen helfen, bis zum ersten Bahnhof zu kommen, indem man ihnen Züge bis Saloniki zur Verfügung stellt, und von dort sogleich per Schiff nach Asien verfrachten. Es ist von großer Bedeutung, daß die Reisen leicht, bequem und kostenlos sind. Die Zugfahrt sollte nach Möglichkeit gratis sein, man sollte ihnen zugleich auch mit Nahrungsmitteln unter die Arme greifen, denn davon hängt stark ab ob sie in Massen umsiedeln oder nicht. Die Angst vor Schwierigkeiten während der Reise ist das Haupthindernis. Deshalb ist es erforderlich, sich stark dafür zu machen, daß alle Reiseangelegenheiten rasch und energisch geklärt werden. Man muß vor allem dafür sorgen, daß sie möglichst wenig Scherereien wegen der Reise haben, weil sich die einfachen Leute an Schwierigkeiten orientieren; deshalb wäre es vorteilhaft, das Transportsystem des großen Reisebüros zu untersuchen und zu verwenden. Der Umsiedler soll von einer Hand zu anderer gehen, er soll auf keinen Fall die Last dieser Bewegung spüren. Nur auf diese Weise kann die albanische Auswanderungswelle erzeugt werden, die unseren Süden von den Albanern entvölkern wird.


Der Bevölkerungsprozeß der ausgesiedelten Gebiete
Das Problem der Errichtung von Kolonien in den ausgesiedelten Gebieten ist nicht kleiner als das Problem der Vertreibung der Albaner.
Die erste Frage, die sich aufdrängt, ist: Wer soll sich dort niederlassen? Am natürlichsten wäre, wenn sich dort unser Element aus den passiven Gebiete niederließe, vor allem Einwohner aus Montenegro, Herzegowina, Licko Polje und Krajina. Die Montenegriner sind aus vielen Gründen am geeignetsten. Metohija, Drenica und Kosovo sind die natürlichsten Stellen, denen sie ohnehin aus ihren verarmten Bergregionen zuströmen. Das Bevölkerungswachstum in Montenegro hat Armut mit sich gebracht, was in der letzten Zeit ständig sozialpolitische und für die Staatsmacht ungünstige Bewegungen hervorgerufen hat, die, was Ruhe und Ordnung in der Zukunft betrifft, ziemlich gefährlich für uns sind. Es lohnt sich nicht, ihnen Mais und Renten zu geben. Die einzige Lösung ist, sie den fruchtbaren Gebieten von Metohija, Drenica und Kosovo zuzuführen. Denn sie sind, was Mentalität und Temperament anbelangt, den Albanern ziemlich ähnlich. Die Montenegriner sind die geeignetste Waffe, um die Albaner zu bezwingen. In erster Linie sollten sie in den Gegenden nördlich der Sar Planina eingesetzt werden, doch zusätzlich sollte man auch Einwohner aus Licko Polje und Krajina sowie Serben aus Cacak, Uzice und Toplica dort ansiedeln. Das ist notwendig, um bei ihnen mehr Arbeits- und Organisationsfertigkeiten zu schaffen, um ihre, den Bergbewohnern eigene Denkweise, durch Vermischung und Einheiratung aus verschiedenen dinarischen Gegenden umzuwandeln, so daß ein neuer Typ von Montenegrinern erzeugt werden kann, der weniger ortsverbunden ist und insgesamt serbisch wird.
Den südserbischen Gastarbeitern, südlich der Sar Planina, müssen geeignete Bedingungen geschaffen werden, daß sie imstande sind, den fruchtbaren Boden für sich in Beschlag zu nehmen. Sie sind ehrliche und fleißige Menschen, die ihr ganzes Leben lang diesem Staat dankbar sein werden, vorausgesetzt, ihnen werden angenehme Bedingungen für das Dorfleben geschaffen. Im allgemeinen hat das Dorf der Südserben das Recht, mehr Fürsorge und Beachtung zu verlangen als wir ihm heute widmen. Die Kolonisation dieser Armen nach Ober- und Unterpolog sowie nach Debar, die Verlegung ihrer Weidegebiete in das Land der Albaner wird dafür sorgen, daß sie unseren Staat als den ihren empfinden und infolgedessen verstehen, seine Grenzen zu verteidigen.
Außer diesen können auch Serben aus Vranje, Leskovac, Pirot und Vlasotince, insbesondere aus den passiven Bergdörfern, südlich der Sar Planina und der Crna Gora bei Skopje angesiedelt werden. Ich wiederholen noch einmal, daß sich die Dinariker nicht im Südosten des Crna Gora bei Skopje und der Sar Planina niederlassen dürfen.
