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Immer mehr Türken verlassen Deutschland

Erstellt von Popeye, 30.10.2008, 12:21 Uhr · 508 Antworten · 46.975 Aufrufe

  1. #251

    Registriert seit
    28.10.2009
    Beiträge
    4.327
    Zitat Zitat von ALB-EAGLE Beitrag anzeigen
    hahahah


    wenn albaner dann die die auch bildung haben und nicht i-welche deppen wie ich sie in der u-bahn sehe die nur beleidigen peinlich sind und jedem mädchen hinterherschauen wie wenn sie noch nie ein weib gesehen haben
    Wiederspricht du dir selbst?

    Wärst du dafür oder dagegen?

  2. #252
    Avatar von skorpion

    Registriert seit
    25.10.2009
    Beiträge
    3.739
    Ist doch eine gute Nachricht. Eigentlich gehören Türken doch auch in die Türkei und wenn sie jetzt in ihrem Land wieder eine Zukunft sehen und auch selbst bereit und in der Lage sind, diese Zukunft mitzugestalten, dann ist das doch durchweg positiv. So war es ja auch eigentlich zu Beginn gedacht. So ist der Türkei geholfen und Deutschland auch.

  3. #253
    Bendzavid
    wer würde das denn nicht von uns machen??
    wenn man einen hohen bildungsstand hat und so dem eigenen land helfen kann ist es doch was positives...

  4. #254
    Kelebek
    Viele gut ausgebildete Deutschtürken gehen in die Türkei zurück. Und bleiben dabei überraschend deutsch

    Deutschland hat die Rückkehrer entdeckt – die Türken, die sich von Deutschland abkehren. Die Abwanderung ist heute größer als die Zuwanderung. Die Rückkehrer sind, so heißt es, ungehalten, weil sie sich diskriminiert fühlen. Oder sie sind undankbar, weil das Land ihnen doch einiges geboten hat. Es sind die Fachkräfte, die verloren gehen. Ausgerechnet die besten! Stimmen die Urteile? Warum verlassen Türken Deutschland?

    Istanbul, 16 Millionen Menschen, Stein gewordene Verheißung – hier sind die meisten gerade erst angekommen, auch viele Rückkehrer. Ayca Abaci sitzt im Restaurant 360GradIstanbul. Ein voll verglaster Ausgehtempel hoch über der nächtlichen Stadt. Abaci ist IT-Spezialistin bei Mercedes vor den Toren Istanbuls. Zurückgebundene Haare, moderne Brille, schnelle Zunge. Die 33-Jährige ist genau der Typ, von dem in Deutschland so viele reden, ging in Niederbayern zur Schule, studierte Wirtschaftsinformatik, bekam in München sofort einen Job, spricht perfekt deutsch und türkisch, gut englisch. Wer wissen will, warum sie und andere nun in Istanbul leben, muss drei Fragen stellen: nach dem Aufwachsen, dem Auswandern und dem Zurückblicken auf Deutschland.

    Aufwachsen in Neustadt an der Donau war für Ayca Abaci stete Arbeit an der Integration. Ein Kopftuch wollte sie irgendwann mal tragen. Für ihren Vater, einen Schweißer, kam das nicht in Frage: »Wir sind hier in Deutschland, wir passen uns an.« Mit der Mutter malte die junge Muslimin Eier zum Osterfest an. Sie spielte Tischtennis, ging mit Akkordeon aufs Stadtfest. Ihr Bruder studiert am Mozarteum in Salzburg Operngesang. Eigentlich ging alles gut, trotz des Schocks in der Kindheit, als neben ihr in der Schule ein Platz frei war, und ein deutsches Mädchen sagte: »Nee, neben der Negerin da mag ich nicht sitzen.«




