Gestern in Arte, aber die Wiederholung ist am 6.11.

Toller Film, über die Subventions Betrügereien in Albanien 1991.

PROGRAMM INFO

Mittwoch, 26. Oktober 2005 um 22:40
VPS : 22.40
Wiederholungen :
06.11.2005 um 00:50

Lamerica
Spielfilm, Frankreich / Italien 1994, ARD, Erstausstrahlung
Regie: Gianni Amelio, Drehbuch: Gianni Amelio, Andrea Porporati, Alessandro Sermoneta, Kamera: Luca Bigazzi, Musik: Franco Piersanti, Schnitt: Simona Paggi; Ton: Alessandro Zanon, Produktion: Arena Films, Produzent: Mario Cecchi Gori, Vittorio Cecchi Gori
Liliana Subashi (Krankenhausarzt), Artan Marina (Ismail), Vassjan Lammi (Polizist im Café), Nikolin Elezi (sterbender Mann), Elona Hoti (tanzendes Mädchen), Ilir Ara (Orphanages Bodyguard), Enrico Lo Verso (Gino), Michele Placido (Fiore), Carmelo Di Mazzarelli (Spiro), Elida Janushi (Selimis Cousine), Sefer Pema (Gefängnisleiter), Piro Milkani (Selimi), Idajet Sejdia (Dr. Kruja), Marieta Ljarja (Betriebsleiter), Elina Ndreu (Nachtclubsängerin)


Die Italiener Fiore und Gino planen in den Wirren des postkommunistischen Albaniens einen Subventionsbetrug. Diese Unternehmung verwandelt sich für die beiden arroganten Geschäftsmänner in eine gefährliche Odyssee durch ein ausgeblutetes Land. - Ein Film aus der Oktober-Reihe "Europäische Regisseure".


ARD © ARD/Degeto
Albanien 1991: Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus herrscht in dem einst von der Außenwelt isolierten Land das pure Chaos. Der italienische Geschäftsmann Fiore und sein Helfer Gino sehen darin eine günstige Gelegenheit, sich durch einen Subventionsbetrug zu bereichern. Doch für den Kauf einer maroden Schuhfabrik brauchen sie einen einheimischen Strohmann. Die perfekte Besetzung scheint ihnen der verwirrte Spiro, der nach 50 Jahren politischer Haft in einem albanischen Arbeitslager den Kontakt zur Realität verloren hat. Er hält das verwüstete Land irrtümlich für das durch den Zweiten Weltkrieg zerstörte Italien und sich selbst für einen 20-jährigen Deserteur. Spiro spielt bereitwillig seine Rolle als "Präsident" der Scheinfirma. Es fehlt nur noch eine letzte Unterschrift, als er plötzlich spurlos verschwunden ist. Widerwillig reist Gino auf der Suche nach Spiro durch das ausgemergelte Land, dessen Armut und allgegenwärtigen Zerfall er nur schlecht ertragen kann. Als er Spiro schließlich findet und mit ihm die Rückfahrt antritt, wird sein Jeep geplündert. Die beiden schließen sich einem Heer von Armutsflüchtlingen an, die auf ihrem strapaziösen Marsch zur Küste sind. Spiros arglose Güte und Hilfsbereitschaft stimmen den arroganten Geschäftsmann Gino nachdenklich. Als er aber erfährt, dass das Geschäft längst geplatzt ist, setzt er den verwirrten alten Mann in einem Heim ab. Nach kurzer Haft in einem albanischen Gefängnis schlägt sich Gino verzweifelt, ohne Geld und Pass zum Hafen durch - als einer von Tausenden albanischer Flüchtlinge, die auf einem hoffnungslos überfüllten Schiff Richtung Italien aufbrechen.

Das kleine Extra

Mit "Lamerica" gelang Gianni Amelio ein einfühlsames und poetisches Reise-Melodram über Emigration und menschliche Würde. Der 1945 in Kalabrien geborene Regisseur drehte das beklemmende Flüchtlingsdrama an Originalschauplätzen in Albanien. Die Idee entstand 1991, als zwei Schiffe mit mehr als zehntausend Albanern im italienischen Bari anlegten. Zugleich ist für Amelio die Story eine Reise in die eigene Vergangenheit, in die karge Welt seiner Kindheit, das vom Krieg und der Diktatur wirtschaftlich ausgeblutete Italien, von wo etliche seiner Verwandten einst voller Hoffnungen in die Ferne emigrierten. So auch Amelios eigener Vater, der 1947 nach Südamerika auswanderte und erst 17 Jahre später nach Italien zurückkehrte. In der markanten Rolle des Spiro gab der 80-jährige Fischer Carmelo Di Mazzarelli sein Debüt als Schauspieler. Für die Rolle des Gino griff Amelio wie schon in "Gestohlene Kinder" (1992) auf den Sizilianer Enrico Lo Verso zurück. Amelio entdeckte früh seine Liebe zum Kino: Als Kind besuchte er einmal wöchentlich mit seiner Großmutter eine Filmvorstellung. Doch begann er zuerst ein Studium der Philosophie, das er nach zwei Jahren abbrach, um in Rom als Produktionsassistent bei Regisseur Vittorio de Seta zu arbeiten. Weitere Assistenzen bei Gianni Puccini, Ugo Gregoretti und Liliane Cavanni sowie eine Zeit beim italienischen Fernsehen folgten, wo Amelio seine ersten Regiearbeiten realisieren konnte. Die Frage nach der eigenen Identität und der seines Landes, nach dem Ursprung der italienischen Wohlstandsgesellschaft der 90er Jahre, zieht sich dabei wie ein roter Faden durch alle seine Werke. Sein Kinodebüt gab er 1982 mit "Ins Herz getroffen", internationale Anerkennung erlangte er mit seinem Drama "Offene Türen" (1989), für das er unter anderem 1990 mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Weitere große Erfolge folgten. In Zweijahresabständen heimste "der neue De Sica" noch zwei weitere Male den Europäischen Filmpreis ein: 1992 für "Gestohlene Kinder", ein Roadmovie über das Thema Kindesmissbrauch, der außerdem mit dem Großen Preis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes prämiert wurde, und ein drittes Mal 1994 für sein Flüchtlingsdrama "Lamerica". Nach dem 1998 bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneten Migrationsdrama "So haben wir gelacht" (1998) meldete sich Gianni Amelio nach sechs Jahren mit "Die Hausschlüssel" zurück, der wohl diesen Herbst im deutschen Kino anlaufen wird. Amelios "Lamerica" erhielt neben dem Europäischen Filmpreis noch zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter 1995 einen "Silver Ribbon" für die beste Regie und Kamera, bei den David di Donatello Awards drei Mal den "David" für die beste Kamera, den besten Ton und die beste Filmmusik und 1994 mehrere Auszeichnungen im Rahmen des Filmfestivals von Venedig. ARTE zeigt Gianni Amelios "Lamerica" im Rahmen der Oktober-Reihe "Europäische Regisseure".

http://www.arte-tv.com/de/woche/244,...year=2005.html