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"Freiheit kann man nicht essen"

Mit Hamed Abdel-Samad unterwegs in Kairo

Auf seinem Weg durch Kairo wird Theo Koll begleitet von Hamed Abdel-Samad. Der 40-Jährige ist gebürtiger Ägypter und lebt seit Anfang der 90er Jahre in Deutschland. Verabschiedet hat er sich jedoch nicht von seinem Heimatland – immer noch verbringt er Zeit in Ägypten und kommentiert die Entwicklungen der Revolution im arabischen Raum.

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von Natalie Knapp
Die Aufstände 2011 hat Hamed Abdel-Samad in Ägypten selbst miterlebt, als einer der Demonstranten auf dem Tahrir-Platz. Wie viele andere war Samad der Meinung, mit dem ersten arabischen Frühling habe sich das Thema der Diktatur erledigt. Doch es kam anders. Fast zwei Jahre später demonstrieren die Menschen jetzt wieder auf dem Tahrir-Platz. Die Ägypter sind „nicht revolutionsmüde“ geworden, beschreibt Samad. Es führe „kein Weg zurück“. Für Ägypten könne es nur vorwärts gehen.

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Der gebürtige Ägypter Abdel-Amad lebt seit 1995 in Deutschland. (Quelle: ZDF)

Die Rolle des Westens
Die Rolle des Westens während des Arabischen Frühlings sieht Samad, der in Augsburg Politikwissenschaft studiert hat, kritisch. Vor allem Waffenlieferungen an arabische Regime hätten revolutionäre Bewegungen verzögert. Helfen könne der Westen momentan vor allem wirtschaftlich. Er hoffe, dass die Ägypter pragmatisch in die Zukunft schauen, denn „Freiheit kann man nicht essen“. Was Ägypten nun brauche, sei eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Westen, und zwar auf Augenhöhe, betont Samad. Denn nur eine produktive Wirtschaft könne Stabilität bringen – und Ägyptens Jugend eine Perspektive bieten.Die Zukunft Ägyptens
Auch bei dieser zweiten Revolution spielen junge Menschen eine entscheidende Rolle. Ob in Blogs über das Internet oder vor Ort auf dem Tahrir-Platz: Viele Jugendliche demonstrieren für eine stabile, demokratische Verfassung. Im Augenblick steckt Ägypten jedoch mitten in einem Machtkampf zwischen liberalen und islamistischen Kräften.Hamed Abdel-Samad selbst wurde religiös erzogen. Sein Vater war Imam, Samad lehrte Islamwissenschaft an der Uni Erfurt und arbeitet mittlerweile am Institut für Jüdische Kultur und Geschichte in München. Samad geht es um den Dialog und um den Umgang zwischen den Religionen. Für Ägypten sieht er die Gefahr, dass die Muslimbruderschaft die Staatsmacht an sich reißen will: „Entweder schaffen sie es jetzt, die Macht zu ergreifen oder sie werden es nie schaffen“. Samad setzt auf die Jugend und auf die intellektuellen Kreise Ägyptens. Es werde ein langer Weg mit vielen Opfern, aber er habe Hoffnung für eine liberale Zukunft Ägyptens.

11.12.2012