High Five

Veröffentlicht am Februar 6, 2013 by tapferimnirgendwo
Was macht Claudia Roth, wenn sie an einem Mann vorbeikommt, der als enger Gefolgsmann Mahmud Ahmadinedschads gilt und nach Aussagen kurdischer Politiker und exiliranischer Autoren Verantwortung für Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Kurdistan trägt?
Was macht Claudia Roth, wenn sie an einem Mann vorbeikommt, dessen Ansichten und Vergangenheit schon oft zu Ausladungen geführt haben, so zum Beispiel zu Vorträgen bei der Heinrich-Böll-Stiftung, der Naumann-Stiftung, einer Konferenz in der Königin-Luise-Stiftung in Berlin und einer Diskussion mit Rüdiger Safranski der Stiftung Schloss Neuhardenberg am 15. Oktober 2011?
Sehen Sie die Antwort selbst in diesem Film. Es ist die sechste Sekunde. Claudia Roth gibt dem Mann High Five!
Ali-Reza Sheikh Attar ist der Botschafter des mörder­ischen Regimes im Iran und nach Angaben exil-iranischer Oppositioneller direkt für Verbrechen verantwortlich. In den Jahren 1980 bis 1985 war er Gouverneur der Provinzen Kurdistan und West-Aserbaidschan. Hiwa Bahrami, der Repräsentant der Demokratischen Partei Kurdistan-Iran (DPKI) in Österreich sagt:
“Die Sicherheitskräfte in Kurdistan begingen unter Sheikh Attar zahlreiche Verbrechen. Hunderte kurdische Aktivisten wurden gehängt oder auf offener Straße erschossen. Er beobachtete persönlich mehrmals, wie Pasdaran-Einheiten Menschen ermordeten und ihre Dörfer zerstörten. So konnte er seine Loya­lität dem Regime gegenüber beweisen und weiter aufsteigen.”
High Five!
Der 1987 aus dem Iran geflohene Autor Ali Schirasi berichtet:
“Ali Reza Sheikh Attar und der derzeitige iranische Präsident Ahmadinejad waren beide in den kurdischen Gebieten bei den Pasdaran aktiv, den iranischen Revolutionsgarden. (…) Seine Ernennung zum iranischen Botschafter in Deutschland im Oktober 2008 ist Teil der von Ahmadinejad vorangetriebenen Strategie, möglichst viele wichtige Posten mit Pasdaran-Mit­gliedern zu besetzen. Attar soll von Berlin aus die Arbeit der übrigen iranischen Botschaften in Westeuropa koordinieren.”
High Five!
Arvid Vormann schreibt:
“Attar ist Mitglied der terroristischen Revolutionsgarden und war von 1980-1985 Gouverneur der Provinzen Kurdistan und Westazerbeijan. In dieser Zeit verübten die Revolutionsgarden unter seinem Befehl – und z.T. direkt in seiner Gegenwart – massive Verbrechen an der kurdischen Zivilbevölkerung. Hunderte wurden erschossen oder erhenkt, Frauen vergewaltigt, ganze Dörfer ausradiert. Die Verbrechen des Attar sind wirklich kein Geheimnis. Alle Vertreter des Regimes haben Blut an ihren Händen, aber Attar, das wissen iranische Oppositionelle, gehört zu denen, die im Blut gebadet haben.”
High Five!
Mir ist klar, dass das politische Parkett der Diplomatie eine gewisse Verhaltensweise erfordert, weil dort nicht selten “kritische Dialoge” mit Menschen geführt werden müssen, deren Ansichten man verachtet. Ich kann irgendwie noch verstehen, dass Claudia Roth ihr Haupthaar verschleiert, wenn sie im Iran bei den Männern zu Gast ist, die nicht schicklich gekleidete Frauen, Homosexuelle und Andersgläubige quälen und ermorden, auch wenn ich aus genau diesem Grund niemals in ein solches Regime fahren würde, aber gehört jetzt auch schon ein High Five zum guten Ton der Diplomatie oder ist ein solcher Gruß nicht doch eher Ausdruck einer ganz besonderen Beziehung? Claudia Roth fordert seit einiger Zeit schon ein Umdenken im Umgang mit Iran:
“Wir dürfen die Beziehungen nicht auf das Nuklearprogramm reduzieren. Wir wollen, dass das Goethe-Institut in Teheran wieder aufmacht.”
Also, ich finde es wichtiger, dass im Iran nicht weiter Schwule gehängt, Frauen gesteinigt und Bahai verfolgt werden, aber Frau Roth hat andere Interesse. Sie will lieber das in Theheran wieder ein Goethe-Institut aufmacht. Das dürfte leichter sein als erwartet, denn manchmal ist Goethe schon sehr nah an Mohammed dran, jedenfalls wenn es um die Beurteilung von Juden geht. Bei den zwei folgenden Zitaten handelt es sich einmal um einen Ausspruch Goethes und einmal um eine Stelle im Koran, Sure 5. Raten Sie selbst.
