[h1]Deutschland hatte über 700 Atombomben[/h1]
Erschienen am 16. November 2008
Ex-Kanzler Helmut Schmidt stoppte den "todbringenden Unsinn" (Foto: dpa) Entgegen den bisherigen Aussagen von Politikern und den Erkenntnissen von Historikern sollen bereits ab Mitte der 60erJahre etwa 700 geheime Atombomben in der Bundesrepublik gelagert worden sein. Diese hatten die USA Deutschland für den Fall eines Angriffs auf das Bundesgebiet zur Verfügung gestellt. Das schreibt das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf den Münchner Geschichtsforscher Detlef Bald.Der Historiker habe in verschiedenen Archiven Dokumente gefunden, die die geheime atomare Aufrüstung zweifelsfrei belegten. "Nur etwa zwei Dutzend Menschen waren damals in die Pläne eingeweiht", sagte Bald, der bis 1996 wissenschaftlicher Direktor am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr in München war.
Für nuklearen Erstschlag gedacht

Bald, der unter anderem Zugriff auf das Privatarchiv von Ex-Kanzler Helmut Schmidt hatte, habe die bisher unwidersprochene Auffassung von Forschern, Politikern und Generälen widerlegt, die diese geheimen Atombomben in Deutschland als "Gerüchte" oder "Hirngespinste" der Friedensbewegung abgetan hätten, schreibt das Magazin. "Die Atombomben sollten gezündet werden, wenn Deutschland angegriffen wird. Sie waren für den nuklearen Ersteinsatz gedacht", wird Bald zitiert.Militär entschied über Einsatz

Die Sprengkraft der ADMs (Atomic Demolition Munition) und deren kleinerer Version, SADM (Special Atomic Demolition Munition), betrug demnach 0,2 bis 45 Kilotonnen. Jede einzelne der großen sogenannten Atom-Minen - davon lagerten in der Bundesrepublik mindestens 50 - besaß damit die mindestens dreifache Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe, wie "Focus" schreibt. Bald zufolge entschied allein das Militär über den Einsatz der Waffen: "Kein deutscher, kein amerikanischer Politiker hätte zustimmen müssen.""Todbringender Unsinn"

Der Wissenschaftler belegt diese Aussage mit den gefundenen Geheim-Dokumenten. Als Schmidt 1969 unter Bundeskanzler Willy Brandt Verteidigungsminister wurde, stoppte er demnach den "todbringenden Unsinn". Zusammen mit seinem US-Kollegen Melvin Laird habe Schmid einen Erfolg erreicht, der in dem Dokument "Deutsche Einsatzbeschränkungen für ADM (National Constrains)" am 23. Oktober 1973 festgeschrieben worden sei. Schmidt bestätigt Bericht

"Damit werden die Atom-Minen aus Deutschland beseitigt und dem Militär die Macht entzogen", erklärte Bald. Am Freitag erscheint Balds Buch "Politik der Verantwortung", in dem er die Ergebnisse seiner Forschung zusammenfasst. Altkanzler Schmidt bestätigt darin laut "Focus" die Recherchen des Wissenschaftlers.