Während der Kolonisierung der, von den Albanern zurückgelassenen Dörfer, darf man sich nicht in bürokratischer Dickfelligkeit verzetteln. Die erste Handlung ist die sofortige Aushändigung der Grundbuchauszüge an die Kolonisten für den Boden, auf dem sie sich niederlassen. Einer der wichtigsten Ursachen für den Mißerfolg unserer bisherigen Kolonisation war die, daß der Kolonist nicht das Gefühl hatte, sich des Bodens, auf dem er sich niedergelassen hatte, sicher zu sein, eben weil er nicht sofort einen Grundbuchauszug bekam und auf diese Weise den Schikanen gewissenloser Angestellter und Politiker ausgeliefert war. Der Bauer fühlt sich nur dann des Bodens, den er besitzt, sicher, wenn er weiß, daß er unter keinen Umständen mehr vertrieben werden kann. Deshalb muß ihm sofort eine entsprechende Garantie gegeben werden. Doch zugleich ist es nicht ohne Risiko, den Kolonisten die vollen Bodennutzungsrechte zu gewähren. Im Prinzip haben die Wirtschaften der Kolonisten ihre staatliche und nationale Mission und derjenige, der sie übernommen hat, muß diese Mission auch erfüllen. Deshalb darf er nicht unbeschränkt über diesen Besitz disponieren. Denn unter ihnen gibt es viele verschiedene auch proletarisierte Menschen aus dem Dorf, die das Gefühl für Boden oder Vieh verloren haben, die sich erst an die Landwirtschaft gewöhnen müssen; sie müssen gesetzlich an den Boden gebunden werden, damit sie anfangen, die neuen Gebiete und Höfe zu lieben oder zumindest ihre Kinder, wenn es ersteren nicht gelingt. Deshalb muß den Kolonisten für mindestens 30 Jahre verboten werden, frei über ihren Boden zu verfügen, vor allem deshalb, weil sie sofort die Grundbuchauszüge ausgehändigt bekommen. Unserem Recht zufolge genießt die Frau bei uns nicht das Recht, Boden zu erben. Um den Zerstückelung des kleinen Bodens zu verhüten, müssen die Frauen von der Erbschaft kolonisierten Bodens ausgeschlossen werden, außer in Fällen, wenn der Kolonist keine männliche Nachkommen hat oder beabsichtigt, einen Schwiegersohn ins Haus zu holen. Die Besitzungen, die den Kolonisten bisher überlassen wurden, sind klein gewesen. Wenn wir uns die extensive Bodenbearbeitung vor Augen halten, das Fallen der landwirtschaftlichen Erzeugerpreise, die große Kinderzahl bei den Kolonisten, so ist eine Wirtschaft von fünf bis zehn Hektar nicht in der Lage dem Kolonisten Voraussetzungen für eine gesicherte wirtschaftliche Entwicklung zu geben.
Es ist günstiger, wenn sich in einem Gebiet eine kleinere Zahl Kolonisten mit besseren Entwicklungsbedingungen niederläßt als eine große Anzahl halbproletarischer Bauern. Das letztere ist ebenso eine der wichtigsten Ursachen für den Mißerfolg unserer bisherigen Kolonisation im Süden und Norden.
Selten verfügt ein Volk unter derartig schwierigen Bedingungen über ein dermaßen anpassungsfähiges Element für die Kolonisation wie wir. Und auch die geringen Erfolge, die wir bei der Kolonisation zu verzeichnen haben, wurden wegen dieser Kolonisationsqualitäten unserer Rasse erzielt. Allein unser Bauer, verstreut über Wälder und Brachland, von einer Gegend in die andere ziehend, war in der Lage, unter solch schwierigen Umständen zu leben. Zu welchen Leistungen wäre er erst imstande gewesen, wenn der Staat ihm das gegeben hätte, was eigentlich seine Pflicht gewesen wäre.
Am 10. Februar 1865 erließ die Regierung Knjaz Mihailo das "Gesetz über die Kolonisation Serbiens mit Fremden". Diesem Gesetz zufolge gab die serbische Regierung den armen Kolonisten der Nachbarländer 3 Jutra (Jutra=0.6 Hektar) Ackerland und 3 Jutra Brachland, ein Haus, zwei Ochsen, ein Fuhrwerk, zwei Ziegen oder Schafe, eine Sau, die erforderlichen Arbeitsgeräte und 120 Groschen bar auf die Hand. Darüber hinaus selbstverständlich Mais als Nahrung bis zur ersten Ernte. Jede zweite Familie erhielt einen Pflug. Die bewegliche und unbewegliche Habe wurde den Kolonisten zur Nutzung überlassen, wobei sie allerdings bis zu 15 Jahre lang nicht verkaufen durften. Nach dieser Frist ging sie in ihr Eigentum über. Für fünf Jahre wurden die Kolonisten von sämtlichen Abgaben gegenüber den Staat befreit; für zehn Jahre waren sie von der allgemeinen Wehrpflicht in der regulären Armee bzw. für fünf Jahre vom Dienst in den militärischen Volkseinheiten befreit. Das Echo von allen Seiten war dargestellt, daß sich in einigen Monaten alle Orte füllten und damals mehr kolonisiert wurde, als wir in einigen Jahren nach dem Krieg bewerkstelligen konnten. Wenn der Staat den Kolonisten diese Vergünstigungen nach 1918 eingeräumt hätte, wäre unsere Lage sowohl in der Vojvodina als auch in Südserbien anders. Auf diese Weise müssen wir in Zukunft handeln, wenn wir Erfolg haben wollen.
