Der Spiegel bringt hierzu in der neuen Ausgab 13/2005 Seite 118 einen
grösseren Artikel mit Fakten. Man beachte vor allem, das Milliarden
auch dort verschwanden und es nur ein paar Stunden Strom in Kabul
gibt. Von sauberen Wasser wie auch im Kosovo keine Spur.

AFGHANISTAN Seite 116

Versickernde Milliarden

Die Politik will den schnellen Erfolg beim Wiederaufbau in
Afghanistan, das zum Dorado für internationale Berater und
professionelle Helfer geworden ist. Sie haben sich in Kabul in
bequemen Büros eingerichtet, doch ihre Arbeit fördert Schlamperei und
Korruption.
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Tatsächlich aber, so fand Ramazan Bachardoust heraus, gehe es vielen
Organisationen um etwas ganz anderes, nämlich "um Profit".

Für die Afghanen ist es längst eine Tatsache, dass die internationale
Helfer-Szene die junge Republik am Hindukusch als eine Art Goldmine
entdeckt hat und sich dort mit gutdotierten Jobs und Aufträgen in
Höhe von vielen Millionen Dollar eindeckt. "Wo sind die Milliarden
für die Afghanen?", fragt der Chefredakteur der "Kabul
Times"............
Noch immer gibt es täglich nur wenige Stunden Strom, wenn
überhaupt; die Kanalisation funktioniert bis heute nicht, und Wasser
fließt selbst in den besseren Gegenden nur gelegentlich aus dem Hahn.
Mit wenigen Ausnahmen sind die Straßen eine Aneinanderreihung von
Schlaglöchern geblieben................
lanungsminister Bachardoust wollte wissen, wofür genau die NGOs
eigentlich die Hilfsgelder ausgeben, wie viel sie für ihre Mieten und
Gehälter, für Autos und wie viel für ihre Projekte aufwenden. Er
forderte sie auf, ihre Bücher zu öffnen. Doch dazu waren die
wenigsten bereit. Gerade mal 437 von 2355 Organisationen befolgten
die Bitte................
und zwar vielfach durch genau jene Organisationen, die sein
Planungsminister gerade so scharf angegriffen hatte, darunter
amerikanische, japanische und natürlich auch europäische, die
wichtigsten aus Deutschland und Großbritannien.

Der Neu-Politiker Bachardoust quittierte empört seinen
Ministerposten, gab den Dienstwagen zurück und zog aus dem
Präsidentenpalast aus. Er sagt mit französischem Akzent und voller
Ärger in der Stimme: "Es ist ein korruptes System, das den Reichen
zugute kommt."

Dennoch bleibt die Frage: Wohin geht das Geld in Afghanistan? Und wie
viel davon erreicht wirklich die Menschen?.......
Die sogenannten 1000-Dollar-Men waren einfach überall, engagiert von
den Geberinstitutionen wie der Weltbank oder der Asiatischen
Entwicklungsbank..
Die Narco-Mafia hat Kabuls Regenten fest im Griff, verfügt über
Drähte ins Kabinett und zu den Spitzen der Administration.
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Den Amerikanern sind die Namen der 15 Drogenbarone, die Konten in
Dubai oder Tadschikistan haben, durchaus
bekannt........................

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,348129,00.html