Zwei Schweizerinnen zeigen die helle Seite des Kosovo



Energie und Optimismus: Antje Schupp, Beatrice Fleischlin, Labinot Rexhepi und Astrit Ismaili (von links).HO



Beatrice Fleischlin und Antje Schupp haben sich aufgemacht, den jüngsten Staat Europas kennen zu lernen. Dort haben sich die Theaterschaffenden mit Kollegen zusammengetan und das Stück «Love. State, Kosovo» erarbeitet. von Susanne Petrin










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Aktualisiert am 08.11.13, um 13:47 von Hans-Peter Widmer






Kosovo. Das Wort klinge nach «Krisenherd und zahnlosen Alten», nach Trostlosigkeit, beginnt der Pressetext zum Theaterstück. Kosovo. So nah – und doch so fern wie der Mond. Ein europäisches Land, das trotzdem kaum ein Schweizer aus eigener Reiseerfahrung kennt. Dabei ist Prishtina nur 130 Easy-Jet-Minuten von Basel entfernt. Doch wer weiss, wo es genau liegt? Wie die Menschen dort wirklich sind? Was dort aktuell so läuft?
«Wir waren neugierig und wollten mehr erfahren», sagen die Theaterschaffenden Beatrice Fleischlin und Antje Schupp. Sie flogen hin, lernten Land und Leute persönlich kennen, recherchierten monatelang die Geschichte, die Politik, die sozialen Strukturen des Kosovo. «Letzten Sommer haben wir begonnen. Wir haben versucht, unseren eigenen Weg durch das Land zu finden», erzählen sie. «Es war ein langer Prozess.»
Neustart eines Staates
Die beiden Frauen trafen bei ihren Erkundungen zwei junge kosovo-albanische Theaterschaffende, die gut zum Projekt passten: den Performer Astrit Ismaili und den Tänzer Labinot Rexhepi. Zu viert haben sie ein Theaterstück über den Neustart eines Staates, über Selbstfindungs- und Identitätsfragen und über ihr gegenseitiges Kennenlernen erarbeitet. Es heisst «Love. State. Kosovo».
Die beiden künstlerischen Leiterinnen haben sich ein wenig in den Kosovo verliebt. Fremde Menschen zeigten sich dort spontan bereit, sie tagelang in der Gegend herumzuchauffieren. Statt Schwere und Depression fanden sie Energie und Optimismus. Statt kopftuchtragenden Alten sexy junge Frauen. «Ich fühlte mich so underdressed», sagt Beatrice Fleischlin. Erstaunt waren sie auch über die vielen modernen Cafés, Festivals, Clubs – und all die jungen Leute! Der Altersdurchschnitt im Kosovo ist 27. «In Pristina sind alle etwa in unserem Alter», sagt Schupp.
Im Alltag merke man es kaum. Aber natürlich ist auch der Krieg noch präsent, natürlich ist vieles problematisch. «Ich war sieben Jahre alt während des Kosovo-Kriegs», sagt Performer Astrit Ismaili, «aber ich erinnere mich noch an fast alles, auch wenn ich nicht alles verstanden habe. Wir haben aber aufgehört, über den Krieg zu sprechen.» Wir wollen «keine traurige Geschichte» erzählen, sagt er. «Der Kosovo ist keine traurige Geschichte mehr.»
Persönlicher Ansatz
Aber immer noch eine komplizierte. «Es wäre unmöglich, ein objektives Stück über die Politik im Kosovo zu machen; dafür bräuchten wir mindestens acht Stunden», sagen Fleischlin und Schupp. Statt eines politischen hat das Team einen mehrheitlich persönlichen Ansatz gewählt. Sie nähern sich über ihre eigenen Geschichten einander an. «Wir möchten die Gefühle der Zuschauer wecken und die Welt über Gefühle darstellen; das ist die Sprache, die jeder versteht», sagt Ismaili.
Den ganzen Juni hatten die vier in Prishtina geprobt. Sie verständigten sich auf Englisch, obschon Antje Schupp erstaunlich viel Albanisch aufgeschnappt hat. Die Uraufführung folgte am 29. August am Zürcher Theater-Spektakel, im Oktober gab es Aufführungen an der Kaserne Basel und im Kosovo. Nun findet das Stück auch im Programm des Aarauer Theaters Tuchlaube Platz, als Programmpunkt des Theaterfestivals Culturescapes 2013, das einen Balkan-Schwerpunkt hat.
Der az hatten die vier bereits im Sommer eine Kostprobe ihres Theaters gegeben.
Er wolle wirklich bei null anfangen. Von vorn, wie der Kosovo, hatte Astrit Ismaili damals gesagt. Mit seinem Charme kann der 22-jährige Kosovare fast alles wettmachen. Überhaupt spürte man bereits bei den sommerlichen Proben die Neugier, Frische und Lust der vier Theatermacher am Thema. Ismaili hängte sich zwei Holzplatten um die Hüfte: «Meine Grossmutter war ein Tisch», erzählte er, «mit 17 Jahren heiratete sie einen Mann, den sie zuvor nie getroffen hatte. Ihr ganzes Leben lang musste sie Menschen bedienen. Sie ist jetzt 97. Aber sie hat nie aufgehört, zu träumen.» Der Enkel hat sie beim Singen gefilmt und projiziert diesen Film auf der Theaterbühne. Ein Traum der Grossmutter wird nun wahr. Ein berührender Moment.
Flucht aus der engen Welt
Labinot Rexhepi preist die Qualitäten der kosovarischen Männer an. Beatrice Fleischlin nimmt als Ausgangspunkt für ihre Annäherung an den Kosovo die Geschichte ihrer Kindheit mit acht Geschwistern auf einem Bauernhof und der Flucht aus dieser für sie zu engen Welt. Antje Schupp war für die seriösen Fakten über den Kosovo zuständig: Sie klärt auf über die Ethnien, Sprachen, die Flagge, die Geografie.
Genau so, wie die vier sich bei den Proben langsam näher kamen – im Leben und auf der Bühne –, sollen im Stück die Stereotype über den Kosovo und seine Einwohner einem differenzierteren Bild weichen.
Love. State. Kosovo von Beatrice Fleischlin und Antje Schupp. Aarau, Theater Tuchlaube, Sa 23. November, 20.15 Uhr.

(az Aargauer Zeitung)




habe ich gesehen am theater-sektakel in zürich im Sommer......
hat gute ansätze aber die ganze sache ist mir etwas zu flach!!!!

die 2 jungs sind jedoch sehr gute schauspieler.