Lehrreich ist auch die Kolonisationsart von Toplica und Kosanica, nach 1876, als aus diesen Gebieten Albaner umgesiedelt wurden. Ein Gesetz vom 3. Januar 1880 regelte die Kolonisationsart dieser Gebiete. Am 3. Februar desselben Jahres billigte die Volksskupschtina ein Gesetz über die Regulierung der Agrarverhältnisse nach dem Prinzip "den Boden dem Bauern". Ohne irgendeine Schwankung nahm Serbien seine erste ausländische Anleihe auf, um der Türkei den zur Verfügung gestellten Boden zu bezahlen. Es schuf weder ein agrar Reformministerium, noch einen kostspieligen Apparat für die Frage der Kolonisation, sondern vollzog alles einfach und auf praktische Weise. Die Polizeiorgane gaben all jenen Boden, die arbeiten wollten. Es kamen Einwohner aus Montenegro, Sjenica, Kosovo, Pec usw., und 30 Jahre nach 1878 gaben Toplica und Kosanica einstmals berüchtigte albanische Gebiete, Serbien in den Kriegen 1912 bis 1918 das beste Regiment, das 11 Eiserne Regiment. Toplica und Kosanica haben mit dem Blut ihrer Söhne jene zehn Millionen Dinar bezahlt und über bezahlt, die Serbien einstmals für seine Kolonisation verausgabt hatte.
Nur wenn wir dieses Beispiel beherzigen, nur wenn wir verstehen was verlangt wird, nur wenn wir weder Geld noch Blut scheuen, wird unser Staat aus Kosovo und Metohija ein Neu- Toplica schaffen können.
Also müssen wir den Kolonisten innerhalb einiger Jahre alle Lebensbedingungen sichern, wenn wir wollen, daß sie dort bleiben. Mitleidlos müssen alle Spekulationen mit den Häusern und dem Boden der ausgesiedelten Albaner erstickt werden. Der Staat muß sich das uneingeschränkte Recht vorbehalten, über die bewegliche und unbewegliche Habe der Vertriebenen zu disponieren: sofort nach ihrer Entfernung müssen sich dort Kolonisten niederlassen. Dafür muß schon deshalb gesorgt werden, da es nur selten passieren dürfte, daß ein ganzes Dorf auf einmal umgesiedelt wird. In diese Dörfer müssen zuerst Montenegriner gebracht werden, als arrogante, aufbrausende und gnadenlose Menschen, die mit ihrem Benehmen die gebliebenen Albaner zwingen werden umzusiedeln. Danach können auch Kolonisten aus anderen Gegenden geholt werden.
In diesem Referat wird nur das Problem der Kolonisation Südserbiens behandelt. Nicht weniger wichtig für uns ist das Problem Vojvodina, insbesondere das Problem des ungarischen Dreiecks in Backa - Senta, Kula und Backa Topola. Dieses Dreieck in der Vojvodina zu zerschlagen, würde dasselbe bedeuten wie die Zerschlagung des albanischen Blocks um die Sar Planina. Nach der Zerstreuung dieser Großgrundbesitzer bleiben dort einige Zehntausend ungarische Landarbeiter, die zum größten Teil auf dem serbischen und deutschen Mittelbauer der Vojvodina lasten. Diese ungarischen Arbeiter und Kleineigentümer, und sogar die deutschen, müssen teilweise in den Süden überführt werden, weil sie in Backa, an der Grenze mit Ungarn, eine Gefahr darstellen, vor allem, da die Serben in Backa nur 25 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Indem sie in Südserbien ihr Eigentum vor Albanien schützen, werden sie sich in gute Bürger verwandeln, werden sie mit unseren Massen verschmelzen, und ihnen, was sehr wichtig ist, als Vorbild bei der fortgeschrittenen Feldarbeit dienen, denn sie sind kulturell schon weiter und auf einen höheren Niveau als die Unsrigen. In besonderer Weise betonen wir, daß nicht die Serben der Vojvodina in den Süden zur Kolonisation geholt werden dürfen. In der Vojvodina gibt es noch Boden zur Kolonisation, deshalb muß man ihnen dort Boden geben. Wir betonen ebenso, daß in den Jahren 1928 bis 1929 bei den Ungarn und Deutschen der Vojvodina eine Bewegung zu verzeichnen war, nach Südserbien umzusiedeln, doch unsere Öffentlichkeit, die nicht auf der Höhe der Probleme stand, erhob sich gegen sie und erstickte diese Bewegung im Keim. Ein weiterer Verstoß in dieser Richtung muß verhindert werden; unsere öffentliche Meinung muß instruiert werden, die Umsiedlung der Ungarn und Deutschen aus der Vojvodina, insbesondere von Backa in den Süden, zu unterstützen.