    Solche Geschichten haben alle Rückkehrer zu erzählen. Hasan Ali San nimmt zwischen zwei Terminen am Sonntagvormittag am Bosporus eine Auszeit. Schnell einen Tee trinken und die Schiffe schaukeln sehen. Es sind einige mehr als auf der Spree in Berlin-Moabit, wo er aufgewachsen ist. Gymnasium, dann ein Doppelstudium mit Ausbildung zum Architekten und Großhandelskaufmann. Arbeit als freier Architekt im bauwütigen Berlin. Grund zum Selbstbewusstsein. Und trotzdem beschlich den 43-Jährigen in Berlin manchmal ein dummes Gefühl: »Sobald du falsch parkst, kommt der Gedanke auf, man hätte sich vielleicht nicht richtig integriert.«

    Integration hat viel mit Wohlfühlen zu tun. Șükriye Dönmez wartet in ihrem Istanbuler Lieblingscafé im Stadtteil Cihangir: Graffiti an der Wand, Stühle auf dem Bürgersteig, erst Cappuccino, dann Rotwein. Für die 40-jährige Kreuzbergerin ist das »wie zu Hause«, ein Stadtteil voller »Künstler, Intellektueller, Penner, Proleten, Schickimicki-Leute«. Hier schreibt die erfolgreiche Schauspielerin und Filmemacherin ihre Skripte, derzeit eine Comedy-Serie über Deutschtürken, die auswandern. Dönmez spielte in Kurz und schmerzlos, Fatih Akins erstem langen Spielfilm von 1998, es war auch ihr erster als Schauspielerin. Sie sagt, was viele Rückkehrer empfinden: »In Deutschland war ich zu Hause und wurde wie eine Fremde behandelt. Hier muss ich mich integrieren, werde aber nicht als Fremde behandelt.« Was in Deutschland nervte, war die ständige Rechtfertigung dafür, dass sie Türkin war. Fragen wie: »Musst du nicht Kopftuch tragen?« – »Was hältst du von Ehrenmord?« Dönmez antwortete am Ende nur noch mit ihrer Mischung aus Impulsivität und Ironie: »Steh ich voll drauf!«

    Ein Grund zum Auswandern? Nicht wirklich. Die große Enttäuschung für Șükriye Dönmez kam vom Staat. Sie hat jahrelang um einen deutschen Pass gekämpft. 1998 bewarb sie sich das erste Mal darum. Nach einem zähen Anwaltskrieg verweigerte man ihr 2004 endgültig die deutsche Staatsangehörigkeit. Sie konnte als Freiberuflerin kein regelmäßiges Einkommen nachweisen. »Gehen Sie doch putzen«, war der gute Rat einer Sachbearbeiterin. Am Ende lehrte Dönmez, um Geld zu verdienen, Deutsch für Migranten. Das macht sie nebenbei auch in Istanbul, beim Goethe-Institut. »Hier fange ich noch mal von null an.« Und das reizt sie.

    Ayca Abaci und Hasan Ali San haben die Entscheidung, nach Istanbul zu gehen, weniger bewusst getroffen, sie sind hineingerutscht. San bekam ein Angebot eines deutschen Unternehmens, in die Türkei zu gehen. »Das war ideal«, sagt er. Mit deutscher Sicherheit arbeiten, aber in der Türkei. Nach drei Jahren machte er sich selbstständig. Bei Abaci war es ähnlich. Ein Münchner Versicherungskonzern schickte sie zu einem Sabbatical nach Istanbul. Es ging zwischen München und Istanbul noch ein paar Mal hin und her, bis sie bei Mercedes landete. Damit ist sie glücklich. Denn auch ihr Vater lebt mittlerweile wieder hier. »Diese Stadt!«, schwärmt sie. »Sie bebt vor Leben.« München ist für sie vor allem grün, Istanbul hat Regenbogenfarben.

