Fünf Jahre nach der amerikanischen Offensive hat sich die Lage der Frauen in Afghanistan kaum verbessert. Im Gegenteil, die Taliban gewinnen an Einfluss. Um sich ein aktuelles Bild zu verschaffen, hat der Ausschuss für Frauenrechte des Europa-Parlaments an diesem Montag afghanische Abgeordnete nach Brüssel eingeladen.

Eine Mitarbeiterin des afghanischen Außenministeriums klagt, dass für Mädchen in ihrer Heimat der Schulbesuch immer noch nicht garantiert ist: "Selbst wenn Schulgebäude da sind, wird in bestimmten Provinzen der Zugang verwehrt. Bestimmte Personen, die nicht wollen, dass Mädchen ausgebildet werden, lassen sie nicht in die Schule hinein. Und insbesondere deswegen bitten wir um Hilfe der Europäischen Union."

Gut 200 Millionen Euro hat allein die EU-Kommission jährlich für den Wiederaufbau bereitgestellt, hinzu kommt humanitäre Hilfe. Doch es geht nicht nur um Geld. "Das ist ein Land, in dem die Frauen noch alles erkämpfen müssen", kritisiert die belgische Sozialdemokratin Veronique de Keyser. "Angefangen von der Sicherheit, die prekär bleibt, sobald man Kabul verlässt, über das Bildungsniveau und das Gesundheitswesen. Die Sterblichkeit der Frauen bei der Niederkunft und die der Kinder gehören zu den höchsten der Welt."

Den strengen Islamisten in Afghanistan geht inzwischen auch die Medienfreiheit zu weit. Die Gesetze, die vor zwei Jahren von Präsident Hamid Karzai erlassen wurden, werden derzeit vom Parlament überarbeitet. Es bleibt noch viel zu tun in Afghanistan: Die Alphabetenrate lag laut EU-Statistik vor drei Jahren bei gut 40 Prozent für Männer lag, aber nur bei 14 für Frauen.

Quelle: http://www.euronews.net/index.php?pa...e=408594&lng=3