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Ein Besuch in der Kirche der Gottlosen

Erstellt von Monte-B, 24.10.2014, 13:29 Uhr · 2 Antworten · 407 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    30.01.2014
    Beiträge
    2.383

    Ein Besuch in der Kirche der Gottlosen

    Die Aktion Lies wäre hier hilfreich um den Menschen den Weg zur Wahrheit zu weisen.
    Ein Besuch in der Kirche der Gottlosen

    Nur einer von zehn Amerikanern glaubt nicht an Gott. Aber die Gemeinde der Atheisten wächst, sie betreiben sogar schon Kirchen. Ein Abend bei den Gottlosen von New York, inklusive dem Wort "Amen".



    Von Hannes Stein,New York



    Foto: The Washington Post/Getty Images
    In Amerika wächst die Gemeinde der Atheisten

    Im Stone Creek Inn, hatte es geheißen; um sieben Uhr abends; im Hinterzimmer. Als ich ankam, saßen in dem kleinen Raum schon etwa ein Dutzend Leute an verschiedenen Tischen. Fast alle hatten selbst beschriftete Namensetiketten an der Kleidung kleben. Ein freundlicher älterer Herr mit weißem Haarkranz, der Ron hieß, unterhielt sich quer über das Zimmer mit einem anderen älteren Herrn darüber, ob die Beschneidung eines Mannes dessen Sexleben beeinträchtigt.
    UmfrageWürden Sie in eine atheistische Kirche gehen?

    • Ja
    • Nein
    • Vielleicht







    In dieser offenen Gruppe, die sich regelmäßig in New York trifft, bin ich offenbar richtig, dachte ich, denn für diese Frage interessieren sich doch eigentlich nur Atheisten. Nach mir hatte eine junge schwarze Frau den Raum betreten, deren Namensschild ich nie zu sehen bekam. Sie setzte sich zu Ron an den Tisch, und dann unterhielten die beiden sich darüber, warum es unter jungen schwarzen Frauen verhältnismäßig wenige Atheisten gibt.
    Erstens, weil die meisten Schwarzen traditionell und fromm sind; und schwarze Frauen sind es erfahrungsgemäß noch ein bisschen mehr. Sie komme aus Atlanta, sagte die junge Frau, und ihre Familie halte sie naturgemäß für verrückt, habe ihr inzwischen aber vergeben. Dann begann der offizielle Teil des Abends.
    Nach einer halben Stunde endet die Diskussion bei Hitler

    Ein grauhaariger, schlanker Mann namens Michael eröffnete die Diskussion: Warum falle es linksliberalen Amerikanern, die keine Probleme hätten, kritische Worte zum Christentum zu finden, so schwer, den Islam zu kritisieren? Weil sie fürchten, als Rassisten zu gelten?

    Foto: MCT via Getty Images
    Auch ohne Religion glücklich: Immer mehr Menschen in den USA werben für ein Leben ohne Kirche

    Kaum hatte er diese Frage in den Raum gestellt, schon fingen die Argumente an, wie Spielzeugeisenbahnen ineinander zu krachen. Wegen des Imperialismus, sagte Irving, ein junger Mann im Rollkragenpullover. Weil die Amerikaner nur wegen Öl den Irak überfallen hätten. Und wegen Israel, eines Staates, in dem Nichtjuden keine Rechte besäßen, während die PLO eine säkulare Organisation sei.
    Freundlich wurde der Mann im Rollkragenpullover belehrt, dass zumindest letzteres Unsinn sei, und schon rannte die Debatte weiter: Vom Selbsthass der Linksliberalen war die Rede, vom übertriebenen Schuldbewusstsein des weißen Mannes, wobei man doch nun einmal ohne Rücksicht auf "political correctness" sagen müsse, dass die großen Kulturleistungen der Menschheit von weißen Europäern vollbracht wurden.
    Auf dem Rücken von Sklaven, ergänzte die junge schwarze Frau aus Atlanta. Aber in welchen Ländern existiere die Sklaverei heute noch? In muslimischen Ländern, stellte ein Herr mittleren Alters mit Brille (John) trocken fest. Nach einer halben Stunde war die Diskussion nach mehreren Zugkatastrophen und Entgleisungen bei Mao, Stalin und Hitler angekommen. Es sei eine Lüge, rief Brian, ein junger Alleswisser mit Halbrundbrille, dass es sich bei diesen Irren um Atheisten gehandelt habe! Hitler sei Okkultist gewesen, und Stalin habe von einer höheren Macht gesprochen!
    Die Zweifel an Gott, sie nehmen zu

