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"Die Heidi-Schweiz ist tot"

Erstellt von Ilan, 05.12.2009, 12:43 Uhr · 63 Antworten · 3.656 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Ilan

    Registriert seit
    25.06.2009
    Beiträge
    10.225

    "Die Heidi-Schweiz ist tot"

    Hallo liebe Balkaner, ich möchte euch einen interessanten Artikel von einem schweizer Geschichtsprofessor zeigen über die Xenophobie:

    «Die Heidi-Schweiz ist tot»
    Schon früher hat die extreme Rechte erfolgreich mit Fremdenhass mobilisiert. Doch früher konnte sie nicht einfach durchmarschieren. Von Hans-Ulrich Jost (Foto: Florian Bachmann) - 3.12.2009

    Die extreme und nationalistische Rechte hat wieder zugeschlagen. Die angewandte Strategie ist nicht neu und wird seit über hundert Jahren mit Hilfe von Referendum und Initiative immer wieder in Szene gesetzt. 1893 kam beispielsweise ein Schächtverbot (rituelles Schlachten von Tieren) in einer Volksabstimmung durch. Dies mit 65 Prozent Ja-Stimmen. Es handelte sich um eine antisemitische Attacke, die sich mit dem Deckmäntelchen Tierschutz drapierte.

    Eine weitere grosse Initiative, die den Fremdenhass mobilisierte, kam 1970 vors Volk. Es war die sogenannte Überfremdungsinitiative von James Schwarzenbach. Der Chef der Republikanischen Partei wollte alle ausländischen Arbeiterinnen und Arbeiter aus dem Land werfen. Assistiert wurde Schwarzenbach von einem Jüngling namens Ulrich Schlüer, dem Erfinder der Anti-Minarett-Initiative. Jene Initiative wurde mit äusserst knappen 54 Prozent Nein- Stimmen abgelehnt.

    Der Erfolg der Anti-Minarett- Kampagne kann allerdings nicht allein auf die Demagogie der Rechten zurückgeführt werden. Und auch nicht nur auf Vorurteile und Ängste in der Bevölkerung. Intoleranz und Ausgrenzung hatten sich leider schon in der Bundesverfassung von 1848 festgesetzt. Zum Beispiel mit dem Verbot der Jesuiten. Oder damit, dass man den seit Jahrhunderten in der Schweiz ansässigen Juden die politischen Rechte verweigerte.

    WENIGER STAAT Doch seit einigen Jahrzehnten ist in der Schweiz zusätzlich moralischer Minimalkonsens abhanden gekommen. Mit ihrem Slogan «Weniger Staat, mehr Freiheit» haben die Freisinnigen 1979 die Zeit des hemmungslosen Eigennutzes eingeläutet. Sie liessen fortan jenen Bundesstaat immer mehr fallen, den sie einst gegründet und gehegt hatten. Und mit ihm die einstigen bürgerlich- demokratischen Werte.
    Finanzkapitalismus statt Demokratie: Für den Kampf gegen die Anti-Minarett-Initiative hat der Wirtschaftsverband Economiesuisse keinen Franken lockergemacht. Der Bulldozer des Neoliberalismus sorgt sich lieber um den Erhalt überrissener Bankerboni und Profite. Der CVP kommt ihrerseits nichts Gescheiteres in den Sinn, als auch noch auf den Anti-Islam-Kurs der SVP aufzuspringen. Mit der Forderung nach einem Burkaverbot. Kaum erfreulicher sieht es bei der Linken und ihrer Gefolgschaft aus. Letztere ist verunsichert durch die Globalisierung und die prekäre Lage auf dem krisengeschüttelten Arbeitsmarkt. Und die linken Politikerinnen und Politiker glauben offenbar, sie könnten die Gespenster der Intoleranz vertreiben, indem sie die Ängste des Volkes verständnisvoll streichelten.

    DIE SKANDAL-SCHWEIZ Seit den 1990er Jahren hat die Schweiz einen beträchtlichen Teil ihres symbolischen Kapitals verloren. Seit damals löst ein Skandal den anderen ab. Erst der Streit um die herrenlosen Vermögen, die von den Banken verheimlicht wurden. Dann das Grounding der Swissair, des Schweizer Flaggschiffes, das im Ausland Vertrauen schuf. Schliesslich die gesetzeswidrige Jagd der UBS nach Geld und überrissenen Gewinnen. Ohne Milliardenpaket des Bundes wäre die Bank heute ein Schutthaufen. Das hindert ihre Chefs jedoch nicht, ihre Geschäftspraxis mit alter Arroganz weiterzuführen. Und jetzt noch das Minarettverbot! Die Heidi-Schweiz, die Pestalozzi-Schweiz und die Schweiz des Roten Kreuzes sind definitiv tot.
    Noch schlimmer: Die rechtsextreme und nationalistische Rechte bläst mit Erfolg zum Sturm gegen die parlamentarische Demokratie, den Sozialstaat, die Menschenrechte. Hier lauert die Gefahr, nicht bei den Minaretten.