    Vergleichen – das tun alle Rückkehrer. Zurückblicken auf Deutschland, mit Verdruss und mit Heimweh. Was verstimmt? Die Integrations-Diskussion, sagen alle, zumindest in der demoralisierenden Art, wie sie derzeit geführt werde. Es gebe Probleme, sagt Abaci, sie selbst habe sich schon geschämt für Deutschtürken, »die weder richtig Deutsch noch Türkisch können«. Aber sie seien eine kleine Minderheit. Die Politikerphrase von der »deutschen Leitkultur« empfindet sie, die bayerische Musterschülerin, wie ein »Messer am Hals«.

    Wie soll man sich integrieren? Șükriye Dönmez stand im Berliner Tiergarten zwischen den Welten. Links grillten die Türken, es rauchten die Frikadellen und Hammelbeine am Spieß. Rechts grillten sich die Deutschen in der Sonne, es röteten sich die Beine, bei einigen die baren Brüste und Hintern. Manche spielten splitternackt Federball. »Ich konnte hier und da hingehen, das war mir egal – aber eben nicht nackt.« Wenn Dönmez das sagte, dann bekam sie auch schon mal zur Antwort: »Stimmt, du bist ja muslimisch.« Das ärgerte sie, diese Verengung auf die Religion. »Als wenn Türken ständig im Koran blättern würden«, sagt sie.

    Dabei macht sie viele Sache gern, welche die Deutschen im Tiergarten tun. Fahrradfahren zum Beispiel, was in Istanbul viel zu gefährlich ist. Allein mit der Zeitung im Café sitzen, nicht immer reden zu müssen. Und wenn reden, dann nicht immer gleich über Persönliches wie in der Türkei, über Freund, Ehemann, Mutter, Tochter. Sondern über die Welt und das Wetter zu »philosophieren«, sich zu erzählen, was man gelesen hat und was man darüber denkt. Das liebt sie an Deutschland: »Als freie Seele zu sagen, was ich denke, ohne dass es einer gleich persönlich nimmt oder sieht.« Ayca Abaci sucht in Istanbul oft nach den Orten, die sie an Deutschland erinnern. Das 360GradRestaurant, wo die Pizza so schmeckt wie in München. Das Backhaus, wo es bayerische Brezeln gibt. Die Ikea-Filiale, auch wenn die schwedisch ist. Dort gibt es nämlich deutschen Kaffee, und wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man – den »Praktiker«. Sie freut sich sehr auf ihren nächsten Besuch in München, auf die »Gemütlichkeit«, auf das U-Bahn-Fahren, das entspannte Spazierengehen.

    Die Rückkehrer haben der Bundesrepublik nicht den Rücken gekehrt. Deutschland hat vielen ganz unsichtbar eine »Kultur« mitgegeben. Die ist nicht von judäo-christlich-deutscher Leitkultur geprägt, sondern von der Moderne. Sie wird sichtbar bei Reflexion, kritischem Hinterfragen, bei persönlicher Unaufdringlichkeit und einer selbstverständlichen Säkularität, die nicht wie in der Türkei vom Staat verordnet wird, sondern einfach da ist, ob man gläubig ist oder nicht.

    Manche Deutschtürken besuchen den »Rückkehrerstammtisch«, den Cigdem Akkaya, Leiterin der PR-Organisation LinkTurkey, vor fünf Jahren mitbegründet hat. »Man fühlt sich erst in Istanbul richtig deutsch«, lacht sie. Sie gehe der Bundesrepublik nicht verloren, sondern sei ein Stück Deutschland in der Türkei. Viele würden wegen der Familie und anderer Bindungen ohnehin regelmäßig dorthin fahren.
    Würden sie auch zurückkehren? Das hängt bei Ayca Abaci und Hasan Ali San vom Job ab – und von der Familie. San möchte, dass seine Kinder in Deutschland aufwachsen. Die Ausbildung sei besser, das System freiheitlicher. Abaci denkt an ihre Eltern. »Meine Heimat«, sagt sie, »ist in Deutschland und in der Türkei. Ich gehöre hierhin und dahin.« Aber ihr Vater lebt in Istanbul. Anders als Abaci hat er keinen deutschen Pass. Als einer, der sein Leben lang in Deutschland gearbeitet hat, will er sich nicht um ein Visum beim deutschen Konsulat anstellen und auf Reiseerlaubnis hoffen wie jeder andere Türke. Müsste er aber. Davor haben alle Deutschtürken ohne deutschen Pass Angst: »Dass Deutschland irgendwann dicht macht.« Dass Sicherheits- und Visahürden zu hoch werden. Șükriye Dönmez, die bis 1989 aus Kreuzberg immer aufs abgesperrte Ost-Berlin geschaut hatte, sagt: »Das wäre wie eine neue Mauer.«


