Irans Vize-Außenminister Hossein Amir Abdollahian beschuldigt israelische und US-Geheimdienste, die Terrormiliz Islamischer Staat aufzurüsten.





SPIEGEL ONLINE: Iran hat maßgeblich mitgewirkt, dass der Krieg in Syrien seit drei Jahren andauert und damit zum Aufstieg extremer Gruppen wie dem Islamischen Staat und Dschabat al-Nusra beigetragen. Was ist der iranische Beitrag, damit die Kämpfe aufhören?
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Amir Abdollahian: Es kann wohl kaum behauptet werden, dass das ein Ergebnis unserer Unterstützung ist. Wir beraten den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seine Armee, damit sie sich gegen Terrorangriffe zur Wehr setzen können. Das heißt nicht, dass wir die Forderungen der politischen Opposition ignorieren oder Präsident Assad für den Rest seines Lebens Präsident bleiben muss.SPIEGEL ONLINE: Assad lässt die Opposition, die anfangs friedlich demonstrierten, von der Armee und ihren Helfern ermorden, belagern und ausgehungern.
Amir Abdollahian: Dass so viele Menschen ums Leben kamen, ist den inzwischen multinationalen Terroristen zuzuschreiben.
SPIEGEL ONLINE: Gewalt gibt es inzwischen auf beiden Seiten, aber die Masse der fast über 170.000 Getöteten geht auf das Konto der viel besser ausgerüsteten syrischen Armee und ihrer Unterstützer.
Amir Abdollahian: Nochmal, dafür sind hauptsächlich die Terrorgruppen verantwortlich. Falls jemals ein internationales Gericht über diesen Krieg Recht sprechen wird, müssen ja wohl viele andere auch auf der Anklagebank sitzen. Wir vergessen nicht, dass die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr saudischer Amtskollege Prinz Saud al-Faisal sowie einige Länder in und außerhalb der Region sich für Waffenlieferungen nach Syrien ausgesprochen haben.
SPIEGEL ONLINE: Es bleibt ein ungleicher Kampf, die Rebellen kämpfen mit vergleichsweise kleinen Waffen gegen eine überlegene, gnadenlos bombardierende Luftwaffe.
Amir Abdollahian: Richtig ist, dass ein Teil der Opfer, die bei den Angriffen der Armee starben, Zivilisten sind. Aber man kann nicht ignorieren, dass viele Länder und Geheimdienste es erst ermöglicht haben, dass dort Terroristen aktiv wurden. Sie dachten, sie bringen durch diese Akteure Syrien zu Fall und könnten die Terroristen dann leicht selbst bekämpfen. Da haben sie sich aber verkalkuliert.
SPIEGEL ONLINE: Welche Länder und Geheimdienste sollen das sein? Die Türkei, Katar und Saudi-Arabien?
Amir Abdollahian : Wir glauben, dies ist ein komplexer Plan zur Neuordnung der Region, und dass Katar und Saudi-Arabien am Ende selbst das Ziel dieser Gruppen sein werden. Bisher versuchen diese Terroristen, die heute als Handlanger für diese Länder fungieren, von der Türkei über Syrien in die sunnitischen Gebiete im Irak vorzudringen, bis an die iranische Grenze.
SPIEGEL ONLINE: Wer sollte die Ausbreitung eines Terrornetzwerkes befördern wollen?
Amir Abdollahian: Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit Geheimdiensten wie dem Mossad und diesen Terrorgruppen. Sie wollen den syrischen und den irakischen Präsidenten, Baschar al-Assad und Nuri al-Maliki, zu Fall bringen und gegen einen ihnen angenehmen Staatslenker austauschen. Warum zum Beispiel haben die Amerikaner, die einen Vertrag mit Irak zur strategischen Zusammenarbeit haben, den Irak bei der Bekämpfung vom Islamischen Staaten nicht unterstützt?
SPIEGEL ONLINE: Die Geheimdienste der USA und Israel sollen die Extremisten des Islamischem Staat und Dschabat al-Nusra steuern?
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Amir Abdollahian: Diese Terroristen wie auch die Geheimdienste glauben, sie könnten miteinander spielen, dabei haben sie völlig unterschiedliche Ziele. Die Extremisten wollen die Großmächte schwächen und ein internationales Kalifat errichten.SPIEGEL ONLINE: Mehr als Verschwörungstheorienzu entwickeln würde es helfen, wenn Iran und Saudi-Arabien zusammenarbeiten würden, um zu retten, was von Syrien noch übrig ist.
Amir Abdollahian: Das geschieht bereits. Bei der Amtseinführung des ägyptischen Präsidenten in Kairo habe ich erste Gespräche mit dem saudischen Vize-Außenminister Abd al-Asis Bin Abdullah Bin Abd al-Asis Al Saud geführt, wir wollen das bald auf höherer politischer Ebene fortführen.