    Hans-Ulrich Jost ist emeritierter Geschichtsprofessor der Uni Lausanne und lebt in Lausanne.

    workzeitung.ch - Die Zeitung der Gewerkschaft : «Die Heidi-Schweiz ist tot»

  2. #2
    Avatar von schnüffel-hundi-hund

    Registriert seit
    04.12.2008
    Beiträge
    1.805
    Der CVP kommt ihrerseits nichts Gescheiteres in den Sinn, als auch noch auf den Anti-Islam-Kurs der SVP aufzuspringen. Mit der Forderung nach einem Burkaverbot.
    Damit nimmt man den Islam doch in Schutz. Jetzt mal im Ernst, ich haette kein Problem mit einem Burkaverbot, auch das Verbot weitere Minarette zu bauen find ich nicht so tragisch. Man benoetigt kein Gebaeude um Gott zu finden. Ein Minarett erfuellt ganz andere Zwecke, aehnlich wie ein Kirchenturm.
    Seit neuestem gibts Aufrufe wie "kauft nicht bei Schweizern" oder "zieht euer Kapital aus der Schweiz ab". Man sollte mal in Ruhe darueber nachdenken was sich denn genau ergeben hat und abwiegen.
    Mag sein, dass es gewisse rechte Kraefte in der Schweiz gibt, doch die sind ueberall vertreten. Ich find das alles noch nicht besorgniserregend.
    Es duerfen halt keine Tuermchen mehr gebaut werden, nicht mehr, nicht weniger...

  3. #3
    Ferdydurke
    Zitat Zitat von schnüffel-hundi-hund Beitrag anzeigen
    Damit nimmt man den Islam doch in Schutz. Jetzt mal im Ernst, ich haette kein Problem mit einem Burkaverbot, auch das Verbot weitere Minarette zu bauen find ich nicht so tragisch. Man benoetigt kein Gebaeude um Gott zu finden. Ein Minarett erfuellt ganz andere Zwecke, aehnlich wie ein Kirchenturm.
    Seit neuestem gibts Aufrufe wie "kauft nicht bei Schweizern" oder "zieht euer Kapital aus der Schweiz ab". Man sollte mal in Ruhe darueber nachdenken was sich denn genau ergeben hat und abwiegen.
    Mag sein, dass es gewisse rechte Kraefte in der Schweiz gibt, doch die sind ueberall vertreten. Ich find das alles noch nicht besorgniserregend.
    Es duerfen halt keine Tuermchen mehr gebaut werden, nicht mehr, nicht weniger...
    Naja, aber es geht ja nur gegen EINE Religion- wieso brauchen die anderen ein Gebäude, um zu Gott zu finden?

    Was ich beängstigend finde, ist, wie stark mit angstschürenden Prototypen gearbeitet wird.

  4. #4
    ökörtilos
    Es ist passiert.Diese ohnehin schon von jahrhundertelanger Inzucht schwer zugerichteten Bergbewohner haben sich jetzt offenbar mit ihrem Stinkekäse das letzte Stück Resthirn abgetötet.

    Aber was erwartet man schon von einem Volk,das noch nie für etwas arbeiten oder geschweige denn schwere Zeiten durchmachen musste.Ein Wunder eigentlich wie sich solch ein kleiner Piratenstaat im Herzen des "entwickelten" Europa halten konnte.

  5. #5
    Avatar von Krešimir

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    3.863
    Zitat Zitat von Ferdydurke Beitrag anzeigen
    Naja, aber es geht ja nur gegen EINE Religion- wieso brauchen die anderen ein Gebäude, um zu Gott zu finden?

    Was ich beängstigend finde, ist, wie stark mit angstschürenden Prototypen gearbeitet wird.
    Wie schon 10000 mal gesagt worden ist, das Christentum gehört zur Schweiz.

    Der Islam wurde nur durch Einwanderer hineingebracht.

    Wieso sollte man also keine Kirchentürme in einem Christlichen Land bauen lassen?

  6. #6
    Avatar von Bambi

    Registriert seit
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    37.047
    Zitat Zitat von Kroate4Immer Beitrag anzeigen
    Wie schon 10000 mal gesagt worden ist, das Christentum gehört zur Schweiz.

    Der Islam wurde nur durch Einwanderer hineingebracht.

    Wieso sollte man also keine Kirchentürme in einem Christlichen Land bauen lassen?
    Zumindest für Deutschland gilt §3 Abs. 3 GG:

    Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
    Und es ist nun mal eine Benachteiligung, wenn die Religion des einen sich entfalten darf, die des anderen aber nicht.

  7. #7

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    3.159
    Darüber hat sich auch Hans - Jürgen Fehr, gegenüber Cristoph Blocher gestern geäussert.
    Natürlich exestiert ein ausländerfeindliches klima in der Schweiz. Aber darüber wurde schon immer diskutiert, die fronten hatten sich verhärtet als es mehr und mehr Asylanten im land gab. Also, muss nicht sein.

  8. #8

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    Ich finde an der abstimmung nichts schlechtes. Das Volk durfte wählen, und sie haben gewählt.

  9. #9
    Avatar von Krešimir

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    3.863
    Zitat Zitat von Bambi Beitrag anzeigen
    Zumindest für Deutschland gilt §3 Abs. 3 GG:



    Und es ist nun mal eine Benachteiligung, wenn die Religion des einen sich entfalten darf, die des anderen aber nicht.
    Mag sein, aber so verliert ein Land seine eigene Identität meiner Meinung nach. Und besonders das Heimatgefühl geht verloren, wenn am Ende überall Moscheen und alles Gebaut wird.

    Man fühlt sich letzt endlich nicht mehr wie im eigenen Land und wer sein Land liebt so wie es ist, der will auch nicht das es sich ändert.

  10. #10
    Avatar von Krešimir

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    3.863
    Ein beispiel, die Türken würde sicherlich auch nicht wollen wenn in ganz Türkei plötzlich viele Kirchtürme gebaut werden würden.. Und die würden sich dagegen auch wehren.

    An paar Minaretten finde ich nichts schlimm aber es sollten die Ausnahmen sein finde ich.

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