Die Kolonisationstechnik
Von besonderer Bedeutung für die Lösung der diskutierten Frage ist die Existenz eines Apparats, der alle Arbeiten leiten soll. Auf der schlechten Arbeit des Apparats, der bis jetzt unsere Kolonisationspolitik umgesetzt hat, beruht ein guter Teil unserer bisherigen Mißerfolge. Damit dies in Zukunft vermieden wird, muß eine Neuorganisierung durchgeführt werden.
Keine andere Frage verlangt soviel Kontinuität bei der Umsetzung wie die Kolonisation. Wir haben betont, daß eine der wichtigsten Ursachen für den Mißerfolg unserer Kolonisation im Norden wie im Süden die inkonsequente Arbeit und die Änderung der Politik je nach Regierungswechsel war. Um dies in Zukunft zu vermeiden, muß die Kolonisation dem Generalstab anvertraut werden, einfach aus Verteidigungsgründen. Unsere Armee ist interessiert, daß sich an der Grenzen, insbesondere an den heiklen Grenzen, ihre eigenen Elemente niederlassen. Deshalb wird sie nichts unversucht lassen, durch eine möglichst effektive Kolonisation die Grenzen zu sichern. Der Generalstab als primäre Einrichtung der Verteidigung der nationalen Interessen kann unserer ganzen Kolonisationspolitik unschätzbare Dienste erweisen. Der Generalstab wird die Umsetzung der Kolonisationspolitik aufs beste vor privaten Vermittlern, Gewinnsüchtigen und vor jedem äußeren Einfluß zu schützen wissen. Von Bedeutung ist auch die Tatsache, daß er es leichter haben wird, die Verantwortlichen von der Bedeutung der Frage zu überzeugen, um sie dazu zu bewegen, wirkungsvolle Entscheidungen zu treffen. Auch die Volksskupschtina wird ihm mehr Vertrauen schenken und wird ihm vor allem die nötigen Kredite bewilligen.
Der Generalstab sollte die ganze Arbeit durch einen Staatsrat für Kolonisation leiten. Dieser Rat sollte gänzlich unabhängig sein und nur der Kontrolle des Generalstabschefs unterstehen; dieser Staatsrat sollte alle unsere Kolonisationsgremien unter sich haben. In diesen Rat müssen Repräsentanten einiger in dieser Frage engagierter Ministerien, Vertreter nationaler Gesellschaften, technischer Organisationen und wissenschaftlicher Institutionen eintreten. Der größte Fehler unserer Kolonisationspolitik bestand darin, daß das letzte Wort die unfähige Bürokratie hatte, die die Fragen stückweise und ohne die erforderlichen Untersuchungen löste. Rufen wir uns nur die Kolonisation unserer Wahlbürger aus Ungarn nach Ovce Polje oder der Emigranten aus Istrien und Gorizia, die sich um Demir- Kapi niedergelassen hatten, in Erinnerung. Deshalb ist eine organische Verbindung zwischen Staatsmacht, den Privatinitiativen und den wissenschaftlichen Institutionen in unserer Kolonisationspolitik erforderlich. Die Privatinitiativen können in vielen Richtungen wirken. Volkswehr, Terror- und Verbrecherbanden usw. können solche Handlungen gegen die Albaner unternehmen, für die es nicht opportun wäre, den Staat zu engagieren. Die Gesellschaften der Agronomen, Ärzte und Ingenieure, die Genossenschaften usw. könnten sehr gut mit ihren technischen Ratschlägen zur Lösung der zahlreichen Probleme beitragen, die während unseres Kolonisationsprozesses entstehen. Auch Kulturvereine, etwa der Bildungsverein Prosveta in Sarajevo, die serbische Literaturgesellschaft in Novi Sad, die Gesellschaft St. Sava in Belgrad usw. haben gleichfalls ihre Aufgaben bezüglich dieser Frage.
Es besteht kein Zweifel, daß unsere hohen wissenschaftlichen Institutionen im Begriff sind, das Prestige zu verlieren, das sie einstmals genossen hatten. Der wichtigste Grund dafür ist, daß die Universität und die Akademie der Wissenschaften sich immer mehr vom realen Leben entfernen und die wichtigsten Aufgaben vernachlässigen, die sie in einem relativ rückständigen Land wie unserem haben: der Aneignung der wissenschaftlichen Waffen des 20. Jahrhunderts zum Durchbruch zu verhelfen. Viele Milliarden könnten in diesem Land eingespart werden, zahlreiche Fehler könnten in unserer Staatspolitik vermieden werden, etwa in der Kolonisationspolitik, wenn die Probleme möglichst früh von den besten kompetenten wissenschaftlichen Kräften ernsthaft und objektiv untersucht worden wären, bevor sie gelöst werden. Auch in unsere Kolonisationspolitik wurde mehr Ernsthaftigkeit, Kontinuität in der Arbeit und Effektivität bei der Umsetzung einfließen, wenn zunächst die Meinungen der Spezialisten und Wissenschaftler eingeholt würden. In erster Linie muß die Serbische Königliche Akademie der Wissenschaften und die Universität Belgrad die Initiative für die Organisierung einer wissenschaftlichen Untersuchung des ganzen Kolonisationsproblems bei uns ergreifen. Dies wäre ohne weiteres möglich. An der Universität haben wir Spezialisten für jede Frage bezüglich der Kolonisation. Die Universitätspädagogen und Akademiker sind unabhängig, die kaum einen äußeren politischen Einfluß unterworfen sind. Sie haben schon brauchbare Erfahrung in derartigen Angelegenheiten; ihre wissenschaftliche Aktivierung ist die Garantie für unsere Ziele. Deshalb müssen sie die Initiative ergreifen, um ein Kolonisationsinstitut zu gründen, dessen Aufgabe wäre, Kolonisationsfragen zu untersuchen. Die Staatsmacht ihrerseits sollte aus einigen Ministerien und sämtlichen Institutionen, die sich bislang mit dieser Frage befaßt haben, ein Sonderinstitut zusammenstellen, das "Kolonisationsinspektoriat".