“Betrüger sind es bis auf wenige!”
“Sie haben einen Glauben, der sie berechtigt, die Fremden zu berauben.”
Auch andere große deutschsprachige Denker liegen mit ihren Aussagen ganz auf iranischer Linie:
Martin Luther: “Verbrenne ihre Synagogen, zwinge sie zur Arbeit und gehe mit ihnen nach aller Unbarmherzigkeit um.”
Immanuel Kant: “Die Juden sind eine Nation von Betrügern.”
Friedrich II.: “Die Juden sind von allen Sekten die gefährlichste und man muss verhindern, dass ihre Zahl wächst.”
Maria Theresia: “Ich kenne keine ärgere Pest für den Staat als diese Nation, wegen der Kunst, durch Betrug, Wucher und Geldvertrag die Leute in den Bettelstand zu bringen.”
Johann Gottfried Herder: “Die Juden sind eine parasitische Pflanze auf den Stämmen anderer Nationen.”
Johann Gottlieb Fichte: “Fast durch alle Länder von Europa verbreitet sich ein mächtiger, feindselig gesinnter Staat, der mit allen übrigen im beständigen Kriege steht, und der in manchen fürchterlich schwer auf die Bürger drückt; es ist das Judentum.”
Arthur Schopenhauer: “Juden sind grosse Meister im Lügen.”
Otto von Bismarck: “Fassen sie nur einen Juden an, da schreit es gleich aus allen Ecken und Winkeln der Erde.”
Friedrich Nietzsche: “Vielleicht ist der junge jüdische Börsenspekulant die am meisten abstoßende Erfindung des Menschengeschlechts.”
Theodor Fontane: “Fatal waren die Juden; ihre frechen, unschönen Gaunergesichter (denn in Gaunerei liegt ihre ganze Größe) drängen sich einem überall auf.”
Richard Wagner: “Ob der Verfall unserer Kultur durch eine gewaltsame Auswerfung des zersetzenden fremden Elementes aufgehalten werden könnte, vermag ich nicht zu beurteilen, weil hierzu Kräfte gehören müßten, deren Vorhandensein mir unbekannt ist.”
Wilhelm II.: “Die Juden sind die Parasiten meines Reiches. Die jüdische Frage ist eins meiner größten Probleme, und doch kann nichts unternommen werden, um sie zu lösen.”
Übrigens das Wort “Iran” heißt ins Deutsche übersetzt: “Land der Arier”.
High Five!
Auch in Frauenfragen dürfte ein Goethe-Institut in Teheran gut ankommen, wenn man nur die richtigen Goethe-Zitate nutzt. In seinem “West-östlichen Divan” schreibt Goethe:
“Behandelt die Frauen mit Nachsicht
Aus krummer Rippe ward sie erschaffen,
Gott konnte sie nicht ganz g‘rade machen.
Willst du sie biegen, sie bricht;
Läßt du sie ruhig, sie wird noch krümmer;
Du guter Adam, was ist denn schlimmer.?
Es ist nicht gut daß euch eine Rippe bricht.”

“So traurig daß in Kriegestagen
Zu Tode sich die Männer schlagen,
Im Frieden ist’ s dieselbe Noth
Die Weiber schlagen mit Zungen todt.”

Es gibt aber auch andere Aussagen Goethes, mit denen man bei Ahmadinedschad punkten kann. Hier ein paar Aussagen Goethes aus diversen Gesprächen:
“Die Weiber sind rechte Egoisten, indem man nur in ihr Interesse fällt, sofern sie uns lieben oder wir ihre Liebhaber machen oder sie uns zu Liebhabern wünschen. Eine ruhige, freie, absichtslose Teilnahme und Beurteilung fällt ganz außer ihrer Fähigkeit. Sie sehen alles nicht etwa nur aus ihrem Standpunkt, sondern in persönlichem Bezug auf sich.”
“Die Weiber sind rechte Egoisten, indem man nur in ihr Interesse fällt, sofern sie uns lieben oder wir ihre Liebhaber machen oder sie uns zu Liebhabern wünschen. Eine ruhige, freie, absichtslose Teilnahme und Beurteilung fällt ganz außer ihrer Fähigkeit. Sie sehen alles nicht etwa nur aus ihrem Standpunkt, sondern in persönlichem Bezug auf sich.”
“Wenn ein Weib einmal vom rechten Wege ab ist, dann geht es auch blind und rücksichtslos auf dem bösen fort; und der Mann ist nichts dagegen, wenn er auf bösen Wegen wandelt. Denn er hat immer noch eine Art von Gewissen. Bei ihr aber wirkt dann die bloße Natur.”
