Der Geiselnehmer von Ennepetal ist in die Psychiatrie eingewiesen worden. Die Staatsanwaltschaft Hagen beantragte am Mittwoch die Unterbringung des Mannes in einer forensischen Klinik. Der Iraner war auch schon vor der Tat mehrfach in psychiatrischer Behandlung gewesen. Der Mann lebte seit 1997 als Asylbewerber in Ennepetal; seine Duldung läuft im Mai aus.

Foto-Serie Geiselnahme in Ennepetal
Glimpfliches Ende Polizei befreit Kinder in Ennepetal
Geiselnahme von Schülern Fälle aus den vergangenen Jahren


Mehrere Anläufe genommen
Der 50-Jährige gab in einer ersten Vernehmung zu, die Entführung von Schulkindern seit langem geplant zu haben. Der Festgenommene habe schon mehrere Male an Bushaltestellen gestanden, "es dann aber nicht übers Herz gebracht", sagte Kriminaldirektor Jürgen Kleis. Zuletzt sei dies vor einem Monat geschehen. Dabei habe der Geiselnehmer jeweils die beiden Messer und auch die später im Bus gefundenen Schriftstücke bei sich gehabt.


Freiheitsberaubung und Körperverletzung
Der Iraner hatte am Dienstag drei elfjährige Mädchen und eine 16-jährige Schülerin aus einem Bus gekidnappt und bis zur Befreiung durch ein Spezialkommando der Polizei fünf Stunden lang in seiner Gewalt gehabt. Bei der Befreiung wurde die 16-Jährige vom Täter mit einem Messerstich leicht verletzt. Der Mann habe nach eigenen Angaben nie vorgehabt, ein Kind zu verletzen, sagte Kleis. In diesem Fall habe er für einen Moment die Kontrolle über sich verloren. Die Ermittler werfen dem Mann Nötigung in einem besonders schweren Fall, Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung vor.


Faire Gerichtsverhandlung gefordert
In einem Brief forderte der Geiselnehmer den Zuzug seiner Ehefrau und seines Kindes aus dem Iran nach Deutschland. "Mit der Geiselnahme wollte er erreichen, dass die Behörden seine Briefe übersetzen und er eine faire Gerichtsverhandlung bekommt", sagte der Ermittlungsleiter. Welche Verhandlung der Täter meine, sei jedoch noch unklar. Allerdings laufe derzeit beim Amtsgericht Schwelm ein Vormundschaftsverfahren. Der Brief ist auf Arabisch und wird derzeit noch übersetzt.


Unzufrieden mit deutschen Behörden
In einem weiteren 30-seitigen Schriftsatz, den er ebenfalls im Bus hinterließ, verteidigte er sein Asylgesuch. Auch habe er darin seine Auseinandersetzung und Unzufriedenheit mit den deutschen Behörden dargelegt. "Er hat sehr introvertiert gelebt und kaum Kontakt zu den Mitbewohnern gehabt", sagte Stadtsprecherin Anke Velten-Franke. Besonders aufgefallen sei er vor der Geiselnahme nicht. Nach Angaben der Polizei soll sich der Iraner als Schriftsteller bezeichnet haben, als er wegen politischer Verfolgung seinen Asylantrag stellte. Er soll in Ennepetal ein Buch in englischer Sprache verfasst haben.


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