Im US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba sind nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation mehr als 60 Kinder festgehalten worden. Das berichtet die britische Zeitung "Independent on Sunday" und beruft sich auf die Londoner Menschenrechtsorganisation Reprieve.

Lange Verhöre und Einzelhaft
Noch heute sollen mindestens zehn Menschen in Guantánamo sitzen, die bei ihrer Gefangennahme 14 oder 15 Jahre alt gewesen seien. Sie hätten ebenso wie die anderen Häftlinge Einzelhaft, lange Verhöre und vermutlich Folter erdulden müssen.

Spannungen zwischen London und Washington?
Dem Blatt zufolge könnte der Bericht die Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien, dem engsten Verbündeten Washingtons im Anti-Terrorkampf, beeinträchtigen. Denn nach Angaben aus Regierungskreisen in London sollen die USA Großbritannien versichert haben, keine Kinder in dem Lager festzuhalten. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums erklärte gegenüber der Zeitung, keiner der in Guantánamo Inhaftierten sei unter 18.

Gefangen ohne Anklage
In Guantánamo werden rund 490 Terrorverdächtige festgehalten. Die meisten von ihnen wurden nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan im Herbst 2001 festgenommen. Bislang wurde lediglich gegen zehn von ihnen Anklage erhoben. Die USA verweigern den Inhaftierten den Status und damit auch die Rechte von Kriegsgefangenen; die meisten von ihnen haben keinerlei Rechtsbeistand.

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