Ärzte ohne Grenzen appellieren an G8 zur Unterstützung vom Hungertod bedrohter Kinder



16:39 | 03/ 07/ 2008
MOSKAU, 03. Juli (RIA Novosti). Die internationale humanitäre Organisation "Ärzte ohne Grenzen" hat die Staatschefs der Gruppe der Acht aufgerufen, eine hinlängliche Finanzierung der Programme zur Lebensmittelversorgung der an Erschöpfung und Unterernährung leidenden Kinder sicherzustellen.
"95 Prozent der Kinder mit akuter Dystrophie werden nicht in gebührender Weise medizinisch versorgt. Die G8-Staatschefs könnten Sofortmaßnahmen treffen, damit die lebensnotwendige Therapie für die Kinder zugänglich ist", wird die Nahrungsberaterin der Organisation, Susan Shepherd, in einer am Donnerstag verbreiteten Pressemitteilung der Organisation zitiert.
Nach UN-Schätzungen werden für die Finanzierung der komplexen Nahrungsstrategien für Kinder und Frauen aus 100 Millionen gefährdeten Familien jährlich acht Milliarden US-Dollar benötigt. 1,5 Milliarden US-Dollar davon sind für die medizinische Behandlung von Kindern notwendig, die vom Hungertod bedroht sind.
Laut der Pressemitteilung sollen die G8-Staatschefs Möglichkeiten dafür bieten, dass die Länder, die von diesem Problem am stärksten betroffen sind, ihre medizinischen Programme ausweiten und mit hocheffektiver fertiger Heilnahrung rechnen können.
Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" hebt besonders das Hungerproblem in den Konfliktregionen wie Äthiopien und Niger hervor. So wurden in der äthiopischen Provinz Oromiya seit Mitte Mai mehr als 6500 Kinder mit schwerer Erschöpfung in Behandlung genommen.
Das Problem wird durch die weltweit zunehmenden Lebensmittelpreise noch mehr erschwert, da die Armen den Verzehr von Milch, Eiern und Fleisch reduzieren müssen. Laut der Pressemitteilung sind "diese Lebensmittel für die Kleinkinder notwendig, damit diese richtig wachsen, sich entwickeln und Krankheiten widerstehen können".
Bei den Lebensmitteln, die im Rahmen der humanitären Hilfe für die Kinder bereitgestellt würden, handele es sich jedoch um Mais- oder Weizen-Soja-Grützen, die keine tierischen Proteine enthielten, heißt es. Solche Hilfsgüter seien bei der Lösung des Unterernährungsproblems wenig effektiv.
In dem Dokument wird darauf verwiesen, dass die USA Ende der 80er Jahre, als es im Land keinen Milchüberschuss gegeben hatte, diesen Inhaltsstoff aus dem angereicherten Mehl im Rahmen der Lebensmittelhilfe ausgeschlossen hatten. "Doch billige Lösungen in dieser Frage können gefährlich sein", unterstreichen die "Ärzte ohne Grenzen".
Die Organisation ruft in diesem Zusammenhang die G8-Staatschefs auf, die vom 7. bis 9. Juli auf der japanischen Insel Hokkaido beraten werden, an substantielle und langfristige Investitionen in die Zukunft der Kinder zu denken.
Nach Angaben der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" wurden nach ihren Projekten in den Jahren 2006 und 2007 insgesamt 150 000 Kinder in 22 Ländern durch Heil- bzw. Zusatzernährung kuriert.