Brütende Hitze, Waldbrände, Wassermangel, Unwetter und Überschwemmungen: Der Sommer sorgt in weiten Teilen Europas nicht nur für eitel Sonnenschein. So droht in Frankreich eine Katastrophe bei der Wasserversorgung; in Norditalien wird eine Dürreperiode befürchtet; an der spanischen Mittelmeerküste vernichteten Brände ausgetrockneten Wald und Buschland; die niederländischen Nachbarn leiden unter einer ungewohnten Hitzewelle; und in der Westschweiz legte Blitzschlag den Zugverkehr lahm.



Neuer Hitzerekord in Deutschland
In Deutschland sorgte das hochsommerliche Wetter am Freitag für einen neuen Hitzerekord in diesem Jahr: Mit 36,2 Grad war Mühlacker in Baden-Württemberg der heißeste Ort im Land, teilte der Wetterdienst Meteomedia mit. Von den am Freitag sechs wärmsten deutschen Orten lagen fünf in Baden-Württemberg. Auf dem dritten Platz lag Bensheim in Hessen mit 35,2 Grad.

"Bedenkliche Trockenheit"
Die anhaltende Hitze bringt nach Angaben von Meteorologen eine "bedenkliche Trockenheit" mit sich und am Samstag wahrscheinlich auch heftige Gewitter mit Hagel, Sturmböen und Platzregen. Das schwül-heiße Wetter hat zudem die Ozonwerte in einigen Bundesländern erheblich ansteigen lassen. In Nordrhein-Westfalen wurde die so genannte Alarmschwelle von 240 Mikrogramm Ozon je Kubikmeter Luft überschritten.

Ozon-Alarm
Bei derartigen Konzentrationen können Beschwerden wie Schleimhautreizungen, Atemwegprobleme sowie Kopfschmerzen bis hin zur Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit auftreten, teilte das Landesumweltamt am Freitag mit. In Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz wurde die Warnschwelle von 180 Mikrogramm deutlich überschritten. Ist dieser Wert erreicht, wird nach einer EU-Richtlinie die Bevölkerung informiert. Viele Menschen reagieren nach Angaben von Experten bereits ab einem Wert von 160 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft empfindlich.

Aufruf zum Wassersparen
In Frankreich haben schwere Gewitter und Platzregen die Hitze am Freitag nicht beenden können. Alle Bürger sind aufgerufen, Wasser zu sparen. Umweltministerin Nelly Olin erklärte, wenn die Hitzewelle andauere, drohe angesichts der Trockenheit der vergangenen Monate eine Katastrophe bei der Wasserversorgung. In Paris erreichte der Wasserverbrauch 800 Millionen Liter pro Tag, ein Drittel mehr als normal. In 28 Departements ist der Verbrauch schon reglementiert.

Überschwemmungen in Paris
Bereits am Donnerstag hatten kurze, aber heftige Gewitter in Paris zu Überschwemmungen von Straßen, U-Bahn-Schächten und Kellern geführt und den Zugverkehr von der Hauptstadt nach Lille zeitweise zusammenbrechen lassen. Augenzeugen berichteten, am Seine-Ufer habe sich eine Familie durch die Fenster aus ihrem Auto gerettet. Im Alma-Tunnel sei ein Motorradfahrer aus 80 Zentimeter hohem Wasser unter seiner Maschine hervorgezogen worden.



Pegel des Gardasees sinkt
In Norditalien droht eine Dürreperiode. Die Regenfälle seien zu gering, hieß es. Die Temperaturen überschreiten 35 Grad. Der Wasserspiegel des Gardasees sinkt. Im Süden dagegen sind die Regenfälle üppiger. Die Wasserspeicher sind randvoll.

Dürre: Waldbrände haben leichtes Spiel
In Spanien sorgt die seit Wochen anhaltende Dürre dafür, dass Waldbrände sich schnell ausbreiten können. Ein Brand nahe Xátiva an der Mittelmeerküste vernichtete rund 500 Hektar Pinienwald und Buschland. Ursache des Feuers in der Region Valencia war ein Blitzschlag, wie der Rundfunk berichtete.


Hitzewelle in den Niederlanden
Zum ersten Mal seit fast 30 Jahren gibt es schon im Juni eine Hitzewelle über den Niederlanden. Am Sitz des Königlichen Meteorologischen Instituts in De Bilt bei Utrecht überschritt die Temperatur am Freitagvormittag 30 Grad. Dies geschah zum dritten Mal innerhalb von fünf aufeinander folgenden Tagen, an denen es immer wärmer war als 25 Grad.

Wieder Bahnstörung in der Schweiz
Einen Tag nach dem Stromausfall bei den Schweizer Eisenbahnen war die französischsprachige Westschweiz am Donnerstag erneut von einer Bahnstörung betroffen. Im Kanton Wallis sei ein Blitz in ein Elektrizitätswerk eingeschlagen, teilten die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) mit. Betroffen waren auch die Regionen Lausanne und Genf. Knapp 40 Minuten später rollten die Züge wieder. Am Mittwoch mussten rund 200.000 Reisende mehrere Stunden auf ihre Weiterfahrt warten, weil ein Kurzschluss den gesamten SBB-Netzbetrieb lahm gelegt hatte.