    Türkei: Brezeln für den Bosporus ? Seite 2 | Gesellschaft | ZEIT ONLINE

  5. #255

    Registriert seit
    18.01.2010
    Beiträge
    5.118
    Zitat Zitat von skorpion Beitrag anzeigen
    Ist doch eine gute Nachricht. Eigentlich gehören Türken doch auch in die Türkei und wenn sie jetzt in ihrem Land wieder eine Zukunft sehen und auch selbst bereit und in der Lage sind, diese Zukunft mitzugestalten, dann ist das doch durchweg positiv. So war es ja auch eigentlich zu Beginn gedacht. So ist der Türkei geholfen und Deutschland auch.
    So ist es,

    die Deutschen betonen ja oft genug, dass die Türken weg sollen,
    aber wenn die "guten" weg sind, heulen sie rum.
    Auch die "schlechten" gehören zur Gesellschaft.

    Aber es ist erfreulich, dass die Wurzeln nie verloren gehen und die Verbindung immer da bleibt.

    Wir sind immernoch Gastarbeiterkinder und keine Einheimischen!

  6. #256
    Kelebek
    Warum gut gebildete Türken Deutschland verlassen

    Viele Deutschtürken mit Universitätsabschluss machen lieber in der Türkei Karriere. Deutschland entgehen so Millionen Euro.

    Sefa Sendogdu ist gebürtiger Leutkirchner, ein fröhlicher Mann. Er lacht viel und erzählt mit schwäbischem Zungenschlag von seiner Kindheit im schönen Allgäu. „Junge, du sollst mal was Ordentliches werden“, sagte sein Vater, Schlosser von Beruf. Nachdem Sendogdu sein Abitur auf einem Münchener Gymnasium gemacht hatte, studierte er Germanistik. Er blieb nicht im akademischen Bereich, Sendogdu ist wohl eher das, was man neudeutsch einen „Macher“ nennt. Er arbeitete als Veranstaltungskaufmann, wurde Chef eines Callcenters, verkaufte Immobilien. Zuletzt leitete er das Konferenz-Center in einem Berliner Hotel.

    Alles an Sendogdu ist deutsch – nur seine Eltern sind türkisch. Und doch ist der 38-Jährige vor vier Wochen von Berlin nach Istanbul gezogen. „Ich vermisse Deutschland schon jetzt“, sagt Sendogdu. „Vom Gefühl her ist es meine Heimat – wenn ich es zulasse.“ Aber: Er sei doch immer der Türke geblieben, das sei schlichtweg so gewesen. „Wenn ich in eine Kneipe ging, wenn ich falsch parkte, wenn ich bei der netten alten Dame, die mich am Telefon so sympathisch fand, zur Wohnungsbesichtigung kam.“ Mit einem ausländischen Namen sei es vor allem schwieriger, einen Job zu bekommen, findet Sendogdu. Und bei den Frauen werde man gleich als Macho abgestempelt.
    In der Türkei hingegen falle er als Deutscher nicht auf – Sendogdu ist zuversichtlich, dass sein deutscher Akzent im Türkischen bald verschwindet. In Istanbul hat er einen Fliesenhandel übernommen, ist Hauptimporteur in der Türkei. „Hier ist alles eine Stufe gemütlicher“, sagt er. „Wenn eine halbe Stunde nach einem Termin der Geschäftspartner noch nicht da ist, wird niemand nervös. Es ist nicht so distanziert, eher wie in Amerika, auch Geschäftsleute sprechen sich gleich mit Vornamen an.“ Was in der Türkei aber fehle, sei das disziplinierte Arbeiten, daher seien „Deutschländer“ gern gesehen. In der kommenden Woche holt Sendogdu Frau und Kind aus Deutschland nach.