An der Spitze des Kolonisationsinspektoriats sollte ein Generalinspekteur stehen, ernannt per Dekret auf Vorschlag des Kriegsministers, des Generalstabschefs und des Ministerpräsidenten. Alle Arbeiten im Kolonisationsinstitut sowie im Kolonisationsinspektoriat sollten auf Anweisung und unter Aufsicht des Staatsrats erfolgen, der Generalinspekteur hingegen soll vom Generalstabschef abhängen.
Das Kolonisationsinstitut sollte sich in Abteilungen aufgliedern: 1. Organisationsabteilung; 2. Bildung- und Kulturabteilung; 3. Finanzabteilung, 4. Landwirtschaftsabteilung; 5. Bauabteilung; 6. Hygieneabteilung usw. Die Abteilungen sollten in Verbindung mit den wissenschaftlichen, nationalen Bildung- und Kulturinstitutionen die Kolonisationsprobleme untersuchen und Direktiven vorbereiten, indem sie so unserer Kolonisationspolitik ein solides, durchgearbeitetes wissenschaftliches Material in die Hand geben, damit Entscheidungen gefällt werden können. An der Spitze dieser Institution sollten Mitglieder des Staatsrats stehen, zusammengesetzt aus Vertretern der Universität und der Akademie der Wissenschaften, sowie Vertretern der nationalen privaten Kultur- und Bildungsinstitutionen, die in diesem Rat gewählt bzw. ernannt werden sollen. Dabei sollte man dafür sorgen, daß nicht irgendwelche Leute genommen werden, sondern Menschen, die sich dieser großen Arbeit mit Liebe und Leidenschaft widmen.
Die Leiter und die Angestellten des Instituts sind durch Ausschreibung auszuwählen. Das Institut soll dem Kolonisationsinspektorat wissenschaftlich ausgearbeitetes Material für die Umsetzung der Kolonisationspolitik liefern. Im Falle von grundlegenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Kolonisationsinspektorat und Institut behält sich der Generalstabschef des entscheidende Wort vor.
Das Kolonisationsinspektorat muß seine Exekutivorgane im ganzen Land haben, ausgestattet mit begeisterungsfähigen Leuten, die zu dieser Arbeit bereit sind, unabhängig davon, ob sie im Staatsdienst sind oder nicht. Deshalb müssen sie möglicherweise durch Ausschreibung ausgewählt und auf Vorschlag des Generalstabschefs ernannt werden, während kompromittierte und unfähige Beamte abzulehnen sind. Während der Arbeit sollen das Inspektorat und seine Organe, so weit als möglich, bürokratische Formalitäten vermeiden, und sich nur das eine vor Augen halten: die möglichst sofortige Vertreibung der Albaner und die Niederlassung unserer Kolonisten.
Der Polizeiapparat wird eine überaus wichtige Rolle in dieser Angelegenheit spielen. Deshalb ist es erforderlich, die energischsten und loyalsten Beamten auszuwählen und dorthin zu schicken. Ihre Versetzung darf nur mit Zustimmung des Generalstabschefs erfolgen; für eine dermaßen schwierige Arbeit müssen sie aus geheimen Etatposten entlohnt werden. Es müssen strenge Maßnahmen gegen jeden von ihnen ergriffen werden, der sich auch nur die kleinste Unregelmäßigkeit zu Schulden kommen läßt. Für das ganze erwähnte Territorium von 18 Bezirken muß ein Sonderkomissar ernannt werden, der die Befehle des Staatsinspekteurs für Kolonisation durchführt. Den Bezirkspräfekten muß Sondervollmacht und entsprechende Instruktion erteilt werden. Unseren politischen Parteien muß auf unmißverständliche Weise gesagt werden, daß die Parteienrivalität während der Wahlen in diesen Bezirken kategorisch verboten ist, und daß den Abgeordneten jede Einmischung zugunsten der Albaner kategorisch verboten ist.