“Eine ruhige, freie, absichtslose Teilnahme und Beurteilung fällt ganz außer ihrer Fähigkeit.”
“Verstand und Vernunft sind ein formelles Vermögen, das Herz liefert den Gehalt, den Stoff. Wenn man die Männer als Verstand und Vernunft ansehen kann, so sind sie Form; die Weiber, als Herz, sind Stoff.”
“Der Mann schafft und erwirbt, die Frau verwendet’s: das ist auch im intellektuellen Sinne das Gesetz, unter dem beide Naturen stehen. Daher muß man einer Frau das Fertige geben; und aus eben dieser Ursache sind sie das wünschenswerteste Auditorium für einen Dogmatiker, der nur Geist genug hat, das, was er ihnen sagt, angenehm und sinnlich ergreifend zu sagen.”
In “Herrmann und Dorothea” fasst Goethe seine Haltung gegenüber Frauen in einem Satz zusammen:
“Dienen lerne bei Zeiten das Weib nach ihrer Bestimmung.”
Claudia Roth dient jetzt Ali-Reza Sheikh Attar.
High Five!
Man möge mich nicht missverstehen. Ich bin selbst Künstler, liebe einige Gedichte von Goethe, spiele sogar bald in einer Wagner-Oper mit und werde nicht müde, Immanuel Kant zu zitieren, aber die Liebe zu Deutschland findet bei mir dort ihre Grenzen, wo Claudia Roth einem Botschafter einer national-islamistischen Partei High Five gibt. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich heute einem Kant High Five geben würde. Einem Wagner jedenfalls nicht, aber seine Opern höre ich dennoch gerne.
Vor genau einem Jahr stand ich vor der Möglichkeit, im Iran aufzutreten. Ich arbeitete mit dem Regisseur Ali Jalaly zusammen. Er ist Leiter des Ali Jalaly Ensembles in Köln und wurde im Iran geboren. Unter seiner Regie durfte ich einige wunderbaren Rollen spielen. Bei unserer letzten Zusammenarbeit jedoch kam es zu einer handfesten Auseinandersetzung, die beinahe unsere Freundschaft gefährdet hätte.
Ali Jalalys Inszenierung der Farce “Der Büchsenöffner” von Victor Lanoux in dem ich die Hauptrolle spielte wurde zu einem Festival in den Iran eingeladen. Nun musste ich meinem Regisseur erklären, dass ich auf keinen Fall mitkommen würde. Er möge mir nicht böse sein, sprach ich, aber unter keinen Umständen könne ich in ein Land reisen und Theater spielen, in dem Homosexuelle getötet, die Opposition verfolgt, der Islam als Staatsreligion gelebt und Israel als Feind angesehen wird. Auf Ali Jalalys Einwand, dass das Volk ja nichts für das Regime könne und ausländische Theatergruppen wie wir ein kleiner aber wichtiger Hauch der Freiheit seien, vermochte mich nicht zu überzeugen. Als ich auch noch erfuhr, dass wir einige Tage vor der Aufführung in den Iran reisen sollten, damit unsere Inszenierung von der Zensur begutachtet und abgesegnet werden kann, war für mich das Maß voll.
Es tut mir leid, sprach ich, nicht ganz unaufgeregt, es tut mir wirklich leid um die armen Menschen im Iran, für die der Besuch zu unserem Theater ein Hauch der Freiheit ist, aber weißt Du was? Noch mehr leid tun mir die Menschen im Iran, die unser Stück nicht sehen können, weil sie im Knast sitzen oder am Kran baumeln. In meiner Erregung zitierte ich sogar Hans Scholl von der Bewegung Die Weiße Rose:
“Vergesst nicht, dass ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt.”
Ich gebe zu, dieses Zitat war ein wenig sehr überheblich, weil ich nicht weiß, wie ich in einem Regime der Unterdrückung handeln würde, aber ich war nun mal ehrlich und vor allem vollkommen schockiert von der Gelassenheit, mit der mir gesagt wurde, dass wir vor der Zensur zu spielen hätten. Im Laufe der Diskussion wurde ich dann auch noch zum Ignoranten erklärt, nur weil ich mich weigerte, aus mir absolut logisch erscheinenden poltischen Gründen, in den Iran zu reisen. Ich weiß noch, wie überrascht ich bei gewissen Kolleginnen und Kollegen war, die wie selbstverständlich in den Iran reisen wollten, um dort Theater zu spielen. Eine von mir hoch geschätze Kollegin, die sich als klare Feministin versteht, war sogar bereit, ein Kopftuch zu tragen. Bin ich denn nur von Höfgens umgehen, schrie ich in die Runde und fügte etwas pathetisch und selbstgerecht hinzu: Ich halte es lieber mit Klaus Mann!
Klaus Mann, ihm hätte ich vermutlich ein High Five gegeben. Vermutlich.

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