    30.000 Menschen in Deutschland sind im vergangenen Jahr aus der Türkei zugewandert – 40.000 haben Deutschland verlassen und gingen in die Türkei. Viele von ihnen sind hoch qualifiziert. Schlecht oder gar nicht Ausgebildete kommen, gut Ausgebildete gehen. Migrationsforscher nennen so etwas Verschleuderung von Humankapital. Denn dem deutschen Staat entgehen viele Millionen Euro. Er finanziert die Ausbildung, doch seine Steuern zahlt der Akademiker später in der Türkei.

    Nach einer Studie des Instituts Futureorg erwägen 36 Prozent der Studierenden und Akademiker türkischer Herkunft, in die Türkei abzuwandern. Die Studie unterscheidet zwischen türkischen Akademikern und türkischen Studierenden in Deutschland. Der Hauptbeweggrund für Akademiker, in die Türkei zu ziehen, ist fehlendes Heimatgefühl in Deutschland (41,3 Prozent). Studierende hingegen geben mehrheitlich an, aus beruflichen Gründen abwandern zu wollen (38,5 Prozent). Insbesondere Frauen versprechen sich eine bessere Chance auf dem türkischen Arbeitsmarkt (34,6 Prozent).

    Cigdem Akkaya war lange die Vizechefin des Zentrums für Türkeistudien in Essen. Vor sechs Jahren ging sie zurück nach Istanbul. „15 Jahre lang arbeitete ich eigentlich ausschließlich über Themen in einem negativen Kontext. Die Desintegration der Türken, die Renaissance des Kopftuchs, die Muslime in einem christlichen Europa – ich hatte irgendwann genug“, sagt Akkaya. „In Deutschland werden die Türken in öffentlichen Debatten immer infrage gestellt. Ich wollte mich nicht mehr rechtfertigen müssen.“

    Akkaya betreibt ein PR-Unternehmen, arbeitet vor allem für deutsche Firmen, unter anderem auch für das Auswärtige Amt. Die Türkei, sagt sie, werde international sehr hofiert. Unter den weltgrößten Volkswirtschaften hat sich die Türkei mit ihrer pulsierenden Metropole am Bosporus inzwischen auf einen beachtlichen 16. Platz vorgearbeitet (siehe rechts). Bis 2026, so eine Studie des IWF, wird sie sogar Italien und Kanada überflügeln und auf den 13. Rang vorrücken.

    Auf dem Weg zur ökonomischen Großmacht scheint die Türkei niemand aufhalten zu können. Der türkische Import ist in den ersten sechs
    Monaten 2010 um 33,6 Prozent gestiegen. Rund 20.000 internationale und 4000 deutsche Firmen sind in der Türkei ansässig. Was vielen qualifizierten Deutschtürken in Deutschland zum Nachteil wird, ist in der Türkei ihr Kapital. Deutsch wird hier gebraucht, während Türkisch in Deutschland kaum jemanden interessiert. In der Türkei ist man sprunghaft, arbeitet auf den letzten Drücker. Wer in Deutschland gelernt hat, Dinge schnell zu erledigen und vorauszuplanen, hat einen Vorteil.