Die Organisationstechnik der Vertreibung der Albaner und der Niederlassung unserer Kolonisten soll das staatliche Institut und das Kolonisationsinspektorat selbst ausarbeiten. Vielleicht wäre es nicht schlecht, neben diesen beiden offiziellen Institutionen auch eine Privatorganisation zu gründen, die sich auf die bestehenden Gesellschaften stützen soll und die Aufgabe hätte, bei der Umsetzung unserer Kolonisationspolitik zu helfen. Am besten wäre es, wenn diese Arbeit die Liga unserer Kultur- und Bildungsvereine übernehmen könnte. Sie sollte sich für die Koordinierung der Arbeit der Privatvereine mit der staatlichen Kolonisationspolitik kümmern und als Verbindungsstelle zwischen ihnen und dem Kolonisationsinstitut dienen.
Die finanziellen Mittel
So oft unsere Kolonisationspolitik wegen Mißerfolgen bei uns kritisiert worden ist, haben sich ihre Verfechter immer hinter den geringen finanziellen Mittel, die der Staat zur Verfügung gestellt hat, versteckt. Wir bestreiten gar nicht, daß dem in gewisser Weise so ist. Trotzdem wird man zugeben müssen, daß bei uns mehr für die Aufrechterhaltung des Apparats und für eine unrationelle Arbeit, als für die Kolonisation selbst ausgegeben worden ist. Nichtsdestoweniger, wenn der Staat nicht das geleistet hat, was seine Pflicht war, muß man sich einmal fragen, was seine primären und was seine sekundären Interessen sind. Zu den primären Interessen gehört zweifellos auch die Aufgabe des Staates, durch Kolonisation der unsicheren nationalen Gebiete mit dem eigenen Element die Erhaltung eben dieser Gebiete zu gewährleisten. Alle anderen Aufgaben und Verpflichtungen stehen dahinter zurück. Man kann und muß für diese Frage Geld auftreiben. Wir haben schon den Fall Serbiens während der Kolonisation von Toplica und Kosanica sowie die daraus resultierenden Vorteile erwähnt. Wenn noch nicht einmal das kleine serbische Königreich vor großen finanziellen Opfern zurückschreckte, ja nicht einmal zögerte, als freies und unabhängiges Königreich die erste Anleihe für die Kolonisation aufzunehmen, dann sollte doch wohl unser heutiges Jugoslawien in der Lage sein, entsprechendes zu unternehmen! Es kann und muß etwas unternehmen; im übrigen ist es nicht wahr, daß es keine Mittel gibt. Berechnen wir annähernd, was würde die Umsiedlung von 200 000 Albanern und die Niederlassung der gleichen Anzahl unserer Kolonisten den Staat kosten.
Die Umsiedlung von 40 000 albanischen Familien, dabei gehen wir von durchschnittlich fünf Familienmitgliedern aus, würde sich bei einem Kostenaufwand von 15 000 Dinar pro Familie auf höchstens 600 000 000 Dinar belaufen. Die Kolonisationskosten für die Niederlassung unserer 40 000 Familien würden sich auf höchstens 200 000 000 Dinar belaufen. Um diese Dinge zu erledigen, würde man nicht mehr als 800 000 000 Dinar verausgaben. Hier die Gründe:
  1. Die umgesiedelten Albaner werden nicht nur den Boden, sondern auch das Haus und die Arbeitsgeräte zurücklassen. Auf diese Weise wird der größte Teil unserer Kolonisten nicht nur die Häuser der Albaner beziehen, sondern wird sich auch durch eine kleine Vieh- und Nahrungsmittelhilfe wirtschaftlich sanieren und somit unabhängig. Darum heben wir an dieser Stelle hervor, daß man keineswegs zulassen darf, daß mit dem von den Albanern hinterlassenen Eigentum Privatspekulation betrieben wird; hier muß der Staat zugreifen und es dann den Kolonisten übergeben
  2. Während der Gründung der neuen Kolonien muß man dort, wo es notwendig erscheint, Militärkräfte einsetzen, wie beim Aufbau von Sremska Rac und beim Wiederaufbau der vom Erdbeben 1931 zerstörten Häuser im Süden. Dafür sollte man der Armee das Recht und die Möglichkeit verschaffen, durch Einberufung von Reservisten für militärische Übung bzw. durch Verlängerung der Militärdienstzeit eine Art von Zwangsarbeitsdienst für öffentliche Objekte zu schaffen wie Stambolisky in Bulgarien die "Trudova Povinost" und Hitler in Deutschland den "Arbeitsdienst". Es wäre besonders gut, unserer gebildete Jugend nach dem Hochschulabschluß diese Aufgaben anzuvertrauen; denn wenn sie sich mit einer Aufbauarbeit im allgemeinen Interesse beschäftigt, würden viele Jugendliche die Dinge bewußter und realistischer betrachten. Das wäre am leichtesten zu bewerkstelligen, wenn man jene Jugendliche vorzugsweise in den Staatsdienst aufnehmen würde, die sich für eine gewisse Zeit mit den Angelegenheiten unserer Kolonisation befaßt haben. Damit könnte man auch die Arbeitslosigkeit unserer jungen Intelligenz, die bei uns immer mehr ein schwieriges gesellschaftliches Problem wird, einschränken.
