In feindlichen Tiefen - Der geheime U-Boot-Krieg der Supermächte

15. Juni 2005 um 20.45 Uhr in Geschichte am Mittwoch

Der Kalte Krieg fand auch auf und unter den Weltmeeren statt. Der Dokumentarfilm berichtet von den größtenteils bis heute geheimen U-Boot-Operationen der ehemaligen Supermächte USA und UdSSR. Dabei gab es zahlreiche Unfälle, denen auch Menschen zum Opfer fielen.

Weitab vom Festland belauerten sich während des Kalten Krieges die Supermächte UdSSR und USA auf den Weltmeeren. Doch amerikanische U-Boote drangen auch in sowjetische Häfen ein, beschatteten ihre Gegner und spionierten erfolgreich auf dem Meeresgrund. Die sowjetischen Kontrahenten hatten mit drei Gegnern zu kämpfen: den Amerikanern, der Natur und ihrer eigenen Technik. Es war ein Kampf mit furchtbaren Verlusten. Während die Amerikaner kein einziges ihrer U-Boote durch einen Nuklearunfall verloren, gab es in der sowjetischen Marine eine ganze Reihe von Atomhavarien. Und es gab Tote. Beide Supermächte haben mehrfach U-Boote durch Unfälle verloren, und wie viele Unterwasserkollisionen es gab, ist unklar. Der Film beschäftigt sich mit allen Facetten der größtenteils noch immer geheimen Operationen. Er beschreibt riskante Spionage-Einsätze der US-Kampfschwimmer in sowjetischen Gewässern. Zu ihren Aufgaben gehörte es, auf kürzeste Distanz Fotos von sowjetischen U-Booten zu schießen, und zwar in sowjetischen Häfen, mitten zwischen Wachsoldaten. Weitere Themen des Films sind der schreckliche Atomunfall an Bord der sowjetischen K-19 und das mysteriöse Verschwinden der K-129, deren Wrack von den Sowjets nie gefunden und von den Amerikanern in einer 500 Millionen Dollar teuren Geheimaktion heimlich geborgen wurde. John Craven, ehemaliger Chefwissenschaftler der US-Navy, glaubt, dass dieses U-Boot bei dem Versuch sank, eine Atomrakete auf Hawaii abzuschießen. Craven beschreibt anschaulich die Entwicklung der U-Boote zu Raketenabschussbasen und erläutert die von ihm mitentwickelte Idee der Abschreckung: die Androhung der gegenseitigen Vernichtung bei garantierter Verwundbarkeit. Eine Idee, die jahrzehntelang den Frieden sicherte, aber immer Gegner hatte. Zum Beispiel Edward Teller, der die atomare Vernichtung der Sowjetunion insgeheim herbeisehnte, und Ronald Reagan, der den Kalten Krieg nicht überleben, sondern gewinnen wollte. Zu diesem Zweck waren ihm und seiner Regierung viele Mittel recht. Dazu gehörte auch die Täuschung befreundeter Streitkräfte und die gezielte Beeinflussung der öffentlichen Meinung verbündeter Staaten durch die Inszenierung von Ereignissen. Ola Tunander, Professor für Friedensforschung und ehemaliger U-Boot-Experte der schwedischen Regierungskommission zur Untersuchung der U-Boot-Zwischenfälle in schwedischen Gewässern, ist sich sicher, dass die angeblich sowjetischen U-Boote, die Anfang der 80er Jahre erfolglos von den Skandinaviern gejagt wurden, in Wirklichkeit Teil der psychologischen Kriegsführung der Amerikaner waren. Das gemeinsame Ziel einiger sehr hoher schwedischer Offiziere, der britischen Thatcher-Administration und der Politik Ronald Reagans war die Diskreditierung der Regierung Olof Palme und ihrer Initiative für ein nuklearwaffenfreies Nordeuropa. Ein ungeheuerlicher Verdacht, aber die Last der Indizien ist erdrückend. U-Boote wurden als Waffe gegen eine befreundete Nation eingesetzt, deren Vergehen darin bestand, eigene Vorstellung vom Frieden zu haben.

* Wiederholung am 17. Juni um 16.45

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