    Nur einer von zehn Amerikanern sagt "Nein", wenn man ihn fragt, ob er an Gott glaubt. Und nur 49 Prozent der Amerikaner vertrauen der Evolutionstheorie zumindest irgendwie. Allerdings steigt die Zahl jener, die Zweifel an Gottes Existenz äußern. Barack Obama hat nach seinem ersten Amtseid als erster Präsident neben Christen, Juden, Muslimen usw. ausdrücklich auch Ungläubige zum amerikanischen Staatsvolk gezählt.

    Nach der Debatte beim Bier an der Bar erzählte Michael, dass die amerikanische Atheisten mittlerweile in jener Phase angelangt seien, wo sie in verschiedene Fraktionen zerfielen, die Sekten oft zum Verwechseln ähnlich sähen. Lee, ein sympathischer Mann mit Bärtchen aus North Carolina, erzählte, der wichtigste Gegensatz sei jener zwischen den harten Atheisten der älteren Generation und den jüngeren, die das Thema etwas entspannter betrachteten.
    Er selbst gehöre zur Hardcore-Fraktion, das habe aber mit seiner Geschichte zu tun: Er sei in einer Gemeinde von Südstaatenbaptisten aufgewachsen und habe schon als Kind – mithilfe des Astronomen Carl Sagan – zum Unglauben gefunden. Seines Atheismus wegen sei er buchstäblich mit Messern attackiert worden. Michael ergänzte, er und ein Freund seien aus einer atheistischen Organisation hinausbefördert worden, weil dieser Verein mittlerweile zu etwas sehr Kirchenähnlichem verkommen sei; eigentlich habe es sich um eine Exkommunikation gehandelt.
    Wenn die Burka zu unamerikanisch ist

    Ob denn alle amerikanischen Atheisten "liberals", also Linksliberale, seien, wollte ich irgendwann wissen. Nein, tönte es mir im Chor entgegen. Ungefähr 40 Prozent der amerikanischen Gottlosen seien konservativ. Allerdings handle es sich bei den meisten dieser Leute um "libertarians", also im wörtlichen Sinne um Staatsfeinde: konservative Anarchisten, die einen ungefesselten Kapitalismus wollen.

    Foto: picture alliance / Photoshot
    Viele atheistische Clubs sind heute organisiert wie Kirchen. Es gibt sie auch weltweit, zum Beispiel hier in London

    Ob sich denn solche Konservative im Raum befänden? Niemand hob die Hand. Gott ja, wir befanden uns eben in New York, einem traditionell sehr linken Pflaster. Dann fragte ich, wer hier ein Verbot der Burka im Namen der Aufklärung befürworten würde. Lee (und die Gruppe der um ihn Herumstehenden) war sofort dafür, Michael dagegen.
    Zu unamerikanisch, sagte er. Er finde die Burka zwar scheußlich, aber die Regierung solle nicht die Macht haben, eine Kleiderordnung zu erlassen. Naturgemäß erntete er auf der Stelle Widerspruch: Ob er den Verstand verloren habe? Die Burka sei ein Zeichen der Unterdrückung, und die belgische Lösung – keine Burka, nirgends – doch vorbildlich zu nennen. Aber Michael beharrte.

    Foto: picture alliance / Photoshot
    Anders als Kirchen nutzen Atheisten aber ganz normale Mehrzweckhallen, um ihre Botschaft zu verbreiten



    Allen Diskutanten war nebenbei klar, dass sie hier über etwas Utopisches redeten – der erste Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung würde ein Verbot der Burka in den Vereinigten Staaten ohnehin unmöglich machen. Am Ende beschloss Michael den Diskussionsabend mit dem schönen Wort: Amen.

  2. #2
    Avatar von Dadaş

    Registriert seit
    18.05.2014
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    254
    Zitat Zitat von Monte-B Beitrag anzeigen
    Die Aktion Lies wäre hier hilfreich um den Menschen den Weg zur Wahrheit zu weisen.

    Lies= Lügen ist das nicht interessant ?

  3. #3
    Avatar von Cobra

    Registriert seit
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    Beiträge
    64.191
    Dir sollte man den Weg weisen...

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