  3. In Vereinbarung mit den spezialisierten Organisationen und Gesellschaften sollte man weniger kostspielige Werke zur Urbarmachung der Böden, zur Bewässerung und zur Trockenlegung der Sümpfe usw. sowie zum Wohnungsbau finden. Man sollte die Privatunternehmen darüber in Kenntnis setzen, daß der Staat sie während der Beschaffung des erforderlichen Materials mit Eisenbahntarifen, Zollgebühren, Krediten und anderen Mitteln schützt, daß er aber auch das Recht hat, von ihnen zu verlangen, für eine so wichtige Arbeit Material mit möglichst kleiner Profitspanne auszugeben. Die Frage der Materialbeschaffung muß direkt durch Kartelle gelöst werden. Der Staat wird danach in Vereinbarungen mit diesen Betrieben sowohl die Quantität als auch die Qualität und den Preis der festgelegten Materialien bestimmen. Die staatlichen Unternehmen, das Eisenbahnnetz und insbesondere die Forstbetriebe wie Sipad usw. müssen vollständig zur Verfügung des Staatsrats für Kolonisation stehen.
  4. Während der Kolonisation kann der Staat den Kolonisten Eigentum mit Krediten bzw. mit Bargeld verschaffen. Es wird viele von denjenigen geben, die Grundstücke in neuen Gegenden kaufen werden, nachdem sie ihr Eigentum im Geburtsland veräußert haben. Eigentlich würde sogar diese geringe Kolonisation mehr Schaden als Nutzen bringen. Wenn man Kolonisten herunterschicken sollte, südlich von Crna Gora bei Skopje, sollte man Vranjaner, Leskovcaner nehmen, die den Mazedoniern, was Mentalität und Kultur anbelangt, näher stehen. Auf keinen Fall aber sollte man Dinariker mit ihrem zügellosen und unangenehmen Temperament nehmen, weil bei den Einwohnern mit solchem Element Abscheu verursacht wird. Wir bekräftigen, daß dieses Problem erst dann gelöst werden kann, wenn sich unsere Kolonisten aus dem Norden, durch Kosovo und Metohija Richtung Sar Planina und Pologgebirge vordringend, mit den von Mazedoniern bewohnten Gebieten vereinigen.
Das Problem der Verwaltungseinheit Novi Pazar löst sich gerade von selbst und spielt längst nicht mehr jene Rolle im unseren staatlichen Leben, die es bis 1912 gespielt hat. Wir sollten nur erwähnen, daß mit der Vertreibung der Albaner die letzten Verbindungen unserer Mohammedaner in Bosnien und Novi Pazar mit der alten islamischen Welt unterbrochen werden würden. Sie sind im Begriff, zur religiösen Minderheit zu werden, zur einzigen Minderheit auf dem Balkan; dieses Faktum wird ihre Nationalisierung beschleunigen.
In der letzten Zeit wurde Montenegro zu einem überaus schwerwiegenden Problem. Das verarmte Gebiet ist noch nicht einmal in der Lage, die eigene Bevölkerung zu ernähren; trotz Umsiedlung wuchs die Bevölkerung von 1912 bis 1931 um 16 Prozent. Dieses unruhige Hirtenelement ist unserer Rasse in den Jahrhunderten in Fleisch und Blut übergegangen. Ihre ausreichend kompensierten Energien werden nicht destruktiv sein, sondern können zum allgemeinen Vorteil des Staates genutzt werden, sollten sie in südöstliche Richtung geleitet werden.
Zusammenfassung
Es ist unmöglich, die Albaner lediglich durch schrittweise Kolonisation zurückzuschlagen; es ist das einzige Volk, dem es nicht nur gelang, während des letzten Jahrtausends im Kern unseres Staates, Raska und Zeta, zu überleben; es brachte uns vielmehr auch Schaden, indem es unsere ethnischen Grenzen nach Norden und Osten verschob. Während sich unsere ethnischen Grenzen im letzten Jahrtausend im Norden bis Subotica, im Nordwesten bis zur Kupa ausgedehnt hatten, verdrängten uns die Albaner aus dem Gebiet von Shkodra, der ehemaligen Hauptstadt von Budinov, sowie aus Metohija und Kosovo. Die einzige Möglichkeit und das einzige Mittel ist die brutale Gewalt einer durchorganisierten Staatsmacht, worin wir ihnen immer schon überlegen waren. Daran, daß wir seit 1912 und danach keine Erfolge im Kampf gegen sie hatten, sind wir selbst Schuld, weil wir diese Macht nicht wie erforderlich eingesetzt haben. Von ihrer nationalen Assimilierung zu unseren Gunsten kann überhaupt keine Rede sein. Im Gegenteil, aufgrund dessen, daß man sich auf einen guten Teil der Gelder zurückbekommen. Wir möchten betonen, daß der Boden nur an den verkauft werden kann, der den Beweis erbringt, sich endgültig niederzulassen und den Boden zu bearbeiten. Der auf Kredit überlassene Boden darf nicht übermäßig teuer sein, die Raten müssen minimal sein; die Frist der Rückzahlung soll einige Jahre nach Niederlassung des Kolonisten, daß heißt, nachdem er sich wirtschaftlich konsolidiert hat, beginnen.