    Cigdem Akkaya hat vieles aus ihrem deutschen Alltag mit in die Türkei gebracht. „Ich spreche hier viel mehr Deutsch als früher“, sagt Akkaya. Viele ihrer Freunde sind Deutsche. Ihr Sohn besucht die Deutsche Schule und wird nach dem Curriculum von Nordrhein-Westfalen Abitur machen. Vor vier Jahren gründete Akkaya einen deutschen Stammtisch in Istanbul. Beim ersten Treffen waren sie zwölf, inzwischen sind mehr als 1000 Deutschtürken in Istanbul über den Stammtisch vernetzt. Fast alle, die sich einmal im Monat in einem Café in Istanbuls Partyviertel Beyoglu treffen, sind Akademiker. Viele kommen, weil sie gern Deutsch reden wollen. Andere wollen berufliche Kontakte knüpfen.

    „Genauso wie in Deutschland braucht man in der Türkei Netzwerke beim Zugang zum Arbeitsmarkt“, sagt Akkaya. „In Deutschland können die meisten Gastarbeiterkinder auf diese Netzwerke nicht zurückgreifen. In der Türkei haben deutschtürkische Akademiker bessere Aufstiegschancen.“ Beim Stammtisch gibt es keine Missverständnisse. „Wenn jemand A sagt, versteht der andere auch A“, sagt Akkaya. Man ist gemeinsam sozialisiert. Der Treffpunkt bedeutet ein Stück Heimat für viele Rückkehrer, die eigentlich keine sind: In der Türkei fühlen sich viele zunächst völlig fremd.

    Alev Karatas, im baden-württembergischen Kraichtal geboren, ging nach Istanbul, nachdem sie in Berlin arbeitslos wurde, weil ihr Arbeitsgeber pleiteging. „Ich wäre sehr gern in Deutschland geblieben“, sagt Karatas, „aber in der Türkei fand ich einfach schneller einen neuen Job. Ich wollte nicht ewig warten.“ 2003 also zog der heute 40-Jährige in ein fremdes Land. Als Soziologin hatte sie viel Theoretisches über die Türkei als Gesellschaft gelernt, in der die Gemeinschaft zählt. „Doch die Türkei ist ein egoistisches Land“, sagt Karatas. „Nichts von dem, was ich zu wissen glaubte, hat sich bewahrheitet.“ Gearbeitet wird 45 Stunden die Woche, das Klima in den Firmen ist autoritärer – und doch ist alles möglich.

    Türkisch sprach sie damals längst nicht so gut wie Deutsch. Dennoch machte sie in Istanbul Karriere, zunächst als Managerin in einem Textilunternehmen, heute arbeitet sie für die deutsche Firma Telc, ein Tochterunternehmen des Deutschen Volkshochschulverbandes, das europäische Sprachenzertifikate verleiht. Karatas leitet die Abteilung Qualitätssicherung. In der Türkei schätzt man, ähnlich wie in den USA, Patchwork-Lebensläufe. Karatas empfand das als Geschenk – sie mag es, die Richtung zu wechseln. „Nach vier Jahren in der Textilbranche wollte ich eine neue Herausforderung. Der türkische Arbeitsmarkt ist viel offener.“

    Zwar gibt es genug qualifizierte Arbeitskräfte in der Türkei, dennoch stehen hier besonders jungen Akademikern viele Türen offen – Stellenausschreibungen verlangen oft nach Bewerbern unter 30 Jahren. Die Bezahlung liegt bisweilen sogar über der deutschen. Beinahe wäre Karatas im Sommer nach Berlin zurückgekehrt. Für ein Werbeunternehmen sollte sie die Projektkoordination übernehmen.
    Letzten Endes aber sagte sie ab – die Agentur hatte sie für 2500 Euro brutto einstellen wollen. In der Türkei verdient sie wesentlich mehr. „Hier kann ich mir einen höheren Lebensstandard leisten.“ Dennoch vermisst sie Berlin. Die Vielfalt, das Grün mitten in der Stadt im Gegensatz zur lärmenden, chaotischen 13-Millionen-Metropole am Bosporus. Doch wahrscheinlich hätte sie in Deutschland weniger Erfolg gehabt als in der Türkei.

