Die Menschen in der Tsunami-Region im Indischen Ozean müssen mit neuen schweren Erdbeben rechnen. In der Nähe von Sumatra könnten schon binnen Jahresfrist von zwei Verschiebungen in der Erdoberfläche Beben der Stärke 7,5 und 9,0 auf der Richterskala ausgehen, erläutert der Erdbebenforscher John McCloskey im britischen Fachjournal "Nature". Eines der Beben könne Flutwellen von bis zu zehn Meter Höhe auslösen. Am größten sei das Risiko bei den Mentawai-Inseln vor der Westküste Sumatras.



Forscher sagte März-Beben voraus
Ende 2004 waren durch eine Flutwelle im Indischen Ozean mehr als 200.000 Menschen ums Leben gekommen. Ein Erdbeben mit einer Stärke von 9,3 auf der Richterskala hatte die Katastrophe ausgelöst. Im März wurde Sumatra erneut von einem schweren Beben erschüttert, das McCloskey vorausgesagt hatte.

Nur 20 Minuten Zeit um zu flüchten
Es wäre "unverantwortlich", die Menschen in der Gefahrenzone nicht auf die Risiken hinzuweisen, sagte der Forscher. Es würde ihn "nicht überraschen", wenn zumindest ein schweres Beben noch binnen Jahresfrist eintrete. "Aber selbst wenn in zehn Jahren noch nichts passiert, ist es besser, sich auf solche Dinge vorzubereiten, weil sie geschehen werden." Nach seinen Berechnungen dürften die Flutwellen 200 Kilometer vor der Küste entstehen. Damit hätten die Menschen nur 15 bis 20 Minuten Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.


Erhebliche Druckveränderungen im Erdbebengebiet
Die Wissenschaftler hatten nach dem Erdbeben vom 28. März die Druckveränderungen am Sunda-Graben westlich von Sumatra untersucht. Bei dem Beben, das eine Stärke von 8,7 auf der Richterskala aufwies, waren hauptsächlich auf der Insel Nias 2000 Menschen ums Leben gekommen. Nach den Erkenntnissen der Forscher stieg der Druck südlich jener Erdbebenregion stark um acht Bar an. Das Risikosegment im Sunda-Graben verläuft den Angaben zufolge unter den kleinen Batu- und den nahe gelegenen Mentawai-Inseln.


Potenzial für weitere Flutwellen
Die Batu-Inseln waren laut Studie zuletzt 1935 von einem Erdbeben betroffen, die Mentawai-Nachbarinseln 1833. Bei letzterem sei damals auch ein Tsunami entstanden. Die Wissenschaftler schließen, dass dieser Abschnitt der Verwerfung das Potenzial habe, weitere verheerende Flutwellen auszulösen.