Das als Grundlage betrachtend, kann der Staat Mittel aus zwei Quellen rekrutieren: Sämtliche Verwaltungskosten muß der Staat übernehmen und sie durch sein gewöhnliches Einkommen decken; das erreicht er dadurch, daß er unnötige und im Augenblick nicht so wichtige Ausgaben aus anderen Bereichen kürzt. Die andere finanzielle Quelle kann die Anleihe sein, die die Staatsbanken allein oder gemeinsam mit unserem Privatkapital in Form von inneren Zwangsanleihen gewähren werden. Als Grundlage dafür werden die vom Staat ausgegebenen Obligationen sowie Steuern der Kolonisten, wenn sie unabhängig werden, dienen.
Es wäre nicht schlecht, die Finanzierung und den Ankauf der Grundstücke über die Agrarbanken in Zusammenarbeit mit den genossenschaftlichen Vereinigungen unter der unmittelbaren Kontrolle und auf Grundlage der Direktiven des Staatsrates für Kolonisation laufen zu lassen. Doch ist es noch zu früh, zu dieser Frage festgelegte Meinungen zu äußern, denn bisher ist noch unklar, unter welchen Bedingungen die Türkei unsere Umsiedler aufnehmen wird.
Im Vergleich mit den Gewinnen, die der Staat durch diesen Prozeß in Wirklichkeit einstreichen wird, ist die Summe von einigen hundert Millionen Dinar zusammengenommen eine recht kleine Ausgabe für den Staat. Die Absicherung unseres neuralgischen Punktes im Süden durch unser nationales Element erspart uns im Falle eines Krieges einige Divisionen. Indem zigtausende Familien aus unseren passiven Gebieten, insbesondere aus Montenegro, als Kolonisten angesiedelt werden, wird die unerträgliche Wirtschaftskrise in diesen Gegenden erleichtert; zum anderen wird als Ergebnis der großen Arbeit während der Kolonisation möglich gemacht, zehntausend Arbeiter zu beschäftigen; so wird auch unserer trägen Wirtschaft ein Anstoß gegeben.
Dafür ist es die Aufgabe unseres Staates, für eine solche nationale, strategisch- militärische und wirtschaftliche Aufgabe einige Hundert Millionen Dinar zu opfern. Zu einer Zeit, da der Staat in der Lage ist, Milliarden Dinar für den Bau der internationalen Autobahn Subotica-Carigrad zu verausgaben, von dem reale Profite erst in ferner Zukunft herauszuschlagen sind, kann und muß er um so mehr einige Hundert Millionen Dinar aufbringen, die ihm die Wiege unseres Staates ins Eigentum zurückführen würden.
Schlußfolgerung
Alles oben gesagte vor Augen haltend, ist es kein Zufall, daß wir während der Erörterung der Kolonisationsfrage im Süden im Standpunkt ausgehen, daß die einzig wirkungsvolle Lösungsart dieses Problems die massenhafte Vertreibung der Albaner ist. Die allmähliche Kolonisation hat genauso wie in anderen Ländern auch bei uns keinen Erfolg gehabt. Wenn die Staatsmacht sich im Interesse der eigenen Elemente in den Kampf um Boden einzumischen wünscht, kann sie nur dann Erfolg: haben, wenn sie brutal vorgeht. Andernfalls sind die in ihren Geburtsländern verwurzelten und akklimatisierten Einwohner immer stärker als die Kolonisten. In unserem Fall müssen wir uns unbedingt vor Augen halten, daß wir es mit einer grobschlächtigen widerstandsfähigen und gebärfreudigen Rassen zu tun haben, über die der verstorbene Cvijic gesagt hat, sie sei die expansivste auf dem Balkan. Von 1870 bis 1914 hat Deutschland etliche Milliarden Mark ausgegeben, um seine Ostgebiete zu kolonisieren, wobei es den Polen den Boden .schrittweise abgekauft hat. Doch die Fruchtbarkeit der polnischen Mütter bezwang die deutsche Organisation und das deutsche Geld. Auf diese Weise erhielt Polen Poznan 1918 wieder zurück. Unsere Statistiken von 1921 bis 1931, die wir erwähnt haben, zeigen, daß die Fruchtbarkeit der albanischen Frauen auch unsere Kolonisationspolitik zunichte gemacht hat. Daraus müssen wir Schlußfolgerungen ziehen und uns beeilen, Korrekturen vorzunehmen, solange wir noch Zeit haben. Ganz Europa befindet sich in einer brenzligen Lage. Wir wissen nicht, was uns der morgige Tag bringen wird. Der albanische Nationalismus wächst auch in unseren Gegenden. Die Lage so zu lassen, wie sie ist, würde bedeuten, im Falle eines Weltkonflikts oder einer sozialen Revolution, nah und möglich ist das eine wie das andere, unseren gesamten Boden im Süden in Frage zu stellen. Das Ziel dieses Referats besteht darin, das zu vermeiden.
Dr. V. Cubrilovic