    Regelmäßig fliegt Karatas nach Berlin oder besucht ihre Schwestern und Nichten, die in Deutschland geblieben sind. „Wer mit türkischen Eltern in Deutschland aufwächst, kann niemals nur deutsch oder nur türkisch sein.“ Sie ist froh, dass sie die aktuelle Integrationsdebatte derzeit nur aus der Distanz wahrnehmen muss. „Wenn man immer nur als derjenige angesprochen wird, der Ärger macht, der anderen auf der Tasche liegt, dann geht einem das an die Knochen“, sagt Karatas. „Ich liebe Deutschland. Aber in der Türkei fühle ich mich gleichberechtigter.“


    Abwanderung: Warum gut gebildete Türken Deutschland verlassen - Nachrichten Politik - Deutschland - WELT ONLINE

  7. #257
    Avatar von Pholiko

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    2.551
    Arvanitis laber keine scheisse... als ob es keine 'normalen' türken in d gibt? nicht jeder ist so zurückgeblieben wie du denkst, das beweisen mir türkische freunde in der uni immer wieder

    meine eltern möchten auch wieder nach GR oder zypern auswandern, nur zur zeit sieht es nicht so gut aus wegen dem arbeitsmarkt :/ aber selbst ich, hier geboren, vermisse zypern sehr. verstehe es also gut, dass auch türken und jugos zurück möchten.

  8. #258
    Avatar von Türkiye&Iran

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    1.049
    ach türkiyem kurban olsun sana deutschland

  9. #259
    Kelebek


    Cigdem Akkaya, 47, Diplom-Ökonomin

    "Ich habe beim Zentrum für Türkeistudien lange den Dialog zwischen den Kulturen organisiert und die gesellschaftlichen Debatten um Leitkultur, Kopftücher und die Frage, ob die Türkei zu Europa gehört, begleitet. Obwohl mir die Arbeit Spaß machte, hatte ich am Ende immer das Gefühl, wir Türken sind ein Problem.

    Irgendwo im Inneren wusste ich, da stimmt etwas nicht. Trotzdem blieb ich. Ich hoffte, dass eines Tages die Gewissheit kommen würde, dass ich wirklich willkommen bin. Es kam anders: Nach dem 11. September wurde wieder mehr über Unterschiede als über Gemeinsamkeiten geredet. Das hat mich belastet, ich habe es nicht mehr ertragen. 2004 bin ich dann nach Istanbul gegangen. Und plötzlich war das Leben nicht mehr so schwer.
    Gott sei Dank erlebe ich diese Sarrazin-Debatte aus der Distanz. Der Lebensabschnitt in Deutschland ist für mich abgeschlossen. Ich fühle ich besser damit. Als deutsche Staatsbürgerin ohne türkischen Pass."



    Yahya Üzel, 31, Verkäufer aus Hamburg

    "In Deutschland müsste ich auch in zwanzig Jahren noch teure Taschen in irgendeiner Louis-Vuitton-Boutique über den Tresen schieben, weil hier alles so extrem bürokratisch ist. Nur ein Wisch von irgendeiner Universität lässt dich zum Filialleiter aufsteigen. Es ist egal, ob du drei Sprachen sprichst, seit Jahren ein Topseller bist. In Deutschland entscheiden immer nur die Papiere.

    Dagegen hast du in der Türkei gerade in der Textilbranche phänomenale Chancen. Der Markt boomt. Die Leute haben Geld und geben es gerne aus. Gefühlt macht eine Filiale in Istanbul dreimal so viel Umsatz wie in Deutschland. Dann macht auch der Verkauf mehr Spaß. Du arbeitest härter und verdienst weniger, aber es lohnt sich!

