Eurovision

Ausgerechnet Malmö

Musikwettbewerb in der Stadt der Anti-Israel-Demos
21.02.2013 – von Elke Wittich



Multikulturalismus? Austragungsort für den Eurovision Song Contest ist in diesem Jahr das schwedische Malmö, das schon des Öfteren mit juden- und israelfeindlichen Aktionen von sich reden machte.
© PR

Norwegisch, deutsch, israelisch, belgisch – wenn Fans ausgiebig Flagge zeigen, geht es meist um Fußball oder Musik. Das wird vom 14. bis 18. Mai 2013 nicht anders sein, wenn der Eurovision Song Contest im schwedischen Malmö ausgetragen wird.

Ausgerechnet in Malmö, wo 2009 ein Tennismatch um den Davis Cup zwischen Schweden und Israel vor leeren Rängen stattfinden musste, weil niemand anderes als der Bürgermeister Ilmar Reepalu die Stimmung mit juden- und israelfeindlichen Bemerkungen derart aufgeheizt hatte, dass am Ende niemand die Verantwortung für die Sicherheit der israelischen Sportler übernehmen wollte.

Die schwedische Sängerin Loreen hatte im vergangenen Jahr in Baku ihren Siegertitel Euphoria noch nicht ganz zu Ende gesungen, da begann in Schweden schon die Diskussion über den idealen Austragungsort. Reepalu kämpfte engagiert für Malmö, das er als Hort des Multikulturalismus anpries – und gewann. Nicht alle Schweden sind über diese Entscheidung glücklich: Die Bilder von 2009, als hasserfüllte Demonstranten mit Hamas-Fahnen das Tennisstadion am liebsten gestürmt hätten, sind vielen noch präsent.

SCHLAGERFANS
Jetzt werden Fragen gestellt, die niemand, und schon gar nicht Reepalu, bisher beantwortet hat: Können sich israelische Schlagerfans in Malmö sicher fühlen? Oder werden sie, anders als alle anderen Song-Contest-Anhänger, ihre Fahnen verstecken müssen, wenn sie abends in der Stadt feiern gehen? Wird es Demonstrationen gegen die israelische Teilnahme geben?

Eine weitere Frage hat sich mittlerweile geklärt. Das Ereignis wird erstmalig nur von einer Person moderiert. Das schwedische Fernsehen entschied sich, die Komikerin Petra Mede allein durch das Programm führen zu lassen. Zunächst war das Duo Gina Dirawi und Danny Saucedo favorisiert worden.

Die Moderatorin Dirawi, die bereits mehrmals mit Äußerungen wie »Die israelische Regierung macht das Gleiche wie Hitler, nur mit anderen Mitteln« aufgefallen war, hatte zuletzt im November 2012 für Schlagzeilen gesorgt, als sie auf ihrem Blog das Buch eines Holocaustleugners empfohlen hatte. Doch nun lässt das schwedische Fernsehen kein Duo mit dem weiblichen Part Gina Dirawi antreten – offiziell aus »Kostengründen«.

Jüdische Allgemeine / POLITIK / Eurovision - Ausgerechnet Malmö