    Entscheidend ist aber für mich vor allem das Lebensgefühl. In Deutschland herrscht eine unbeschreibliche Untergangsstimmung. Seit Jahren wird uns vermittelt: Die Wirtschaft ist in einem katastrophalen Zustand, die Arbeitslosenzahlen steigen, wir werden alle arbeitslos und dann wollen sich auch noch die Migranten nicht integrieren, und die Muslime übervölkern das Land. In anderen Ländern sind Studenten fröhliche, zielstrebige Menschen, aber wenn ich sie in Hamburg in einem Café sitzen sehe, streiten sie über die Aussichtslosigkeit auf dem deutschen Markt. Wenn schon Akademiker keine Hoffnung mehr haben - na, dann herzlichen Glückwunsch, Deutschland. Diese furchtbar miese Stimmung - das kann ich nicht mehr ertragen.



    Kamuran Sezer, 32, Sozialwissenschaftler

    "Ich kam mit drei Jahren nach Deutschland, mein Vater arbeitete hier bereits als Lagerarbeiter. Meine Eltern haben viel Wert auf Bildung gelegt, mein Abitur machte ich mit 1,8. Ich habe mich bereits als Schüler politisch engagiert, war für die SPD im Ausländerbeirat. Bald spürte ich, Ausländerpolitik ist ein unangenehmes Thema.

    Spätestens seit der dritten Auflage des Sarrazin-Buches stelle ich mir die Frage: Ist diese Gesellschaft eigentlich darauf vorbereitet, einen wie mich aufzunehmen?

    Deutschland ist mein Zuhause, meine Heimat. Aber die Stimmung, die jetzt hochkocht, ist erdrückend. Und deshalb behalte ich mir einen Plan B vor. Wenn das Klima weiter kippt, dann werde ich gehen müssen. Ich arbeite an Optionen."



    Dr. Arda Sürel, 40, promovierter Wirtschaftswissenschaftler

    "Ich wollte schon als Kind wieder zurück in die Türkei. Nicht nur, weil meine Familie dort lebt, sondern auch, weil ich mich in Deutschland nie richtig zu Hause gefühlt habe. In den 70er-Jahren war ich jahrelang der einzige ausländische Schüler auf dem Gymnasium. Mein Vater war Arzt. Wir hatten ein anderes Standing als normale Gastarbeiter.

    Doch in den frühen 80ern bekam mein Vater plötzlich Probleme mit der Aufenthaltsgenehmigung. Zu dieser Zeit hatte er als Unfallarzt sehr viele deutsche Menschenleben gerettet. Aber wir standen kurz davor, in die Türkei abgeschoben zu werden. Dieses ständige Gefühl, doch nicht dazuzugehören, prägt. Immer wird man gefragt: Feiert ihr eigentlich Weihnachten? Oder: Trägt Ihre Mutter ein Kopftuch?

    In den 90er-Jahren hörte ich mir den Vortrag eines Unternehmensberaters an. Für Akademiker mit ausländisch klingendem Namen hatte er den Vorschlag, darüber nachzudenken, den Namen für die Karriere zu ändern.
    Mit 31 habe ich geheiratet. Meine Frau kam aus der Türkei, war eine sogenannte "Importbraut". Allerdings hatte sie zwei Universitätsabschlüsse und sprach fünf Sprachen. Aber sie durfte in Deutschland nicht arbeiten. Und sie musste sich beim Bäcker blöde Kommentare anhören, weil sie mit Akzent sprach. Wir sind dann in die Türkei zurückgekehrt."

    Integration gescheitert: Erfolgreiche Migranten sagen: Tschss! - Politik | STERN.DE

  10. #260
    Avatar von ProudEagle

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    4.442
    Wundert mich nicht, solange sich der Bodensatz so daneben benimmt wird die Spitze reissaus nehmen.

    Blöd angemacht und pauschalisiert werden die Türken ja nicht wegen Menschen, wie sie oben zu sehen sind, sondern wegen pöbelnden "Ghetto" Idioten, die Gefühlt ganz stark in der Überzahl sind.




    Das sehen die Menschen auf der Straße. Was sollen sie von solchen ungebildeten Primitivlingen denken?

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